Donnerstag, 14. April 2011

13. und 14. April, 256, 257

14. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Gestern abend haben wir noch eine Mail von unserem netten Tadjiken bekommen und sind heute um 9:00 beim Segafredo mit ihm verabredet. Wir kopieren unsere Visa und sehen ihn schon dort stehen. Er macht den Permit heute für uns, so dass wir uns heute nachmittag wieder treffen. Anschließend laufen wir zur Post und schicken drei Postkarten ab, die einzigen drei, die wir hier abschicken können, denn danach gibt es keine Post mehr.
Heute ist es also wieder einmal der letzte Tag: wir packen alles, Wolfgang muss noch sein Rad reparieren. Es ist deutlich schwüler als die letzten Tage und morgen soll es gewittern und regnen. Wir bleiben also unserer Regentradition treu und fahren im Regen los.
Rieke und Thorsten bleiben hier und machen ihre Visumsangelegenheiten. Wir sind gespannt, ob wir die beiden in Murgab treffen. Das hängt davon ab, ob sie die reguläre Verlängerung für zwei Wochen machen oder auch wie wir ein neues Visum besorgen. Dushanbe ist in den knapp drei Wochen so grün geworden. Wir werden nun in einem dauernden Hin und Her der Natur sein, mal Frühling, mal Winter, mal Hitze. Je nach Höhe und je nach Sonnenschein.

13. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘) 

Heute ist der große Tag.
Mit Rieke und Thorsten gehen wir in der Hitze, die schon am frühen Morgen herrscht zur Trolley und zu den Chinesen. Vor der Botschaft ist bereits eine große Schlange, der Tisch steht vor der Türe und es ist nach neun Uhr. Also gehen wir frohgemut ins Pförtnerhäuschen, werden wieder rausgeschickt. Wir warten mit allen anderen, die Schlange wird zum Knubbel. Irgendwann geht es los und die ersten dürfen rein. Wir werden dann auch reingerufen. Unser Visum ist da und wir sind schon beinahe ganz froh und wollen gehen, als unser Blick auf das Datum fällt: Einreise vor dem 8. Mai! Das geht nun mal gar nicht und wir reklamieren unser Visum. Es entspannen sich viele Diskussionen, neben uns ist ebenfalls eine Diskussion, auf den Wartestühlen ist ebenfalls eine Diskussion. Verstehen tuen wir nichts, also kommt die englisch sprechende Dame raus. Wir erklären, dass wir mit dem Visum nichts anfangen können. Der eine Bearbeiter sagt, dass wir eh innerhalb von drei Monaten einreisen können, die Chefin sagt, dass wir nur vier Wochen haben und die englisch sprechende Mitarbeiterin schaut ein wenig ratlos. Nachdem wir klargestellt haben, dass auch auf dem Antrag Juni steht und das auch im Computer steht, ist die Beweislage klar. Wir bekommen das neue Datum ins Visum geschrieben. Nun haben wir ein neues Datum, aber keine Unterschrift. Nun hoffen wir, dass das geht.
Wir rufen unsere Verbindungsmenschen zum Außenministerium an und treffen uns mit ihm im Café. Es gibt keine Verlängerung für vier Wochen. Es gibt nur ein neues Visum. Das eigentlich auch nicht, er macht das möglich. Also schieben wir unsere Pässe über den Tisch, zusammen mit 160 Dollar und 200 Somoni. Wir verabreden uns auf ein Telefonat am Nachmittag.
Anschließend suchen wir ein Ersatzteil für Wolfgangs Rad. Wir werden zum Basar im Süden geschickt, den wir gut finden. Es gibt neue Räder


und nach einigem Suchen auch zwei Stände mit ein wenig Ersatzteilen. Anschließend fahren wir zurück und essen beim Grill an der Oper. Es ist wenig und mäßig gut, das kann nicht der Botschaftstip sein. Dennoch ist es ok.
Wir fahren wieder ins Café, beobachten die nachmittäglichen Anbahnungsversuche und warten auf den Anruf. Wir rufen an und es stellt sich heraus, dass das Visum falsch ausgestellt ist. Er muss das noch ändern. Eine Stunde später ist es dann soweit, wir bekommen unsere Pässe wieder mit dem neuen Visum und dem alten Visum. Nun fehlt nur noch das Permit.
Reichlich müde fahren wir zurück und machen heute abend nichts mehr.

Mittwoch, 13. April 2011

11. und 12. April 2011, 254, 255

12. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)
 
Nachdem wir wieder ausschlafen konnten, gibt es ein ausgiebiges Frühstück in der Sonne.


