Hier geht´s zu unserer Homepage
www.silkroad-project.eu
Heute vor zwei JAhren fahren wir über die hochgesicherte Grenze an der
Mariza, auch
Maritza geschrieben (
bulg. Марица,
griechisch Έβρος /
Evros, lat.
Hebrus,
türk. Meriç Nehri).
Heute entdecken wir einen interessanten
Film über die
Jesiden (
kurdisch: ئێزیدی,
Êzîdî; alternative Schreibweisen:
Yeziden,
Eziden[1]
Wikipedia:
Während die ältere religionsgeschichtliche Forschung die jesidische Religion zunächst als eine Abspaltung vom Islam
oder als eine „iranische“ Religion zu verstehen versuchte, wird in
jüngerer Zeit der eigenständige, wenn auch auf einem komplexen Prozess
der Adaption von Elementen anderer Religionen beruhende Charakter der
jesidischen Religion betont. Die Verwandtschaft der kosmogonischen Vorstellungen mit dem Zoroastrismus führt zur Annahme, dass hier eine ursprüngliche Verwandtschaft bestehen könnte. Weitere Elemente werden auf das orientalische Christentum, besonders die nestorianische Eucharistie, den Mandäismus, den Manichäismus und die Gnosis bezogen. Nach Ansicht der Jesiden soll ihre Religion älter sein als das Christentum und sich aus dem altpersischen Mithras-Kult oder aus den Kulten der Meder entwickelt haben.
Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Jesiden von Außenstehenden teilweise als „Teufelsanbeter“ bezeichnet.[3]
Diese Fremdbezeichnung beruht darauf, dass europäische Reisende sich
auf die Berichte der Muslime in der Nachbarschaft der Jesiden bezogen.
Für die islamische Umgebung waren die Jesiden andersgläubig und es war
die Bezeichnung „Teufelsanbeter“ entstanden, da die religiösen Regeln
unverstanden blieben.
Lehre und Kosmogonie
Die Religion der Jesiden ist monotheistisch. Der allmächtige Gott
erschuf die Welt aus einer Perle. Nach einiger Zeit formten sieben
heilige Engel aus dieser Perle die Welt mit allen Himmelskörpern.
Jesiden führen ihre Abstammung allein auf Adam,
nicht auf Eva, zurück und leiten daraus ihre Exklusivität ab. Gott wäre
schwach, wenn er noch eine zweite Kraft neben sich dulden würde.
Folglich fehlt in der jesidischen Theologie die Personifizierung des Bösen. Jesiden sprechen den Namen des Bösen (arabisch Schaitan)
nicht aus, weil das Zweifel an der Allmacht Gottes bedeuten würde.
Damit einher geht auch die Vorstellung, dass der Mensch in erster Linie
selbst für seine Taten verantwortlich ist. Aus jesidischer Sicht hat
Gott dem Menschen die Möglichkeit gegeben, zu sehen, zu hören und zu
denken. Er hat ihm den Verstand gegeben und damit die Möglichkeit, für
sich den richtigen Weg zu finden.
Die Jesiden glauben, dass das Leben nicht mit dem Tod endet, sondern dass es nach einer Seelenwanderung
einen neuen Zustand erreicht. Der neue Zustand ist abhängig von den
Taten im vorherigen Leben. In diesem Zusammenhang spielt für einen Mann
der „Jenseitsbruder“ (biraye achrete) und für eine Frau die „Jenseitsschwester“ (chucha achrete) eine wichtige Rolle. Unter den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft sucht man sich zu Lebzeiten einen Bruder oder eine Schwester für das Jenseits aus. Diese Wahlgeschwister
übernehmen im Jenseits gegenseitig die moralische Mitverantwortung für
ihre Taten und in der Totenzeremonie „begleiten“ sie den Verstorbenen
auf dem Weg zur neuen Bestimmung. Nach den jesidischen Vorstellungen
bestand die Verbindung der Jenseitsgeschwister bereits im vorherigen
Leben und wird auch im künftigen Leben weiter bestehen.
