Mittwoch, 9. Februar 2011

5. - 9. 2. 189, 190, 191, 192, 193

20 Bahman 1389 6km hinter Damghan (Persian: دامغان‎, also Romanized as Dāmghān)[1] bis Shahrud[1] (Persian: شاهرود‎, also Romanized as Shāhrūd, Shahrood, Shahroud, and Shārūd; formerly,Shahrood, 60,33km, 8107 Gesamtkm 

Datum: 9.2.11
Tag: 193
TagesunterstützerIn: Sigrid Schraml
von: Damghan m NN 1084
nach: Shahrud m NN 1377
km 60,33
Gesamt km 8132,7671
km/h: 12,44
Fahrzeit 04:50
gesamte Fahrzeit: 621:15:00
Anstieg in m pro h 78,00
Anstieg in m 377
Abfahrt in m: 84
höchster Punkt in m NN 1381
Steigung/Gefälle 0,76 

Nachdem wir so nah an Shahrud sind, können wir heute morgen ausschlafen, was konkret heißt, der Wecker klingelt um 6:00, Wolfgang macht Kaffee um 6:30 und Gunda darf zum heißen Kaffee um 7:15 aufstehen. In der Nacht hat sich mit einem Schlag der Sturm gelegt, es ist kalt. Das Zelt ist gefroren ebenso das Wasser, das wir in der Faltschüssel gelassen haben. Im Zelt ist es etwas über 1 Grad. Durch den Wind wirkte die Nacht kälter. Aber die Sonne wärmt schon am frühen Morgen, 


so dass wir alles trocknen können und um 9:30 unseren Wüstenplatz verlassen. Alle Wolken sind wie weggefegt und der Himmel ist blau, die Luft ganz klar. 


Die schneebedeckten Berge glänzen in der Sonne. 


Wir fahren weiter und schauen nach einem Laden mit heißem Wasser. Wir kommen an wunderschönen Dörfern vorbei, 


die an ihren Rändern viele Plantagen von – wir nehmen es an – Pistazien haben.

 
Die Bauern sind damit beschäftigt, alte Äste wegzuräumen und das Wasser wird in die Gärten und auf die Felder geleitet.

Dank des durchgehenden Seitenstreifens genießen wir die Fahrt und kommen gut voran. Als wir endlich eine Moschee finden, 


die wieder ganz neu mit Läden und Restaurant und sogar Bungalow-Anlagen für die Übernachtung gebaut ist, machen wir dort unser Mittagspicknick. Ehe wir uns versehen sind wir umgeben von Familien, die ihre Picknick-Körbe auspacken. 


Wir wollen gerade wieder einpacken als ein Bus mit Pilgern unterwegs nach Mashhad ankommt. Eine Frauengruppe adoptiert uns direkt 


und wir bekommen das Mittagessen geschenkt, ein Herr schenkt uns am laufenden Band Fanta nach. So nehmen wir ein zweites Mittagessen zu uns und haben gleich noch Reis für den Abend. 


Die Gruppe der Frauen ist unendlich nett und eine spricht gut englisch so dass sie für alle anderen übersetzen kann. Anschließend geht es bergauf nach Shahrud, eine sympathische Stadt. 
 

Auf dem Weg in die Stadt merken wir den Unterschied zu den Großstädten, dort ist eine andere „Coolness“, da wird nicht so ohne jede Scheu das Erstaunen über uns Radfahrende gezeigt. Hier schon. Es ist ein wenig anstrengend, zugleich aber auch freundlich. Eine Familie möchte uns gleich zu sich nach Hause einladen was wir aber ablehnen weil wir so müde sind. Mit der Hilfe von einem Medizinstudenten finden wir das Hotel und sind begeistert weil es inmitten eines Pinienwaldes liegt. Nun gibt es ein Bitburger….Lemon non alcoholic. 

