Mittwoch, 19. Oktober 2011

Dienstag, 4. Oktober 2011

4. Oktober 2011, 429 + 1 بن


4. Oktober,  بن und Tag 1 nach der Reise

Das ist der letzte Blogeintrag.
Was uns gestern aufgefallen ist: so ein Deutschlandfest ist sehr deutsch, wir haben im Grunde keine Ausländer gesehen. Die Polizei ist hochgerüstet. So haben wir Polizei das letzte Mal in der Türkei und in China gesehen. Es ist alles sehr gut organisiert. Die Stimmung ist schön.
Der Tag 1: Was wir nicht alles besitzen! Schuhe! Verschiedene Formen, Größen, Farben! Klamotten. Eine Jeans, welch ein schönes Gefühl. Eine Hautcreme. Einen Herd. Ein Telefon. Immer Internet. Eine Tür, die sich schließen lässt.
Viele Überraschungen, Friedenstauben in den Regalen (die kleinen aus Papier), gebastelte Bilder an den Türen. Wir haben jetzt sogar Ostereiermalfarben und Wachsmalstifte. Eine Waschmaschine.
Es ist ein eigenartiges Gefühl. Wolfgang geht sofort zum Arbeitsamt.
Nun wird ein wie auch immer gearteter Alltag einkehren.

3. Oktober 2011, 429

3. OktoberKöln-Poll bis  بن, 39,9km, 15719,5 Gesamtkm
 
Der letzte Tag. So was. Es wirkt überhaupt nicht real.
Wir dürfen ein wenig ausschlafen und fahren um 10:00 los, in einen sonnigen und nicht nebeligen Morgen. Diesmal ist der Radweg ok und wir folgen ihm auch ganz wacker. Da wir gut vorankommen und es ja nun wirklich nicht weit bis Bonn ist, machen wir bei einer Bäckerei halt.    

Hier ist es wieder möglich, eine Pause zu machen und keinen Müll zu fabrizieren. Was sind das doch für Zustände in Japan! Auch diesmal gibt es alles in der Tasse und auf dem Teller.
Joachim wird erst in Mondorf (Niederkassel) zu uns stoßen, da seine Tochter krank geworden ist. Wir kommen genau pünktlich an und freuen uns riesig, als wir ihn sehen. Wir arbeiten uns bergauf und bergab nach Bonn (wir fahren ja Radweg) und sind so früh da, dass wir beim Türken für ein gutes Mittagessen einkehren. Als wir um Punkt zwei Uhr auf die Beethovenhalle zusteuern, ist dort vor allem Polizei zu sehen und Beamte, die mit Hunden die Wiese, „unsere Wiese“, absuchen. Aber das Rufen und Pfeifen aus einer anderen Ecke lenkt die Aufmerksamkeit auf das Empfangskomitee. Wir sind wieder da! Es ist wohl dieser Moment, auf Familie und Freunde zuzufahren, der deutlich sein und spüren lässt: wir haben es geschafft!   

Es ist wunderschön! Sigrid hat für Sekt gesorgt und Becher und so gibt es Sekt und wir können mit viel Klönen   






noch ein Foto machen    

bevor der Beethoven wieder restlos von den japanischen Reisegruppen eingenommen wird.
Wir fahren in die Haydnstraße und werden dort von einem unglaublich schönen Ernte-Dank-Tisch begrüßt.   

Einer Collage mit Bildern   

und Bildern der Kinder unserer Mieter.   

Was für eine schönes Ankommen. Wir gehen direkt zurück in die Stadt    

und verbringen den Nachmittag und Abend im Bayernzelt zu rheinischer Musik.    

Wir sind wieder da. Und dankbar all denen, die uns einen so schönen Empfang bereitet haben!