Überlieferungen
Das Jesidentum beruft sich auf keine heiligen Schriften. Die Vermittlung religiöser Traditionen und Glaubensvorstellungen beruht ausschließlich auf mündlicher Überlieferung. In der Literatur über die Jesiden werden zwei Bücher erwähnt, das Buch der Offenbarung, das Kitêba Cilwe, und die Schwarze Schrift, das Mishefa Reş. Beide Bücher wurden 1911 und 1913 veröffentlicht,[4]
wobei wohl nicht alle Glaubensvorstellungen der Jesiden vollständig
authentisch wiedergegeben sind. Sie gelten in der Iranistik als
Aufzeichnungen durch Nicht-Jesiden, enthalten aber authentisches
Material, das unter Jesiden auch schon vorher bekannt war.
Der Glaube wird überwiegend durch Lieder (so genannte Qewals) und Bräuche weitergegeben. Hilmi Abbas
veröffentlichte einige der bisher nur mündlich überlieferten
altkurdischen Legenden im Jahre 2003 in einer Ausgabe unter dem Titel Das ungeschriebene Buch der Kurden.[5] Das Buch beschreibt die Schöpfungsgeschichte aus jesidischer Sicht und die mythische Wanderung des kurdischen Volkes von Osten in den Westen in das heutige Kurdistan.
Taus-i Melek
Der Pfau ist bei den Jesiden heilig und dient als deren religiöses Symbol
Eine zentrale Bedeutung in den jesidischen Glaubensvorstellungen hat Taus-i Melek, der „Engel Pfau“, dessen Symbol ein Pfau ist. Nach der jesidischen Mythologie hat er in besonderer Weise der Allmächtigkeit Gottes gehuldigt und wurde deshalb von Gott zum Oberhaupt der sieben Engel
erkoren. Zwar wollte er sich dem Mythos nach selbst einmal zum Gott
erheben, fiel deswegen in Ungnade, doch er bereute seine Vermessenheit
und büßte dafür in der Hölle.[6]
Seine Schuld wurde ihm schließlich vergeben, seither dient er Gott als
Wächter der Welt sowie als Mittler und Ansprechpartner zu den Gläubigen.
Nach der Schöpfungsgeschichte der Jesiden ist Taus-i Melek, den Gott
mit sechs weiteren Engeln aus seinem Licht schuf, an der gesamten
Schöpfung, an dem göttlichen Plan, aktiv beteiligt.
„Wir glauben, dass er ein stolzer Engel ist, der
rebellierte und deswegen von Gott in die Hölle verbannt wurde. Er blieb
dort 40.000 Jahre, bis seine Tränen das Feuer der Unterwelt auslöschten.
Jetzt hat er sich mit Gott versöhnt.“
– Halil Savucu, Vorsitzender der „Plattform[7] Ezidischer Celler“[8]
Scheich Adi
Eine zweite wichtige Gestalt für die Jesiden ist der als Reformer
geltende Scheich Adi aus dem 11./12. Jahrhundert. Die
Religionswissenschaft identifiziert ihn mit dem sufischen Mystiker Scheich Adî Ibn-Musafîr
(1075–1162), der nach seiner Zwangsislamisierung wieder in die
jesidische Gemeinschaft eintreten wollte und deswegen von den Muslimen
verfolgt wurde.
Für die Jesiden ist Scheich Adi eine Inkarnation des Taus-i Melek,
der kam, um das Jesidentum in einer schwierigen Zeit neu zu beleben. An
seinem Grab in Lalisch
findet jedes Jahr vom 6. Oktober bis 13. Oktober das „Fest der
Versammlung“ (Jashne Jimaiye) statt. Jesiden aller Gemeinden aus den
Siedlungs- und Lebensgebieten kommen zu diesem Fest zusammen, um ihre
Gemeinschaft und ihre Verbundenheit zu bekräftigen. Häufig erschweren
oder verhindern politische Umstände die Pilgerfahrt
nach Lalisch, die eine Pflicht für jeden Jesiden ist. Aus Lalisch
bringen die Jesiden geweihte Erde mit, die mit dem heiligen Wasser der
Quelle Zemzem (in Lalisch, nicht mit dem muslimischen Samsam zu
verwechseln) zu festen Kügelchen geformt wurde. Sie gelten als „heilige
Steine“ (Sing. berat) und spielen bei vielen religiösen Zeremonien eine wichtige Rolle.