19 Bahman 1389 bis 6km hinter Damghan (Persian: دامغان‎, also Romanized as Dāmghān)[1], 109,03km, 8047 Gesamt km

Datum: 8.2.11
Tag: 192
TagesunterstützerIn:
von: Ahuan m NN 1487
nach: Damghan m NN 1084
km 109,03
Gesamt km 8072,4371
km/h: 14,36
Fahrzeit 07:35
gesamte Fahrzeit: 616:25:00
Anstieg in m pro h 77,41
Anstieg in m 587
Abfahrt in m: 990
höchster Punkt in m NN 1979
Steigung/Gefälle 1,45

Der Deal mit dem Nachwächter besteht darin, dass wir um 6:00 wieder weg sind. Da wir gestern um 8:00 nach einer heißen Dusche (!!!) schon schlafen gegangen sind trotz des Fernsehers neben dem Sichtschutz nebenan, sind wir erholt um 4:00 aufgestanden. Es ist ein Vorgeschmack auf den Sommer: wir haben unser Innenzelt aufgebaut und können in der Wärme des Zimmers mit nur einem Schlafsack schlafen. Der Gaskocher kocht ohne Mucken, auch ihm ist es warm genug. 


Als wir schließlich um 6:15 


das Gelände verlassen, ist bereits die Morgenröte zu sehen. Wir fahren durch eine Traumlanschaft, die Berge sind verschneit, es ist zwar kalt, aber nur wenig unter 0. Die Straße ist so gut geführt, dass wir nach links und rechts schauen können. Den Pass vermuten wir zwar zweimal zu früh 


, als wir ihn dann erreicht haben, sausen wir fast 90 km bergab, zunächst durch die verschneite Wüste, der Schnee lässt immer mehr nach und die Sonne kommt wieder hervor. Der Wind ist kalt, die Sonne wärmt aber schon so, dass wir zum Mittagessen und zum Riegel am Nachmittag in der Sonne sitzen können – wie viele andere. Diese Landschaft hier fasziniert uns mit am meisten von den Landschaften, die wir bisher gesehen haben. Die Berge sind so nah, dass sie in den Feinheiten zu sehen sind, 


die Wüste ist mal bewirtschaftet mal einfach Wüste. Dazu kommen bewohnte Lehmorte und Moscheen. 


Wir suchen uns einen Platz zum Schlafen und haben ein Haus auserkoren, dass wir etwas weiter im Feld sehen. Es sind viele Wolken am Himmel und der Boden erzählt uns, dass es auch geregnet hat. 


Als wir uns dem Haus nähern sehen wir, dass ein Fluss uns trennt. Nun fangen wir an, den Boden nach eventuellen Wasserrichtungen zu untersuchen. Ein wenig sieht das aus wie im Wattenmeer. Schließlich entscheiden wir uns für eine Stelle, die bisher als die höchste aussieht. Aber noch stürmt es nur. 

18 Bahman 1389 vor Lasjerd (Persian: لاسجرد‎, also Romanized as Lāsjerd, Lāsgerd, Lāsgird, and Lāsjird)[1] bis hinter Semnan (persisch ‏سمنان‎), 69,33km, 7938 Gesamt km

Datum: 7.2.11
Tag: 191
TagesunterstützerIn:
von: Lasjerd m NN 1119
nach: Ahuan m NN 1487
km 69,33
Gesamt km 7963,4071
km/h: 11,31
Fahrzeit 06:07
gesamte Fahrzeit: 608:50:00
Anstieg in m pro h 107,57
Anstieg in m 658
Abfahrt in m: 290
höchster Punkt in m NN 1496
Steigung/Gefälle 1,37

Heute morgen wärmt die Sonne bereits ganz früh. Sie ist sogar so stark, dass unser eingefrorenes Zelt noch taut und trocknet. Wir fahren in diesen wunderschönen Morgen und finden nach 5 km einen kleinen Ort mit Läden 


und einem riesigen Waschhaus mit warmen Wasser. Das ist so verlockend, dass unsere Pause deutlich länger wird. Wir packen gut Lebensmittel ein denn auch wenn noch zwei Städte kommen ist das die Gegend, in der es sehr karg wird. 