2. Oktober 2011, 428


2. Oktober, Flüren bis Köln-Poll, 124,6km, 15679,6 Gesamtkm

Der Morgen beschert dichten Nebel. Genauergesagt, es besteht keinerlei Durchblick. Keine fünf Meter. Wir bauen unser platschnasses Zelt ab und fahren in die Brühe hinein. Es dauert zwei Stunden, bis die Sonne es geschafft hat und es wird warm. Wir kommen gut voran, der Niederrhein lässt langsam nach und wir nähern uns in großen Schritten dem Ruhrgebiet. Bis Duisburg (mit Dehnungs-i, [ˈdyːsbʊɐ̯k]?/i, regional [ˈdyːsbʊə̯ç] bis [ˈdʏːsbʊʀə̆ɕ]) sind wir richtig flott, da schauen wir zum ersten Mal auf die Karte Auch Düsseldorf finden wir ohne Schwierigkeiten. Dann verlässt es uns. Erst die B8, auf der wir bisher so flott gefahren sind, dann die Radbeschilderung. Leider auch das gute Essen. Wir landen in einem Biergarten im Norden, Wolfgang folgt magisch der bayrischen Fahne. Das Essen ist aber sehr mittelmäßig und die Leute um uns herum eher schlecht gelaunt. Das wird zum Glück besser. Man darf ja nicht meinen, dass es in Düsseldorf eine Radbeschilderung nach Köln gäbe. Weit gefehlt. Wir irren herum, gerne auch im Kreis. Als wir nach zwei Stunden immer noch erst 10km südlich von Düsseldorf sind, bekommen wir langsam die Krise. Wir fahren gen Hilden, schauen wieder auf eine Karte (wir haben keine dabei), stellen fest, dass das auch eine Möglichkeit ist. Die B8 kehrt zurück, aber ist wohl für uns gesperrt. Auf jeden Fall sind die Autos sehr schnell. Es ist eine weitere B8 ausgeschrieben, also nehmen wir diese (wir sind da ja recht flexibel) und dann haben uns die Radschilder wieder – nicht, dass wir sie schmerzhaft vermisst hätten. Nun nähern wir uns wirklich Köln, es ist inzwischen auch fast dunkel. Vom Marathon bekommen wir nichts mehr mit, die Straßensperrungen bestehen zwar noch und vor allem gibt es eine Menge Stau und eine Menge Glasscherben auf den Straßen und den Radwegen. Wir fallen um 20:30 beim Campingplatz ein, sind ziemlich erschlagen nach 125 km!

Nach 427 Tagen auf dem Fahrrad: 10 goldene Regeln fuer den Umgang mit ReiseradlerInnen

1.

Reiseradlerinnen und Reiseradler sind vollwertige VerkehrsteilnehmerInnen. Oft legen sie längere Strecken zurück als du als KraftfahrerIn. Sie gehören zum Fernverkehr – und noch dazu CO2-frei!

2.
Überlasse ReiseradlerInnen und Reiseradlern die Entscheidung, wo sie fahren: auf der Fahrbahn,

vorbildliche Fahrbahn in den Niederlanden (Autos werden mittig gehalten) 


gefährliche Fahrbahnmarkierung in Japan (die Riffelung des Mittelstreifens verhindert, daß Autofahrer sie überfahren, dadurch ist ihr Abstand zum Fahrradfahrer verringert!) 




(vorbildlicher Radfahrstreifen der Seidenstrasse im Iran) 




vorbildliche Fahrradstreifen in Deutschland 



 vorbildliche Fahrradführung bei Straßenbahnhaltestellen in Deutschland 


vorbildlicher Abstand zwischen Fahrradstreifen und parkenden Autos in Deutschland 

auf einer Mehrzweckspur oder einem Standstreifen. Bedenke dabei, daß Reiseradlerinnen und Reiseradler auf eine steigungsarme Streckenführung, guten Fahrbahnbelag und eine nicht durch Steine oder Glassplitter verunreinigte Fahrbahn angewiesen sind. Dies schließt in der Regel die in manchen Ländern vorhandenen Fahrradwege als Möglichkeit aus.

Vorbildlicher Fahrradweg, Japan 


Unbrauchbarer Fahrradweg, Japan (Bei einer Radreise wie der unseren würden die Bordsteine über eine Million zusätzliche und unnötige Schläge in die Wirbelsäule verursachen!) 


Unbrauchbarer Fahrradweg in Deutschland 

Solltest du ReiseradlerInnen und Reiseradler auf Autobahnen oder für Fahrräder gesperrte Strecken antreffen, gehe davon aus, daß dies oft die einzige Möglichkeit ist, um voranzukommen. In manchen Ländern lotst die Polizei übriges Radreisende aus Sicherheitsgründen auf die Autobahn!