Scherfedin
Scherfedin ist der Sohn von Scheich Hassan (al-Hasan ibn Adi), einem
Neffen von Scheich Adi, und ein jesidischer Volksheld. Um das Jahr 1254
n. Chr. kam es zu einem Konflikt zwischen Scheich Hassan und dem
Statthalter von Mosul, Badr al-Din Lulu. Im Sindschar-Gebiet
versammelten sich jesidische Krieger. Nach der Niederlage der Jesiden
nahmen Badr al-Dins Männer Scheich Hassan fest und hängten ihn in Mosul
am Tor auf. Des Weiteren wurde Lalisch angegriffen. Scherfedin sandte
den Jesiden in Lalisch eine Botschaft, die zu Zusammenhalt, Verteidigung
und Bewahrung der jesidischen Religion aufrief. Er wurde bei dem
erneuten Kampf getötet. Seine Botschaft wurde zur religiösen Hymne der
Jesiden:
Şerfedîna, Şerfedîna, Şerfedîna ji dînê me ye
Şerfedîna Mîra li dîwanê
Élem bidin Êzidxanê
qewîn bikin vê îmanê
Şerfedîna ji dînê me ye.
Das Kastensystem
Das jesidische Kastensystem
wurde von Scheich Adi begründet. Vor dieser Reform gab es bei den
Jesiden kein Kastensystem. Hintergrund der Einführung war der Versuch,
die jesidische Religion vor dem Eindringen des Islam zu sichern.
Das jesidische Kastensystem hat kaum Ähnlichkeiten mit dem
hinduistischen Kastensystem. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Geburt in
eine Kaste und das Heiratsverbot zwischen Angehörigen verschiedener
Kasten. Sonst unterscheiden sich die beiden Kastensysteme stark
voneinander. So ist jeder Jeside unabhängig von seiner
Kastenzugehörigkeit gleich an persönlichen und wirtschaftlichen Rechten
und Pflichten geboren. Kein Jeside ist aufgrund seiner Kaste besser oder
schlechter als andere. Im Jesidentum kann jeder unabhängig von seiner
Kaste oder Geschlecht jeden Beruf frei wählen.
Man unterscheidet hierbei zwischen der Kaste der Scheichs, der Kaste der Pirs und der Kaste der Muriden (allgemeinen jesidischen Gläubigen).
Die Scheichs und Pirs sind religiöse Führungskräfte (Geistliche) und
müssen die jesidische Religion unter den Gläubigen aufrechterhalten,
Zeremonien (bei Festen, jesidische Taufe bei Neugeborenen und bei
Beerdigungen) durchführen, Gläubigen in der Not helfen sowie
Streitereien zwischen Jesiden beseitigen.
Obwohl diese Aufgaben die Angehörigen der Scheichs und Pirs machen
müssen, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Kasten. Die
Scheichs haben in der Gemeinschaft noch eine administrative Aufgabe. Sie
müssen bei politisch-sozialen Aufgaben für die Gemeinschaft tätig
werden. Sie sind also nach außen und innen Vertreter der Gemeinschaft
und müssen Probleme sowohl innerhalb, als auch außerhalb der
Gemeinschaft lösen. Die Scheichs und Pirs sind neben den Mir (Fürst,
Oberhaupt der Jesiden), Priesterinnen und Priester von Lalisch, Hüter
der Religion und für jeden jesidischen Gläubigen Ansprechpartner.
Die Kaste der Muriden ist die dritte und größte Kaste. Die Jesiden in
dieser Kaste teilen sich in Stämme auf, bei denen die Heirat der
Angehörigen untereinander kein Problem ist. Auch diese haben Pflichten,
nämlich zur Erhaltung der Religion beizutragen und sich gegenseitig in
der Not zu helfen. Es ist Pflicht für jeden Jesiden unabhängig von
seiner Kaste, seine Kinder religiös zu erziehen und ihnen die jesidische
Kultur und Bräuche beizubringen.