Die Bäume blühen immer noch um die Wette und die Vögel werden immer mehr. Die Rosen haben die ersten Knospen, hier geht der Übergang vom Frühling zum Sommer in riesen Schritten.
Wir quatschen, schauen auf Karten, überlegen Routen. Wolfgang und Thorsten versuchen Wolfgangs Schaltung zu reparieren.



Es wird deutlich, dass es ein ganz bestimmtes Kabel braucht. Das müssen wir nun finden. Ehe wir uns versehen, vergeht der Tag.
Wir marschieren am Abend los, um mit der Seilbahn in den Victory Park zu fahren. Wir finden die Seilbahn und es sieht alles renoviert und intakt aus, leider aber zu. Wir folgen einer alten Trolleyspur in eine Richtung, in der wir den Bahnhof vermuten. Es gibt ganz viele Bäume und es ist ein so lauer Sommerabend, dass wir einen Biergarten suchen. Neben der Oper ist ein W-Lan-Park mit kleinen Restaurants, dort sitzen wir eine Weile.


Auch hier ist es friedlich und heiter In einem der Pavillons ist eine Mädchenparty, am Tisch neben uns ist „Raubtierfütterung“: Ein Vater mit seinem Sohn und zwei Töchter auf Rollerblades, die sich auf die Schüsseln stürzen, bevor sie wieder in den Park absausen. Diese Mit- und Nebeneinander von Frauen und Männern, Mädchen und Jungs, in den unterschiedlichen Kleidern, ist für uns immer noch ein wohltuender Anblick. An der Oper finden wir dann auch eines der fünf Restaurants.


Direkt daneben steht eine alte Linde.


Auch sie blüht schon. Trotz der vielen, vielen Blüten hält sich unser Heuschnupfen noch in Grenzen.
Wieder zurück sitzen Rieke und Thorsten vor dem Fernseher und wir haben viel Spaß, die unsäglichen Vorabendsoaps im ARD-Programm anzuschauen bevor wir uns einen Blog durchlesen von zwei Radlern, die gerade in der Türkei sind. Wir müssen immer wieder so lachen, weil wir alles nachempfinden können, was die beiden erleben. Das Licht geht jeden Abend früher aus. Heute schon um 22:30.

11. April  Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Ein weiterer Sonnentag des Wartens. Heute sind wir auf einen Plausch in der Deutschen Botschaft eingeladen und kehren vorher im Segafredo ein. Dort essen wir einen super leckeren Apfelstrudel. Ein wenig dekadent ist das schon, zumal die Preise für Tadjikistan echt hoch sind. Es sind halt die Preise für die vielen Ausländer hier. Aber einen Kaffee mit Apfelstrudel ist nach acht Monaten einfach klasse. Mittlerweile kennen wir vom Sehen her um die 30-70% der in diesen Lokalen verkehrenden Ausländer. Montags ist es aber noch recht ruhig und leer. Nachdem wir eine Wegbeschreibung bekommen haben, machen wir uns auf den Weg zur Botschaft, diesmal mit dem Trolley.


Dort empfängt uns ein Mitarbeiter aus der Konsularabteilung. Es ist kein Besprechungsraum frei, so sitzen wir im Besucherzimmer. Als wir die Einladung bekommen haben, haben wir uns sehr auf das Wort „Kaffee“ in der Mail gefreut. Den gab es nicht, aber mittlerweile haben wir ja auch guten Kaffee gefunden…..Jenseits des Interesses an unserer Reise war sein Bedürfnis vor allem, uns die Gefährlichkeit des Weges nahezubringen und am liebsten von unserer Idee, durch den Pamir zu fahren, abzubringen. Wir sind davon natürlich nicht abzubringen. Er ist im Urlaub, wenn wir da oben sind, bekommt aber nochmal unseren Reiseplan.
Es ist ein interessantes Gespräch. Denn für uns ist Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎ (wörtlich ‚Montag‘)) nun wirklich eine Luxusstadt mit vielen Essenmöglichkeiten, Kaffee, guten Läden, vielen Bäumen, es gibt Geldautomaten, Bäcker und einen öffentlichen Nahverkehr. Vor allem können wir als Fremde herumlaufen, auch am Abend, ohne angesprochen zu werden oder uns gefährdet zu fühlen. Aus seiner Perspektive gibt es aber nur fünf Restaurants, in denen man essen könne, eines davon sei das Hayatt. Die Perspektive auf ein Land oder eine Stadt ist doch eine deutlich andere. Es zeigt, wie sehr Dushanbe in eine Stadt für die Ausländer, die hier gute Geschäfte und auch gute humanitäre Arbeit machen und eine Stadt für die Menschen, die vom Gehalt her auf der anderen Seite der Skala leben.
Wir gehen in den „Botschaftsupermarkt“ gegenüber einkaufen, dort gibt es auch wieder alles. Anschließend fahren wir zurück und als wir das Tor unserer Bleibe öffnen, sehen wir direkt:





Das ist eine schöne Überraschung und wir quatschen und essen uns von Kaffee zu Nudeln zu Snacks.