(Vorbildliche Fahrradführung an chinesischer Autobahn-Mautstelle) 


Hast du etwas Zeit, kannst du gerne mit eingeschalteter Warnblinkanlage in sicherem Abstand hinterherfahren, um „Rückendeckung“ zu geben. (Dies gilt besonders für - unbeleuchtete - Tunnelstrecken!)

(Vorbildliche Radwegführung in japanischen Tunneln) 


Unterlasse aber in jedem Fall besserwisserisches Zurechtweisen „da ist ein Radlweg!“ nur weil du dich durch die langsameren VerkehrsteilnehmerInnen in deiner Raserei gestört fühlst.

So haben es VerkehrsplanerInnen im Sinn: Viel schieben, wenig Berührung mit dem Kraftverkehr! 


Die Dachauer übrigens sind Weltmeister in dieser arrogant-aggressiven Rechthaberei – das bleibt als Assoziation bei diesem Nummernschild.

3. 

Als eigene „Lebensversicherung“ fahren ReiseradlerInnen und Reiseradler mit Rückspiegel. Schließlich fahren sie ohne passive Sicherheit und müssen auch deine Fehler ausgleichen. Jedes Kraftfahrzeug, das sich von hinten nähert, bedeutet zunächst eine Gefahr. Wenn du dich also von hinten einer Reiseradlerin oder einem Reiseradler näherst, blinke bereits früh nach links. Dadurch zeigst du der Reiseradlerin oder dem Reiseradler, dass du sie oder ihn gesehen hast und sowohl ethisch als auch technisch gewillt oder fähig bist, sie oder ihn bzw. ihr oder sein Leben zu respektieren, d.h. dass du überholen wirst, ohne sie oder ihn zu gefährden. Dein rechtzeitiges Blinken schenkt also der Reiseradlerin oder dem Reiseadler einige entspannte Zehntelsekunden, in denen sie oder er die Straße vorne oder gar die Landschaft betrachten kann. Wenn du dann überholst, halte 1,5 m Sicherheitsabstand und fahre zügig vorbei. Am besten wechselst du vollständig auf die Überhol- oder Gegenspur, dadurch verhinderst du, dass du deinerseits überholt wirst und gezwungen bist, die Reiseradlerin oder den Reiseradler zu schneiden und dadurch zu gefährden. Wenn du überholst, werde auf keinen Fall aus Neugierde langsamer, denn durch dein Gegaffe kommt es zu einer gefährlichen Verlangsamung des Verkehrsflusses.

4. 

Eine Reiseradlerin oder ein Reiseradler wird täglich 3 - 5.000 mal angehupt. Deiner Hupe kann die Reiseradlerin oder der Reiseradler nichts Adäquates entgegensetzen. Hupen bedeutet für die Reiseradlerin oder den Reiseradler immer Stress, zumal sie oder er ja sowieso ständig dem Lärm der Kraftfahrzeuge ausgesetzt ist. Jedes Hupen muß sie oder er immer als Gefahrenwarnung interpretieren, auch wenn es als freundliches Grüßen, besserwisserisches Ermahnen oder einfach spätpubertäres „ich kann lauter“ gemeint ist. Hupen ist also absolut tabu, außer in einem wirklichen Notfall.

5.

Bedenke, daß du als Kraftfahrzeuglenkerin oder –lenker für die Reiseradlerin oder den Reiseradler anonym bleiben wirst. Dein Gesicht bleibt ungesehen, denn die Reiseradlerin oder der Reiseradler kann es sich im Verkehrsfluß selten leisten, vom Rückspiegel oder der Fahrbahn aufzublicken. Du begegnest also durch dein Verhalten. Rechtzeitiges Blinken, sicherer Abstand beim Überholen oder geduldiges Abbremsen, solltest du einmal nicht sofort überholen können; dadurch wird die Reiseradlerin oder der Reiseradler dich und deinen Charakter wahrnehmen, deinen Respekt und deine Erziehung. Erst wenn du an der Reiseradlerin oder dem Reiseradler vorbeigefahren bist, kannst du mit der Warnblinkanlage freundlich grüßen. Wenn du jetzt unbedingt zum Gruß hupen willst, tu dies dezent; die Serben sind übrigens darin Meister. Kannst du nicht dezent hupen, unterlasse es lieber… Hupe aber in keinem Falle schon hinter der Reiseradlerin oder dem Reiseradler oder auf gleicher Höhe. Dies muß sie oder er wieder als Gefahr-Hupen interpretieren.
Darüber hinaus gibt es Grundregeln der Höflichkeit: Vor einer roten Ampel nicht noch schnell überholen, beim Einparken in eine Bucht immer vorwärts, nie rückwärts. Dein Auspuff ist genau in der Höhe des auf dem Boden sitzenden Reiseradlers oder der Reiseradlerin, die gerade vielleicht das Mittagessen einnimmt.

