Montag, 27. Dezember 2010

26. und 27. Dezember Esfahan - 148, 149

6 Dey 1389
 
Heute können wir unser Visum abholen. Also laufen wir wieder über die Brücke zum Department for Alliens Affairs. Der Bungalow, wo wir das Visum abholen sollen, ist heute geschlossen. Wir werden in den ersten Stock mit dem Finger geführt. Dort stehen wir eine Weile herum und erfahren an dem Fenster, das als Reception betitelt ist, dass wir zu einem anderen Herrn müssen. Wir werden wieder zu einem anderen Fenster geführt und stehen dort mit anderen eine Weile rum. Der erwartete Herr kommt und sagt uns, dass wir morgen wieder kommen sollen. Da wir aber heute unser Visum holen wollen, ist es eine kurze Diskussion und schließlich nimmt er unsere Abholzettel und verschwindet. Es dauert eine halbe Stunde oder mehr und wir warten mit vier anderen. Schließlich kommt er wieder, mit unseren Pässen und knallt sie uns hin. Das macht uns nichts, wir sind froh, dass wir das Visum für weitere 30 Tage haben.
Anschließend wandern wir zurück ins armenische Viertel und finden die Kathedrale für die Mittagspause geschlossen. 


Also trinken wir zunächst einen Kaffee und essen einen Kuchen (kein warmes Essen, keine Experimente mehr!) und gehen zur nächsten Kirche, die auch geschlossen ist. 


Also kaufen wir Chips (verschweißte Packung!) und setzen uns in die Sonne. Anschließend besuchen wir die Kathedrale, die wie die andere Kirche dann auch, durch ihre verschiedenen Stilrichtungen beeindruckt. Wir stehen eine Weile vor einem Bild vom Letzen Abendmahl, das anstelle von Wein ein Lamm in der Mitte des Tisches zeigt. Bei der Kathedrale, ein großes Gelände gebaut als Kloster, ist ein Museum mit einem Schaukasten zum Genozid an den Armeniern in 1915. Leider ist der Film von Arte ohne Ton. Die nächstgelegene kleinere Kirche beeindruckt durch ihre Mosaiken. Danach laufen wir den uns nun schon gut gekannten Weg zurück und genießen die Sonne am späten Nachmittag, die alles in eine goldenes Licht taucht. 



Am Abend recherchieren wir im Internet dann zum Genozid in Armenien. Während unserer Reise gibt es eine regelmäßige Verzögerung bei solchen Recherchen, denn seit der Türkei sind wir gewohnt, daß wir auf umstrittene Internetinhalte nicht zugreifen können. Zum Beispiel war es in der Türkei nicht möglich, Reisevorbereitungen für unsere Strecke durch den Irak mit dem Internet zu machen, denn da es sich um die "Autonome Region Kurdestan im Irak" handelte, die Türkei aber alles sperrt, wo "Kurdistan" vorkommmt, gab es eben keine Webseiten darüber. Nicht einmal die Website des deutschen Konsulates in Erbil/Kurdistan-Irak war aufzurufen. Nun, wir sind also schon gewohnt, erst nach Verlassen eines Landes bestimmte Dinge im Internet nachzulesen. Die Ausstellung in der armenischen Kathedrale war also ein aktueller Anlaß, unsere Aufmerksamkeit noch einmal der Türkei zu widmen. Das heißt aber nun nicht, daß wir uns durch solche Informationen auf eine Seite schlagen würden. Es ist ja ein Prinzip unserer Reise, als Gast nicht parteiisch zu sein, sondern gerade in der Widersprüchlichkeit der verschiedenen Darstellungen - oder eben der erkennbaren Zensur z. B. im Internet - die Problematik und Konfliktivität zu erkennen. Also: Heute Abend haben wir vieles über die historischen Ereignisse des Jahres 1915 gelernt, und eben auch, daß es ganz unterschiedliche Weisen gibt, darauf Bezug zu nehmen. Was feststeht, ist allemal, daß wir (wieder einmal) mit dem unendlichen Leid von Menschen konfrontiert sind. 

Bisher geheime Notizen:
Unser netter Hotelmensch erzählt von zwei Radlern aus dem Iran: das japanische Visum war am schwierigsten, am leichtesten USA. Er verfolgt den Blog. Sie sind wieder in Teheran und wir werden versuchen sie zu treffen. 

