Mittwoch, 7. September 2011

5. September 2011, 401

5. September, Omaezaki (jap. 御前崎市, -shi) bis Hamamatsu (jap. 浜松市, -shi, dt. „Strandkiefern“), 70,4km, 15081 Gesamtkm

Datum: 5.9.11
Tag: 401
TagesunterstützerIn:
von: Omaezaki m NN
nach: Hamamatsu m NN 9
km 70,4
Gesamt km 15085,5563
km/h: 14
Fahrzeit 05:00
gesamte Fahrzeit: 1199:06:00
Anstieg in m pro h #DIV/0!
Anstieg in m 105
Abfahrt in m: 130
höchster Punkt in m NN 44
Steigung/Gefälle 0,33

 
Die Nacht ist recht windstill und der Morgen trocken. Wir bekommen heißes Wasser und Frühstücken unsere Rosinenbrötchen. Wir haben beide seit ein paar Tagen Durchfall nach jedem Essen und wissen nicht so recht, ob es am Wasser liegt oder woran. Auf jeden Fall sind wir froh, die Jugendherberge zu verlassen (die erste Unterkunft im Übrigen, bei der wir nicht verabschiedet wurden), sie hat uns einen weiteren Hautausschlag mitgegeben. Interessant ist einfach auch, dass wir erst in Japan welche bekommen (wobei Gunda seit dem europäischen Teil der Türkei einen hat). Es nieselt als wir packen. Der Regen wird so stark, dass wir bei der Post uns alles anziehen und im strömenden Regen am Pazifik entlang fahren. Dieser ist bereits wieder recht ruhig in seinen Wellen und im Grunde dampft alles vor sich hin. Es ist warm und regnet, das Wasser ist dennoch ein wenig, wenn auch nur unwesentlich, (...) als die Luft. Unser erstes Ziel ist die Nuklearausstellung neben dem  Kernkraftwerk Hamaoka (jap. 浜岡原子力発電所, Hamaoka genshiryoku hatsudensho). Die Ausstellung ist umsonst und mit einem riesigen Aufwand gestaltet. Überzeugen tut die größengetreue Darstellung des Reaktorkerns mit allem, was dort passiert und abgeht.   

Darum gibt es Einblicke in die Schaltzentrale   

, eine Tafel aller Störfälle, die Information über Sicherheitsvorkehrungen
, gerade im Blick auf Erdbeben und Tsunami.     

Es ist fast komplett Japanisch, nur wenig ist in Englisch, die Bilder sprechen aber ganz gut für sich. Begrüßt wird man mit einem Film, der gleich auf zig Bildschirmen über dem Kopf gezeigt wird, in dem die Atomkraft in die Evolution des Menschen eingeordnet wird und als höchste Stufe der Energieversorgung, die dem Bedarf der Menschheit gerecht werden muss, entspricht. Dann gibt es ein Drei D-Kino, in dem zwei stündlich Filme gezeigt werden. Diese haben nun wirklich nichts mit dem Thema zu tun. Wir sehen die japanische Synchronisierung eines Films aus Berliner Produktion, in dem es um das Meer und seine Fische geht.      

Keine Ahnung, wie der auf Deutsch heißt. Super gut gemacht, aber wir warten immer auf den Anknüpfungspunkt zum Thema Atomstrom. Bis auf die Tatsache, dass ein solcher Film eine Menge Strom braucht, gibt es keinen.      

Ein wenig irritiert verlassen wir das Kino. Wir fahren zur „Sky-Lounge“ hinauf      

und können auf das Kraftwerk, auch hier direkt am Pazifik gelegen, schauen.      

Auch hier keinerlei Sicherheitsvorkehrungen. Wir gehen eher verstört als informiert.
Die Fahrt die nächsten Stunden ist langweilig. Durch eine Mischung aus abgeerntetem Reis, noch stehendem Reis. Autoverkäufern, Autowerkstätten, Tankstellen, Spielhallen. Es wird erst schöner, als wir der engen Stelle näher kommen, an der der See von Norden auf den Pazifik im Süden trifft. Die spektakuläre Brücke ist leider nur für Autos geöffnet, wir haben dafür den Blick auf den ersten See     


und die Brücke.      

Inzwischen ist es um 18:30 beinahe dunkel und wir suchen einen Platz für die Nacht. Am Abend denkt Wolfgang dann an das Bier, Gunda an das Frühstück, beides gibt es praktischerweise in demselben Laden (einer der üblichen Road-Stations, die uns heute bei unserem Durchfall gerettet haben). Die Gegend bleibt besiedelt, das Abendrot wunderschön. Wir landen in einem Park und finden einen Platz. Die Grillen haben schon das Regiment übernommen und zirpen, was das Zeug hält. Das schrille Gekreisch der Zikaden ist fast verstummt, es geht auf den Herbst zu. 

Bisher geheime Notizen:

Im Sommer 2011 gab der Betreiber zu, dass er vier Jahre zuvor von der NISA angewiesen wurde, die öffentliche Diskussion über die Sicherheit von Reaktoren zu manipulieren, die Uran und Plutonium verwenden (siehe MOX-Brennelement). Zudem lägen in den Abklingbecken des Kraftwerks Hamaoka seit 17 Jahren havarierte Brennstäbe, von denen niemand wisse, wie man sie bergen könne.[8]

http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Hamaoka