Immer wieder sind Felder bereits grün. Nachdem wir die letzten zwei Tage einen ganz neuen Eindruck vom ايران aus der Perspektive des Radfahrens hatten, ist es heute wieder das Hupen, Hello-Mister, where are you from und das beinahe vom Rad-Holen, um eine Antwort zu bekommen. Gleichzeitig ist aber zum Glück so wenig Verkehr, dass es nicht ganz so nervt. Es geht viel bergauf und zum Teil sind die Straße schlecht, so dass sich der Tag zieht. Zum Abend geht es hinauf in den Berg, das Barometer ist gefallen und überall sind Schneereste zu sehen. Zudem kommen wir an einem Truppenübungsplatz vorbei, so dass uns klar wird, wir brauchen einen Ort zum Schlafen, der geschützt ist. Es gibt nur ein Bergwerk, also fahren wir die Kiesstraße hinab. Diese wird Gunda zum Verhängnis, da die neuen Reifen überhaupt kein Profil haben und sie sich prompt hinlegt. Zum Glück ist nichts passiert und nur die Knie werden blau sein.
Der Arbeiter zeigt uns nach einem Tee einen Raum, wo wir unser Zelt aufbauen können, muss das aber mit seinem Chef klären. Der ist von der Vorstellung nicht erfreut und möchte es verbieten. Es folgen mehrere Telefonate und schließlich dürfen wir bleiben wenn wir um 6 Uhr wieder weg sind. Das ist zwar früh, aber zu schaffen. So haben wir eine heiße Dusche, einen warmen Raum. 

17 Bahman 1389 5km vor Garmsar (persisch ‏گرمسار‎) bis vor Lasjerd (Persian: لاسجرد‎, also Romanized as Lāsjerd, Lāsgerd, Lāsgird, and Lāsjird)[1], 82,83 km. 7869 Gesamtkm

Datum: 6.2.11
Tag: 190
TagesunterstützerIn:
von: Garmsur m NN 861
nach: Lasjerd m NN 1119
km 82,83
Gesamt km 7894,0771
km/h: 13,34
Fahrzeit 06:12
gesamte Fahrzeit: 602:43:00
Anstieg in m pro h 63,23
Anstieg in m 392
Abfahrt in m: 134
höchster Punkt in m NN 1121
Steigung/Gefälle 0,64

Im Zelt sind es 2,2 Grad und ein wenig scheint bereits die aufgehende Sonne durch den Zeltschlitz. Mit ihr ist es draußen -2 Grad.
Wir fahren los und strampeln so, dass uns warm wird. In der Nacht haben wir wieder nicht gefroren. Als wir die erste Teepause machen, werden wir auf Englisch angesprochen. Wir hatten zuvor bereits für das Mittagessen im Lädchen eingekauft und müssen noch Trinkwasser kaufen. Er kauft uns einen Tee und als er sieht, dass Gunda alles gezahlt hat, zahlt der den ganzen Einkauf für uns und gibt ihr das Geld zurück. Wir bekommen noch zusätzlich Schokolade geschenkt und fahren gestärkt weiter. 


Der Weg ist schön, immer durch die Wüste. 


Erst nach dem Mittagessen, das wir in einer windgeschützen Kuhle einnehmen, wird es anstrengend. Es geht bergauf und der versprochene Westwind bleibt aus. Zudem lässt die Infrastruktur deutlich nach und wir haben die letzte Chance des Tages verpasst, Wasser aufzufüllen. So eine Unachtsamkeit können wir uns nicht leisten. So sitzen wir nun auf fast 1.200 m in der Wüste und haben gerade noch so viel Wasser, dass wir eine chinesische Instantsuppe heute und einen Kaffee morgen machen können. 


Von Hände-Waschen können wir gerade nur träumen.

Übrigens: Isabel und Uwe starten heute in München!

16 Bahman 1389 Teheran (persisch ‏تهران(Tehrān) /teɦˈrɔːn/) bis 5 km vor Garmsar (persisch ‏گرمسار‎), 101,4km, 7786 Gesamtkm

Tag: 189
TagesunterstützerIn:
von: Teheran m NN 1168
nach: Garmsur m NN 861
km 100,14
Gesamt km 7811,2471
km/h: 15,39
Fahrzeit 06:30
gesamte Fahrzeit: 596:31:00
Anstieg in m pro h 29,69
Anstieg in m 193
Abfahrt in m: 500
höchster Punkt in m NN 1194
Steigung/Gefälle 0,69