Sie haben die ganze Rennerei noch vor sich und sind froh, unsere Tips zu haben. Inzwischen ist das Hostel voll. Es ist ein Koreaner da, Rieke und Thorsten im Zelt, eine Amerikanerin mit ihren zwei Enkelkindern und wir. So langsam werden zwei Bäder knapp und für eine warme Dusche müssen wir gut planen.

Registrierung als AuslandsdeutscheR

Das Auswärtige Amt empfiehlt, sich als ReiseradlerIn in die Notfallliste einzutragen!

§ 6 Abs. 3 Konsulargesetz fordert die deutschen Auslandsvertretungen auf, im Interesse der Krisenvorsorge Listen der in ihrem Amtsbezirk ansässigen Deutschen und ihrer Familienangehörigen zu führen. Die Botschaft/ das Generalkonsulat wäre Ihnen daher dankbar, wenn Sie die erbetenen Daten möglichst umfassend eingeben und auch laufend aktualisieren könnten. Alle Angaben sind freiwillig und werden vertraulich behandelt. Es gibt keine gesetzliche Meldepflicht für im Ausland lebende Deutsche. Mit dem Abschicken Ihrer Daten erklären Sie sich einverstanden, dem Auswärtigen Amt bzw. den vom Auswärtigen Amt beauftragten Organisationen Ihre Daten zum Zweck der konsularischen Betreuung in Krisenfällen zu überlassen. Im Krisen- und Evakuierungsfall kann es auch erforderlich werden, Ihre Daten dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium des Innern sowie anderen Außenministerien der EU und deren Auslandsvertretungen zu überlassen. © 2010 Auswä

Sonntag, 10. April 2011

9. und 10. April, Dushanbe - 252, 253

10. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)
 
Wieder können wir ausschlafen. Diesmal ist es schönes Wetter und unser zweiter Raum ist wieder nach draußen verlegt worden. Wolfgang setzt Gundas Rad in Stand, während Gunda den Blog weiter sortiert. Nachdem sie damit fertig ist, bearbeitet sie noch den Grundlagentext für den nächsten Forschungskreis Kommunikative Theologie, der sich im Mai trifft.
Heute ist es schwül und windig. Die Bäume schlagen immer mehr aus und blühen um die Wette. In ihnen singen die Vögel um die Wette und die kleinen Tauben, die es hier gibt, sind in ihren Flugkünste recht gewagt und schneiden die Kurven um uns, die wir draußen sitzen, recht gewagt. Das Internet geht immer noch, was sehr schön ist.
Wir beantworten noch die Fragen des Generalanzeigers für einen Artikel und machen schon einmal ganz mutig die neuen Fahnen: China und Kirgistan an die Räder.


Diese Zeiten des Wartens sind auf der einen Seite nervenaufreibend, aber auf der anderen Seite auch ganz schön, weil sie einen Hauch von Alltag vermitteln und zudem die Möglichkeit geben, sich zu erholen. Das ist beim sonstigen Radfahren überhaupt nicht der Fall. Das ist wohl der größte Unterschied zum Radfahren im Urlaub: da ist es halt Urlaub und zur Erholung da. Hier sind die Pausen zwischendurch und selbst wenn es solche Warte-Pausen sind, die Erholung, weil sie bedeuten, die dauernde Aufmerksamkeit reduzieren zu können. Einfach so durch die Stadt zu gehen, irgendwo zu sitzen, auszuschlafen ohne immer das Ohr und die Augen auf den Rädern, der Ausrüstung, der Straße oder auf dem Wetter zu haben.

Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in Strimenico!

Wer mehr Eindruecke aus Dushanbe sehen will, hier von Isabell und Uwe einige Wochen spaeter...

