Montag, 18. April 2011

15.-17. April, Radreise, Tadschikistan, 258, 259, 260

17. April, Jarteppa bis Kulob (Tajik/Persian:Кӯлоб/کولاب, for swampy place, rushes), also Kulab or Kulyab (Russian: Куляб),, 74,0km, 10455 Gesamt


Datum: 17.4.11
Tag: 260
TagesunterstützerIn:
von: Jarteppa m NN 623
nach: Kulyab m NN 589
km 74
Gesamt km 10488,4007
km/h: 12,7
Fahrzeit 05:49
gesamte Fahrzeit: 798:20:00
Anstieg in m pro h 99,54
Anstieg in m 579
Abfahrt in m: 613
höchster Punkt in m NN 801
Steigung/Gefälle 1,61

Diesmal sind es die Maikäfer, die in Scharen auf unserem Zelt, vor unserem Zelt, vereinzelt im Zelt und immer mit dem Ziel der Töpfe, herumlaufen. Erst konnten wir die Geräusche nicht einordnen, bis wir die Massen sahen. Es ist eine der ersten Nächte, die total ruhig ist. Keine Hunde, kaum Autos und zudem in einem ehemaligen Fluss auf viel Rasen hinter Hügeln.




Am Morgen ist zwar alles feucht vom Tau, aber die Sonne kommt bald übern Berg und taucht die Landschaft in Nebel und Glitzern.




Wir fahren auf der wunderbaren Straße für unsere Verhältnisse früh los und wollen bis Kulob (Tajik/Persian:Кӯлоб/کولاب, for swampy place, rushes), also Kulab or Kulyab (Russian: Куляб) kommen, denn wir müssen mal wieder das Außenzelt zur Reparatur bringen. Der andere Reißverschluss geht auch nicht mehr. Es geht sanft bergauf und bergab, überall wird am Rande verkauft, vor allem geschlachtete Lämmer.




Es ist ziemlich heiß und ziemlich schwül, so dass wir auf einem der vielen Hügel mit einer der vielen Fahnenansammlungen Halt machen




und einen Hauch von Schatten finden. Dort findet uns der Wächter der Fahnen




und lädt uns zum Tee und Brot in seine Baracke ein





. Nach dieser Stärkung fahren wir weiter und sausen bald ins Tal hinab. In diesem Jahr sehen wir die erste Schildkröte die Straße queren; der Winter ist (hier) also vorbei. Auf der einen Seite ist die Landschaft sanft gewellt, auf der anderen Seite sind es tiefe Täler und Schluchten. In der nächsten Stadt finden wir nur am Markt eine Möglichkeit, etwas zu essen und entscheiden uns für das Essen mit großem Empfang. Wir können verständlich machen, dass wir bei unseren Rädern essen




und haben Unmengen von Männern und Jungs um uns.




Wir finden es immer wieder erstaunlich, dass einfach alles, was wir tun, von allen betrachtet




und zum Teil mit offenem Mund bestaunt wird. Wir haben bestaunenswerte Dinge getan wie: Hähnchen aus der Wirtschaft nebenan mit Brot gegessen