Die jesidischen Siedlungsgebiete waren und sind räumlich voneinander
getrennt. Aus organisatorischen Gründen hat Scheich Adi festgelegt, dass
sowohl die Angehörigen der Pirs als auch der Scheichs sich auf die
jesidischen Stämme in Abhängigkeit zu deren Größe aufteilen sollen. So
bekam jeder Stamm seine Scheichs und Pirs. Dadurch gibt es in jedem
Siedlungsraum für jede Gruppe jesidischer Gläubigen eines Stammes die
zuständigen Pirs und Scheichs. Bei Problemen können sich die Gläubigen
jedoch auch an Pirs und Scheichs wenden, die für andere Stämme zuständig
sind.
Jesidische Stämme
Im Jesidentum gibt es viele Stämme. Die Stämme haben Sippencharakter und sind Ergebnisse des Zusammenhalts von Nachfahren bestimmter Gründungsväter
und des engen Zusammengehörigkeitsgefühls von Jesiden in bestimmten
Gebieten Kurdistans. Die Angehörigen der Stämme sehen sich in der
Pflicht, anderen Stammesangehörigen zu helfen. Die Heirat zwischen
Angehörigen unterschiedlicher jesidischer Stämme ist erlaubt.
Verbreitung
Die Jesiden haben ihr traditionelles Siedlungsgebiet im Verbreitungsgebiet der Kurden. Noch im Mittelalter bekannten sich nach jesidischer Überlieferung die meisten Kurden zum Jesidentum. Unter anderem waren viele Adlige laut Şerefhan ursprünglich Jesiden. Die erste Völkermordwelle an ihnen durch die Osmanen zu Anfang des 19. Jahrhunderts und vor allem der Völkermord an Armeniern
und Jesiden während des Ersten Weltkrieg zwang die Jesiden zur Flucht
nach Armenien und Georgien. Seit den 1980er Jahren wanderten sie auch
nach Mittel- und Westeuropa sowie Nordamerika aus.
Es gibt keine offizielle Zählung der Jesiden. Ihre Zahl wird weltweit auf 800.000 geschätzt.[9].
Den Hauptanteil stellen die irakischen Jesiden (160.000–350.000). In
Deutschland leben etwa 60.000, im restlichen Europa kommen noch etwa
65.000 hinzu. In den USA und Kanada leben einige Tausende Jesiden, meist
aus dem Irak. Im Kaukasus (Armenien und Georgien), in Russland und im Iran leben einige Zehntausend und in Syrien einige Tausend, in der Türkei nur noch wenige Hundert. Die Jesiden stellen heute also unter den mehrheitlich muslimischen Kurden eine religiöse Minderheit dar.
Jesiden im Irak
Das Hauptverbreitungsgebiet der Jesiden ist der Nordirak. Die Jesiden siedeln überwiegend westlich des Tigris in der Provinz Ninawa. In Ninawa konzentrieren sich die Jesiden um dem Dschabal Sindschar mit der gleichnamigen Stadt Sindschar. In der Stadt Mosul selbst leben auch viele Jesiden. Ein kleiner Teil lebt in der Provinz Dahuk.
Nicht allzu weit von Mosul entfernt befindet sich Lalisch, das
religiöse Zentrum der Jesiden. Nahe bei Lalisch residiert in Baadhra das
weltliche und geistliche Oberhaupt der Jesiden, der Mir, der auch
Schaichan Mire Schaichan genannt wird.
Zählungen und Schätzungen von türkischer, britischer und irakischer
Seite aus den 1920er Jahren ergaben einen jesidischen Anteil von 4 % bis
7 % an den irakischen Kurden, was heute bei gleich bleibendem Anteil
160.000 bis 350.000 Personen entspräche. Manche Maximalschätzungen gehen
heute von bis zu 550.000 jesidischen Gläubigen aus. Die Jesiden machen
schätzungsweise 1 % der irakischen Bevölkerung aus. Seit 1991 ist die
jesidische Gemeinschaft im Irak zweigeteilt. 90 % der irakischen Jesiden
leben in irakisch verwaltetem und nur etwa 10 % in kurdisch verwaltetem
Gebiet.
Nach Angaben des UNHCR verfügen die Jesiden im Irak nicht über eine
eigene Interessenvertretung im gegenwärtigen zentralirakischen
Regierungsgefüge, nachdem das frühere Ministerium für
Religionsangelegenheiten zugunsten dreier neugeschaffener Ressorts für
die Angelegenheiten der Schiiten, Sunniten und Christen aufgelöst wurde [10].
