Heute vor einem Jahr finden wir im Homestay eine Landkarte, wo der Grenzübergang Panjwin/Bashmaq vom Irak (arabisch جمهورية العراق, DMG Ǧumhūriyyat al-Irāq; kurdisch كۆماری عێراق, Komara Îraqê;) in den Iran (Persien, persisch ايران Īrān
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Samstag, 12. Mai 2012
Heute vor einem Jahr
Heute vor einem Jahr finden wir im Homestay eine Landkarte, wo der Grenzübergang Panjwin/Bashmaq vom Irak (arabisch جمهورية العراق, DMG Ǧumhūriyyat al-Irāq; kurdisch كۆماری عێراق, Komara Îraqê;) in den Iran (Persien, persisch ايران Īrān
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Sonntag, 6. März 2011
4. und 5. März 2011, Buchara, 216, 217
5. März, Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch بُخارا, DMG Buḫārā)
Heute brauchen wir lange, um uns zu entscheiden, was wir heute machen. Schließlich fällt die Entscheidung, dass wir ins Hamam gehen. Dafür müssen wir uns voranmelden, denn es ist ein reines Männer-Hamam, aber nach den Öffnungszeiten können wir hinein.
Jeden Tag ist in der Stadt mehr renoviert, neue Bausubstanz weggerissen. Heute ist eine Gruppe Archäologen damit beschäftigt, Mauern auf dem großen Platz mitten in der Stadt freizulegen, der vor ein paar Tagen noch ein Rasenplatz mit Bänken war. An anderen Stellen wird unter viel Handarbeit der Putz, den Generationen davor bestimmt ganz stolz an den Gewölben unter viel Handarbeit angebracht hatten, abgeschlagen und das Mauerwerk kommt wieder hervor. Nur die Bögen werden neu geweißelt. Eigentlich sind die großen Hotels in der Innenstadt eine Schande, wir wüssten ja gerne, ob sie auch weggehauen werden. Die Post und das Büro der Milizia sind schon leer geräumt und an dem Gebäude wird kräftig gearbeitet. Leider scheint die neue Postfiliale nicht zu funktionieren, so tragen wir jetzt schon sechs Postkarten, davon vier noch aus Turkmenistan, mit uns herum und hoffen auf Samarkand.
Viele der alten Gebäude sind einige Meter unter der jetzigen Stadthöhe, so dass es für uns immer wieder spannend ist, die Wege zu gehen, weil immer wieder etwas neues freigelegt, etwas anderes weg ist.
Das Haman selbst ist aus dem 16. Jahrhundert, im Grunde wie das, was wir als Museum in Kashan besichtigt haben (der Eintrittspreis ins funktionierende Haman ist deutlich günstiger). Es ist ein Raum-Komplex mit Gewölbe. Für uns gibt es eine Art Schnelldurchlauf, zunächst aber eine halbe Stunde auf einem heißen Stein liegen und dann ins Dampfbad. Erst im Nachhinein erahnen wir, dass wir das nicht richtig verstanden haben: wir haben verstanden zehn Minuten und dann waschen. Dafür steht auch alles bereit. Im Dampfbad werden wir in je eine Nische gestellt, ein wenig wie Säulenheilige stehen wir da und stehen und stehen und denken immer: mensch, das sind aber lange zehn Minuten (vorher wurden wir immer nach Ablauf der Zeit zur nächsten Aktion geholt). Es ist irre heiß. Irgendwann gehen wir hinaus und waschen uns brav mit Seife. Als wir in der Eingangshalle ankommen ist er ganz erstaunt, dass wir schon da sind. Wir verstehen: die Schüsseln mit dem kalten Wasser vor dem Dampfbad wären wohl zum Abkühlen zwischendurch gewesen. Dann hätten wir noch einmal reingehen können und dann irgendwann mit dem warmen Wasser waschen. Aber auch so ist es ein wunderbares Gefühl. Unsere immer noch von der Kälte tauben Fingerspitzen fangen tatsächlich an zu kribbeln. Vielleicht tauen sie ja doch wieder auf.