Heute ist der Tag des Aufbruchs. Als wir mit gepackten Rad vorm Hotel stehen, kommt unser Hotel-Mensch und meint nur: so, ihr fahrt also wirklich. Ja, wir fahren. Und zwar zunächst munter viele Kilometer gegen die Einbahnstraße auf dem theoretischen Busstreifen. Als wir an der ersten Ampel stehen, im Sonnenschein an einem für Teheran klaren Morgen, die Berge im Hintergrund zu sehen sind und an der Ampel ungefähr 50 Mofas nebeneinander auf grün warten ( es sind eigentlich nur drei Spuren), ebensoviele noch versuchen durch die Autos hindurch über die schon rote Ampel zu kommen und drei Verkehrspolizisten es dennoch schaffen mit großer Gelassenheit, den einen Strom zu stoppen und vorm Losrasen des anderen wieder von der Straße zu sein, dazu die vielen Läden, überall Menschen, können wir verstehen, dass Teheraner ihre Stadt mögen und nicht mögen zugleich. Wir werden lächelnd weiter gegen die Einbahnstraße geschickt nachdem klar ist, dass unsere Straße halt von dieser abbiegt. Wir kommen gut aus Teheran hinaus und es dauert mindestens 40 km, bis die Besiedlung weniger wird. Gerade entscheiden wir, dass wir unser Picknick in der Sonne einnehmen, als wir von der benachbarten Emergency-Station ins Haus geholt werden. Dort können wir am Küchentisch essen, bekommen Tee und Obst geschenkt. Wir verabschieden uns und fahren weiter. Die Wüste wird immer wirklicher und am Horizont sind überall Berge zu sehen. Als nach 80 km ein Hotel kommt, fahren wir dennoch weiter. Es lohnt sich, denn die Straße wird durch eine atemberaubende Schlucht geführt mit bizarren Wüstenbergen zu beiden Seiten, die in der letzten Sonne noch leuchten.




So schnell die Schlucht gekommen ist, so schnell ist sie auch wieder zu Ende und plötzlich sind wir wieder in der Wüste.



Weite soweit das Auge reicht.



Wir finden einen Hügel neben der Straße und entscheiden, dass das ein guter Sichtschutz ist.

Freitag, 4. Februar 2011

4. Februar, Teheran, 188

15 Bahman 1389 
 
Gestern Abend hatten wir noch entschieden, erst am Samstag loszufahren, da Gunda noch Fieber hatte. Also ist der Freitag heute ein wirklicher freier Tag mit ausschlafen, spazieren gehen im nahegelegenen Park, 

Nudeln kochen, Mittagsschlaf 


und frisch gepressten Orangen und Zitronen. Das Fieber ist tatsächlich weg und wir stellen den Wecker auf sechs Uhr für den Aufbruch morgen.

Donnerstag, 3. Februar 2011

3. Februar, Teheran, 187

14 Bahman 1389 
 
Im Augenblick überlappen sich die Blogs… nach der Verabschiedung von den beiden 


in der Hoffnung, dass wir sie in Dushanbe wieder treffen und vielleicht sogar einen Teil gemeinsam fahren können, machen wir uns noch auf die Suche nach den Informationen für die Rückfahrt! Das ist zwar total absurd noch nicht einmal vorm Bergfest, aber unsere Vermutung stimmt: die Rückfahrt fordert ne Menge Koordination. Das fängt damit an, dass wir nicht wieder vier Wochen auf russische und weitere Visa warten wollen, dass wir Sigrid je einen Pass mitgeben können. Dann entdecken wir, dass dafür das tadjikische Visum von Gunda von einem Pass in den anderen verschoben werden muss. 


Zwischenzeitlich steigt das Fieber selbst am Morgen und es ist klar, dass Wolfgang alleine losziehen muss. Mit einem für alle Fälle unterschriebenen Visumsantrag macht er sich auf den Weg in den Norden, dort ist Schneegestöber. Es gibt einen neuen Botschafter und daher dauert das ein wenig, aber wenn ein Konsulat die Veränderung macht, dann die Tadjiken!
Wolfgang muß erst einmal erklären, warum wir jeweils zwei Pässe haben. (In Wirklichkeit haben wir ja jeweils drei, aber davon sagt er lieber nichts…) Unser netter Bearbeiter am Schalter will den Konsul fragen und Wolfgang soll warten. Inzwischen wird das Schneegestöber immer heftiger und der Schnee weht fast waagrecht unter das schmale Vordach. (Die grünen Stühle sind inzwischen abmontiert.) Handwerker verlegen inzwischen im Visabüro eine neue Wasserleitung, wie durch die kleine Durchreiche zu sehen ist. Der Bearbeiter meint, es wäre ein ganz schlechter Tag, Wolfgang solle am Sonntag wiederkommen. Wolfgang macht schnell klar, daß am Freitag Abreise mit dem Fahrrad sein soll und so dauert es dann nicht mehr allzu lange, bis die Visa in den jeweils anderen Pass übertragen sind. Der Bearbeiter will keine Gebühr dafür und wünscht „good luck“. Dem Visum für Russland und Weissrussland steht somit nichts mehr im Wege.
Es klappt alles. Zwischenzeitlich hat Reza einen Topf Suppe, Orangen und Zitronen samt Presse ins Hotel geschickt so kann Gunda sich mit Vitaminen dopen.
Anschließend geht es ans Packen und an die Frage, wie das alles 


in zwei Taschen soll? 