und eine Sprite getrunken. Irgendwann haben wir genug von den Massen und fahren weiter. Den ganzen Vormittag haben wir Gegenwind gehabt, inzwischen haben wir uns so gedreht, dass wir Rückenwind haben. Nach einer Mittagspause im Schatten geht es weiter, doch der Wind dreht bald und es entwickelt sich ein Sturm, der von einem Gewitter, das im Norden in den Bergen hängt, her kommt. Wir machen in einer Bushaltestelle Halt und bald kommt der erste Mann, der uns fragt, ob wir ins Haus kommen wollen und wo wir denn schlafen. Es ist mittlerweile pechschwarz und der Sturm fegt über die Straße. Wir lehnen das Angebot ab und bleiben sitzen. Dann kommen die nächsten fünf und schauen fasziniert unseren Tätigkeiten zu: wir trinken Wasser und essen Kekse. Als es besser wird, fahren wir wieder los, immer begleitet vom Sturm, der von schräg vorne kommt. Das Gewitter ist zu hören, der Regen fängt aber erst in Kulyob an. Wir retten uns zunächst in eine Tankstelle, die aber nervig ist und fahren weiter. Es fängt richtig an zu regnen und wir retten uns erneut, diesmal in eine Schreinerei. Dort werden wir sofort zum Tee eingeladen. Wir werden in die gute Stube gesetzt, es wird frisches Brot gekauft und Spiegeleier gemacht. So bekommen wir schon das zweite stärkende Mahl. Als wir fertig sind, scheint die Sonne und wir fahren in die Stadt und finden ein Hotel. Es ist teuer, aber unkompliziert und das Wasser geht erst ab 20:00. Aber es gibt Strom. Die Suche nach Milch und Bier führt uns in den Basar, den wir direkt wieder verlassen, nachdem eine Kloake mitten hindurch führt. Da wir nichts finden, kehren wir wieder zurück und stellen fest, dass wir in dem Hintergang gelandet waren und die eigentliche Halle daneben ist. Milch ist schnell gefunden, mit der Information über Bier rückt der Verkäufer erst nach einer Weile und einer Diskussion mit seinen Kumpanen raus, als wir wieder bei ihm vorbei kommen. Es gibt tatsächlich einen Laden, der nichts anderes verkauft. Wir sind beide ziemlich müde und fertig nach anstrengenden drei Tagen in einem ganz anderen Klima und mit ziemlichen Bergetappen.

Bisher unveröffentlichte Notizen:

In Dushanbe fallen die vielen großen Autos auf, wir fotografieren Autos! Viele Modelle haben wir noch nie gesehen. Alles teuer, vieles Neuwagen, viele überhaupt erst in diesem Jahr zugelassen. Wahnsinn. Daneben Häuser, in denen es kein fließendes Wasser gibt und der Strom wird in der Nacht abgeschaltet. Aber auch riesige Villen. Latrinenbau auch in großen GEbäuden, diese laufen nach dem Regen über. Trinkwasser daher nur gekauft möglich. Auf dem Weg nach Osten lassen die Autos sofort nach, dafür rege Straßenbautätigkeit von Chinesen. Es entstehen Tunnel und es gibt Brücken. Flüsse alle hier leer oder mit ganz wenig Wasser, der Stausee ist auch deutlich wenig gefüllt.

16. April, Kurz vorm Fluss bis Jarteppa, 63,5km, 10381 Gesamtkm
Datum: 16.4.11
Tag: 259
TagesunterstützerIn:
von: Nurek m NN 838
nach: Jarteppa m NN 623
km 63,5
Gesamt km 10414,4007
km/h: 9,9
Fahrzeit 06:24
gesamte Fahrzeit: 792:31:00
Anstieg in m pro h 136,25
Anstieg in m 872
Abfahrt in m: 1087
höchster Punkt in m NN 1360
Steigung/Gefälle 3,09


In der Nacht kommt erst ein Hirtenhund, dann alle, dann wieder der erste zum Zelt und bellen uns an. Irgendwann ziehen sie für einen Moment ab, um dann wiederzukommen, in derselben Reihenfolge und dann abzuziehen. Am Berghang gegenüber ist die Herde über Nacht geblieben.




Am Morgen macht Wolfgang den chirurgischen Schnitt: das Moskitonetz ist durchgeschnitten




und so haben wir einen beinahe unverbrauchten Reißverschluss als neuen Eingang.




Unser Fazit für den meisten Teil des Tages lautet: Liebe Tadjiken, baut weniger Fahnen und bessere Straßen! Die ersten 10 km gehen weiter über die Lehm-Steinpiste




, aber vorbei an unzähligen Fahnen an Brücken




oder einfach auch so.




Aber dann stellen wir fest, dass wir ihnen Unrecht getan haben. Denn nach 150 Höhenmetern fängt die neue Straße an und sie ist wunderbar. Bald kommt eine echte Brücke, also so eine, die tatsächlich hoch über den Fluss Wachsch (tadschikisch Вахш bzw. ‏وخش‎; auch Vachs, Vakhsh und Vachsch, sein Oberlauf wird Kyzyl-Suu genannt) geht und dann ein Luxus-Tunnel mit Beleuchtung.




Dennoch ist die Militia so besorgt um uns im Tunnel, dass einer vor uns her fährt. Mit Warnblinkanlage. Das bringt zwar nichts, aber wir kommen weiter. Hinter dem Tunnel eröffnet sich dann der Blick auf den Nurek-Stausee, es ist die Perspektive, die in Dushanbe einen von jeder Baustellenabsperrung anschaut.