9. April, Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎, wörtlich ‚Montag‘)

Gestern abend sind wir spontan noch zur beleuchteten und diesmal nicht blinkenden Palme Linkgelaufen. Es regnet immer noch nicht. Dort gibt es Fassbier für 2 Somini das Glas. Selbst die Flasche im Laden kostet fünf. Es ist ungekühlt und schmeckt ganz furchtbar. Aber wir finden es bemerkenswert, dass so ein Bierstand am Busbahnhof am Abend so ruhig und friedlich ist. Immer wieder bleiben Männer auf ein Bier, eine Cola, einen Kaffee und oft auch einen Snack stehen. Inzwischen regnet es und alle stehen an der Theke. Der Chef der Theke ist keine 16 Jahre. Wir als Fremde können da ganz unbehelligt stehen.
Heute dürfen wir ausschlafen. Das Handy klingelt um 7:00. Auf dem Display steht „Rieke“, es regnet und für einen Moment vermuten wir, sie könnten draußen vor der Türe stehen. Aber es antwortet keiner, es steht auch keiner vor der Türe und die Nummer ist die iranische. Wir machen das Handy aus und kochen einen Kaffee. Es regnet und regnet. Es hat den Vorteil, dass der Frühstückstisch nun im Vorraum vor unserem Zimmer steht und wir auf diese Weise so etwas wie ein zweites Zimmer haben, was wir auch den ganzen Tag belegen. Während Wolfgang den Wagen überholt, sortiert Gunda den Blog von hinten nach vorne (als WORD-Dokument, für spätere Verwendungen...). Dadurch, dass das aktuellste Datum immer oben ist, ist der Blog ja im Datum verkehrtherum. Das Sortieren nimmt den ganzen Tag in Anspruch, aber da es regnet, macht es nichts. Als die Sonne ein wenig rauskommt, gehen wir zum Salsa-Restaurant, auch dieses wieder für die vielen Ausländer gemacht. Der Strom fällt aus, es gibt Kerzen für alle und einen Generator, der nach fünf Minuten anspringt. Das Essen ist gut.

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Baqerabad

Samstag, 9. April 2011

Visum Berg-Badachschan


Permit Berg-Badachschan innerhalb eines Tages in Dushanbe für 45 $, gueltig fuer 42 Tage.


Die besuchten Distrikte muessen aufgefuehrt sein.



Kostenfreie Registrierung in Khorog bei OVIR mit Kopie der Pass-Hauptseite, des Visums und des GBAO-Permits.

Freitag, 8. April 2011

7. und 8. April, Dushanbe, 250, 251

8. April
 
Heute Morgen stehen wir kurz vor neun vor der chinesischen Botschaft. Wir sind sogar zu früh.


Kurz nach uns kommt derjenige, der vor einer Woche so einen Aufstand gemacht hat. Wir dürfen um einige Minuten nach neun hinein. Mit der Einladung ist das alles kein Problem, wir können am Mittwoch unser Visum abholen. Leider erst Mittwoch. Wir schreiben Nekschoh, ob das mit dem GBAO-Permit, der Verlängerung und der Registrierung als Antrag jetzt schon geht, so dass wir das auch am Mittwoch fertig hätten. So langsam läuft uns die Zeit davon.
Anschließend gehen wir ins Museum, um uns den 16m langen schlafenden Buddha anzuschauen, der in Tadjikistan gefunden wurde. Er ist wirklich beeindruckend lang und erinnert ein wenig an das Grab vom Propheten Daniel in Samarkand, das ja auch so lang war. Das Museum hat eine Menge Ausgrabungen ausgestellt, die nur zum Teil beschriftet oder auch in englisch sind. Für das Museum müssen die Schuhe ausgezogen werden


was zur Konsequenz hat, dass die Füße schnell kalt werden.


Es wird immer für uns in einem Raum das Licht angeschaltet und dann direkt wieder ausgeschaltet.
Das arabische Restaurant ist direkt daneben, heute parken auch wieder „kleine“ Autos davor


und wir haben uns angewöhnt zu spekulieren, wem sie wohl gehören….



Diesmal sind keine West-Leute im Restaurant, die Geschäfte machen wollen. Es ist Freitag, vermutlich sind nicht so viele übers Wochenende hier.
Nach einem obligatorischen Abstecher beim Café fahren wir zurück, immer dem Gewitter entgegen, das sich langsam zusammenzieht.


