Samstag, 3. Dezember 2011

Heute vor einem Jahr

Heute vor einem Jahr machen wir die erste Bekanntschaft mit dem iranischen Bewässerungssystem, das uns so viele Monate begleiten wird. Inzwischen wissen wir auch, daß die unzähligen Öl-Laster auf der Paßstraße iranisches Öl in Raffinerieen in den Irak und dann wieder zurück bringen. Durch das Embargo (für solche Technik) hat Iran zuwenig funktionierende Raffinerieen.

Heute ist in Bonn eine Demonstration gegen den Krieg in Afghanistan. Auf unserer Route später werden wir ja deutsche Afghanistan-Truppen in Termiz treffen und zwei Wochen lang am Панҷ, dem Grenzfluß zwischen Tadschikistan und Afghanistan, entlangfahren, immer "Auge in Auge" mit den Afghanen auf dem gegenüberliegenden Pfad.

Im Internet finden wir zwei arte-Beiträge zu Afghanistan. (1) (2)

Mit offenen Karten (französisch Le Dessous des cartes) ist eine wöchentlich ausgestrahlte Sendereihe von ARTE, in der ausschließlich anhand von Karten komplexe historische, geopolitische oder wirtschaftliche Sachverhalte hochkonzentriert aber allgemein verständlich dargestellt werden. DieLink Sendung Le Dessous des cartes wurde 1990 auf dem französischen Sender France 5 erstmals ausgestrahlt, später dann auf ARTE. Seit Ende 1992 wird sie auf ARTE auch auf deutsch ausgestrahlt und ist die älteste ARTE-Sendung, die noch immer produziert wird. Die etwa zehnminütige Sendung behandelt meist ein einschlägiges und aktuelles Thema, gelegentlich aber auch Problematiken, die am Rande der Aufmerksamkeit liegen. Die Themenbandbreite reicht dabei von der Entstehung der Weltkarte über die Meeresverschmutzung bis zu historischen und brandaktuellen Themen wie der geopolitischen Situation Japans im Lauf der Jahrhunderte oder der Außenpolitik der USA. Häufig werden auch Länder oder Regionen mit ihren besonderen geopolitischen Gegebenheiten vorgestellt. Um bestimmte Themen ausführlicher behandeln zu können, werden diese häufig auf 2-3 Folgen ausgedehnt. Zum Abschluss jeder Sendung präsentiert Jean-Christophe Victor noch weiterführende Literatur oder kulturelle Ereignisse, die sich auf das Thema der Sendung beziehen.

Freitag, 2. Dezember 2011

Heute vor einem Jahr

Heute vor einem Jahr. Wir fahren durch das iranisch-irakische Grenzgebiet in der iranischen Provinz .استان کردستان .
Heute, ein Jahr später, finden wir im Internet einen Artikel, der über ein CIA-Bombenattentat auf eine Militärparade hier ganz in der Nähe mutmaßt; am 23.9.10, als wir noch in Griechenland waren.
Von Spannungen in der Gegend hier war nichts zu spüren, obwohl das Auswärtige Amt warnte:
"Von nicht notwendigen Individual- oder Trekkingreisen in die Kurdengebiete im Nordwesten Irans, insbesondere entlang der türkischen und irakischen Grenze, wird grundsätzlich abgeraten.
Obwohl bestimmte Straßen auf Karten unter Umständen als befahrbar ausgewiesen sind, sollten Hinweisschilder auf militärische Sperrgebiete unbedingt beachtet werden. Dies gilt insbesondere für die Strecke SEMNAN - MO'ALLEMAN - JANDAQ durch die Wüste DASHT-E KAVIR. Auch in der Grenzregion zum Irak und insbesondere in der Provinz Kurdestan gibt es zahlreiche Sperrgebiete, die in jedem Falle gemieden werden sollten.
"

Gestern wurde in einem Artikel behauptet, die Urananlage in اصفهان‎ sei am 28.11.11 erfolgreich bombardiert worden. Dort sollten wir später ja auch noch vorbeifahren...