Gebot der Höflichkeit: vorwärts einparken und Motor aus! 


Und: Im Stand immer Motor aus, auch wenn du gerne im klimatisierten Wagen sitzen möchtest.

6. 

Begegnest du einer Reiseradlerin oder einem Reiseradler im Gegenverkehr, verzichte auf Überholen, indem du in seine Gegenspur hineinfährst und grüße auch hier erst, wenn du an ihr oder ihm vorbei bist durch dezentes Hupen und den Warnblinker.

7. 

In Steigungen ab 4 % - besonders über 10 % - müssen Reiseradlerinnen und Reiseradler oft Schlangenlinien fahren, um hochzukommen. Die Innenseite von Haarnadelkurven ist besonders steil. Bedenke dies beim Überholen, insbesondere wenn die Reiseradlerin oder der Reiseradler ganz rechts fahren, denn dann kommt ein Schwenk nach links! Verdopple also den Sicherheitsabstand!

8. 

Eine Reiseradlerin oder ein Reiseradler freut sich über einen Gruß von dir. Auch unterhalten sich die Radler gerne mit dir, wenn sie eine Pause machen. Grüße aber stets so, daß du keine Antwort erwartest. Besonders in Steigungen vollbringt die Reiseradlerin oder der Reiseradler sportliche Höchstleistungen und hat etwas anderes zu tun als smalltalk… Wenn du etwas Nettes tun willst, reiche ihr oder ihm einen Schokoriegel, aber bitte so, dass sie oder er nicht anhalten muß. Wenn Radler eine Pause machen, brauchen sie diese auch. Sie werden dann nicht weitere Meter zu deinem Auto zurücklegen. Komm dann auf sie zu.

9.  

Wenn du eine Reiseradlerin oder einen Reiseradler anhältst, tu dies nicht zur Befriedigung deiner eigenen Neugierde, sondern um wirkliche Hilfe und Gastfreundschaft anzubieten. Bedenke, daß du an dem Tag schon der zweiundfünfzigste bist, der die RadlerIn oder den Radler anhält, um zu fragen: „Wo kommst du her?“ oder um ein Foto zu machen, mache daher deutlich, dass es um etwas anderes geht und zeige dies: Wasserflaschen, Thermoskannen, Früchte etc. symbolisieren dies. Gerne gesehen ist daher, wenn du z. B. bei Kälte eine Thermoskanne zeigst. Dann werden die Radler gerne anhalten, um dein Angebot anzunehmen. Auch am Abend bei schlechtem Wetter oder Kälte ist dein Anhalten sinnvoll wenn du einen Schlafplatz – sei es im Garten, der Garage, im Stall oder im Haus – anzubieten hast, der mit dem Rad schnell und gut zu erreichen ist. Zeige dies pantomimisch an. (Natürlich wissen wir, dass die Aufnahme von Ausländern in manchen Ländern verboten ist und akzeptieren dies natürlich.)
Übrigens empfiehlt in den meisten Ländern die Polizei, keinesfalls anzuhalten, außer bei eindeutig erkennbaren Polizisten oder Militärs. Bedenke dies, wenn du versuchst, ReiseradlerInnen anzuhalten!




10. 
Wenn du einer weiteren Sprache neben dem Deutschen mächtig bist, dann mache von den „10 goldenen Regeln“ eine Übersetzung und füge sie als Kommentar diesem Blogeintrag bei!

