Samstag, 6. August 2011

6. August 2011, 萩市, 371


Heute ist ein wirklicher Ausruhtag, abgesehen vom Wäsche-Waschen und Blog vervollständigen und Statistik weiterführen.
Vor allem haben wir heute ausgerechnet, dass wir unser neues Ziel, den 富士山, bis zum 400. Tag erreichen können. Nun haben wir wieder ein Ziel, das ist ein gutes Gefühl. Nun hoffen wir, dass das Kugellager an Gundas Hinterrad das auch gut findet!
Ab heute Nachmittag ist eine Kindergruppe in der Jugendherberge, aber für ungefähr 50 Mädchen und Jungs im Alter 12-14 ist es sehr leise und geordnet. Das ist immer wieder beindruckend hier. Sie kommen vom Schwimmen, nach Geschlecht getrennt, trocknen sich alle die Füße am Eingang ab und gehen dann brav duschen. Dann gehen alle brav wieder raus. Das alles ohne großes Geschrei oder ähnlichem. Das fällt uns eh schon bei Kindern seit der Türkei auf. Es gibt kaum Geschrei, auch in den vielen Familien mit den vielen Kindern, wo wir übernachten haben. Kein Geschrei. Das ist bemerkenswert. Das einzige wirklich schreiende Kind war ein deutsches in Chorugh (tadschikisch Хоруғ/Chorugh bzw. ‏خارغ‎). Auch bemerkenswert.
Diese Jugendherberge hat installierte Klimaanlagen, die nicht angeschlossen sind und so wird über die Fenster gelüftet, was gut geht.

Übrigens: Vor einem Jahr waren wir in Rothenburg!

Und wieder eine Statistik:

Unsere größten Anstiege (Anstieg – Tag - von NN – bis NN – km/h)

1664
35
Milici
243
Sarajevo
567
11,43

1404
39
brod
465
Bajevo Polje
1092
9,16
1337
46
Prizren
465
Blace
385
11,36
1325
262
Kulyab
589
Shuroabad
1764
7,4
1228
42
Qyrsac
129
Rrape
973
7,68
1212
43
Rrape
973
Shemri
753
8,8
1125
78
Kapikaya
179
Subasi
607
8,58
1053
344
Shonai
17
Kuju-san
808
7,9
1047
101
Birecik
381
Sanli Urfa
535
11,25
994
350
Ichifusa-yama
566
Nishimera
774
10
985
298
Karabel Daban
2683
Taktudulak Daban
2806
10,5
984
349
Takamori
559
Ichifusa-yama
566
10
983
126
Tizhtizh
1662
Sanandaj
1558
9,26
953
76
Bilecik
516
Milhangazi
240
11,54
941
127
Sanandaj
1558
Kamyaran
1674
11,52
939
98
Osmanye
137
Nurdagi
945
9,59
920
233
Karashina
1164
Sayrab
875
10,9
900
79
Subasi
607
Cayirhan
658
10,55
896
276
Khorog
2128
Vuzh
2710
10
895
357
Kaimon
34
Kasasa
23
11
890
63
Ipsala
10
Develiyenice
110
12,3
875
334
Gohoku
68
Higashitsuno
375
10,6
874
99
Nurdagi
945
Gaziantep
862
11,89
872
259
Nurek
838
Jarteppa
623
9,9
863
81
Baypazari
565
Sincan
801
10,65
861
232
Qamashi
569
Karashina
1164
11,6
857
230
Samarkand
713
Amanqotan
1462
9,8
848
124
Marivan
1383
Sarvabad
1262
11,35
844
279
Jelondi
3525
Bulunkul
4024
7,8
831
125
Sarvabad
1262
Tizhtizh
1662
9,94
823
258
Dushanbe
893
Nurek
838
9,7
791
353
Kobayashi
495
Kirishima-yama
353
9,4
778
38
Sarajewo
567
brod
465
13,8
740
115
Bijil
611
Harir
765
10,23
738
133
Asadabad
1528
Hamadan
1805
11,34
735
44
Shemri
753
Prizren
465
11,82
730
117
Hajiawa
580
Qamchugha
687
11,62
728
296
Sary-Tash
3153
Nura
2901
10,3
721
94
Pozanti
787
Gülek
984
9,44
695
15
Hallein
398
Radstadt
826
12,06