Aber es klappt und so werden wir morgen tatsächlich تهران verlassen, ein Ort der uns mit so vielen wunderbaren Menschen verbindet.

Montag, 31. Januar 2011

29. Januar-2. Februar 182, 183, 184, 185, 186


Das Fieber ist besser, aber der Virus immer noch da, so dass wir die Abreise auf Freitag verschieben. Das gibt Gunda zwei Gesundwerd-Tage und außerdem genügend Zeit zum Packen. Nun haben wir so lange auf den Tag X gewartet um loszukönnen und haben vieles immer wieder verschoben. Jetzt heißt es Räder fit kriegen, alle die Plörren wieder einpacken, gucken, was fehlt etc. Um 12:00 kommt ein Anruf, dass Rieke und Thorsten da ist, das ist eine schöne Überraschung. Die beiden starten gerade mit ihrer Visumstour bei der Deutschen Botschaft. Sie müssen noch einmal zurück und danach werden wir die Reisreste mit ein wenig Salat verschönern und gemeinsam speisen.

Uebrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Cankaya!


Gestern Abend gab es noch eine freudige Überraschung: Reza stand vor der Türe und hat uns zum Essen eingeladen. Wir sind wieder in dem Restaurant, in dem wir schon einmal waren, diesmal ist es ruhig da es kein Freitag ist. Wir genießen den Abend mit Reza und freuen uns sehr, dass er trotz enormen Arbeitsstresses sich die Zeit nimmt. Auch von ihm fällt uns der Abschied nicht leicht.
Wir schaffen es, in die U-Bahn mit unserem üblichen Trick zu kommen und sind pünktlich bei den Turkmenen. Dort ist bereits die übliche Ansammlung der Visa-Beschaffungsmenschen. Für uns ist ein Fax da und wir füllen das Formular aus. Anschließend heißt es: „You wait ten minutes!“. Wir tun das gerne und haben tatsächlich zehn Minuten später unser Visum in der LinkHand – sechs Kalendertage. Wir laufen weiter und treffen Rieke und Thorsten zum Mittagessen
im Norden der Stadt, 


inzwischen ein Stadtzentrum für sich mit einem Basar und einem riesigen Busbahnhof. 


Anschließend fahren wir zurück und da Gunda Fieber hat, bleiben wir den restlichen Nachmittag und Abend im Hotel. 

11 Bahman 1389 

Wir rufen mit Hilfe unsere Hotelmenschen um 9:30 bei den Turkmenen an. Es ist nichts da, wir sollen nachmittags wieder anrufen. Gunda liegt mit einer heftigen Erkältung flach und Wolfgang vertreibt sich die Zeit, in dem er zum Frisör geht und Mittagessen besorgt: ein großer Reisball mit Suppe, Gunda verträgt es sehr gut, Wolfgang bekommt Durchfall. Um 15:00 sind die Turkmenen beim Mittagessen. Um 15.30 sind sie wieder da und siehe da: das Visum ist fertig und morgen um 9:00 (sprich 9:30) abholbar.
Gunda liegt immer noch mit erhöhter Temperatur im Bett und leert eine Packung Tissues nach der anderen und Wolfgang sortiert seine Taschen. Draußen werden wie immer Reifen montiert. 