4. März Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch بُخارا, DMG Buḫārā)
Wieder haben wir den Tag begonnen – nach Ausschlafen und einem wieder abwechslungsreichen Frühstück bei unserer Wirtin – mit einer Stunde im Internetcafe. Heute haben wir es tatsächlich geschafft, die blogs seit 1. Dezember mit den Bildern fertig zu machen und auch unser Strecken- und Höhenprofil für die einzelnen Länder einzustellen. Auch der Pressespiegel ist aktuell – soweit wir die Artikel bekommen haben, die über uns seit letzten Sommer erschienen sind. Was bleibt, ist einige Eindrücke zur gesellschaftlichen und politischen Situation zu formulieren, was wir euch bisher sowohl für die Türkei, als auch für den Iran vorenthalten haben. Es geht um das Erleben eines islamischen Staates (Iran), das Kopftuchtragen aus (Gundas) eigener Erfahrung
, das Verbot von Alkohol (man hat eine Telefonnummer und dann kommt jemand mit dem Mofa und bringt den Alkohol, Bier 10 Dollar, Flasche Wein 60 Dollar, Wodka ist ein Schnäppchen, zwischen 15-30 Dollar) und Drogen und ihr illegaler Umgang
(mit dem höchsten pro Kopf-Verbrauch an Opiaten in der Welt), den Umgang mit einer ständigen latenten Gefährdung (sowohl was uns betrifft, als auch – und das vielmehr – der einheimischen Bevölkerung). Wir treffen einen Japaner in Buchara, der in der Nähe der Demonstrationen im Iran eine Brücke fotografiert hat, er wird verhaftet, für drei Tage ist sein Pass und seine Kamera weg. Wer die Standorte des Atomprogramms des Iran mit unserer Reiseroute vergleicht, wird verstehen, warum es aus diesen Regionen eben recht wenige bzw. unverfängliche Fotos gab.
Wir möchten weder uns gefährden durch Fotographieren an diesen Orten, noch durch unsere Fotos und Beschreibungen evtl. Angreifern Zielinformationen liefern. Tagelang sind wir durch FLAK-Gürtel gefahren, alle in Alarmbereitschaft und die Soldaten in Ruf- und Wink-Entfernung.
Ein eigenartiges Gefühl, tagelang den Soldaten freundlich zuzuwinken (und eine ebenso freundliche Antwort zu bekommen), die im Falle eines Militärschlages zum Ziel der ersten Angriffswelle würden, denn die Luftabwehr würde wohl zuallererst ausgeschaltet. Aus diesen Regionen gibt es natürlich dann keine Fotos, aber ein zweites Problem stellte sich: Wir konnten nicht einfach irgendwo unser Zelt aufbauen, denn manchmal war eben hinter jedem Sandhügel eine FLAK-Stellung. Dann war es umso notwendiger, ein Hotel zu finden oder halt einen Stützpunkt des Roten Halbmondes oder der Feuerwehr, um unverdächtig übernachten zu können.
Eigenartig auch, wenn plötzlich Strassen für Reisebusse gesperrt waren, die an hochgesicherten Militärgeländen mit zahlreichen Bunkeranlagen vorbeiführten. Als normaler ausländischer Reisender im Bus würde man das dann ja gar nicht wahrnehmen.
Eigenartig auch, an dem Flughafen vorbeizuradeln, der damals zum misslungenen Evakuierungsplan der Amerikaner gehörte und gleichzeitig Anlass, die Ereignisse von 1979 noch einmal ins Bewußtsein zu rufen. Im Iran lernten wir wieder, zwischen den Zeilen zu lesen und zu schreiben, und dabei immer wieder das Gefühl, dass ja etwas dran ist an der Kritik an den USA und Israel, die z. B. in vielen Murals in Teheran zum Ausdruck kommt.
Das Problem ist, daß die allgemeine Propagandaattitüde
z. B. des staatlichen Fernsehens so penetrant ist,
dass die einheimische Bevölkerung dann über illegale Satellitenschüsseln nur noch CNN wahrnimmt, auf andere Weise ebenso propagandistisch, und das absolut unkritisch. Wir hatten oft den Eindruck in Teheran, dass die junge Bevölkerung alles für gut befindet, was aus USA kommt und die antizionistische Propaganda der Regierung eher bewirkt, dass tiefverwurzelte ethnische Ressentiments der Iraner gegenüber den Arabern wiedererstarken, die Sympathien mit den Israelis eben gegen die Palästinenser hegen – genau konträr zur offiziellen Propaganda. Nicht zu vergessen, dass der achtjährige Krieg in den 80-er Jahren gegen den Irak auch ein Krieg gegen die Araber war, und sich Iraner gerne als Arier bezeichnen, was für uns Deutsche wiederum einen fahlen Beigeschmack hat.