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Heute vor einem Jahr

Unser erster Tag im Iran! Wir empfinden alles als erholsam hier, es gibt Urlaubs- und Freizeiteinrichtungen. Ein Jahr später läuft die Propagandamaschine in der BILD-Zeitung. Wir sind uns sicher, daß wir unter diesen Umständen heute wohl nicht in den Iran eingereist wären...

Mittwoch, 30. November 2011

Heute vor einem Jahr

Gestern waren wir bei unserem Hausarzt und wurden von der gesamten Belegschaft freudig begrüßt. Insgesamt hat unsere Gesundheit ja erstaunlich gut die Bedingungen der Reise vertragen. In der Patientenkarte liegen alle Zeitungsausschnitte aus dem Generalanzeiger.
Bei der relecture unserer blog-Einträge "heute vor einem Jahr" können wir nun endlich die Beobachtungen ergänzen, die wir damals nicht ins Netz stellen konnten, aus Sorge, Behörden könnten uns Schwierigkeiten machen. Schließlich zeigen unsere Fotos keine sensiblen Motive, um uns nicht zu gefährden, aber auch, um nicht ungewollt Informationen zu militärischen Zielen zu liefern. Da manche Abschnitte unserer Reise sehr von sensiblen Motiven geprägt waren, gibt es eben nr unverfängliche Bilder. Das andere uß man sich dazudenken...

So ist dieser Passus bisher unveröffentlicht geblieben:

Vor Panjiwin richtige Passkontrollen. Auch schon mit iranischem Visum, unser abgelaufenes Visum war da kein Problem. In der Stadt bei Fragen nach dem Hotel zweite Kontrolle im Hauptqaurtier. Kasernen vor Panjiwin mit Panzern und frischen Erdwällen, zum ersten mal im Tarnanstrich, sonst eher gelb oder grün oder sonst wie. Panzer. Wir fragen uns, ob vor der Grenze Giftmüll abgeladen wird, da lauter offene Säcke mit einem Inhalt der wie Schwefel+?? aussieht. Dorf bis auf Tanksstelle zerstört, nur zwei provisorische Behausungen. Neue Mauer gebaut: ca 2,50m Betonteile mit Stacheldrahtkrone auf irakischer Seite. Iranische Seite keine Mauer, da nichts.Dort keinerlei Hinweis ersichtlich oder gehört oder gesagt bekommen, dass Ausländer nicht passieren dürfen. Unser Eindruck: sicherheitsgarantierende Präsenz von unifromierten und zivilen Polizisten und verschiedensten Militäreinheiten, zugleich die Frage, wer eigentlich nicht für den SIcherheitssektor arbeitet?

"Heute vor einem Jahr" also sind wir in den Iran (Persien, persisch ‏ايران‎ Īrān Zum Anhören bitte klicken! [iːˈrɔːn]/, dt. Land der Arier) eingereist. Just, nachdem gestern gemeldet wurde, der המוסד למודיעין ולתפקידים מיוחדים hätte möglicherweise eine Atomanlage in Isfahan (persisch ‏اصفهان‎ [esfæˈɦɔːn], alternative Schreibung: Esfahan) in die Luft gejagt...
Wir bemühen uns, auf unserem twitter-Kanal auch weiterhin über die bereisten Länder zu berichten.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

einige Videosequenzen

Wenn Sie die Videos aus unserer homepage www.silkroad-project.eu heraus aufrufen, kopieren Sie bitte die Internetadresse in das Adressfeld des Browsers (Strg-C - StrgV).