Heute regnet es leicht. Wir rufen bei den Turkmenen an und sind froh, dass unser Hotelmensch für uns übersetzt. Es stellt sich heraus, dass in Turkmenistan Wochenende ist (wir haben das schon ganz vergessen) und frühestens Montag irgendwas geschieht. Wir machen uns auf dem Weg nach Norden, unterbrochen durch das Kaufen von Kaffee, 


um dort in den Gottesdienst zu gehen. Vorher haben wir noch die Qual der Wahl zwischen gleich zwei Kaffees, 


aber ein Blick auf die im Fenster hängenden 


Schilder macht die Auswahl leicht 


– auch ohne Computer.
An eine der U-Bahn-Stationen ist eine Dependance der Nuntiatur. Die Tür ist offen, kein Polizist vor der Türe, so gehen wir auf das Gelände. Es ist groß, beherbergt aber nur wenige Gebäude: die Kirche mit Nebengebäuden, ein großer Stall für zwei Hasen und ein Gebäude, das aussieht wie die Umkleide für das Fußballfeld.
Der Gottesdienst ist in englischer Sprache und soll um 1830 beginnen, kurz vor halb kommt der Priester und zündet die Kerzen an. Bis zum Ende des Gottesdienstes sind es ungefähr 20 Menschen, die in der Kirche sind, eine bunte Mischung aus Nationalitäten.

9 Bahman 1389 

中華人民共和國 / 中华人民共和国 ist einfach zu groß! Wir sitzen über den China-Karten und den Statistiken anderer Reisender und stellen fest: wir schaffen es nicht mit dem Rad bis zur Ostküste zu fahren, wenn wir auch nach ལྷ་ས་ wollen. Da wir das ja gerne mit Alex möchten ist unsere Planung nun bis Lanzhou konkret und dann müssen wir sehen. Überhaupt ist dann alles ein großes Fragezeichen. Aber wir finden: eine Planung bis 兰州市 mit dem Fragezeichen Pamir im April ist eigentlich schon ziemlich gut. Da wir den Turkmenen und ihrer Express-Visums-Bearbeitung vertrauen, kaufen wir noch ein für die Weiterfahrt. 

Samstag, 29. Januar 2011

28. Januar, 181

8 Bahman 1389 
 
Noch am Morgen lachen wir über unseren Abend im Armenian Club. Wir sind gestern wacker wieder ca 45 Minuten hingelaufen, wurden von demselben Herrn vor der Türe freudig begrüßt und sind mit vielen anderen dann in das Restaurant gegangen. Über den Verbleib all der anderen, die mit großen Schachteln voll mit Süßigkeiten mit uns die Treppen hochgegangen sind, können wir leider nichts sagen. Das Restaurant selbst ist wie ein Caféhaus in Wien, etwas schnulzige Live-Musik, die Herren im Schlips, die Damen elegant und ohne Kopftuch, das Durchschnittsalter zwischen 70-90. Wir bekommen das Menu und hatten uns ja sehr auf ein echtes Bier gefreut, nachdem alle Internetressourcen, die wir vorher konsultiert hatten, bestätigt haben: ja, da gibt es Alkohol. Den gibt es zweifelslos, eben nur nicht von der Karte. Nun sitzen wir also da mit unserem 0,0% Bavaria Bier und bleiben dann doch da, obwohl das Essen deutlich über unserem Budget ist. Dafür ist es gut. Es sind nur wenige Tische besetzt. Der Tisch in unserer Nähe, eine Familie mit einer Tochter, fällt uns ins Auge. Auch wir haben Whiskygläser auf dem Tisch, in die wir unser „Bier“ schütten. Alle anderen Tische haben schon Cola-Flaschen. Und Eiskübel. Nun packt der Herr einen kleinen Tetrapack aus und schüttet seinen Inhalt ins Glas, darauf kommt Cola. Wir sind amüsiert. Es kommt eine große Gesellschaft an den Tisch neben uns, aus den Tüten werden eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky geholt und ähnliches wiederholt sich an den sich füllenden Tischen. An einem Tisch mixt ein Herr um 70 genüsslich für sich und seine Frau Cocktails, andere haben ihren Alkohol in Wasserflaschen dabei. Er muss anscheinend irgendwie unkenntlich sein, also werden Servietten drüber gelegt oder er wird in Wasserkaraffen umgeschüttet. Wir befinden uns in einem der zweifelsohne besten Restaurants Teherans und die älteren Herrschaften haben ein Trinkverhalten wie wir es sonst von Jugendlichen kennen! Da geht es nicht um Genuss! Noch hoffen wir eine ganz Weile, dass sich jemand unser und unseres 0,0% Bieres erbarmt aber mit den inzwischen zwei Kindern sind wir wohl die einzigen, die ebenso nüchtern wieder gehen wie sie gekommen sind. Immerhin ist essen ohne Kopftuch und Mantel auch mal wieder schön und wirkt so normal. Draußen auf der Straße begrüßt uns derselbe Herr wieder freudig und fragt, ob es denn gut war. Wir bejahen und laufen wieder zurück.
Heute sind wir bei unserer Radfahrfamilie eingeladen 


und werden um 12.00 Uhr abgeholt Shanaz hat den ganzen Morgen gekocht 


und wir werden mit Köstlichkeiten verwöhnt. Besonders dass es „Fesenjun“ 


gibt, ehrt uns sehr. Ein Teil der Familie ist da und wir schlemmen und quatschen. 