Samstag, 1. Oktober 2011

1. Oktober 2011, 427

1. Oktober, Emmerich bis Flüren, 40km, 15555,05
 
Heute dürfen wir ausschlafen. Nachdem wir ja dem Bauern versprochen haben, sein Feld ganz sauber zu verlassen, machen wir das auch.   

Am Ende ist eh nie zu sehen, dass wir da gewesen sind, nur die platten Pflanzen brauchen dann eine Weile, aber hier rangieren sie unter „Unkraut“ und sonst suchen wir uns die Plätze ja so, dass wir möglichst wenig Pflanzen knicken.   

Die Strecke ist trotz des Fahrradweges, auf den wir uns dann doch trauen, nachdem die ersten Kilometer ok sind, gut. Wir machen einen Halt in ریز، آلمان (به آلمانی: Rees, Germany)‏ und genießen dort den Luxus eines leckeren Stückes Kuchen. Während wir da sitzen, werden wir angesprochen. Es ist ein begeisterter Motorradfahrer, der die Strecke gerne mit dem Motorrad fahren möchte und selber viele Radtouren gemacht hat. Überhaupt werden wir hier viel angesprochen, mit unserem Gepäck fallen wir wohl doch auf, obwohl es inzwischen ja echt wenig ist. Als wir bei einem Supermarkt noch Thunfisch für heute Abend kaufen, kommt Wolfgang mit einem Schoko-Nikolaus aus dem Supermarkt!   

Was es alles gibt! Wir werden wieder angesprochen, wo wir denn heute noch so hinwollen. Die Antwort „Wesel“ erstaunt ihn so, dass er meint, wir würden doch wohl eher längere Strecken fahren. Heute ist sie wirklich kurz. Wir entscheiden uns für einen Abstecher nach Xanten [ˈksantən], fahren mit der Fähre über den Rhein   

und essen am Marktplatz. Das Essen ist gut und sauteuer, die günstigen Marktstände entdecken wir zu spät. Dabei hätte es da Leberkäse gegeben, womit Wolfang seit Monaten allen, die ihn hören, in den Ohren liegt. Xanten ist richtig schön,   

so ein Unterschied zu Emmerich. Auch wenn wir Emmerich doch noch lieb gewonnen haben. Hinter Xanten reihen wir uns in den Stau für die Fähre ein.   

Das ist hier alles sehr organisiert, mit Fahrradständern in der Mitte. Als wir den Deich wieder hochfahren, werden wir von einem älteren Ehepaar mit Rädern angesprochen, was wir denn suchen. Als wir sagen: „den Campingplatz auf der Insel“, kommt als Antwort:
„Das haben wir uns gedacht. Ist der größte in Europa. Aber ganz vorne ist für sie Platz“. Wir nehmen den Deich, haben den Vorteil, dass wir durch die empfohlene Abkürzung vor allen anderen sind und so den Hundertschaften entkommen. Auf den ersten Blick sind wir schockiert. Campingwagen an Campingwagen, genau sieben Zelte. Aber die Herren an der Rezeption sind super nett und auch ansonsten herrscht in diesem Gedränge und der Fülle eine entspannte Atmosphäre. Es ist klar, was geht und was nicht und die meisten schlendern hier so rum. Es gibt alles: einen Supermarkt, zwei Restaurants, am Abend die obligatorische Disko, sogar W-Lan auf dem ganzen Platz. Super Sanitäreanlagen. Auch wenn wir den Wald oder kleine Orte bevorzugen, ist das für diese Größe hier wirklich nett.
Wir sind immer noch gespannt, ob Gertrud oder Joachim zu uns stoßen. Ob und wann. Der Generalanzeiger-Artikel ist diesmal erfreulich gut. Nun sind wir also wirklich wieder in Deutschland. Es ist schön, sich wieder verständigen zu können, gerade auch in den kurzen Begegnungen, aber auch so im alltäglichen. Wir sind nun wieder im Besitz von Gepa-Kaffee, haben wir extra noch gekauft. Dabei ist der Campingplatz hier mit Gepa-Kaffee ebenso ausgestattet wie mit der Unterstützung von Don-Bosco-Projekten. Noch eine Überraschung für einen so großen Campingplatz.