http://www.youtube.com/watch?v=-bx3HYKGRko

http://www.youtube.com/watch?v=LoZSp4g-ha8

http://www.youtube.com/watch?v=SMWMb0VlKwg

http://www.youtube.com/watch?v=L-u6myDrolg

http://www.youtube.com/watch?v=C9vHhp7keEg

Dienstag, 4. Oktober 2011

4. Oktober 2011, 429 + 1 بن


4. Oktober,  بن und Tag 1 nach der Reise

Das ist der letzte Blogeintrag.
Was uns gestern aufgefallen ist: so ein Deutschlandfest ist sehr deutsch, wir haben im Grunde keine Ausländer gesehen. Die Polizei ist hochgerüstet. So haben wir Polizei das letzte Mal in der Türkei und in China gesehen. Es ist alles sehr gut organisiert. Die Stimmung ist schön.
Der Tag 1: Was wir nicht alles besitzen! Schuhe! Verschiedene Formen, Größen, Farben! Klamotten. Eine Jeans, welch ein schönes Gefühl. Eine Hautcreme. Einen Herd. Ein Telefon. Immer Internet. Eine Tür, die sich schließen lässt.
Viele Überraschungen, Friedenstauben in den Regalen (die kleinen aus Papier), gebastelte Bilder an den Türen. Wir haben jetzt sogar Ostereiermalfarben und Wachsmalstifte. Eine Waschmaschine.
Es ist ein eigenartiges Gefühl. Wolfgang geht sofort zum Arbeitsamt.
Nun wird ein wie auch immer gearteter Alltag einkehren.

3. Oktober 2011, 429

3. OktoberKöln-Poll bis  بن, 39,9km, 15719,5 Gesamtkm
 
Der letzte Tag. So was. Es wirkt überhaupt nicht real.
Wir dürfen ein wenig ausschlafen und fahren um 10:00 los, in einen sonnigen und nicht nebeligen Morgen. Diesmal ist der Radweg ok und wir folgen ihm auch ganz wacker. Da wir gut vorankommen und es ja nun wirklich nicht weit bis Bonn ist, machen wir bei einer Bäckerei halt.    

Hier ist es wieder möglich, eine Pause zu machen und keinen Müll zu fabrizieren. Was sind das doch für Zustände in Japan! Auch diesmal gibt es alles in der Tasse und auf dem Teller.
Joachim wird erst in Mondorf (Niederkassel) zu uns stoßen, da seine Tochter krank geworden ist. Wir kommen genau pünktlich an und freuen uns riesig, als wir ihn sehen. Wir arbeiten uns bergauf und bergab nach Bonn (wir fahren ja Radweg) und sind so früh da, dass wir beim Türken für ein gutes Mittagessen einkehren. Als wir um Punkt zwei Uhr auf die Beethovenhalle zusteuern, ist dort vor allem Polizei zu sehen und Beamte, die mit Hunden die Wiese, „unsere Wiese“, absuchen. Aber das Rufen und Pfeifen aus einer anderen Ecke lenkt die Aufmerksamkeit auf das Empfangskomitee. Wir sind wieder da! Es ist wohl dieser Moment, auf Familie und Freunde zuzufahren, der deutlich sein und spüren lässt: wir haben es geschafft!   

Es ist wunderschön! Sigrid hat für Sekt gesorgt und Becher und so gibt es Sekt und wir können mit viel Klönen   






noch ein Foto machen    

bevor der Beethoven wieder restlos von den japanischen Reisegruppen eingenommen wird.
Wir fahren in die Haydnstraße und werden dort von einem unglaublich schönen Ernte-Dank-Tisch begrüßt.   

Einer Collage mit Bildern   

und Bildern der Kinder unserer Mieter.   

Was für eine schönes Ankommen. Wir gehen direkt zurück in die Stadt    

und verbringen den Nachmittag und Abend im Bayernzelt zu rheinischer Musik.    

Wir sind wieder da. Und dankbar all denen, die uns einen so schönen Empfang bereitet haben!