Wir sind immer noch die einzigen Gäste, auch wenn es immer wieder mal neue Schuhe gibt, aber die Füße dazu sehen wir nie. Ein Wunder ist geschehen: das Internet geht wieder! Abgesehen davon ist es hier ruhig und still und die Bäume im Garten werden von Tag zu Tag grüner, manche blühen. Wir sind gespannt, wann Rieke und Thorsten in Dushanbe sind, sie sind schon eine Weile für eigentlich nur noch 200 km unterwegs (so um die sechs Tage). Wir haben heute noch einiges über den Pamir kopiert und müssen das nun mit den anderen Informationen, die wir haben, in eine Synopse bringen. Daneben bewirbt sich Gunda auf die eine oder andere Stelle. Es ist eben doch schon Halbzeit. Aber der Gedanken an eine mögliche Arbeit sieht vor allem so aus, dass wir überlegen, wie und wo wir unsere Erfahrungen dieser Reise einbringen könnten.

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Esfahan!


Wir haben einen weiteren Tag des Wartens. Das Internet geht immer noch nicht, so müssen wir unsere chinesische Einladung wieder im Café empfangen. Sie ist tatsächlich da und mit ihr können wir morgen zu den Chinesen!
Anschließend laufen wir los


, unser Ziel ist die Deutsche Botschaft, wo wir auf einen Kaffee eingeladen sind. Wir laufen nach Westen, entlang eleganter Häuser und vieler Rohbauten


entlang zum Fluss.


Zuvor aber fällt uns auf der rechten Seite eine Art griechischer Tempel auf, es ist eine Open-Air-Bühne.


Auf den Terassen drumherum und im Park eröffnet sich der Blick auf die Berge.


Heute ist es noch schön, aber die ersten Wolken sind zu erkennen, am Wochenende soll es (wieder) regnen. Wir kommen am See vorbei,


ein Stausee, mitten in der Stadt ist ein Staudamm. Dort ist ein kleiner Vergnügungspark mit vielen open-air Cafés und eine Menge – wir wissen nicht wie das heißt – halt so Sprungdinger für Kinder und ähnliches.


Wir laufen weiter und machen beim Hyatt einen Stop. Dort erfragen wir, wo denn genau die Botschaft ist. Das Hyatt ist hochgesichert mit Panzersperren in der Einfahrt, Bombensuche bei den Autos und auch beim Eingang. Es scheint eine Sitzung zu sein, denn es stehen jede Menge GIZ-Autos vor der Türe, nur einer kommt mit dem Fahrrad. Nachdem die Botschaft nah sein soll, gehen wir trotz der Hitze weiter. Wir wandern an ganz unterschiedlichen Häuserblocks vorbei, manche sind ganz schick, manche wohltuend „normal“ für Dushanbe. Nur von der Botschaft ist keine Spur. Wir wandern einen Teil wieder zurück, fahren den Rest mit dem Bus. Im Café schreiben wir eine Entschuldigungsmail, dass wir die Botschaft nicht gefunden haben. Dort treffen wir per Zufall Nekschoh wieder, der uns bei der Verlängerung des tadjikischen Visums helfen möchte. Er ist mit einer Kollegin aus der Konsularabteilung dort und meldet sich morgen bei uns, so dass wir nicht so lange warten müssen.
Wir wandern durch den warmen Abend zurück und entdecken, dass es die orangenen Palmen auch beleuchtet gibt.


Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in Stip!

Donnerstag, 7. April 2011

5.-6. April 2011, Dushanbe, 248, 249

6. April
 
Das Internet geht immer noch nicht. Also suchen wir wieder das Café auf, sind wieder umgeben von Menschen aus dem Westen, die hier Geschäfte machen. Nach einem guten Essen im türkischen Café gucken wir auch dort in unsere Mails und haben die Nachricht, dass die Dokumente in China da sind. Vorher haben wir bereits erfahren, dass nur die 30 Tage sicher zu kriegen sind. Nun müssen wir das Reisebüro zahlen und klären, wie das geht. Wir fahren nach einem Abstecher bei der Moschee und Medrese


, in die Frauen nicht dürfen und Wolfgang dann auch nicht möchte, zurück.


Das Internet: es ist immer noch abgeschaltet. Vom Manager: keine Spur. Zum Glück sind die Busse hier wirklich billig, so dass wir nachher wieder zum Café fahren können. Zum Glück geht das Internet auch vor der Türe…..
Wir werden deutlich später loskommen als wir müssten und müssen dann überlegen, wie wir die Zeit gestalten. Auch heute ist das Wetter total schön und wir sind inzwischen die einzigen Gäste, so dass es ganz still ist – im Haus. Vor der Türe spielen Unmengen von Jungs Fußball und das eine oder andere Mal landet der Ball dann auch bei uns.