Ein wenig haben wir uns in Farsi hineingehört und viele können Englisch oder eine Cousine Deutsch. Nach dem Essen wird gespielt


es gibt Tee und Süßigkeiten 

.

Wir werden hier so verwöhnt, dass nicht nur unsere Räder rollen werden, wir werden das auch tun! 




Nach einem großen Obstteller verabschieden wir uns schweren Herzens von der Familie 


haben tatsächlich in der Wäsche zwei Socken vergessen, die uns dann nachgebracht werden. Ein Teil von uns möchte wohl da bleiben!
Wir kommen im Hotel an und dort wartet eine Überraschung auf uns: Reza ist da mit einem Karton voller Köstlichkeiten. Wir trinken Tee und Kaffee (um den wir von einer Gruppe norwegischer junger Frauen sehr beneidet werden) und reden. Mit Reza Zeit zu verbringen ist jedesmal inspirierend und schön und wir freuen uns sehr, dass er spontan vorbei gekommen ist. Am Abend fallen wir müde und glücklich in unser verkabeltes Bett – überall hängt Wäsche!

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Sincan.

Donnerstag, 27. Januar 2011

26. und 27. Jan, Teheran, 179, 180

7 Bahman 1389 
 
Heute haben wir zum ersten mal Frühlingsluft; nachdem gestern am späten Nachmittag Wind aufkam und ein paar Regentropfen fielen, ist die milde Luft des Frühlings zu riechen. Die Tageslänge hat auch schon um 18 Minuten zugelegt, schließlich sieht unsere ursprüngliche Reiseplanung vor, unser Winterquartier Teheran am 1. Februar zu verlassen. Wenn alles klappt (Visum Turkmenistan), könnte das auch so hinkommen. Iran ist für uns Alltag geworden und die Gedanken gehen längst in Richtung Zentralasien, wo bis Samarkand Wüsten zu durchqueren sind und dann langsam der Aufstieg auf das Dach der Welt beginnt. Seit Mazedonien spätestens sind wir immer mit kahlen, abgeernteten Landschaften konfrontiert, dass wir uns umso mehr freuen auf das erste Grün und Blühen, aber noch ist es nicht soweit. Vermutlich werden wir auf unserem Weg immer an der Grenze des Frühlingsanfangs bleiben, die mit uns ja hochwandern wird. www.wetter.de sagt für diese Woche Westwind voraus, und wir hoffen natürlich, dass das so bleiben wird. Unser Abstecher nach Süden nach Esfahan und zurück nordwärts nach Teheran ist schließlich zu Ende und es geht weiter strikt nach Osten. In Termez werden wir übrigens am zweiten Bundeswehreinsatzort unserer Reise vorbeikommen – nach Prizren.
Wir machen uns auf den Weg zum Center of Photography, leider ist es geschlossen und wir können keinen Hinweis lesen, wann es geöffnet ist, dabei wäre die gerade laufende Ausstellung besonders interessant: über Ashura in Istanbul. Wir wandern weiter, gehen inzwischen wie selbstverständlich durch den Wahnsinn von Verkehr, wissend, dass Fußgänger in der Regel in das Einfädeln im Stau einfach einbezogen werden und suchen den Armenian Club, ein Café-Restaurant, in dem Frauen ohne Kopftuch sitzen dürfen. Es ist ein edler Ort, aber erst am Abend geöffnet. Wir werden wiederkommen. 