Was also bleibt, ist der Eindruck, dass eine zunehmende internationale Isolierung Irans durch das Regime die Bevölkerung eher in eine unkritische Haltung treibt, was die USA betrifft. Symbolisch auf die Spitze getrieben wurde dies durch die Auswahl der Satellitensender in einem Hotel, wo der US-Militärsender für die Afghanistantruppen (Pentagon-Channel) neben BBC lief. Zugleich ist die Rolle Europas in der Wahrnehmung vieler Iraner sehr zwiespältig. War Europa für viele – gerade auch der 30-50 Jährigen – ein Ort der Bildung, der Ethik und der guten Technik, so dass sie bereit waren jede kritische Aussage ihrer Regierung gegen Europa sofort zu hinterfragen, ist das Einverständnis von Europa mit den UN-Sanktionen für viele unverständlich. Problematisch für die Betriebe, die fast alle auf europäischen bzw. deutschen Produkten fußen zudem. Inzwischen wird alles chinesisch nachgebaut und mittlerweile sind die Produkte beinahe so gut. In der Regel brauche es zwei Jahre für die chinesische Produktion, um an die Güteklasse europäischer Produkte heranzukommen, dann brauche man Europa nicht mehr. Europa ist immer noch Heimat vieler Exil-Iraner, aber die Perspektive der Jüngeren geht nach Amerika und Australien. Die Rolle der Türkei ist da sicherlich eine spezielle, wird aber nicht als europäische wahrgenommen. Die Möglichkeiten, aus europäischer Perspektive im Iran Einfluss zu nehmen, erscheinen so doppelt vergeben: als Europa und in der Verweigerung des Zutritts der Türkei noch einmal in der Wahrnehmung der Türkei. Im Grunde ist die Türkei die regionale Macht, die politischen Einfluss hat und wahrnimmt und sich für iranische Wahrnehmung in der Balance zwischen Islam, Palästina, Israel- und USA-Kritik und eigenen Interessen steht. Für uns ist die Perspektive sehr zwiespältig. Nach den vielen Gesprächen in der Türkei lesen wir türkische Interventionen und Interessen ja auch immer zwischen den Zeilen. Die Sorge um eine geheime Agenda, um eine Islamisierung auf lange Sicht, um die Aufgabe der Säkularisierung, die Intelektuelle in der Türkei umtreibt, lesen wir mit, wenn Erdogan im Atomstreit interveniert. Schon in der Türkei hatten wir den Eindruck, dass das Thema EU für viele Türken, aber auch für Zeitungen und Fernsehen eher gegessen ist und sich eine deutliche Anti-West-Stimmung breit macht. Deutschland zum Beispiel wird von den Atatürk-Anhängern als viel zu liberal gesehen (Deutschland lässt frei walten, die in der Türkei als Terroristen gelten) und es wundert keinen, dass dort viele der fundamentalistischen Türken sind, die im laizistischen Staat Türkei als islamistisch gelten würden. Nach dem Motto: „Nur Türken in der Türkei“ solle das doch auch Deutschland machen. Die tendenziell rassistische Einstellung begleitet uns über die Türkei hinaus.
Iranische Staatliche Propaganda lässt den Westen komplett raus (bis dahin, dass im staatlichen Nachrichtensender die Darstellung der Welt in der Regel so ist, dass die USA ausgeklammert sind und die Nachrichtensprecherin mit dem Kopf vor Israel steht) und sieht die Beziehung nur noch zum Osten und Süden. Der Westen erscheint als Feld eigener Probleme mit Menschenrechten.
Uns hat es vor allem verwundert, wie sich eine Regierung halten kann, die als Regime und Diktatur bezeichnet wird, und zugleich Menschen in einer Weise reflektiert und ethisch in der dauernden Repression hier Alltagsleben leben, dass es wirklich Respekt verlangt. Die Begeisterung für Kultur, Philosophie, Kunst, andere Länder und Sprachen, die Überzeugung der eigenen Kultur und Geschichte als Schmelztiegel und Ort der Toleranz bildet eine Gegenwelt zum Straßenbild, dass sich die Frage stellt, was denn dann noch zusammenhält. Was bei den nächsten Wahlen passieren wird. Zugleich haben wir verstanden, dass die religiösen und kulturellen Werte, die ursprünglich in der Revolution von 1979, bevor sie missbraucht wurde, zu Grunde liegen, so tief gehen und so tief im Wesen und in der Seele einesR jedeN IranerIn verwurzelt sind, dass es für die religiösen Führer leicht ist, dies wieder hervorzulocken. Das Verhältnis von Kultur und Religion, von Psyche und Verstand, von Seele und Vernunft braucht vielleicht eine ganz andere Reflexion, als sie westlich-aristotelisch oder dekonstruktivistisch oder wie auch immer von statten geht. Dennoch können wir uns bei all denen, die wir erlebt und gesehen haben kaum vorstellen, dass es da Fanatismus gibt. Sind die Älteren US-kritisch, sind es die jüngeren nicht mehr. Sind die Älteren von Europa überzeugt, sind es die Jüngeren nicht mehr. Ungewöhnlich vielleicht, dass die Kurden wohl gelitten sind in den Gesprächen, weil sie die ursprünglichen Iraner seien.