Seit dem Ende des Irakkrieges
sind die Jesiden gezielt zur Zielscheibe fundamentalistischer Moslems
geworden. Sie müssen um ihr Leben fürchten. Das führt dazu, dass die
Jesiden aus dem Irak in Massen nach Europa und Nordamerika flüchten. Am
14. August 2007 verübten Terroristen aus dem Umfeld der al-Qaida vier Anschläge in den ausschließlich von Jesiden bewohnten Dörfern El Khatanijah und El Adnanijah. Die Anschläge forderten insgesamt über 500 Todesopfer, Hunderte wurden verletzt.[11] Die Tat gilt als Racheakt für die 15 Tage zuvor verübte Ermordung des 17-jährigen jesidischen Mädchens Du’a Khalil Aswad, das, angeblich wegen eines Übertritts zum Islam, von ihrem eigenen Clan gesteinigt wurde. Die al-Qaida in Mossul hatte darüber hinaus in einer Fatwa
verboten, den Jesiden Essen zu geben, wodurch sich die
Lebensmittelversorgung in den jesidischen Dörfern dramatisch
verschlechterte. Die Zusage der Amerikaner und der kurdischen
Regionalregierung, bald Lebensmitteltransporte zu schicken, nutzten
Terroristen für einen Anschlag.[12][13] Diese gegen die Jesiden gerichteten Anschläge waren die folgenschwersten seit Beginn des Irakkriegs.[14]
Jesiden in der Türkei
In den letzten 30 Jahren haben die Jesiden in großen Auswanderungswellen die Türkei verlassen. Sie lebten überwiegend in Südostanatolien. Laut dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht liegt seit 2003 keine staatliche Gruppenverfolgung der Jesiden vor.[15]
Jesiden in Syrien
In Nordsyrien, hier besonders in Afrin, und in Nordost-Syrien, hier besonders in und um die Stadt Qamischli und im Gouvernement Al-Hasaka, leben Jesiden in Syrien – vgl. als Illustration Qîbar.
Allerdings ging ihre Zahl beträchtlich zurück, für 1990 wurden 12.256
gezählt und Ende 2008 nur noch 3.357. Ein wesentlicher Grund dafür ist
die verstärkte Auswanderung nach Europa.
Jesiden im Iran
Im Iran gibt es einige Tausend Jesiden. Im Iran sind als Religionen
nur der Islam und, mit wesentlichen Einschränkungen, das Christentum,
der Zoroastrismus und das Judentum erlaubt. So müssen die Jesiden ihre
Religionszugehörigkeit und -ausübung geheim halten. Sie leben anonym auf
dem Land und vor allem in größeren Städten.
Jesiden in der Diaspora
Kaukasus
Es gab insgesamt drei Fluchtwellen der Jesiden aus dem Osmanischen Reich in den Kaukasus, nach Georgien und Armenien. Die erste geschah im 18. Jahrhundert. Zur zweiten Fluchtwelle kam es während des Russisch-Türkischen Krieges 1877–1878. Die dritte und größte Fluchtwelle ereignete sich am Anfang des 20. Jahrhunderts, während des Ersten Weltkrieges.[16]
Auslöser der Flucht waren die gezielte Verfolgung, Unterdrückung und
Massaker an Jesiden und anderen Volksgruppen im osmanischen Reich. Nicht
selten unterstützten moslemische Kurden und osmanische Behörden diese
Verfolgungen und Massaker. Die Jesiden, die selbst Opfer der Osmanen
waren, schützten die Armenier während des Ersten Weltkrieges, indem sie
diese in ihren Häusern versteckt hielten. Dieser Schutz der Armenier
durch die Jesiden bildete eine Grundlage für das Zusammenleben von
Jesiden und Armeniern in Armenien.
Vor dem Zusammenbruch der UdSSR
um 1990 lag die Zahl der Jesiden in Georgien bei 22.000, in Armenien
bei 60.000. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es aber zu
wachsendem Nationalismus in beiden Staaten und die Situation für die
Jesiden und andere Minderheiten verschlechterte sich. Die Zahl der
Jesiden ging im Zeitraum zwischen 1989 und 1997 in Georgien auf 1.200
und in Armenien auf 18.000 zurück. Viele Jesiden flüchteten nach Europa
und Russland.