Kyushu

Für US-Bürger empfohlene 50-Meilen-Zone


Unsere geplante Reiseroute ging nach Tokyo und dann zum Fährhafen nach Nigata. Dies haben wir wegen der Nähe zur Atomkatastrophe aufgegeben.

5. August 2011, 370

5. August, Höhoku bis 萩市, 68,8km, 13736,29 Gesamtkm

Datum: 5.8.11
Tag: 370
TagesunterstützerIn: clara.francesco; c/o Br. Gregor Wagner, Franziskanerkloster Pankow
von: Höhoku m NN 14
nach: Hagi m NN 2
km 68,8
Gesamt km 13736,2951
km/h: 11,9
Fahrzeit 05:46
gesamte Fahrzeit: 1094:29:00
Anstieg in m pro h 108,21
Anstieg in m 624
Abfahrt in m: 636
höchster Punkt in m NN 81
Steigung/Gefälle 1,83
 
In dieser Gegend gibt es eine Menge Sirenen. Um 21:00 sind sie gegangen und dann noch mal später. Schon am frühen Morgen geht sie wieder. Wir gehen jeweils davon aus, dass das normal ist. Wir würden ja eh keine Durchsage verstehen. Ein wenig mulmig ist uns jedes Mal. Was im Ernstfall wäre, wissen wir nicht. Wir sind bisher erst auf eine Frau, die des Englischen mächtig gewesen ist (in den Thermen in Kap Ashizuri (足摺岬)) gestoßen, sonst ist es maximal ein rudimentäres. Wir hoffen einfach, dass nichts passiert.
Die Straße ist in unsere Richtung nicht so dicht befahren und daher angenehm. Der Morgen ist frisch und nicht mehr windig und wir kommen sehr gut voran. Als wir gegen 11:30 an einem großen Supermarkt vorbeikommen, der sogar drei Bänke im Schatten hat, essen wir dort und beobachten eine Weile das Treiben auf dem Parkplatz. Zu 70% sind es Töchter, die ihre Mütter zum Einkaufen fahren. Die zwei Söhne bleiben im Gegensatz zu den Töchtern im Auto sitzen und kommen erst heraus, um die Taschen zu tragen. Wir schauen dem Treiben zu und fragen uns, ob es wohl so auch in Deutschland ist.
Unsere Straße biegt von der Hauptstraße ab und wird theoretisch von der Bahn begleitet. Allerdings bekommt die Bahn einen Tunnel während wir den nächsten Berg, der uns von der nächsten Bucht trennt, hinaufquälen. Es ist irre steil und heiß, zum Teil gibt es aber Schatten. Plötzlich sind wir wieder alleine auf der Straße und der Zauber der Küsten hat uns wieder. Wir fahren um die Kurve und vor uns liegt die Bucht   

 
und auch die Bahn ist wieder da. In der Bucht ist ein Dorf und Schatten nur in einer Garage direkt am Wasser. Dort leihen wir uns den schattigen Eingang. Ein Auto fährt vor und wir springen alamiert auf. Es ist ein ganz neuer VW GTI und ein junger Mann entspringt ihm mitsamt dem obligatorischen I-Phone. Wohl kaum der Garagenbesitzer, den haben wir uns eher 70 aufwärts vorgestellt. Ist er auch nicht, sondern Tourist und setzt sich mit dem obligatorischen Kaffee aus der Dose an den Strand. Kurz darauf kommt das nächste Auto, diesmal der Besitzer. Wir haben eh schon gepackt und stehen an unseren Rädern. Wir werden eher ignoriert und wollen eh fahren. Wir erwarten eine ähnliche Straße und freuen uns eigentlich darauf, auch wenn die verbleibenden 20km dann nachmittagsfüllend werden. Die Straße hinter dem verträumten Dorf   