5. April



Heute morgen schaffen wir es, nicht nur unseren Brief auszudrucken, sondern auch unseren Antrag auf Verlängerung abzugeben. Wir bekommen Mittwoch in einer Woche nach 14:00 Bescheid. Das ist eine Woche! Wir laufen



zum Cafés mit dem Internet und bleiben dort eine geraume Weile.


Danach laufen wir bis zum Bahnhof nach einem Abstecher bei einem arabischen Restaurant. In all diesen Restaurants und Cafés sitzen Leute und machen Geschäfte. Es scheint hier ziemlich gut möglich zu sein, Geschäfte zu machen. Und wenn man den Autos glaubt, dann müssen das gute Geschäfte sein. Nun fahren wir schon so lange Rad und fangen ausgerechnet hier an, Autos zu fotografieren. Aber es ist einfach kaum zu glauben, was hier so rumfährt…




Der Bahnhof ist ganz neu renoviert und es gehen zwei Züge nach Moskau und ein weiterer zu einer Stadt, die wir nicht einordnen können. Für diese Zugfahrten bräuchten wir lauter „double entry visa“, denn der Zug verlässt ein Land um nach einigen 100km wieder hineinzufahren. Es sind nur 4.200 Zugkilometer bis Moskau!
Durch den Park laufen wir zurück und heute ist das Wetter absolut märchenhaft und die Berge erstrahlen im Weiß. Leider ist das Internet nicht bezahlt worden und so ist es abgeschaltet. Auf diese Weise gehen wir am Abend noch einmal zum Café.

Dienstag, 5. April 2011

3.-4. April, Dushanbe, 246, 247

 Link
Der Regen ist vorbei, aber es ist empfindlich kalt geworden. Wir marschieren los und kommen an der chinesischen Botschaft vorbei. Sie hat tatsächlich geschlossen. Das hatte Alip schon angedeutet. Wir laufen weiter und suchen das Reisebüro, das bei der Verlängerung sehr hilfreich sein soll. Wir finden das Gebäude und werden in den Hinterhof zum letzten Gebäude geführt. Dort stehen Autos ohne Nummernschilder rum. An der Tür des Reisebüros klopfen wir und auf die Antwort stehen wir im Raum und zwei Kinder schauen uns groß an. Wir sie auch. Es tut sich auf dem Flur auch sonst nichts weiter und so gehen wir wieder und suchen die zweite Agentur, die in einem schicken Haus sein könnte, wenn die Hausnummer immer noch stimmt. Dort ist ein Caterings-Service, sie schicken uns zurück zum anderen Haus. Das kennen wir und so gehen wir direkt zum Office. Dort ist der Zuständige sehr freundlich und wir müssen nun einen Brief schreiben, in dem wir erklären, warum wir 30 weitere Tage brauchen und den mit den Kopien morgen abgeben.
Danach laufen wir noch eine Weile die Prachstraße runter und wieder hoch und schauen uns die monumentale Statue in der Mitte der Stadt an




und halten einige Impressionen fest.













Es ist wieder richtig kalt geworden und so sind wir froh, nach vielen Stunden des Laufens wieder im Norden angekommen zu sein und eine Heizung zu haben.

Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in Veterska!

3. April

Alip aus Kaxgar (in der Antike chinesisch 疏勒 Shūlè, altgriechisch möglicherweise Kasia[1]) kann uns eine Einladung nach China [ˈçiːna] (oberdt.: [ˈkiːna]) besorgen. Dafür braucht er?Sie? Wir bleiben bei Alip, dafür braucht Alip den genauen Zeitplan der 90 Tage. Inzwischen sind wir ganz routiniert, Strecken zu berechnen. Draußen regnet es in Strömen. Es scheint ein Land der Sonntagsregen zu sein, letzten Sonntag hat es ja auch so geregnet. Gegen Mittag haben wir alles für Alip errechnet und schicken es nach Kashgar. Danach bleiben wir beim Thema „China“ und gehen erneut zum chinesischen Restaurant. Wir wählen eine scharfe Fischsuppe. Diese kommt als ca. 30 l Topf, bestehend aus recht viel nicht so richtig hochwertigem Fisch und schätzungsweise 300 Chillischoten und zehn Nudeln. Wir schrecken ja vor Chilli nicht zurück und es schmeckt in der Tat gut. Leider ist aber auch schwarzer Pfeffer, nur ganz grob gemahlen da drin, und den kann Gunda nicht essen, weil sie darauf total allergisch reagiert. Also bestellt sie ein anderes Essen und Wolfgang arbeitet sich durch die festen Inhalte dieser riesen Schüssel.
Danach sind wir so fertig, dass wir schlafen und dann einen der von Rieke und Thorsten kopierten Filme anschauen: München. Er begeistert uns gar nicht. Morgen müssen wir unser Visum verlängern. Eigentlich wollte der Visums-Verlängerungs-Hilfe-Mensch vorbei kommen, aber das scheint nicht zu klappen. Wir haben immerhin rausbekommen, dass es die Möglichkeit einer 30 Tage Verlängerung gibt.