5 Dey 1389 
 
Unsere Weihnachtsferien in اصفهان‎ sind davon geprägt, dass wir jeden Morgen neu versuchen auszuschlafen, aber in der Regel um spätestens acht Uhr wach sind. Dennoch haben wir Zeit für einen ersten Kaffee und einen zweiten Kaffee zum Frühstück, bevor wir ein überschaubares Touristenprogramm starten. Auch heute Morgen begrüßt uns die Sonne und wir starten am späten Vormittag zu einem langen Spaziergang durch die Stadt. Zunächst genießen wir die Parkanlagen am Fluss um über die schönste der alten Brücke auf die andere Seite zu gehen. 


Unser Ziel ist „Golestan-e-Shohada“, der Rosengarten der Martyrer Esfahans. 


Wir erreichen einen Friedhof, der einerseits durch Schlichtheit, andererseits durch große Mausoleen und die Fotos beeindruckt.
Anschließend gehen wir zur Massala-Moschee 


, die wir schon am ersten Abend von der Terrasse aus gesehen haben: es ist eine Baustelle für eines der größten Bauprojekte im Iran. 


Geplant ist eine riesige Moschee inmitten eines weiteren Friedhofs mit großen Nebengebäuden. Während ein Teil dieser schon fertig ist, ist die Moschee selbst eine Baustelle. Auf diese Weise ist die Stahlträgerkonstruktion zu sehen. Zwei Minarette sind bereits mit blauem Glas versehen und ein winziger Teil der großen Kuppel. Insgesamt wirkt die Baustelle nicht sehr geschäftig und wir erfahren später, dass es ein Bauprojekt ist, das nun seit über einem Jahrzehnt währt und wo wohl die Finanzierungsfrage ungeklärt ist, selbst auf dem Stadtplan taucht es nicht auf. Wir sind dennoch fasziniert von der Konstruktion. Auf dem Rückweg finden wir den langersehnten Supermarkt. Nachdem wir so viele schlechte Erfahrungen mit Einkäufen in kleinen Läden und zudem mit überteuertem und meist schlechtem Essen gemacht haben, sind wir froh, in einem Laden einzukaufen, wo die Ablaufdaten lesbar sind (nicht im iranischen Datum) und wir einkaufen können zum Kochen. Im Hotel angekommen unterhalten wir uns noch eine Weile mit unserem Hotelmenschen, der uns eine Homepage von zwei Iranern zeigt, die für 18 Monate um die Welt mit dem Fahrrad gefahren sind und die er regelmäßig liest. Jetzt verstehen wir, warum er uns ins Herz geschlossen hat. 

Bisher unveröffentlichte Notizen:
in esfahan auf dem dach haben wir die vielen satelitenschüsseln entdekct: die stehen am boden und sind nicht angemalt, daher verrostet. Wenn das einmal im suchbild ist, dann findet man die unmengen sofort. Außerdem wird uns erzählt, dass antrülich zu hause die meisten einen anti-filter gegen die zensur haben und so auf seiten zugreifen können. so kann eine iranische homepage auch mit picasa gestsltet sein, was eigentlich gesperrt ist (unser problem).
wir sehen auf aljazeera, dass im iran die subventionen für benzin gestrichen werden und außerdem radikale sozialkürzungen entschieden sind. es ist nicht klar, ob es zu sozialen unruhen kommt. im iranischen staatsfernsehen gibt es auf englisch dazu eine schlagzeile, dass das die wirtschaft stärken soll. viele geschäfte sind zu und wir fragen uns, ob das an der schwierigen finanziellen lage liegt, gleichzeitig werden mercedis und audi verkauft und es laufen genügend menschen herum, denen das geld anzusehen ist, daneben genügend, denen die armut anzusehen ist. der versuch etwas über die drogenroute zu erfahren endet mit den lustigen zahlen, aber es gibt doch zwei artikel, der eine beschreibt, dass der iran das land mit dem höchsten pro-kopf-heroin-missbrauch sei. offiziell gibt es ja keine drogenabhänigen, aber alle öffentliche toiletten haben schwarzlicht und man sieht durchaus dealer wenn man genau hinschaut. die enorme polizeipräsenz in den parks bekommt so noch mal eine andere bedeutung.
in den supermärkten und auch kleinen geschäften gibt es lauter ausländische produkte, sowohl im kosmetikbereich als auch z.b. "hochlandkäse" oder jakobskaffee etc.

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