 
wird zweispurig,   

 
dann vierspurig und plötzlich stehen wir an einer Autobahnausfahrt mit einer Tourismusinformation. Das nette an diesen Orten ist das Klo und dass dort auch regionale Produkte verkauft werden. Ansonsten hat es mit Info nichts zu tun. Heute denken wir, dass sich ein solcher Ort hervorragend für Kurzfilme eignen würde. Die Situationskomik in diesem Air-Conditioning-Land mit uns völlig verschwitzt immer draußen sitzend oder stehen ist immer wieder klasse.
Wir verlassen leider unsere kleine Straße in der Meinung, die große sei leichter zu fahren. Ein fataler Fehler, denn wir werden in den Himmel geführt, vorbei an Baustellen. Baustellen sind in Japan eine sehr spezielle Angelegenheit. Denn sie werden zu 99% nicht durch Ampeln geregelt, sondern durch viele Menschen mit vielen Fahnen. Erst kommt einer, der eine Fahne hochhält, die wohl so was heißt wie: Langsam, Baustelle (ersetzbar durch: Gartenarbeiten). Dann kommt mindestens ein Mensch mit einer weißen und einer roten Fahne und einem Funkgerät. Beide haben ein Pendant am anderen Ende der Baustelle. Dann sind in der Regel zwischendurch noch Fahnenmenschen. Dann oft auch noch Ampeln zusätzlich. Unser Fahnenmensch heute ist eine Frau, die mit unserer Anwesenheit völlig überfordert ist und schon die Anweisung, Straße frei für den Gegenverkehr gegeben hat, uns auf einen unbrauchbaren, da voll mit Baugeräten, Fahrradweg losten will. Bei solchen Aktionen werden dann beide Fahnen gewunken, auf uns zugelaufen und dann in die Richtung, in die wir fahren sollen. Wir müssen also klären, dass wir da nicht hinwollen, die gute Frau nicht umfahren, entscheiden, ob wir denn nun fahren (die weiße Fahne wird mehr geschwenkt als die rote, also Fahren) und das bei 15% bergauf. Irgendwie schaffen wir es, weder mit ihr noch mit der Absperrung zu kollidieren als uns die Autokolonne entgegenkommt. Also manövrieren wir uns mit den Autos durch die Baustelle und es ist große Aufregung überall. Aber es ist das erste Mal, dass das nicht geklappt hat. Oft werden wir alleine durchgewunken und Autos auf beiden Seiten müssen warten bis dann per Funk durchgegeben wird: angekommen.
Wir sind wieder im vollen Verkehr und froh, dass es nicht mehr weit ist. Außer, dass es in dem Ort eine Jugendherberge gibt, wissen wir nichts und sind erstaunt, beim Suchen durch eine alte Stadt zu fahren. Zunächst landen wir an einem Haus, das Hunderte von Rädern vor der Türe hat.   

 
Aber kein Jugendherbergszeichen. Dann eine Ansammlung von ziemlich runtergekommenen Bungalows für viel Geld, an der Einfahrt sehen wir Buchstaben, von denen zwei JH sind. Wir schauen im Computer nach und stellen fest, mit Erleichterung: das ist nicht die Jugendherberge. Als wir sie dann finden, werden wir freundlich begrüßt, bekommen ein Vierer-Zimmer mit Betten (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) zu zweit, die Räder können in den Innenhof und wir wissen nun, dass die Stadt ganz historisch ist. Da Gunda aber dringend einen Tag außerhalb der Sonne braucht, bleiben wir noch eine Nacht länger, um uns auch etwas anschauen zu können. Auch hier gibt es einen Supermarkt zu dem wir in der Dunkelheit laufen.