Natürlich machen wir ein Foto




und Wolfgang vergisst darüber seinen Hut. Wir entdecken es noch früh genug. Bald nach dem Tunnel kommt eine Art Samstags-Markt, wo ein Stangengrün verkauft und gleichzeitig als Suppe gekocht verkauft wird.




Wir setzen uns an einen der Tische und bekommen die leckere Suppe. Bald setzt sich ein Herr dazu, er hat seinen Fahrer dabei. Nun gibt es noch Brot und das Gemüse im rohen Zustand, aber geschält und mit Salz gegessen. Am Ende beschenkt er uns noch reich und bezahlt unser Essen.




Wir fahren gestärkt weiter und stellen dennoch fest, dass wir unsere Bergkondition irigendwo gelassen haben. Der Apshalt hört auf und geht bald in Schotter über.




Wir sehen aber, dass wieder Asphalt kommt und bald sausen wir hinab in die nächste Stadt. Den Chinesen, die die Straße bauen, sind wir sehr dankbar und können uns bei solchen Straßenbaukünsten auf China freuen. Nach einem Einkauf in der Stadt – Wolfgang und 30 Männer innerhalb von zwei Minuten - bekommen wir noch Wasser und suchen dann einen Platz. Wir sind hier in der Gegend der gebrauchten Opel aus Deutschland. Hier passen in einen Opel-Astra: drei erwachsenen Männer, zwei Frauen, ungefähr vier Kinder, ein Schaf und ein Lamm.

15. April Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘) bis kurz vorm Fluss, 59,8km, 10317 Gesamtkm

Datum: 15.4.11
Tag: 258
TagesunterstützerIn:
von: Dushanbe m NN 893
nach: Nurek m NN 838
km 59,8
Gesamt km 10350,9007
km/h: 9,7
Fahrzeit 06:07
gesamte Fahrzeit: 786:07:00
Anstieg in m pro h 134,55
Anstieg in m 823
Abfahrt in m: 878
höchster Punkt in m NN 1585
Steigung/Gefälle 2,84


Gestern Abend ist Herr Nekshoh um 20:30 mit unserem Permit gekommen. Er hat so ziemlich den ganzen Tag mit Diskussionen um unser Permit verbracht. Aber er hat es geschafft: wir haben das Permit bis zum 26. Mai und von gestern an. Nun können wir also die restlichen Taschen packen und früh frühstücken. Theoretisch. Denn Gundas Hinterrad hat einen Platten. Also heißt es Reifen flicken, da der Schlauch so große Risse hat, müssen wir den Schlauch wechseln. Anschließend gibt es das gute Frühstück und dann verabschieden wir uns von Rieke und Thorsten, wir werden sie auf dem Weg zur Grenze wiedersehen. Die Fahrt hinaus geschieht im Regen, denn natürlich ist heute der eine Regentag pro Woche. Zunächst regnet es leicht, um sich dann zur Mittagszeit in einen Wolkenbruch zu verwandeln.




#Wir fliehen unter das Dach eines Restaurants




und essen leckere Hähnchen aus dem Topf. Hinter uns wird der Samsa-Ofen angefeuert




und eine Gruppe von Männern diskutiert, wie sie des immer größer werdenden Sees inmitten des Außenbereichs des Restaurants Herr werden können. Als wir fahren, haben sie noch keine wirkliche Lösung gefunden. Das mit dem Besen hat nichts gebracht.




Wir fahren weiter den Berg (Karetegin-Gebirge) hinauf und die Passstraße ist in einem guten Zustand. Irgendwann hört es auf zu regnen und die Sonne kommt raus.




So erahnen wir ein wenig die Schönheit um uns herum mit ihren Dörfern




und Schluchten.


 

Am Pass ist eine Polizeikontrolle, wo wir herzlichst begrüßt werden. Wir bekommen Tee und Wasser und Brot geschenkt. Dermaßen ausgestattet und mit dem Tee gewärmt fahren wir den Pass hinunter und finden sogar eine Quelle. Die Straße verändert sich von jetzt auf gleich in eine gruselige Baustelle und wir schleichen den Berg hinunter. Mit viel Mühe finden wir einen Ort, der nicht völlig unter Wasser steht oder von Steinschlag bedroht ist und sitzen nun neben der Straße, total sichtbar, aber das scheint hier zu gehen. Unser Reißverschluss vom Innenzelt hat den Geist aufgegeben und wir müssen ihn nähen, was wir in Dushanbe locker hätten machen können, hätten wir uns darauf einigen können….. So was blödes.