31. März - 2. April, Dushanbe, 243, 244, 245

2. April
 
Wolfgang bekommt die Pumpe des Kochers wieder in Gang! Das ist eine Sorge gewesen, denn ohne die Pumpe wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen. Ansonsten sitzen wir wieder hier und rechnen die Strecke durch China [ˈçiːna] (oberdt.: [ˈkiːna]) ganz genau durch, denn wir haben Kontakt zu einem Reisebüro in China.
Wir entdecken, dass es ein Reisebüro in Duschanbe (tadschikisch/russisch Душанбе, persischدوشنبه‎ (wörtlich ‚Montag‘)) gibt, das eine Verlängerung des Visums für 30 Tage macht. Wir erreichen sie nicht. Unser Kontaktmensch bestätigt, dass es nur für 15 Tage geht. Die Sache mit den Visa ist und bleibt eine nervenaufreibende Sache. Er will morgen vorbei kommen. Wir müssen ihm klarmachen, dass wir die 30 Tage brauchen. Selbst wenn wir durch den Pamir (womöglich aus Sanskrit upa-meru, „Nahe dem (Berg) Meru“, oder aus Persisch pāye mihr, „Zu Füßen Mithras“) bei gutem Wetter sausen würden, müssen wir ja auf das chinesische Visum warten.
Auffallend ist, dass sich die meisten Reiseberichte mit den Wochen in Hotels nicht beschäftigen. Sie erzählen von der Reise, der Natur, den Begegnungen und Erlebnissen unterwegs. Die Zeit in den Hauptstädten wird auch erwähnt. Aber dass eine solche Reise so viel Zeit im Warten bedeutet, das ist so wenig reflektiert. In der Regel wartet man ja nicht in Städten, in denen man auf der Reise bewusst hinfährt. Dushanbe ist schön, aber es ist eben nicht Buxoro, im deutschen Sprachraum zumeist als Buchara bekannt, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persischبُخارا‎, DMG Buḫārā) oder Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persischسمرقند‎ ; Linkrussisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“) oder Istanbul [ˈˀi.stan.buːl] (türkisch İstanbul [isˈtɑnbul])l. Die Aktivitätsmöglichkeiten erstrecken sich auf drei Museen. Wir vier vom Visa-Warten sind daher sehr viel einfach hier, lesen, quatschen, schreiben E-Mails, recherchieren. Ein wenig ist es ein Abhängen ebenso wie ein Reflektieren, Erzählen, Austauschen, aber auch Ausruhen. Das Wetter ist richtig April-mäßig. Mit Sonne und Gewitter, Sturm und Wärme. Ganz unterschiedlich. Wir können hier die Waschmaschine benutzen und so können wir sogar die Schlafsäcke waschen. Alles in Stand setzen.
Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Esfahan!
Und: Isabel und Uwe sind in Aleppo!
1. April

