Freitag, 26. August 2011

26. August, 391

26. August, Suwa (jap. 諏訪市, -shi)
 
Wir bleiben einen Tag länger in unserem Schneckenhaus.   

 
Die Reisegruppe aus Taiwan (chinesisch 臺灣 / 台湾 Táiwān, W.-G. T’ai-wan, früher auch Formosa genannt) ist abgereist und wir sind alleine. Trotz der relativen Größe des Hauses gibt es viel Platz und viele Ecken 

 
und vor allem auch draußen, was aber bei diesem Wetter nicht so attraktiv ist.  


Am Vormittag kommen die Nachbarn   

 
und bringen für uns Gurken und Miso (jap. みそ auch 味噌) und eine Kopie von einem Bild. Sie sind in Deutschland gewesen und zeigen uns ihre Fotos. Wir bekommen noch ein Plüsch-Etwas geschenkt,   

 
über das dann eine ganze Fernsehsendung läuft, es muss also etwas wichtiges sein.  

Überall stehen Aquarien herum, aber die Fische lassen sich nicht fotografieren, die Quiesche-Enten schon.   

Nach dem Mittagessen sehen wir einen Schmetterling, der gerade aus der Raupe geschlüpft ist und schauen ihm beim Trocknen zu.   

 
Ansonsten bereiten wir uns auf den Regen vor, Regenfronten aus dem Westen und dem Norden und zwei Taifune und werden wohl eher so fahren, wie es geht und nicht nach Datum. 

Pro-Kopf-Einkommen in $ (kaufkraftbereinigt) der Länder, die wir bereist haben: 

Österreich 38.839
Deutschland 34.212
Japan 32.608
Griechenland 29.882
Slowenien 27.654
Ungarn 18.567
Kroatien 17.703
Türkei 12.476
Bulgarien 11.900
Iran 11.172
Serbien 10.635
Montenegro 10.393
Mazedonien 9.171
Albanien 7.164
Chinaa 6.567
Irak 3.570
Usbekistan 2.807

Geld (ahd. gelt gehört anfangs in die kultische Sphäre und bezeichnet „das, womit man Buße und Opfer erstatten bzw. entrichten kann“ und nimmt erst ab dem 14. Jahrhundert seine aktuelle Bedeutung als „geprägtes Zahlungsmittel” an[1]), das wir auf unserer Reise in Händen hielten: 















Donnerstag, 25. August 2011

25. August 2011, 390

25. August, Suwa (jap. 諏訪市, -shi)

Was für ein Scheißwetter, Teil 5 (Teil 4 versteckt gestern).

Es regnet. Unser Schneckenhaus ist schön und trocken und hat schöne Sitzmöglichkeiten und wir müssen auch nicht raus. Wolfgang näht mit den mittlerweile verrosteten Nadeln seinen Bauchgurt wieder ganz, Gunda muss ihre Regenhose mit Zeltflicken wieder dicht kleben. Der  Onsen (jap. 温泉, auf Karten und Schildern oft als oder (yu, heißes Wasser) dargestellt) ist um 16:00 wieder auf. Mal schauen, ob es morgen weitergeht. Zeit haben wir noch ohne Ende. Nur ein wenig teuer ist es hier. Von hier ist der  Fuji (jap. 富士山, Fujisan, Zum Anhören bitte klicken! [ɸɯdʑisaɴ]; nach einer veralteten Lesung der Kanji auch Fudschijama, Fujiyama) zu sehen, bei gutem Wetter.   

 
Erahnt haben wir ihn gestern schon in der Ferne in Nebel und in Wolken. Und es gibt unendlich viele Onsen.

24. August 2011, 389

24. August Matsumoto (jap. 松本市, -shi) bis Suwa (jap. 諏訪市, -shi), 88,33km, 14768,7 Gesamtkm

Datum: 24.8.11
Tag: 389
TagesunterstützerIn:
von: Herayu m NN
nach: Suwa m NN 779
km 88,33
Gesamt km 14768,7656
km/h: 11,7
Fahrzeit 07:32
gesamte Fahrzeit: 1176:50:00
Anstieg in m pro h 147,61
Anstieg in m 1112
Abfahrt in m: 1617
höchster Punkt in m NN 1744
Steigung/Gefälle 3,09
Querung des 飛騨山脈 über den Aribo-toge mt Blick auf den Hotaka-dake (3190 m)



Unterbrechung im Scheißwetter für einen halben Tag. Es ist tatsächlich trocken und es gibt eine Ahnung von unterschiedlich aussehendem Himmel und von der Umgebung.   