Donnerstag, 14. April 2011

13. und 14. April, 256, 257

14. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Gestern abend haben wir noch eine Mail von unserem netten Tadjiken bekommen und sind heute um 9:00 beim Segafredo mit ihm verabredet. Wir kopieren unsere Visa und sehen ihn schon dort stehen. Er macht den Permit heute für uns, so dass wir uns heute nachmittag wieder treffen. Anschließend laufen wir zur Post und schicken drei Postkarten ab, die einzigen drei, die wir hier abschicken können, denn danach gibt es keine Post mehr.
Heute ist es also wieder einmal der letzte Tag: wir packen alles, Wolfgang muss noch sein Rad reparieren. Es ist deutlich schwüler als die letzten Tage und morgen soll es gewittern und regnen. Wir bleiben also unserer Regentradition treu und fahren im Regen los.
Rieke und Thorsten bleiben hier und machen ihre Visumsangelegenheiten. Wir sind gespannt, ob wir die beiden in Murgab treffen. Das hängt davon ab, ob sie die reguläre Verlängerung für zwei Wochen machen oder auch wie wir ein neues Visum besorgen. Dushanbe ist in den knapp drei Wochen so grün geworden. Wir werden nun in einem dauernden Hin und Her der Natur sein, mal Frühling, mal Winter, mal Hitze. Je nach Höhe und je nach Sonnenschein.

13. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘) 

Heute ist der große Tag.
Mit Rieke und Thorsten gehen wir in der Hitze, die schon am frühen Morgen herrscht zur Trolley und zu den Chinesen. Vor der Botschaft ist bereits eine große Schlange, der Tisch steht vor der Türe und es ist nach neun Uhr. Also gehen wir frohgemut ins Pförtnerhäuschen, werden wieder rausgeschickt. Wir warten mit allen anderen, die Schlange wird zum Knubbel. Irgendwann geht es los und die ersten dürfen rein. Wir werden dann auch reingerufen. Unser Visum ist da und wir sind schon beinahe ganz froh und wollen gehen, als unser Blick auf das Datum fällt: Einreise vor dem 8. Mai! Das geht nun mal gar nicht und wir reklamieren unser Visum. Es entspannen sich viele Diskussionen, neben uns ist ebenfalls eine Diskussion, auf den Wartestühlen ist ebenfalls eine Diskussion. Verstehen tuen wir nichts, also kommt die englisch sprechende Dame raus. Wir erklären, dass wir mit dem Visum nichts anfangen können. Der eine Bearbeiter sagt, dass wir eh innerhalb von drei Monaten einreisen können, die Chefin sagt, dass wir nur vier Wochen haben und die englisch sprechende Mitarbeiterin schaut ein wenig ratlos. Nachdem wir klargestellt haben, dass auch auf dem Antrag Juni steht und das auch im Computer steht, ist die Beweislage klar. Wir bekommen das neue Datum ins Visum geschrieben. Nun haben wir ein neues Datum, aber keine Unterschrift. Nun hoffen wir, dass das geht.
Wir rufen unsere Verbindungsmenschen zum Außenministerium an und treffen uns mit ihm im Café. Es gibt keine Verlängerung für vier Wochen. Es gibt nur ein neues Visum. Das eigentlich auch nicht, er macht das möglich. Also schieben wir unsere Pässe über den Tisch, zusammen mit 160 Dollar und 200 Somoni. Wir verabreden uns auf ein Telefonat am Nachmittag.
Anschließend suchen wir ein Ersatzteil für Wolfgangs Rad. Wir werden zum Basar im Süden geschickt, den wir gut finden. Es gibt neue Räder


und nach einigem Suchen auch zwei Stände mit ein wenig Ersatzteilen. Anschließend fahren wir zurück und essen beim Grill an der Oper. Es ist wenig und mäßig gut, das kann nicht der Botschaftstip sein. Dennoch ist es ok.
Wir fahren wieder ins Café, beobachten die nachmittäglichen Anbahnungsversuche und warten auf den Anruf. Wir rufen an und es stellt sich heraus, dass das Visum falsch ausgestellt ist. Er muss das noch ändern. Eine Stunde später ist es dann soweit, wir bekommen unsere Pässe wieder mit dem neuen Visum und dem alten Visum. Nun fehlt nur noch das Permit.
Reichlich müde fahren wir zurück und machen heute abend nichts mehr.