Übrigens: Vor 300 Tagen waren wir in Istanbul!

4. August 2011, 369

4. August, Ashiya bis Höhoku, 78km, 13667,49 Gesamtkm

Datum: 4.8.11
Tag: 369
TagesunterstützerIn:
von: Ashiye m NN 7
nach: Höhoku m NN 14
km 78
Gesamt km 13667,4951
km/h: 13,1
Fahrzeit 05:56
gesamte Fahrzeit: 1088:43:00
Anstieg in m pro h 65,73
Anstieg in m 390
Abfahrt in m: 383
höchster Punkt in m NN 46
Steigung/Gefälle 0,99
 
Heute stehen wir früh auf und werden durch die Kühle des Morgens belohnt. Gestern haben wir festgestellt, das wir in einer Sackgasse sind, denn die Straße führt auf eine nur für Autos freigegebene Brücke. Wir müssen einen riesigen Umweg machen, um dann in die städtische Region zu kommen, in der jede, aber auch jede noch so kleine Brücke über was auch immer für Radfahrende gesperrt ist. Da wir dem nicht folgen können, fahren wir also zur Freude der Autofahrenden munter über die gesperrten Brücken und finden mit einiger Mühe die Fähre, denn die andere, spektakuläre Brücke, ist auch gesperrt. An der Fähre treffen wir auf einen englisch-sprechenden Karten-Verkäufer, das ist erwähnenswert, denn hier spricht im Grunde keiner Englisch, mit dem wir es so zu tun haben. Die Fähre bringt uns diesmal quer über die Straße von 関市, die wir schon längs mit der großen China-Japan-Fähre am 323. Tag gefahren sind. Jetzt setzen wir hier nach einem 1.753 km langen Abstecher auf die Inseln 四国 und 九州 unsere Route Bonn - 東京 fort.  

 
Das ist nicht lange her, aber da war noch Regenzeit und es stürmte und regnete. Damals ist unser Eindruck gewesen, dass die Küsten voller Industrie sind   

 
und sich direkt dahinter bewaldete Hügel erheben.  

 
Im Grunde stimmt der Eindruck. Nur dass die Industrie hier viel stärker ist, aber dafür aus der Hafenperspektive im Grunde gar nicht so schlimm.   

 
Die Straßen sind breit und sauber und es ist ein recht schönes Fahren. Die Fähre ist von der Art her eher eine Erlebnisfähre mit viel Musik und dazu ziemlich kurz. Auf der anderen Seite angekommen, füllen wir unsere Vorräte auf, so dass wir nicht immer auf die kleinen Ketten angewiesen sind, von der nur eine günstig ist. Sonst wird man in Japan mit Lebensmitteln arm. Für frisches Zeugs reicht es dann doch nicht, denn über einen Euro für einen Chemie-Apfel oder über zwei Euro für denselben Chemie-Pfirsich auszugeben, sind wir dann doch nicht bereit. Bleiben die Melonen, die es aber am Straßenrand günstiger gibt, immer noch ganz schön teuer, dafür dass sie direkt nebenan wachsen. Die Strecke ist schön, bis auf die Autofahrer, die sich auch hier im Stop-and-Go durch die Straßen schieben, daneben fährt der (leere) Zug. Wir finden einen ausgesprochen schönen Mittagsplatz unter dichten Bäumen   

 
bei einem Friedhof direkt am Meer.   