 
Unser Campingplatz ist sehr gut für uns gewesen.  

 
Wir fahren auf die Passstraße durch einen Ort, der sich durch Ski-Lifte, Hotels und Onsen (jap. 温泉, auf Karten und Schildern oft als oder (yu, heißes Wasser) dargestellt) über Onsen auszeichnet. Es gibt die Autobahn mit einem langen Tunnel parallel und so sind wir beinahe alleine auf der Passtraße, die es durchaus in sich hat. Wir wissen nicht so genau, wie hoch wir müssen, irgendwas um 1700+. Das Fahren ist schön, vor allem weil es so steil ist, dass die durchnässten Sachen, die wir tragen, immer warm, wenn schon nicht trocken werden. Oben angekommen, kommt die Sonne raus und wir setzen uns ausnahmsweise in die Sonne   

 
und wärmen uns.   

 
Bald kommt ein koreanischer Radtourist den Pass von der anderen Seite hochgeschoben. Er ist mit seinem Klapprad, einer kleinen Tasche, in der auch das Zelt ist, Jeans und gebügeltem karierten Hemd aus Tokio (auch: Tokyo, jap. 東京, Tōkyō anhören?/i) kommend unterwegs. Ist ziemlich aus der Puste, denn Berge heißt im Grunde wandern für ihn.
Der Himmel wird immer blauer und wir fahren die Serpentinen bergab, immer wieder durch Bäche, die über die Straße laufen. Diese haben den Vorteil, dass sie unsere Felgen kühlen und wir nicht so häufig Pausen machen brauchen. Am Straßenrand sehen wir etwas recht großes, Schwarzes im Morast wühlen. Wir denken: Hund, Wildschwein. Nein: ein kleiner Kragenbär! Einen Moment überlegen wir, ihn zu fotografieren, lassen es aber, da wir nicht wissen, was die Mutter davon hält.
Auf der Hauptstraße angekommen, hat der Verkehr uns wieder und 20 Tunnel. Die Schlucht wäre wunderschön, mit ganz vielen natürlichen Schwefelquellen, die mit ihren bunten Becken in diesem ganzen Grün toll aussehen, aber wir sind im dichtesten Verkehr auf einer schmalen Straße mit Tunnel an Tunnel, so dass wir nur im Stau aufschauen und um uns schauen können.   

 
Leider. Wir erreichen ein wenig außer Puste die Tourist—Info, verlässlich im Blick auf ihre Toiletten und diesmal wirklich schöne architektonische Gestaltung mit gutem Essen. Die Sonne scheint noch immer, auch wenn die Wolken sich bereits wieder dramatisch zusammenziehen.   

 
Wir nutzen die Gunst der Stunde und trocknen wie die Weltmeister. Alles wird ausgepackt und von den Besuchern interessiert begutachtet: Regenhose, Strümpfe, Handtücher, Unterhosen, Regenschuhe, Regencape. Schuhe, Sandalen…  