30. September 2011, 426

30. September  Wijk bij Duurstede (Dutch pronunciation: [ˈʋɛi̯g bɛi̯ ˈdyːr.ˌsteː.də]) bis Emmerich am Rhein, 85,1km, 15515,0 Gesamtkm

Wir wollen früh losfahren, mit der Sonne wird es aber auch erst um 9:00 so richtig was.   

Ludger ist baden gegangen und kommt in großen Sprüngen über die Wiese gelaufen. Das Wasser war warm im Gegensatz zur Luft. Wir kommen um 10:00 los, der Deich bleibt uns treu. Dort sind wir die Könige:  

Nur die Essenslogistik lässt etwas zu wünschen übrig. Es gibt an dem Rheinweg tatsächlich keine Gastronomie. Wir versuchen es in einem ersten Dorf, vor dem zwei der schicken neuen Gazelle-Elektor-Räder stehen.     

Dort gibt es nichts, die einzige Gaststätte hat für eine Hochzeit eingedeckt. Wir können aber im Computer nachschauen, wann der Zug für Ludger ab Emmerich fährt. Ein Blick auf die Uhr sagt uns: es ist zu schaffen. Wir sausen ins nächste Dorf,   

finden einen Metzgerei und einen Bäcker und picknicken unter einem großen Baum. Wir nähern uns nun wirklich Deutschland und es ist zu allererst daran zu merken, dass die Radwege unsinnig werden. Wir werden unnötige Steigungen hinauf- und hinuntergeführt und einmal haben wir den Weg verloren. Wir sehen oben über uns Fahrradfahrer auf dem Deich und einen Rasen vor uns. Durch diesen gehen viele Radspuren. Wir sind nicht die ersten, werden wohl auch nicht die letzten sein und schieben wacker den Deich hoch. Dass wir kurz darauf in Deutschland sind, kriegt nur Wolfgang mit. Erst das Schild „Naturschutzgebiet“ weist eindeutig darauf hin.    

Nun sind wir also wirklich wieder in Deutschland und sofort sind die Radwege unbenutzbar. Wir müssen durch Schafsperren durch, mit dem Wagen unmöglich, mit Gepäck so gut wie unmöglich. Nicht nur wir mühen uns ab.    

Als die dritte Sperre kommt, weigern wir uns und fahren auf die Straße. Ludger bekommt den Zug, der für ihn am besten war und wir hoffen, dass alle pünktlich sind und er mit dem Rad auch hineinkommt. Schließlich ist es Freitagnachmittag vor einem langen Wochenende. Wir haben die Zeit total genossen.
Nun machen wir uns auf die Suche nach einem Frisör. Der Weg führt uns durch die Fußgängerzone in Emmerich. Die wenigen hundert Meter sind niederschlagend. Viele Läden sind leer, die anderen Billigläden, die Leute wirken wenig glücklich, es ist laut, wir werden direkt von Jugendlichen angepöbelt. Ist das also Heimat und Zukunft? Uns ist eher zum Heulen zu mute. Mit Mühe finden wir einen Frisör. Die Matrone der Zunft ist unfreundlich bis zum Abwinken und macht deutlich, dass sie nun wirklich keine Zeit hat, aber vielleicht die Kolleginnen im Herren-Salon. Diese sind total nett und eine der beiden hat Zeit. Wolfgang bekommt den 6 mm Schnitt, sehr zu ihrem Leidwesen, sie hätte so gerne mit den Haaren etwas gemacht. Gunda bekommt einen total gut geschnittenen (mit dem Messer!) Kurzhaarschnitt. Die Begegnung mit den beiden heitert uns wieder auf. 

Wir finden einen Aldi-Süd und eine Tankstelle mit einem ganz netten Tankwart, auch das tut gut. Das nächste Maisfeld hinter Emmerich ist unseres. Wir wollen gerade aufbauen, als der Bauer kommt. Dass wir da zelten ist ihm ziemlich egal, solange wir den Müll mitnehmen. Machen wir. Die Nacht ist sternenklar, das Schlafen ein wenig mühsam, da wir quer zu den Maisreihen liegen und es daher zugeht wie im Wattenmeer.