2. Oktober 2011, 428


2. Oktober, Flüren bis Köln-Poll, 124,6km, 15679,6 Gesamtkm

Der Morgen beschert dichten Nebel. Genauergesagt, es besteht keinerlei Durchblick. Keine fünf Meter. Wir bauen unser platschnasses Zelt ab und fahren in die Brühe hinein. Es dauert zwei Stunden, bis die Sonne es geschafft hat und es wird warm. Wir kommen gut voran, der Niederrhein lässt langsam nach und wir nähern uns in großen Schritten dem Ruhrgebiet. Bis Duisburg (mit Dehnungs-i, [ˈdyːsbʊɐ̯k]?/i, regional [ˈdyːsbʊə̯ç] bis [ˈdʏːsbʊʀə̆ɕ]) sind wir richtig flott, da schauen wir zum ersten Mal auf die Karte Auch Düsseldorf finden wir ohne Schwierigkeiten. Dann verlässt es uns. Erst die B8, auf der wir bisher so flott gefahren sind, dann die Radbeschilderung. Leider auch das gute Essen. Wir landen in einem Biergarten im Norden, Wolfgang folgt magisch der bayrischen Fahne. Das Essen ist aber sehr mittelmäßig und die Leute um uns herum eher schlecht gelaunt. Das wird zum Glück besser. Man darf ja nicht meinen, dass es in Düsseldorf eine Radbeschilderung nach Köln gäbe. Weit gefehlt. Wir irren herum, gerne auch im Kreis. Als wir nach zwei Stunden immer noch erst 10km südlich von Düsseldorf sind, bekommen wir langsam die Krise. Wir fahren gen Hilden, schauen wieder auf eine Karte (wir haben keine dabei), stellen fest, dass das auch eine Möglichkeit ist. Die B8 kehrt zurück, aber ist wohl für uns gesperrt. Auf jeden Fall sind die Autos sehr schnell. Es ist eine weitere B8 ausgeschrieben, also nehmen wir diese (wir sind da ja recht flexibel) und dann haben uns die Radschilder wieder – nicht, dass wir sie schmerzhaft vermisst hätten. Nun nähern wir uns wirklich Köln, es ist inzwischen auch fast dunkel. Vom Marathon bekommen wir nichts mehr mit, die Straßensperrungen bestehen zwar noch und vor allem gibt es eine Menge Stau und eine Menge Glasscherben auf den Straßen und den Radwegen. Wir fallen um 20:30 beim Campingplatz ein, sind ziemlich erschlagen nach 125 km!

Nach 427 Tagen auf dem Fahrrad: 10 goldene Regeln fuer den Umgang mit ReiseradlerInnen

1.

Reiseradlerinnen und Reiseradler sind vollwertige VerkehrsteilnehmerInnen. Oft legen sie längere Strecken zurück als du als KraftfahrerIn. Sie gehören zum Fernverkehr – und noch dazu CO2-frei!

2.
Überlasse ReiseradlerInnen und Reiseradlern die Entscheidung, wo sie fahren: auf der Fahrbahn,

vorbildliche Fahrbahn in den Niederlanden (Autos werden mittig gehalten) 


gefährliche Fahrbahnmarkierung in Japan (die Riffelung des Mittelstreifens verhindert, daß Autofahrer sie überfahren, dadurch ist ihr Abstand zum Fahrradfahrer verringert!) 




(vorbildlicher Radfahrstreifen der Seidenstrasse im Iran) 




vorbildliche Fahrradstreifen in Deutschland 



 vorbildliche Fahrradführung bei Straßenbahnhaltestellen in Deutschland 


vorbildlicher Abstand zwischen Fahrradstreifen und parkenden Autos in Deutschland 

auf einer Mehrzweckspur oder einem Standstreifen. Bedenke dabei, daß Reiseradlerinnen und Reiseradler auf eine steigungsarme Streckenführung, guten Fahrbahnbelag und eine nicht durch Steine oder Glassplitter verunreinigte Fahrbahn angewiesen sind. Dies schließt in der Regel die in manchen Ländern vorhandenen Fahrradwege als Möglichkeit aus.

Vorbildlicher Fahrradweg, Japan 


Unbrauchbarer Fahrradweg, Japan (Bei einer Radreise wie der unseren würden die Bordsteine über eine Million zusätzliche und unnötige Schläge in die Wirbelsäule verursachen!) 


Unbrauchbarer Fahrradweg in Deutschland 

Solltest du ReiseradlerInnen und Reiseradler auf Autobahnen oder für Fahrräder gesperrte Strecken antreffen, gehe davon aus, daß dies oft die einzige Möglichkeit ist, um voranzukommen. In manchen Ländern lotst die Polizei übriges Radreisende aus Sicherheitsgründen auf die Autobahn!