Es ist alles trocken und wir fahren weiter, es ist richtig heiß. Wir fahren die „Nippon-Alpen-Salat-Straße“ entlang, sehen aber nur Äpfel, diese werden mit den Melonen zusammen am Straßenrand verkauft. Uns ist aber wieder einmal der Appetit auf Obst vergangen, da wir sehen, wie viel gespritzt wird. Dementsprechend makellos sieht auch alles aus. Inzwischen ist der Himmel im Westen und Norden schon wieder schwarz und im Süden dramatisch und es stürmt. Uns wird ein weiterer Bergkamm vor die Nase geschoben und im dichten Verkehr geht es auf über 1000 m hoch. Das geht hier ohne viel Fackeln. Parallel ist auch wieder die Autobahn, sie ist ebenso voll wie unsere Straße. Noch 190 km bis Tokio (auch: Tokyo, jap. 東京, Tōkyō anhören?/i). Aber in dem Verkehr wollen wir nicht fahren. Wir wollen ja auch zum Berg.
Am Rande bei einer Wasserpause sehen wir zwei Hirsche. Der Himmel im Westen sieht grandios aus, die Sonne kommt zum letzten Mal mit aller Kraft durch die Wolken. Wir erreichen Suwa (jap. 諏訪市, -shi), finden nach einigem Schauen und Nachschauen im Computer die Jugendherberge mit den ersten Regentropfen. Sie ist wohl eine der schönsten, die wir bisher hatten, und hat ihren Preis. Sie ist als Schneckenhaus gebaut, ein Haus ohne Klimaanlage mit Lüftungsmöglichkeiten nach oben, eine Bauweise, die wir von den Wüstenhäusern kennen. Sie hat einen  Onsen (jap. 温泉, auf Karten und Schildern oft als oder (yu, heißes Wasser) dargestellt) und einen alten Teil, der als „Gemeinschaftsraum“ dient. Wir springen in den Onsen, er ist heiß! Welch eine Wohltat nach der Kälte. Dann geht es – mit Schirm – zur Road-Station zum Essen. Das geht auch noch im Trockenen am See, dort gibt es keine Sitzgelegenheiten, nur so Steine. Kaum sind wir fertig, fängt es an zu regnen. Es schüttet. Es gießt. Wir erreichen die Jugendherberge und müssen die Wäsche noch rausnehmen. Es ist alles sehr glatt. Beim Hinaufgehen zur Waschmaschine rutscht Gunda aus und knallt mit ziemlicher Geschwindigkeit auf ihre linke Pobacke, wirft dabei einen Teil der Dekoration um, knallt mit dem Kopf gegen die Tür. Und ist einigermaßen erstaunt, als sie am Boden sitzt. Aufstehen, gucken, ob alles ok ist, Wäsche mitnehmen. Das wird alles eine ziemliche Prellung sein, ein wenig Kopfschmerzen stellen sich auch ein.
Wir gehen in unser Schneckenzimmer (kleinst, aber schön und mit Betten!) und schlafen zum Rauschen des Regens ein.

23. August 2011

23. August Takayama (jap. 高山市, -shi) bis Matsumoto (jap. 松本市, -shi), 34,4km, 14680,43 Gesamtkm

Datum: 23.8.11
Tag: 388
TagesunterstützerIn:
von: Takayama m NN
nach: Herayu m NN 1284
km 34,4
Gesamt km 14680,4356
km/h: 8,3
Fahrzeit 04:06
gesamte Fahrzeit: 1169:18:00
Anstieg in m pro h 219,51
Anstieg in m 900
Abfahrt in m: 230
höchster Punkt in m NN 1418
Steigung/Gefälle 3,28

Aufstieg in das 飛騨山脈.
 
Was für ein Scheißwetter, Teil drei.
Die Nacht zeichnet sich durch Regengüsse aus, die zum Teil so stark sind, dass wir durch die Lautstärke aufwachen. Aber sie sind draußen und wir drinnen, noch.  


Zum Bepacken ist der Glockenturm von den Wolken beinahe verschluckt und der Garten verwandelt sich in einen See.   

 
Dennoch hört es fast auf, als wir losfahren. So sehr fast, dass wir kurz entschlossen unsere Regensachen wieder ausziehen, für ungefähr 300 m. Dann ziehen wir sie wieder an. Es tröpfelt. Sollen wir sie wieder ausziehen? Wir denken ja und wollen es mit einer Kaffee-Pause an einem der Läden verbinden. Es fängt an zu regnen. Also Kaffee draußen im Regencape unter dem schmalen Dach. Wir biegen auf die Passstraße ab. Es herrscht erstaunlich viel Verkehr. Es gießt. Es gießt in einem Maße, dass wir bald wieder anhalten – in einem der Luxus-Bushäuschen, die es hier gibt: mit Dach, drei Wänden, leicht runde gebaut, Bänken an den Wänden mit Kissen (werden sorgsam zur Seite geräumt), einer Uhr und einem Spiegel. Von dort schauen wir uns einen Wolkenbruch nach dem anderen an.   