Mittwoch, 13. April 2011

11. und 12. April 2011, 254, 255

12. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)
 
Nachdem wir wieder ausschlafen konnten, gibt es ein ausgiebiges Frühstück in der Sonne.


Die Bäume blühen immer noch um die Wette und die Vögel werden immer mehr. Die Rosen haben die ersten Knospen, hier geht der Übergang vom Frühling zum Sommer in riesen Schritten.
Wir quatschen, schauen auf Karten, überlegen Routen. Wolfgang und Thorsten versuchen Wolfgangs Schaltung zu reparieren.



Es wird deutlich, dass es ein ganz bestimmtes Kabel braucht. Das müssen wir nun finden. Ehe wir uns versehen, vergeht der Tag.
Wir marschieren am Abend los, um mit der Seilbahn in den Victory Park zu fahren. Wir finden die Seilbahn und es sieht alles renoviert und intakt aus, leider aber zu. Wir folgen einer alten Trolleyspur in eine Richtung, in der wir den Bahnhof vermuten. Es gibt ganz viele Bäume und es ist ein so lauer Sommerabend, dass wir einen Biergarten suchen. Neben der Oper ist ein W-Lan-Park mit kleinen Restaurants, dort sitzen wir eine Weile.


Auch hier ist es friedlich und heiter In einem der Pavillons ist eine Mädchenparty, am Tisch neben uns ist „Raubtierfütterung“: Ein Vater mit seinem Sohn und zwei Töchter auf Rollerblades, die sich auf die Schüsseln stürzen, bevor sie wieder in den Park absausen. Diese Mit- und Nebeneinander von Frauen und Männern, Mädchen und Jungs, in den unterschiedlichen Kleidern, ist für uns immer noch ein wohltuender Anblick. An der Oper finden wir dann auch eines der fünf Restaurants.


Direkt daneben steht eine alte Linde.


Auch sie blüht schon. Trotz der vielen, vielen Blüten hält sich unser Heuschnupfen noch in Grenzen.
Wieder zurück sitzen Rieke und Thorsten vor dem Fernseher und wir haben viel Spaß, die unsäglichen Vorabendsoaps im ARD-Programm anzuschauen bevor wir uns einen Blog durchlesen von zwei Radlern, die gerade in der Türkei sind. Wir müssen immer wieder so lachen, weil wir alles nachempfinden können, was die beiden erleben. Das Licht geht jeden Abend früher aus. Heute schon um 22:30.

11. April  Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Ein weiterer Sonnentag des Wartens. Heute sind wir auf einen Plausch in der Deutschen Botschaft eingeladen und kehren vorher im Segafredo ein. Dort essen wir einen super leckeren Apfelstrudel. Ein wenig dekadent ist das schon, zumal die Preise für Tadjikistan echt hoch sind. Es sind halt die Preise für die vielen Ausländer hier. Aber einen Kaffee mit Apfelstrudel ist nach acht Monaten einfach klasse. Mittlerweile kennen wir vom Sehen her um die 30-70% der in diesen Lokalen verkehrenden Ausländer. Montags ist es aber noch recht ruhig und leer. Nachdem wir eine Wegbeschreibung bekommen haben, machen wir uns auf den Weg zur Botschaft, diesmal mit dem Trolley.