 
Wir sind nun am Japanischen Meer   

 
und dieses ist von den Stränden eher herunter gekommen und hier auch enorm dreckig. Umso aufwendiger sind die Häuser und die Gärten gestaltet, zu ihren Gunsten treten die Reisflächen in den Hintergrund. Nach dem Mittag ist es immer noch unglaublich heiß und wir fahren weiter an der Küste, jetzt bergauf und bergab. Bis auf die hupenden Autofahrer ist es aber wunderschön, zum Teil direkt am Meer, zum Teil über kleinere Berge. Unser Ziel ist ein Campingplatz direkt am Meer. Wir finden ihn mit der Kenntnis der entsprechenden Zeichen und er ist wirklich direkt am Meer. In dem Sinne, dass am Strand eine Reihe aufgebauter Zelte stehen, die mietbar sind, es einen Onsen (jap. 温泉, auf Karten und Schildern oft als oder (yu, heißes Wasser) dargestellt) gibt, die tagsüber aufhat und ein Klohaus. Wir bleiben dann lieber auf dem Parkplatz darüber, zusammen mit den Toten, und genießen den Sonnenuntergang am Strand.   

 
So einen Traumstrand gibt wohl in Europa kaum noch. Es ist ein mehrere Meter breiter, an die 1,5km langer Sandstrand der feinsten Sorte,   

 
mit Pinien im Hintergrund und einem lauen Meer. Heute geht die Sonne vorschriftgemäß unter,   

 
es sind kaum Wolkenbänke vorhanden,  

 
obwohl sich langsam ein paar Wolken von Osten heranschleichen, aber da lauert ja auch schon der nächste Taifun, den es inzwischen dreifach gibt. Wir brauche also bald mal irgendeine Zeitung oder irgendwas, um zu wissen, welche Auswirkungen das dann hier hat.
Immer wieder sind wir erstaunt, dass es kaum Touristen, hier am Strand an die zehn Jugendlichen, gibt. Dabei ist es so ein ideales Urlaubsland.

Übrigens: Vor 200 Tagen waren wir in تهران!

3. August 2011, 368

3. August, 福岡市 bis Ashiye, 81km, 13589,49 Gesamtkm

Datum: 3.8.11
Tag: 368
TagesunterstützerIn:
von: Fukuoka m NN 6
nach: Ashiye m NN 7
km 81
Gesamt km 13589,4951
km/h: 13,3
Fahrzeit 06:05
gesamte Fahrzeit: 1082:47:00
Anstieg in m pro h 30,41
Anstieg in m 185
Abfahrt in m: 184
höchster Punkt in m NN 24
Steigung/Gefälle 0,46
 
Nachdem wir gestern soweit gekommen sind, beschließen wir, eine Stunde länger zu schlafen. Der Abend ist ja auch eher bewölkt gewesen. Als wir aus dem Zelt schauen, stellen wir allerdings fest: es ist ein ungünstiger Morgen zum Länger-Schlafen: uns begrüßt ein strahlend blauer Himmel und Windstille. Das bedeutet: gerne schon 35 Grad im Schatten ab 9:30. Wie auch immer, wir schieben aus unserer Wiese und heute ist das Meer und die Bucht erleuchtet und wir sehen, dass wir die wirklich einzig mögliche Stelle gefunden haben. Wir erwarten die nächste Industrie-Einkaufsstraße, aber uns begrüßt mit 福岡市 eine moderne, elegante Stadt, die sich durch elegante Glasbauten,   

 
Promenadenwege  

 
und schicke Wohnhäuser, viele Geschäfte und Industrie nur am Rande der Stadt auszeichnet. Wie das alles gehen kann direkt am Meer, haben wir uns durchaus auch gefragt. Im glitzernden Großstadt-Revier finden wir einen Fahrradladen, der keine Handschuhe hat. Einen nächsten, der Koga-Räder vertreibt, aber auch unsere Handschuhe nicht hat. Wir fahren weiter und essen zu Mittag in: Koga (jap. 古賀市, -shi).   

 
Das ist doch lustig und direkt nebenan landeinwärts gäbe es auch noch Miyata (jap. 宮田町, -machi). Aber davon finden wir kein Schild. Unser Mittagessen findet wieder auf dem Parkplatz statt.   