 
Ein Gewitter nach dem anderen. Es wird nicht besser. Also fahren wir weiter. Die Straße ist gut gebaut, es geht stetig bergauf, aber nicht zu steil. Nervig sind die Spurrillen, jetzt voller Wasser. Der Bach ist längst ein reißender Fluss geworden, dauernd stürzt von irgendwo Wasser hervor, auf der Straße läuft es uns entgegen und Autos tun ihr übriges. Wieder einmal fahren die Leute schneller als es bei dem Wetter sinnvoll ist, auf jeden Fall aus unserer Perspektive, die wir zur Dusche von oben noch die von der Seite bekommen.
Wir brauchen Wasser. Sehen einen Laden mit einer Art Vordach auf unserer Seite. Halten an. Der Wasserhahn: fast unterm Dach. Zugedreht. Der nächste: im See dahinter.
Also geht Gunda in den Laden, um nach Wasser zu fragen. Draußen ist gerade wieder einmal der Wolkenbruch der Stärke zehn auf unserer inneren Skala. In diesem steht Wolfgang. Die Dame des Ladens erhebt sich erst nach mehrmaligem Bitten und sehr missmutig, um den Wasserhahn in der Waschküche freizugeben. Kein Tee. Nichts. Nun gut. Es sind 15 Grad. Wir fahren weiter.
Eine Trinkpause wollen wir einlegen, brauchen dafür aber ein Dach, denn die Stärke Zehn bleibt uns treu. Wir sehen eines an einer riesen Ansammlung von Andenken-Essens-Kaufläden. Wir bleiben ganz am äußersten Ende unter einem Dach stehen, wringen unsere Sachen aus. Sofort kommt der Parkwächter und will uns auf die Fahrradparkplätze verweisen: diese sind schön markiert und ohne Dach. Wir lehnen mit einem Handzeichen zum Himmel dankend ab. Er kommt alle 30 Sekunden wieder und wir müssen deutlicher werden. Wir werden nicht in den Regen schieben. Die zwei Geschäftsleute mit ihren Ständen kommen nun auch und wollen, dass wir zu den Parkplätzen gehen. Es ist kalt, es gießt. Wir wollen doch nur einen Schluck trinken. Den kurzen Gedanken, dort zu Mittag zu essen, lassen wir fallen. Weder wollen wir da Geld lassen, noch die Anwesenden mit unserer Anwesenheit beehren. Gerade verspielen die Japaner sämtliche Sympathien, die wir ihnen entgegengebracht haben. Wir fahren weiter. Finden ein Bushäuschen. Kochen dort Nudeln. Hängen unsere Regensachen auf. Gundas Regenhose hat ein Loch, sie wechselt in Sandalen, um morgen noch die Option auf trockene Schuhe zu haben. Wir sind durchweicht bis auf die Haut.
Zwei japanische Radfahrer kommen vorbei. Sie scheinen nicht zu der Gruppe zu gehören, die wir so oft gesehen haben. Sie sind ebenso pladdernass und überlegen für einen Moment, zu uns zu kommen, fahren dann aber doch weiter. Reiseradfahrer in Japan sind echt hart im Nehmen, zumal es ihnen ja genauso geht wie uns und sie ja auch immer draußen sind.
Wir packen und fahren wieder auf die Straße. Der Bach hat jetzt eine Wasserfallartige Steigung und ist ziemlich beeindruckend (Fotos zu machen ist undenkbar). Es gibt viele Kehren und dann einen Tunnel! Er ist fast 2,5km, leider schmal. Es geht bergab, das verkürzt zwar unser Fahrvergnügen ohne Regen, aber es ist angenehmer zumal selbst hier viele ohne Licht fahren. Hinterm Tunnel ist alles ganz anders! Schön wäre es, für einen Moment haben wir es gehofft, es gibt zwar eine Ahnung der Berge, die haben wir immer wieder mal gehabt, aber es bleibt der Regen. Wir erahnen auch eine Stadt und die Straße. Fahren langsam. Wegen der Straße und der Kälte, wir sind ja völlig durchnässt und solange es bergauf geht, ist es ok. Bergab wird es empfindlich kalt. Wir möchten das nächste Bushäuschen ansteuern als wir sehen, dass es einen Campingplatz gibt, der sogar in Betrieb ist. Die betriebseigenen Zelte stehen auf Holpfählen und Podesten, die privaten sind auf die Wege gebaut. Wir sehen eine Hütte und hoffen, dass die Tische verschiebbar sind. Es ist der Abwasch-und Grillplatz. Für ersteres lassen wir mit den Tischen (sie lassen sich verrücken!) genug Platz, zweites wird es wohl kaum geben. So haben wir ein Dach überm Kopf, ein kleiner Bach ist tief genug und weit genug von uns weg, der Weg zum Klo überschaubar. Wir können unsere Sachen aufhängen, so dass sie wenigstens nicht aufeinander liegen. Nun hoffen wir, dass uns keiner verscheucht, weil die freien Zeltplätze in der Wiese daneben sind (in ihr steht das Wasser knöcheltief, durch sie mussten wir nämlich durch). Fleecejacke ist ein Muss, die lange Unterhose auch. Eine Wärmflasche wird es auch geben. Hallo Welt, es ist August!