In Georgien sind die Gründe der Flucht vielfältig. Die Jesiden
beklagen massive Übergriffe durch Polizisten und Beamte, Mordvorwürfe,
Körperverletzungen, Falschanschuldigungen, Hass und zu Unrecht negative
Berichte der Presse und öffentliche Äußerungen von Politikern. Die
Jesiden haben keine Chance auf höhere Posten und Gleichbehandlung bei
der Verwaltung und medizinischen Versorgung. Auch haben sie keine Chance
auf höhere Bildung und ein höheres Einkommen. Die Flüchtlinge berichten
über Erpressung, Bedrohung und Verfolgung durch die Polizei. Den
Jesiden in Georgien wird der Bau von jesidischen Gebetshäusern verboten.
Sie sind in Georgien weder in Parlament noch Regierung vertreten, so
dass ihre Forderungen nach einem normalen Leben kein Gehör finden. Zur
Sowjetzeit wurden Garantiemandate an die Jesiden vergeben; nach dem
Zusammenbruch der UdSSR wurden sie aber wieder abgeschafft.[16]
In Armenien bilden die Jesiden mit 1,3 % an der Gesamtbevölkerung die größte Minderheit.[17] Da ihnen nach dem Zusammenbruch der UdSSR keine Garantiemandate mehr zustehen, sind sie im Parlament nicht vertreten.
In Russland wurde das Jesidentum erst Ende Juli 2009 offiziell als
Religionsgemeinschaft und somit als Körperschaft des öffentlichen Rechts
anerkannt.
Seit 1990 sendet "Radio Jerewan"(=Öffentliches Radio Armeniens)[18] täglich eine halbe Stunde lang die Sendung Stimme der Jesiden in kurdischer Sprache. In der Redaktion der Radiosendung wird die jesidische Wochenzeitung, die ebenfalls Stimme der Jesiden heißt, verfasst. Sie erscheint in armenischer Sprache. In Armenien darf in jesidischen Schulen kurdisch gelehrt werden.
Europa und Amerika
Eine bedeutende Zahl von Jesiden lebt zurzeit in Europa, hauptsächlich in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und besonders in Deutschland. Einige wenige leben in Schweden, Dänemark, Österreich und in außereuropäischen Staaten,[19] wie in den USA und Kanada.
Deutschland
Zunehmende Repressionen trieben Jesiden in den 1980ern vor allem aus
der Türkei zur Flucht nach Deutschland. In Deutschland leben
schätzungsweise 60.000 Jesiden,[20] vorwiegend in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hier bilden sie häufig größere Gemeinden. Bedeutende Gemeinden befinden sich in Hannover, Oldenburg, Celle, Bielefeld, Halle (Westf.), Emmerich am Rhein, Rees, Kalkar und Kleve und zunehmend in Mecklenburg-Vorpommern. 2007 wurde der Zentralrat der Yeziden in Deutschland[21]
gegründet, der sich die „Förderung und Pflege religiöser und
kultureller Aufgaben der yezidischen Gemeinden“ und „die Vertretung der
gemeinsamen politischen Interessen der yezidischen Gemeinschaft“[21] zum Ziel gesetzt hat. Im Februar 2011 entstand die Gesellschaft für Christlich-Ezidische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung.[22][23]
Der mit den Gegebenheiten vor Ort vertraute Orientalist Gernot Wießner der Universität Göttingen erwirkte mit einem Gutachten beim Verwaltungsgericht Stade 1982 die Anerkennung der Jesiden als Flüchtlinge. 1993 hat sich dieser Status vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg allgemein durchgesetzt. Auf politischer Ebene bereitete 1989 Herbert Schnoor in seiner Amtszeit als Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen den Weg für ein Bleiberecht der Jesiden. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker, bei der Wießner Beiratsmitglied ist, hat sich als Menschenrechtsorganisation für die Jesiden eingesetzt. In den letzten Jahren flohen vermehrt Jesiden aus dem Irak nach Deutschland.[24][25][26]
Feleknas Uca, die von 1999 bis 2009 Die Linke im Europaparlament vertrat, ist Jesidin. Der Jeside Ali Atalan gehört als Abgeordneter der Fraktion der Linken im Landtag von Nordrhein-Westfalen an.