 
Inzwischen sind wir in der völligen Klimaanlagen-Gegend angekommen. Die mit dem Auspuff nach hinten parkenden Autofahrer können wir dann wenigstens davon überzeugen, das Auto abzustellen. Beim Parken gibt es keine japanische Höflichkeit mehr. Das ist ein bemerkenswertes Phänomen. Ein Auto parkt so weit nach hinten, dass wir überlegen, ob es sicherer wäre, aufzustehen. Auf der anderen Seite gehört auch folgende Situation zu Japan: wir fahren die sechsspurige Ausfahrtstraße – inzwischen hat der Wind aufgefrischt – als ein älterer Herr auf dem Rad bei Grün die Straße überquert. Ein Mann mit Hut und dazu Wind. Der Hut weht vom Kopf, nach links. Der Herr steigt ab, nach rechts. Macht eine lange Rechtskurve, um den Hut, der eine lange Linkskurve auf der Straße macht, zu erreichen. Die beiden finden sich recht treffsicher. Inzwischen ist die Fußgängerampel längst auf Rot, die Straßenampel auf Grün. Es warten drei Reihen Autos ohne Hupen, bis Mann, Hut und Rad sich sicher wieder gefunden und am Mittelstreifen, der keiner ist – es ist nur eine Reihe Poller - längs stehen. Das alles sieht ein Polizeiauto von der anderen Spur, hält und hält den Gegenverkehr auch an. Auch das ist kein Problem und Mann, Hut und Rad sind sicher auf der anderen Seite. Inzwischen ist die Ampel beinahe wieder rot, aber keine Hupe war zu hören.
Andererseits sind wir heute enorm viel angehupt worden und zum ersten Mal in Japan mit „Runter von der Straße“ Hupen. Überhaupt ist der Nachmittag echt anstrengend gewesen. Aber zuvor konnten wir den Mittag unter einer wunderschönen Pinie,   

 
mit der Nummer 140, verbringen und die schlimmste Hitze zwischen zwei Surf-Clubs und einen Yacht-Club und natürlich neben vielen, vielen großen Autos direkt am Strand verbringen.   

 
Inzwischen ist es recht bewölkt und ein Gewitter zieht auf. Wir lassen uns munter anhupen von viel zu großen Autos und nach einer Pause an einer Tourist-Info, die keine ist, suchen wir den Weg, der leider nicht mehr so richtig ausgeschildert ist. Wir sollen auf einen Radweg, der nicht zu gebrauchen ist, das haben wir verstanden. Wollen wir aber nicht.  

 
Der Blick aufs Meer tut dagegen immer wieder gut, auch wenn heute ein seltsamer Tag wohl auch für andere ist. Ein Mann wirft Steine ins Meer, andere stehen auf Steinen rum, anderen in den Hecken. Die Hitze ist wohl doch zu viel.
Das Gewitter bleibt auf dem Meer und lädt zu einem riesen Wolken-Schauspiel ein.   

 
Kurz vor Sonnenuntergang finden wir in einem seltsamen Dorf, das auch Edel-Hotels, fragwürdigen Hotels und Spas und Sportplätzen besteht, dann doch einen unserer Läden, nicht ohne dort von zwei sehr netten, aber zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht zu gebrauchenden Männern, die vielleicht nicht die schnellsten im Hirn sind, angesprochen zu werden. Sie erinnern uns sofort an „Dick und Doof“ und es ist 19:30 und in 20 Minuten stockfinster, also können wir kein Englisch und gehen schnell einkaufen. Mit Mühe finden wir einen guten Platz neben einem Sportplatz und ein wenig erhöht und sind erstaunt über diese Gegend.

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Kulaichum!