So etwas wie den 1. April als Scherztag gibt es hier nicht, nicht das wir wüssten. Wir sind ja eh aus allen Festlichkeiten und Feierlichkeiten der westlichen Welt raus. Neujahr ist hier am 20. März gewesen. Nun folgen wieder Feiertage des islamischen und des persischen Kalenders. Mit etwas Mühe können wir errechnen, wann Ostern ist. Da werden wir irgendwo im Pamir sein, inmitten der schiitischen Pamiris oder der sunnitischen Kirgisen (kirgisisch Kыргыз/Kyrgyz, Kыргыздар/Kyrgyzdar). So haben wir eine Weile gebraucht, um hinter den Aprilscherz zu kommen, dass ein brasilianischer Franziskaner zum Erzbischof von Berlin ernannt worden sei….
Überhaupt hat unser Tag heute nichts mit Scherzen zu tun. Die Konsularabteilung der chinesischen Botschaft hat dreimal die Woche auf, zu erkennen ist dies an einem Tisch vor der Tür. Einer dieser Tage ist heute. Wir bekommen einen Antrag, der immerhin auch auf Englisch ist. Nachdem wir ihn ausgeefüllt haben, dürfen wir in die Konsularabteilung selbst. Es ist immerhin drinnen. Wir kommen in ein regelrechtes Inferno von Empörung eines Chinesen, der die bearbeitenden Menschen wüst beschimpft. Das geht alles in einer anderen Lautstärke von statten wie wir sie seit dem Iran (Persien, persischايرانĪrān Zum Anhören bitte klicken! [iːˈrɔːn]/, dt. Land der Arier) gewöhnt sind. Unser Versuch, uns parallel mit der englisch sprechenden Bearbeiterin über unseren Antrag zu unterhalten, scheitert beinahe an der Akustik. Der Antrag scheitert an einer fehlenden Einladung aus China [ˈçiːna] (oberdt.: [ˈkiːna]). Wir versuchen es dennoch, den Antrag an die Frau zu bringen, aber keine Chance. Ohne Einladung kein Visum. Geknickt gehen wir wieder und steuern die kirgisische Botschaft an. Wir müssen unser kirgisisches Visum verschieben. Nachdem das mit dem tadjikischen problemlos ging, haben wir uns darum keine Gedanken gemacht. Zwei Telefonate holen uns wieder auf die Erde: es geht nicht! Also müssen wir einen neuen Antrag stellen, es gibt den am selben Tag Antrag. Nun haben wir also ein neues kirgisisches Visum. Wolfgang rennt zur Bank, läuft an dieser vorbei, nachdem sie nur eine neue Fassade bekommen hat

, das alte sowjetische Gebäude 5 m dahinter steht und der Eingang an der Seite ist. Währenddessen kommt Gunda mit einem der „für andere Visa-Beschaffer“ ins Gespräch. Er spricht fließend deutsch. Er macht sie darauf aufmerksam, dass das tadjikische Visum nur für 15 Tage verlängert werden kann und will uns dabei helfen. Nur für 15 Tage! Die nächste Krise steht an. Er verspricht, sich auch für einen längeren Zeitraum zu erkundigen. Nach einem Essen beim Koreaner laufen wir zurück und versuchen nun, an die Einladung zu kommen. Am Abend machen wir einen heiteren Deutsche Welle Fernsehabend mit dem Iren.

31. März

Unser Hotel ist ein kleines Gasthaus eher am Rande der Stadt. Der kürzeste Weg geht am Basar vorbei

, entlang der Residenz des amerikanischen Botschafters und dann über eine kleine Brücke in


den Teil der Stadt, der so wenig mit dem Teil vor der Brücke gemeinsam hat. Ist der Teil vor der Brücke geprägt durch riesige Häuser und Villen, dicke Autos, ist der Teil hinter der Brücke ein Ort mit kleinen Straßen, kleinen Häusern, kleineren Autos und regelmäßigem Stromausfall.


Der Amerikanische Botschafter bekommt sein Trinkwasser in einem Wasser-Auto geliefert, das regelmäßig vor dem Haus steht. Wir trinken nur gekauftes Wasser, kochen aber den Kaffee mit Leitungswasser. Dennoch überlegen wir, ob wir das nicht doch filtern sollten, wir haben beide Durchfall.
Wir sind zu viert im Hotel, ein Ire, der in London lebt, ein Brite, der in Australien lebt und wir, die wir irgendwo im Zelt leben. Alle warten wir auf unsere Visa, beschäftigen uns mit Visa und tauschen Tips zu Visa und zum Essen aus. Heute gehen wir in eines der vielen Teehäuser und bekommen einen guten Plov mit leckerem Brot. Den Salat lassen wir stehen. Von wegen Wasser. Wir rechnen die Strecken in Tadschikistan (kyrillisch: Тоҷикистон, perso-arabisch: ‏تاجیکستان‎ tājikestān; amtlich Republik Tadschikistan, kyrillisch: Ҷумҳурии Тоҷикистон, russisch Республика Таджикистан, Respublika Tadschikistan) durch und beschäftigen uns mit China [ˈçiːna] (oberdt.: [ˈkiːna]). Unsere Tage sind ruhig und unspektakulär. Am Nachmittag schauen wir uns auf You Tube eine Dokumentation für den Drogenweg von Afghanistan nach Russland an. Ein Teil der Dokumentation ist in Dushanbe gedreht. An den Orten sind wir schon mehrfach vorbei gelaufen.