Dort empfängt uns ein Mitarbeiter aus der Konsularabteilung. Es ist kein Besprechungsraum frei, so sitzen wir im Besucherzimmer. Als wir die Einladung bekommen haben, haben wir uns sehr auf das Wort „Kaffee“ in der Mail gefreut. Den gab es nicht, aber mittlerweile haben wir ja auch guten Kaffee gefunden…..Jenseits des Interesses an unserer Reise war sein Bedürfnis vor allem, uns die Gefährlichkeit des Weges nahezubringen und am liebsten von unserer Idee, durch den Pamir zu fahren, abzubringen. Wir sind davon natürlich nicht abzubringen. Er ist im Urlaub, wenn wir da oben sind, bekommt aber nochmal unseren Reiseplan.
Es ist ein interessantes Gespräch. Denn für uns ist Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎ (wörtlich ‚Montag‘)) nun wirklich eine Luxusstadt mit vielen Essenmöglichkeiten, Kaffee, guten Läden, vielen Bäumen, es gibt Geldautomaten, Bäcker und einen öffentlichen Nahverkehr. Vor allem können wir als Fremde herumlaufen, auch am Abend, ohne angesprochen zu werden oder uns gefährdet zu fühlen. Aus seiner Perspektive gibt es aber nur fünf Restaurants, in denen man essen könne, eines davon sei das Hayatt. Die Perspektive auf ein Land oder eine Stadt ist doch eine deutlich andere. Es zeigt, wie sehr Dushanbe in eine Stadt für die Ausländer, die hier gute Geschäfte und auch gute humanitäre Arbeit machen und eine Stadt für die Menschen, die vom Gehalt her auf der anderen Seite der Skala leben.
Wir gehen in den „Botschaftsupermarkt“ gegenüber einkaufen, dort gibt es auch wieder alles. Anschließend fahren wir zurück und als wir das Tor unserer Bleibe öffnen, sehen wir direkt:





Das ist eine schöne Überraschung und wir quatschen und essen uns von Kaffee zu Nudeln zu Snacks.


Sie haben die ganze Rennerei noch vor sich und sind froh, unsere Tips zu haben. Inzwischen ist das Hostel voll. Es ist ein Koreaner da, Rieke und Thorsten im Zelt, eine Amerikanerin mit ihren zwei Enkelkindern und wir. So langsam werden zwei Bäder knapp und für eine warme Dusche müssen wir gut planen.

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§ 6 Abs. 3 Konsulargesetz fordert die deutschen Auslandsvertretungen auf, im Interesse der Krisenvorsorge Listen der in ihrem Amtsbezirk ansässigen Deutschen und ihrer Familienangehörigen zu führen. Die Botschaft/ das Generalkonsulat wäre Ihnen daher dankbar, wenn Sie die erbetenen Daten möglichst umfassend eingeben und auch laufend aktualisieren könnten. Alle Angaben sind freiwillig und werden vertraulich behandelt. Es gibt keine gesetzliche Meldepflicht für im Ausland lebende Deutsche. Mit dem Abschicken Ihrer Daten erklären Sie sich einverstanden, dem Auswärtigen Amt bzw. den vom Auswärtigen Amt beauftragten Organisationen Ihre Daten zum Zweck der konsularischen Betreuung in Krisenfällen zu überlassen. Im Krisen- und Evakuierungsfall kann es auch erforderlich werden, Ihre Daten dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium des Innern sowie anderen Außenministerien der EU und deren Auslandsvertretungen zu überlassen. © 2010 Auswä

Sonntag, 10. April 2011

9. und 10. April, Dushanbe - 252, 253

10. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)
 
Wieder können wir ausschlafen. Diesmal ist es schönes Wetter und unser zweiter Raum ist wieder nach draußen verlegt worden. Wolfgang setzt Gundas Rad in Stand, während Gunda den Blog weiter sortiert. Nachdem sie damit fertig ist, bearbeitet sie noch den Grundlagentext für den nächsten Forschungskreis Kommunikative Theologie, der sich im Mai trifft.
Heute ist es schwül und windig. Die Bäume schlagen immer mehr aus und blühen um die Wette. In ihnen singen die Vögel um die Wette und die kleinen Tauben, die es hier gibt, sind in ihren Flugkünste recht gewagt und schneiden die Kurven um uns, die wir draußen sitzen, recht gewagt. Das Internet geht immer noch, was sehr schön ist.
Wir beantworten noch die Fragen des Generalanzeigers für einen Artikel und machen schon einmal ganz mutig die neuen Fahnen: China und Kirgistan an die Räder.