(Vorbildliche Fahrradführung an chinesischer Autobahn-Mautstelle) 


Hast du etwas Zeit, kannst du gerne mit eingeschalteter Warnblinkanlage in sicherem Abstand hinterherfahren, um „Rückendeckung“ zu geben. (Dies gilt besonders für - unbeleuchtete - Tunnelstrecken!)

(Vorbildliche Radwegführung in japanischen Tunneln) 


Unterlasse aber in jedem Fall besserwisserisches Zurechtweisen „da ist ein Radlweg!“ nur weil du dich durch die langsameren VerkehrsteilnehmerInnen in deiner Raserei gestört fühlst.

So haben es VerkehrsplanerInnen im Sinn: Viel schieben, wenig Berührung mit dem Kraftverkehr! 


Die Dachauer übrigens sind Weltmeister in dieser arrogant-aggressiven Rechthaberei – das bleibt als Assoziation bei diesem Nummernschild.

3. 

Als eigene „Lebensversicherung“ fahren ReiseradlerInnen und Reiseradler mit Rückspiegel. Schließlich fahren sie ohne passive Sicherheit und müssen auch deine Fehler ausgleichen. Jedes Kraftfahrzeug, das sich von hinten nähert, bedeutet zunächst eine Gefahr. Wenn du dich also von hinten einer Reiseradlerin oder einem Reiseradler näherst, blinke bereits früh nach links. Dadurch zeigst du der Reiseradlerin oder dem Reiseradler, dass du sie oder ihn gesehen hast und sowohl ethisch als auch technisch gewillt oder fähig bist, sie oder ihn bzw. ihr oder sein Leben zu respektieren, d.h. dass du überholen wirst, ohne sie oder ihn zu gefährden. Dein rechtzeitiges Blinken schenkt also der Reiseradlerin oder dem Reiseadler einige entspannte Zehntelsekunden, in denen sie oder er die Straße vorne oder gar die Landschaft betrachten kann. Wenn du dann überholst, halte 1,5 m Sicherheitsabstand und fahre zügig vorbei. Am besten wechselst du vollständig auf die Überhol- oder Gegenspur, dadurch verhinderst du, dass du deinerseits überholt wirst und gezwungen bist, die Reiseradlerin oder den Reiseradler zu schneiden und dadurch zu gefährden. Wenn du überholst, werde auf keinen Fall aus Neugierde langsamer, denn durch dein Gegaffe kommt es zu einer gefährlichen Verlangsamung des Verkehrsflusses.

4. 

Eine Reiseradlerin oder ein Reiseradler wird täglich 3 - 5.000 mal angehupt. Deiner Hupe kann die Reiseradlerin oder der Reiseradler nichts Adäquates entgegensetzen. Hupen bedeutet für die Reiseradlerin oder den Reiseradler immer Stress, zumal sie oder er ja sowieso ständig dem Lärm der Kraftfahrzeuge ausgesetzt ist. Jedes Hupen muß sie oder er immer als Gefahrenwarnung interpretieren, auch wenn es als freundliches Grüßen, besserwisserisches Ermahnen oder einfach spätpubertäres „ich kann lauter“ gemeint ist. Hupen ist also absolut tabu, außer in einem wirklichen Notfall.

5.

Bedenke, daß du als Kraftfahrzeuglenkerin oder –lenker für die Reiseradlerin oder den Reiseradler anonym bleiben wirst. Dein Gesicht bleibt ungesehen, denn die Reiseradlerin oder der Reiseradler kann es sich im Verkehrsfluß selten leisten, vom Rückspiegel oder der Fahrbahn aufzublicken. Du begegnest also durch dein Verhalten. Rechtzeitiges Blinken, sicherer Abstand beim Überholen oder geduldiges Abbremsen, solltest du einmal nicht sofort überholen können; dadurch wird die Reiseradlerin oder der Reiseradler dich und deinen Charakter wahrnehmen, deinen Respekt und deine Erziehung. Erst wenn du an der Reiseradlerin oder dem Reiseradler vorbeigefahren bist, kannst du mit der Warnblinkanlage freundlich grüßen. Wenn du jetzt unbedingt zum Gruß hupen willst, tu dies dezent; die Serben sind übrigens darin Meister. Kannst du nicht dezent hupen, unterlasse es lieber… Hupe aber in keinem Falle schon hinter der Reiseradlerin oder dem Reiseradler oder auf gleicher Höhe. Dies muß sie oder er wieder als Gefahr-Hupen interpretieren.
Darüber hinaus gibt es Grundregeln der Höflichkeit: Vor einer roten Ampel nicht noch schnell überholen, beim Einparken in eine Bucht immer vorwärts, nie rückwärts. Dein Auspuff ist genau in der Höhe des auf dem Boden sitzenden Reiseradlers oder der Reiseradlerin, die gerade vielleicht das Mittagessen einnimmt.