2. August 2011, 367

2. August, Arita (jap. 有田町, -chō) bis Fukuoka (jap. 福岡市?/i -shi), 87,5km, 13508, 49 Gesamtkm

Datum: 2.8.11
Tag: 367
TagesunterstützerIn:
von: Arita m NN 40
nach: Fukuoka m NN 6
km 87,6
Gesamt km 13508,4951
km/h: 13,3
Fahrzeit 06:33
gesamte Fahrzeit: 1076:42:00
Anstieg in m pro h 57,10
Anstieg in m 374
Abfahrt in m: 408
höchster Punkt in m NN 179
Steigung/Gefälle 0,89
 
Der Morgen ist relativ kühl und bewölkt. Unser Sportplatz ist wohl doch eher ein Evakuierungplatz, auf jeden Fall ist er ein Luxusort zum Campen.   

 
Der Blick ist von der kleinen Straße aus frei auf die Häuser in den Reisfeldern.   

 
Wir fahren weiter und es ist bei der Temperatur wirklich angenehm.   

 
Aber irgendwie kommt die Sonne ja immer mit den Serpentinen zusammen und diese quälen wir uns in einer schwülen Hitze um die 40 Grad hoch. Wir denken immer, dass es doch bergab gehen muss, denn wir sind auf dem Weg zum Meer und es braucht eine Weile, bis es das tut. Das Tal ist recht eng, hier sind die meisten Häuser mit braunem Fachwerk, viele haben rote Dächer, ein ungewöhnlicher Anblick. Irgendwann geht es bergab und mit wenig Serpentinen sind wir am Meer und plötzlich in einem wunderschönen Pinienwald. Es ist schattig und windig vom Meer und einfach wunderschön. Dieser geht mehrere Kilometer und an seinem Ende ist der nächste Ort. Dort probieren wir eine Fast-Food-Kette aus, wo wir gestern schon einmal ganz mutig Pommes gegessen haben (die waren wenig, ungesalzen, aber ganz ok). Das Essen ist mäßig und vor allem gibt es keinen Tisch, keine Bank, nichts. Nur einen großen Parkplatz. Dort sitzen wir, bis wir von gleich zwei LKWs mit laufendem Motor – Auspuff in unsere Richtung – vertrieben werden auf die Stufen. Ein wenig fühlt man sich in Japan obdachlos. Es gibt eben keine Bänke oder Orte, die zum Sitzen einladen und drinnen übernachten geht auch nicht oft. Drinnen essen ist entweder gar nicht vorhanden oder irre teuer und so sitzen wir immer am Straßenrand rum   

 
oder auf Parkplätzen an der Hauswand, auf der Suche nach Auspuffarmen und schattenreichen Orten.
Letzeren suchen wir am Strand. Dort gibt es die eine oder andere Strandbar und den Wald und die Autos mit laufendem Motor. Wir entscheiden uns für den Wald, wenngleich der Schatten nur lückenhaft ist. Da es aber zwischendurch schüttet, macht es nicht ganz so viel. In das inzwischen eher graue Wetter fahren wir wieder hinein, das Meer ist im Dunst,   

 
ebenso die Berge hinter uns. Ein wenig chaotisch sind die Straßen hier  

 
und inzwischen völlig durch Geschäfte bestimmt. Im Grunde sind es immer dieselben Geschäfte und auf der Straße fahren lauter Autos mit einer, maximal zwei Personen. Das fällt so sehr auf, weil es das in Zentralasien und im Iran (früher Persien, persisch ‏ايرانĪrān Zum Anhören bitte klicken! [iːˈrɔːn], dt. Land der Arier) nur bei den riesen Autos gab, sonst sind alle Plätze besetzt und im Iran springt eh an jeder Ecke jemand ins Auto und raus.
Mit Mühe finden wir einen Park und dort eine Ecke, die uns Schutz für die Nacht gibt.