Durch die strikten Heiratsvorschriften des jesidischen Glaubens und
die modernen Einflüsse in der Diaspora entstehen zunehmend starke
Spannungen, insbesondere zwischen jungen Frauen und den älteren
Familiengliedern. Der traditionelle Brautpreis,
der vor der Hochzeit durch die Familie des Mannes zu entrichten ist,
beträgt in den deutschen Diasporagemeinden bis zu 70.000 €.[27] Auch in Deutschland kam es unter Jesiden zu Fällen von Zwangsheirat
(bei beiden Geschlechtern). Der Anteil von Jesidinnen an Frauen, die
sich aufgrund einer bevorstehenden Zwangsheirat an
Beratungseinrichtungen wandten, lag in einer Studie des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei 9,5 %.[28] Auch Blutrache zwischen verfeindeten Großfamilien und mutmaßliche Ehrenmorde wurden öffentlich. So wurde die Tötung der Jesidin Arzu Özmen im erstinstanzlichen Strafurteil gegen fünf ihrer Geschwister ausdrücklich als „Ehrenmord“ bezeichnet.
Das Auswärtige Amt schreibt zu Georgien:
Im Vorfeld der Parlamentswahlen am 1. Oktober 2012 organisieren die
großen politischen Lager Kundgebungen in Tiflis und in anderen Städten,
bei denen mit einer sehr hohen Anzahl von Teilnehmern und entsprechenden
Verkehrsbehinderungen zu rechnen ist. Zwischenfälle können nicht
ausgeschlossen werden. Es wird empfohlen, Demonstrationen und
Menschen-ansammlungen zu meiden.
Während eine Einreise über Land z.B. über die Türkei problemlos
erfolgen kann, ist der Reiseverkehr über Land zwischen der Russischen
Föderation und Georgien für Ausländer nur erschwert möglich oder gar
völlig unterbrochen.
Der Grenzübergang Dariali / Hoher Lars an der M3 („Georgische
Heerstraße“) konnte von 2006 bis 2011 nur von georgischen
Staatsangehörigen und Staatsangehörigen der GUS-Staaten genutzt werden,
ist inzwischen aber auch für den internationalen Reiseverkehr wieder
geöffnet. Dennoch können Schwierigkeiten beim Grenzübertritt nicht
ausgeschlossen werden. Vor allem aber ist hierbei die Sicherheitslage im
Nordkaukasus zu beachten: Von Reisen dort wird dringend abgeraten
(siehe Reise- und Sicherheitsweise Russische Föderation).
Eine Einreise über die georgisch-russische Grenze in
die georgischen Konfliktgebiete Abchasien und Südossetien wird seitens
der georgischen Behörden weiterhin als illegaler Grenzübertritt geahndet
(siehe unten).
1. Sicherheit in den Landesteilen Südossetien und Abchasien und in der Nähe der Verwaltungsgrenzen
Beide Gebiete befinden sich nicht unter der Kontrolle der Regierung
in Tiflis. In den Gebieten und an deren Verwaltungsgrenzen sind
russische Truppen stationiert.
Die Situation in den Konfliktregionen kann sich jederzeit ändern. Informieren Sie sich daher auch über die lokalen Medien.
Das georgische „Gesetz über die besetzten Gebiete“ untersagt
Reiseverkehr, wirtschaftliche Aktivitäten, Erwerb von Grund und Boden
bzw. Immobilien sowie andere Aktivitäten in Abchasien und Südossetien
mit nur wenigen Ausnahmen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Geld- oder
Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Es wird daher dringend
geraten, sich im konkreten Fall rechtzeitig über die entsprechenden
Regelungen zu informieren, und die notwendige Zustimmung der georgischen
Regierung einzuholen – Hinweise und Erlaubnis zur Einreise geben das
Georgische Außenministerium (Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.mfa.gov.ge) und das Ministerium für Reintegration (Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.smr.gov.ge).