Gunda hat heute morgen ihre Stimme verloren, vermutlich eine Auswirkung des Smogs hier in Teheran. Also fährt Wolfgang alleine los, noch vor dem Hotelfrühstück, das es ab 7 Uhr gäbe. Der Weg ist bekannt: Fußweg durch die noch menschenleeren Gassen (die Händler sind noch nicht da, kommen mit ihren Mopeds wohl alle von außerhalb), U-Bahn Linie 2, dann mit der 1 eine Station in die andere Richtung, dort dann in die richtige Richtung umsteigen und so einen Platz im Zug ergattern, Umsteigen in den Bus, Fußweg zur kirgisischen Botschaft, (Ankunft 8:30), um punkt 9:00 klingeln (please wait, the consul is not there yet), um 9:15 wieder klingeln (you must wait for the consul), Fußweg zur usbekischen Botschaft (Ankunft 9:30), vor der Tür Eintrag in eine Warteliste (ca. Platz 14 oder 15), nachdem sich eine halbe Stunde nichts tut, Fußweg zu den Kirgiesen (come in, sit down and wait), ich bin aber der einzige Besucher und nachdem sich nach 15 Minuten noch nichts tut, frage ich, ob ich in einer Stunde wiederkommen solle. Aber: Please wait!, Geräusche eines Kopierers und eines Tackers und nach 5 Minuten bekomme ich beide Pässe mit den kirgisischen Visa ausgehändigt. Fußweg zu den Usbeken, von der Warteliste sind die ersten 5 gestrichen, also noch ca. 7 vor mir. Über die Türsprechanlage melde ich mich rotzdem. Sorry, I´m still waiting to pick up our Visa. – Antwort: Please come in, Sir! – Die Visa werden vor meinen Augen sorgfältigst erstellt, 


die Exressgebühr kassiert und man wünscht mir eine gurte Reise. 30 min. Fußweg zur Turkmenischen Botschaft (Ankunft 12:04), ein Schild sagt: open from 9 – 11. Es wird trotzdem geöffnet, man will die usbekischen Visa sehen. Ich brauche nur eine Kopie der Pässe und der Visa – also 15 min Fußweg zum Copyshop – zurück 15 min. – es ist gleich 13 Uhr und erstaunlicherweise immer noch jemand da bei den Turkmenen. Ich könne nach vier oder fünf Tagen wiederkommen – gegen Expressgebühr, versteht sich. Übrigens wäre ein Transitvisum immer 5 Tage, egal, welches Fahrzeug. Mir bleibt noch „bicycle“ zu rufen, 30 min. Fußweg zur U-Bahn, 30 min. in der U-Bahn, um 14:02 komme ich fast pünktlich am Treffpunkt Haltestelle „Bazar“ an.
Dort treffen wir unsere Radfahrfamilie, die uns den Basar zeigen. 


Wir sind insgesamt über drei Stunden unterwegs, 


verlieren uns einmal, finden uns mit vielem Fragen wieder im Geschäft des Vaters. Dort gibt es erstmal einen Tee und köstliche Süßigkeiten 


bevor wir mit weiterem Fragen den Nüssebasar finden. 


Noem schämt sich ein wenig, dass wir Nüsse fotografieren 


und bei Rückfrage, ob das jetzt sehr komisch aussehe, dass wir die Nüsse fotografieren, wird er ein wenig rot und sagt ja, seine Mutter aber verneint das deutlich. Wir erfahren, dass nur die ganz alten sich im gesamten Basar auskennen. Er ist riesig, ein Alltagsgeschäft, in dem alles mit Geschwindigkeit geht. Das Laufen, Gucken, Verkaufen, das Schieben der Waren ebenso wie das Moped-Fahren. 


Alles ist schnell. Wir sind mehr als erstaunt, dass Männer Frauenunterwäsche verkaufen! Der Basar ist jeweils in Themen geordnet, so dass alle immer nach einem bestimmten Typ von Basar fragen. Mitten drin ist eine riesige Moschee wo wir kurz halten. 


Nach über drei Stunden sind wir gut erschöpft, unsere Gastgeber auch!

Mittwoch, 26. Januar 2011

Visum Turkmenistan


Normales Transitvisum über zwei Wochen Bearbeitungszeit.

Wir beantragen das Express-Transitvisum in der turkmenischen Botschaft in Teheran. (55 US $, weitere 13 $ dann bei Einreise)
notwendig:
2 x Kopie der Hauptseite des Passes
Kopie des Usbekischen Visums
1 Passfoto

Bearbeitungszeit: 4 - 5 Tage (Pass wird nicht einbehalten!)

Transitdauer: unabhängig vom Verkehrsmittel immer 6 Tage (wird datumsgenau eingetragen!)

Weitere Tips für NachahmerInnen hier.