1. August 2011, 366

1. August Nagasaki (jap. 長崎市, -shi) bis Arita (jap. 有田町, -chō), 71,4km, 13420,89 Gesamtkm
 
Datum: 1. August 2011
Tag: 366
TagesunterstützerIn:
von: Nagasaki m NN 26
nach: Arita m NN 40
km 71,4
Gesamt km 13420,8951
km/h: 13,4
Fahrzeit 05:19
gesamte Fahrzeit: 1070:09:00
Anstieg in m pro h 93,67
Anstieg in m 498
Abfahrt in m: 484
höchster Punkt in m NN 79
Steigung/Gefälle 1,38

Ausgetauscht: Das linke Pedal von Wolfgangs Rad.

Vor einem Jahr sind wir gestartet! Verbinden tut beide Tage, dass es genauso schwül war, wie es heute hier ist, naja, hier ist es wohl noch ein wenig schwüler. Wir werden von unsrer Jugendherberge mit langem Winken verabschiedet und fahren einem ganz normalen Radtag entgegen. Bei einer ersten Pause kommt ein Polizist aus seinem Büro, extra, um uns zu begrüßen und uns zu sagen, dass es drei Tage bis Fukuoka (jap. 福岡市?/i -shi) mit dem Rad sind. Das kommt gut hin, er muss selber Radfahrer sein. Es geht am Binnenmeer entlang bergauf und bergab in einer eher ganz gewöhnlichen Gegend. Zum Mittagessen finden wir wieder leckeren Fisch und sogar einfach Reis in einem Supermarkt und dann einen Schattenplatz in der Nähe. Mit Schlafen, Reparieren und Kekse Essen sind wir gestärkt für den zweiten Teil. Die Straße ist immer noch dicht befahren, ein Auto hinter dem anderen, nicht viele sind wirklich geübt im Überholen, aber alle sind höflich.
Auf unserer Karte ist die Brücke als Sehenswürdigkeit eingezeichnet und als wir ihr näher kommen, erinnern wir uns, von den Strudeln gelesen zu haben, die dort entstehen. Es ist so eng und dazu der einzige Ein- und Ausgang des Binnenmeeres,    

 
dass die Strömungen gegeneinander prallen und es jede Menge, aber vor allem einige sich wiederholende Strudel gibt.   

 
Eine Weile schauen wir dem zu, bevor wir weiter fahren. Es bleibt von der Landschaft her gleich, ein Tal mit Eisenbahn, viel Reisanbau und Gewächshäusern und mancher Industrie. Wir sind immer wieder erstaunt, wie teuer dann dennoch Gemüse und Obst ist. Hier gibt es vor allem Melonen, die aussehen wie Wassermelonen, aber gelb sind innen.
An einem Fahrradladen bekommen wir ein gebrauchtes Klickkpedal. Zunächst hat er keine, denn er verkauft hochwertige Rennräder. Dann läuft er hinter uns her, weil er eines noch gefunden hat. Nun sind wir eine Sorge los!
Inzwischen finden wir sehr schnell Wasser und einen Schlafplatz, oft auch eine Dose Bier und das Frühstück oder noch eine Ration Nudeln, wenn sie gerade im Sonderangebot sind (immer noch 1 Euro für 300g). Das mit dem jeden Tag Auf-und Abbauen, Räder Ab- und Aufschließen, alles Beieinander-Halten, das Zelt in Ordnung halten hatten wir uns schlimmer vorgestellt. Im Grunde geht es schnell. Umso schöner sind dann aber drei Tage an einem Ort. Das ist durchaus erholsam, wenn keine Visumsnervereien dazu gehören. Heute abend haben wir einen ehemaligen Sandfußballplatz gefunden. Hier ist es aber auch deswegen leicht, weil uns keiner hinterherläuft, anhält, fragt etc. Selbst das Blogschreiben und die Kilometer-Eintragung geht gut jeden Abend, auch wenn das wirklich Disziplin braucht. Gerade wenn der Magen knurrt und es schon spät ist und der Wecker um 4:30 klingelt (so wie heute Abend).