Abchasien:
Von Reisen nach Abchasien wird grundsätzlich abgeraten. Wegen
der schwierigen Sicherheitslage, insbesondere im Bezirk Gali nahe der
Waffenstillstandslinie bzw. Verwaltungsgrenze, wird unbedingt empfohlen,
die Reisenotwendigkeit sehr sorgfältig zu prüfen und die vorherige
Zustimmung des georgischen Außenministeriums einzuholen.
Die Autonome Republik Abchasien in Nordwest-Georgien gehört
völkerrechtlich zu Georgien, steht seit 1993 aber nicht mehr unter der
Kontrolle der georgischen Regierung. Die Sicherheitslage in diesem
Landesteil ist seitdem prekär. Es kommt zu Zwischenfällen. In einigen Teilen der Region liegen teils nicht gekennzeichnete Minenfelder.
Abchasien ist für den internationalen Reiseverkehr gesperrt. Eine
legale Ein- und Ausreise in bzw. aus dem Gebiet heraus ist gemäß dem
„Gesetz über die besetzten Gebiete“ über die russisch-georgische Grenze
in Abchasien nicht möglich – es sei denn
in besonderen Ausnahmefällen mit vorheriger Zustimmung der georgischen
Regierung. Ein ungenehmigter Grenzübertritt (z. B. am Grenzübergang
Psou) wird von den georgischen Behörden als illegaler Grenzübertritt
nach Georgien behandelt. Bei anschließender Weiterreise über die
Waffenstillstandslinie bzw. Verwaltungsgrenze in benachbarte georgische
Landesteile bzw. beim Ausreiseversuch über reguläre georgische
Grenzübergänge drohen daher Festnahme und Strafverfahren. Auch bei
späteren Reisen nach Georgien droht die Verweigerung der Einreise,
sollte sich aus dem Pass ergeben, dass zuvor auf illegalem Wege nach
Abchasien/Georgien eingereist wurde.
Südossetien:
Vor Reisen nach Südossetien und in die unmittelbare Nähe der
Konfliktregion wird ausdrücklich gewarnt. Für eine Einreise in die
Region sollte die Zustimmung des georgischen Außenministeriums eingeholt
werden.
Das Gebiet Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien, steht seit
1993 aber nicht mehr unter dem Einfluss der georgischen Regierung. Die
Lage in Südossetien ist weiterhin prekär und unübersichtlich. Trotz der
Bemühungen zur Umsetzung des Waffenstillstandes nach dem Krieg 2008
kommt es insbesondere in der Umgebung der Verwaltungsgrenzen von
Südossetien noch zu bewaffneten Zwischenfällen. Es besteht in diesem
Gebiet auch weiterhin eine erhöhte Gefahr durch Minen und nicht
explodierte Munition, da es während des Krieges von Kampfhandlungen
betroffen war.
Auch Südossetien ist für den internationalen Reiseverkehr gesperrt.
Eine legale Ein- und Ausreise in bzw. aus dem Gebiet heraus
(Roki-Tunnel) ist über die russisch-georgische Grenze nicht
möglich. Ein Grenzübertritt wird von den georgischen Behörden als
illegaler Grenzübertritt behandelt. Bezüglich der möglichen Konsequenzen
gilt das oben zu Abchasien Gesagte.
2. Sicherheit im übrigen Georgien
Die Lage im übrigen Georgien ist insgesamt ruhig.
Gegen die Nutzung der Hauptverbindungsstraße zwischen Ost und West (M
1), die relativ nahe an Südossetien vorbei führt, bestehen keine
Bedenken. Ebenso gibt es keine Bedenken gegen die Nutzung der
sogenannten „Alten Georgischen Heerstrasse“(M3), die ebenfalls nahe an
Südossetien vorbei auch in das Skigebiet Gudauri führt.
In der Vergangenheit vereinzelt erfolgte oder verhinderte
Sprengstoffanschläge in Vororten von Tiflis gebieten besondere Vorsicht.
Es wird insbesondere vor und nach den georgischen Parlamentswahlen am
1. Oktober 2012 empfohlen, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu
meiden.
Georgien liegt in einer Region seismischer
Aktivität. Ein Erdbeben in Tiflis forderte im Jahr 2002 fünf Todesopfer;
ein Erdbeben ca. 150 km von Tiflis entfernt erreichte im Jahr 2009 den
Wert 6,2 auf der Richter-Skala.