Diese Zeiten des Wartens sind auf der einen Seite nervenaufreibend, aber auf der anderen Seite auch ganz schön, weil sie einen Hauch von Alltag vermitteln und zudem die Möglichkeit geben, sich zu erholen. Das ist beim sonstigen Radfahren überhaupt nicht der Fall. Das ist wohl der größte Unterschied zum Radfahren im Urlaub: da ist es halt Urlaub und zur Erholung da. Hier sind die Pausen zwischendurch und selbst wenn es solche Warte-Pausen sind, die Erholung, weil sie bedeuten, die dauernde Aufmerksamkeit reduzieren zu können. Einfach so durch die Stadt zu gehen, irgendwo zu sitzen, auszuschlafen ohne immer das Ohr und die Augen auf den Rädern, der Ausrüstung, der Straße oder auf dem Wetter zu haben.

Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in Strimenico!

Wer mehr Eindruecke aus Dushanbe sehen will, hier von Isabell und Uwe einige Wochen spaeter...

9. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persisch ‏دوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Gestern abend sind wir spontan noch zur beleuchteten und diesmal nicht blinkenden Palme Linkgelaufen. Es regnet immer noch nicht. Dort gibt es Fassbier für 2 Somini das Glas. Selbst die Flasche im Laden kostet fünf. Es ist ungekühlt und schmeckt ganz furchtbar. Aber wir finden es bemerkenswert, dass so ein Bierstand am Busbahnhof am Abend so ruhig und friedlich ist. Immer wieder bleiben Männer auf ein Bier, eine Cola, einen Kaffee und oft auch einen Snack stehen. Inzwischen regnet es und alle stehen an der Theke. Der Chef der Theke ist keine 16 Jahre. Wir als Fremde können da ganz unbehelligt stehen.
Heute dürfen wir ausschlafen. Das Handy klingelt um 7:00. Auf dem Display steht „Rieke“, es regnet und für einen Moment vermuten wir, sie könnten draußen vor der Türe stehen. Aber es antwortet keiner, es steht auch keiner vor der Türe und die Nummer ist die iranische. Wir machen das Handy aus und kochen einen Kaffee. Es regnet und regnet. Es hat den Vorteil, dass der Frühstückstisch nun im Vorraum vor unserem Zimmer steht und wir auf diese Weise so etwas wie ein zweites Zimmer haben, was wir auch den ganzen Tag belegen. Während Wolfgang den Wagen überholt, sortiert Gunda den Blog von hinten nach vorne (als WORD-Dokument, für spätere Verwendungen...). Dadurch, dass das aktuellste Datum immer oben ist, ist der Blog ja im Datum verkehrtherum. Das Sortieren nimmt den ganzen Tag in Anspruch, aber da es regnet, macht es nichts. Als die Sonne ein wenig rauskommt, gehen wir zum Salsa-Restaurant, auch dieses wieder für die vielen Ausländer gemacht. Der Strom fällt aus, es gibt Kerzen für alle und einen Generator, der nach fünf Minuten anspringt. Das Essen ist gut.

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Baqerabad

Samstag, 9. April 2011

Visum Berg-Badachschan


Permit Berg-Badachschan innerhalb eines Tages in Dushanbe für 45 $, gueltig fuer 42 Tage.


Die besuchten Distrikte muessen aufgefuehrt sein.



Kostenfreie Registrierung in Khorog bei OVIR mit Kopie der Pass-Hauptseite, des Visums und des GBAO-Permits.

Freitag, 8. April 2011

7. und 8. April, Dushanbe, 250, 251

8. April
 
Heute Morgen stehen wir kurz vor neun vor der chinesischen Botschaft. Wir sind sogar zu früh.


Kurz nach uns kommt derjenige, der vor einer Woche so einen Aufstand gemacht hat. Wir dürfen um einige Minuten nach neun hinein. Mit der Einladung ist das alles kein Problem, wir können am Mittwoch unser Visum abholen. Leider erst Mittwoch. Wir schreiben Nekschoh, ob das mit dem GBAO-Permit, der Verlängerung und der Registrierung als Antrag jetzt schon geht, so dass wir das auch am Mittwoch fertig hätten. So langsam läuft uns die Zeit davon.
Anschließend gehen wir ins Museum, um uns den 16m langen schlafenden Buddha anzuschauen, der in Tadjikistan gefunden wurde. Er ist wirklich beeindruckend lang und erinnert ein wenig an das Grab vom Propheten Daniel in Samarkand, das ja auch so lang war. Das Museum hat eine Menge Ausgrabungen ausgestellt, die nur zum Teil beschriftet oder auch in englisch sind. Für das Museum müssen die Schuhe ausgezogen werden


was zur Konsequenz hat, dass die Füße schnell kalt werden.