Gebot der Höflichkeit: vorwärts einparken und Motor aus! 


Und: Im Stand immer Motor aus, auch wenn du gerne im klimatisierten Wagen sitzen möchtest.

6. 

Begegnest du einer Reiseradlerin oder einem Reiseradler im Gegenverkehr, verzichte auf Überholen, indem du in seine Gegenspur hineinfährst und grüße auch hier erst, wenn du an ihr oder ihm vorbei bist durch dezentes Hupen und den Warnblinker.

7. 

In Steigungen ab 4 % - besonders über 10 % - müssen Reiseradlerinnen und Reiseradler oft Schlangenlinien fahren, um hochzukommen. Die Innenseite von Haarnadelkurven ist besonders steil. Bedenke dies beim Überholen, insbesondere wenn die Reiseradlerin oder der Reiseradler ganz rechts fahren, denn dann kommt ein Schwenk nach links! Verdopple also den Sicherheitsabstand!

8. 

Eine Reiseradlerin oder ein Reiseradler freut sich über einen Gruß von dir. Auch unterhalten sich die Radler gerne mit dir, wenn sie eine Pause machen. Grüße aber stets so, daß du keine Antwort erwartest. Besonders in Steigungen vollbringt die Reiseradlerin oder der Reiseradler sportliche Höchstleistungen und hat etwas anderes zu tun als smalltalk… Wenn du etwas Nettes tun willst, reiche ihr oder ihm einen Schokoriegel, aber bitte so, dass sie oder er nicht anhalten muß. Wenn Radler eine Pause machen, brauchen sie diese auch. Sie werden dann nicht weitere Meter zu deinem Auto zurücklegen. Komm dann auf sie zu.

9.  

Wenn du eine Reiseradlerin oder einen Reiseradler anhältst, tu dies nicht zur Befriedigung deiner eigenen Neugierde, sondern um wirkliche Hilfe und Gastfreundschaft anzubieten. Bedenke, daß du an dem Tag schon der zweiundfünfzigste bist, der die RadlerIn oder den Radler anhält, um zu fragen: „Wo kommst du her?“ oder um ein Foto zu machen, mache daher deutlich, dass es um etwas anderes geht und zeige dies: Wasserflaschen, Thermoskannen, Früchte etc. symbolisieren dies. Gerne gesehen ist daher, wenn du z. B. bei Kälte eine Thermoskanne zeigst. Dann werden die Radler gerne anhalten, um dein Angebot anzunehmen. Auch am Abend bei schlechtem Wetter oder Kälte ist dein Anhalten sinnvoll wenn du einen Schlafplatz – sei es im Garten, der Garage, im Stall oder im Haus – anzubieten hast, der mit dem Rad schnell und gut zu erreichen ist. Zeige dies pantomimisch an. (Natürlich wissen wir, dass die Aufnahme von Ausländern in manchen Ländern verboten ist und akzeptieren dies natürlich.)
Übrigens empfiehlt in den meisten Ländern die Polizei, keinesfalls anzuhalten, außer bei eindeutig erkennbaren Polizisten oder Militärs. Bedenke dies, wenn du versuchst, ReiseradlerInnen anzuhalten!




10. 
Wenn du einer weiteren Sprache neben dem Deutschen mächtig bist, dann mache von den „10 goldenen Regeln“ eine Übersetzung und füge sie als Kommentar diesem Blogeintrag bei!