Es wird immer für uns in einem Raum das Licht angeschaltet und dann direkt wieder ausgeschaltet.
Das arabische Restaurant ist direkt daneben, heute parken auch wieder „kleine“ Autos davor


und wir haben uns angewöhnt zu spekulieren, wem sie wohl gehören….



Diesmal sind keine West-Leute im Restaurant, die Geschäfte machen wollen. Es ist Freitag, vermutlich sind nicht so viele übers Wochenende hier.
Nach einem obligatorischen Abstecher beim Café fahren wir zurück, immer dem Gewitter entgegen, das sich langsam zusammenzieht.


Wir sind immer noch die einzigen Gäste, auch wenn es immer wieder mal neue Schuhe gibt, aber die Füße dazu sehen wir nie. Ein Wunder ist geschehen: das Internet geht wieder! Abgesehen davon ist es hier ruhig und still und die Bäume im Garten werden von Tag zu Tag grüner, manche blühen. Wir sind gespannt, wann Rieke und Thorsten in Dushanbe sind, sie sind schon eine Weile für eigentlich nur noch 200 km unterwegs (so um die sechs Tage). Wir haben heute noch einiges über den Pamir kopiert und müssen das nun mit den anderen Informationen, die wir haben, in eine Synopse bringen. Daneben bewirbt sich Gunda auf die eine oder andere Stelle. Es ist eben doch schon Halbzeit. Aber der Gedanken an eine mögliche Arbeit sieht vor allem so aus, dass wir überlegen, wie und wo wir unsere Erfahrungen dieser Reise einbringen könnten.

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Esfahan!


Wir haben einen weiteren Tag des Wartens. Das Internet geht immer noch nicht, so müssen wir unsere chinesische Einladung wieder im Café empfangen. Sie ist tatsächlich da und mit ihr können wir morgen zu den Chinesen!
Anschließend laufen wir los


, unser Ziel ist die Deutsche Botschaft, wo wir auf einen Kaffee eingeladen sind. Wir laufen nach Westen, entlang eleganter Häuser und vieler Rohbauten


entlang zum Fluss.


Zuvor aber fällt uns auf der rechten Seite eine Art griechischer Tempel auf, es ist eine Open-Air-Bühne.


Auf den Terassen drumherum und im Park eröffnet sich der Blick auf die Berge.


Heute ist es noch schön, aber die ersten Wolken sind zu erkennen, am Wochenende soll es (wieder) regnen. Wir kommen am See vorbei,


ein Stausee, mitten in der Stadt ist ein Staudamm. Dort ist ein kleiner Vergnügungspark mit vielen open-air Cafés und eine Menge – wir wissen nicht wie das heißt – halt so Sprungdinger für Kinder und ähnliches.


Wir laufen weiter und machen beim Hyatt einen Stop. Dort erfragen wir, wo denn genau die Botschaft ist. Das Hyatt ist hochgesichert mit Panzersperren in der Einfahrt, Bombensuche bei den Autos und auch beim Eingang. Es scheint eine Sitzung zu sein, denn es stehen jede Menge GIZ-Autos vor der Türe, nur einer kommt mit dem Fahrrad. Nachdem die Botschaft nah sein soll, gehen wir trotz der Hitze weiter. Wir wandern an ganz unterschiedlichen Häuserblocks vorbei, manche sind ganz schick, manche wohltuend „normal“ für Dushanbe. Nur von der Botschaft ist keine Spur. Wir wandern einen Teil wieder zurück, fahren den Rest mit dem Bus. Im Café schreiben wir eine Entschuldigungsmail, dass wir die Botschaft nicht gefunden haben. Dort treffen wir per Zufall Nekschoh wieder, der uns bei der Verlängerung des tadjikischen Visums helfen möchte. Er ist mit einer Kollegin aus der Konsularabteilung dort und meldet sich morgen bei uns, so dass wir nicht so lange warten müssen.
Wir wandern durch den warmen Abend zurück und entdecken, dass es die orangenen Palmen auch beleuchtet gibt.


Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in Stip!