Samstag, 1. Oktober 2011

1. Oktober 2011, 427

1. Oktober, Emmerich bis Flüren, 40km, 15555,05
 
Heute dürfen wir ausschlafen. Nachdem wir ja dem Bauern versprochen haben, sein Feld ganz sauber zu verlassen, machen wir das auch.   

Am Ende ist eh nie zu sehen, dass wir da gewesen sind, nur die platten Pflanzen brauchen dann eine Weile, aber hier rangieren sie unter „Unkraut“ und sonst suchen wir uns die Plätze ja so, dass wir möglichst wenig Pflanzen knicken.   

Die Strecke ist trotz des Fahrradweges, auf den wir uns dann doch trauen, nachdem die ersten Kilometer ok sind, gut. Wir machen einen Halt in ریز، آلمان (به آلمانی: Rees, Germany)‏ und genießen dort den Luxus eines leckeren Stückes Kuchen. Während wir da sitzen, werden wir angesprochen. Es ist ein begeisterter Motorradfahrer, der die Strecke gerne mit dem Motorrad fahren möchte und selber viele Radtouren gemacht hat. Überhaupt werden wir hier viel angesprochen, mit unserem Gepäck fallen wir wohl doch auf, obwohl es inzwischen ja echt wenig ist. Als wir bei einem Supermarkt noch Thunfisch für heute Abend kaufen, kommt Wolfgang mit einem Schoko-Nikolaus aus dem Supermarkt!   

Was es alles gibt! Wir werden wieder angesprochen, wo wir denn heute noch so hinwollen. Die Antwort „Wesel“ erstaunt ihn so, dass er meint, wir würden doch wohl eher längere Strecken fahren. Heute ist sie wirklich kurz. Wir entscheiden uns für einen Abstecher nach Xanten [ˈksantən], fahren mit der Fähre über den Rhein   

und essen am Marktplatz. Das Essen ist gut und sauteuer, die günstigen Marktstände entdecken wir zu spät. Dabei hätte es da Leberkäse gegeben, womit Wolfang seit Monaten allen, die ihn hören, in den Ohren liegt. Xanten ist richtig schön,   

so ein Unterschied zu Emmerich. Auch wenn wir Emmerich doch noch lieb gewonnen haben. Hinter Xanten reihen wir uns in den Stau für die Fähre ein.   

Das ist hier alles sehr organisiert, mit Fahrradständern in der Mitte. Als wir den Deich wieder hochfahren, werden wir von einem älteren Ehepaar mit Rädern angesprochen, was wir denn suchen. Als wir sagen: „den Campingplatz auf der Insel“, kommt als Antwort:
„Das haben wir uns gedacht. Ist der größte in Europa. Aber ganz vorne ist für sie Platz“. Wir nehmen den Deich, haben den Vorteil, dass wir durch die empfohlene Abkürzung vor allen anderen sind und so den Hundertschaften entkommen. Auf den ersten Blick sind wir schockiert. Campingwagen an Campingwagen, genau sieben Zelte. Aber die Herren an der Rezeption sind super nett und auch ansonsten herrscht in diesem Gedränge und der Fülle eine entspannte Atmosphäre. Es ist klar, was geht und was nicht und die meisten schlendern hier so rum. Es gibt alles: einen Supermarkt, zwei Restaurants, am Abend die obligatorische Disko, sogar W-Lan auf dem ganzen Platz. Super Sanitäreanlagen. Auch wenn wir den Wald oder kleine Orte bevorzugen, ist das für diese Größe hier wirklich nett.
Wir sind immer noch gespannt, ob Gertrud oder Joachim zu uns stoßen. Ob und wann. Der Generalanzeiger-Artikel ist diesmal erfreulich gut. Nun sind wir also wirklich wieder in Deutschland. Es ist schön, sich wieder verständigen zu können, gerade auch in den kurzen Begegnungen, aber auch so im alltäglichen. Wir sind nun wieder im Besitz von Gepa-Kaffee, haben wir extra noch gekauft. Dabei ist der Campingplatz hier mit Gepa-Kaffee ebenso ausgestattet wie mit der Unterstützung von Don-Bosco-Projekten. Noch eine Überraschung für einen so großen Campingplatz.