Wir erleben unter den Iranern keine Ressentiments gegen die Kurden, wie wir es in der Türkei erlebt haben. Allerdings erscheint für die Regierung anders zu sein, denn die Sicherheitslage war deutlich angespannter, es gab mehr Checkpoints zum Beispiel. Nachdem wir in der Türkei immer vor den „Terroristen“ gewarnt wurden und im Grunde gar nicht in die östliche Türkei hätten fahren sollen, war unser Eindruck dort ein ganz anderer. Die Region wirkte wie absichtlich von der Entwicklung abgeschnitten, zerfallene Häuser, durch die Staudammprojekte eine enorme Flüchtlingsbewegung, an den Grenzen Häuser, denen die militärische Auseinandersetzung anzusehen ist. In den Städten, in denen überhaupt noch türkische Polizei anwesend war, nur noch mit Schützenpanzern. In manchen Städten gab es sie gar nicht mehr. Zugleich sind wir durchweg von Kurden herzlichst aufgenommen worden und es ging in den Gesprächen immer gleich um die problematische Situation. „Die Türken haben ein Problem mit uns, wir verstehen das nicht“ war eine der Kernaussagen von Kurden in der Türkei. Umso größer ist der Stolz auf die autonome Region im Kurdischen Teil vom Irak zu spüren. Die Ambivalenz, die sich aus dem politischen Machtspiel und der kriegerischen und brutalsten Dramatik der letzten 30 Jahre ergibt, müssen wir jetzt außen vor lassen. Kurdistan-Irak ist bisher die einzige Region unserer Reise gewesen, wo Gastfreundschaft und Hilfe so selbstverständlich und existentiell geleistet wird. Aufgrund der Minen konnten wir nicht zelten, wir sind immer eingeladen worden in die Häuser. So haben wir gelernt, wie die kurdische Kleidung zu tragen ist und durften sie selber anziehen.
Diese Bilder haben wir nicht in den Blog getan, weil wir nicht einschätzen konnten, wie die iranische und auch turkmenische Regierung auf Sympathie den Kurden gegenüber reagiert.
In Kurdistan/Irak sind wir tagelang durch Gebiete gefahren, die sowohl von der türkischen, als auch iranischen Luftwaffe regelmäßig angegriffen werden. Schäden in den Straßen waren noch ziemlich frisch zu erkennen. Angeblich ist diese Region „Rückzugsgebiet“ der PKK. Doch die Frontlinien sind komplizierter, gab es doch auch lange Bürgerkrieg zwischen den (irakischen) Kurden. Ganz haben wir die verschiedenen Interessen nie verstanden, vielleicht erfordert es auch ein Denken in Stammesstrukturen.
Aber zurück zu den Eindrücken nach drei Monaten Iran: Unser erster Eindruck in Turkmenistan ist dann auch die Buntheit der Kleider und Kopfbedeckungen, Frauen ohne Kopftuch, in muslimischer Kleidung und ohne, Satellitenschüsseln, die offen zu sehen sind. Männer und Frauen, die einfachen Umgang miteinander haben. Zugleich fehlt direkt die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Iraner und auch die muslimische Reinlichkeit. Es gibt kaum noch Waschbecken, geschweige denn Toiletten mit Wasser (nicht nur als Spülung, sondern auch als Schlauch zum Sich-Saubermachen). Wir vermissen den Iran in seiner Gastfreundschaft, ungemeinen Kultur und Geschichte, in der Reflektiertheit und Bildung der Menschen, des Lebensstandards und zugleich sind wir froh darum, dass wir uns jetzt freier bewegen können (und auch manche Gedanken nachträglich in den blog schreiben können).
Vielleicht ein Wort zur islamischen Kleidung. Nach drei Monaten Zwang und vorher zwei Monate „freiwilligem“, wenn auch nicht durchgehendem, Kopftuchtragen hat sich für mich (Gunda) kaum eine Plausibilität für diese „Mode“ ergeben. So sehr ich es als religiöses Symbol beim Betreten von heiligen Räumen akzeptieren kann, sehe ich nicht, dass es eine religiöse oder sonstige Bedeutung haben kann, mit Kopftuch und Mantel im Restaurant zu sitzen oder in einer überheizten U-Bahn. Auch verstehe ich nicht, wieso dann Männer tragen dürfen, was sie wollen bis zu gestylten Haaren. Hejab und Manteau hat sich mir nicht erschlossen und ich habe mit keiner Frau gesprochen, die es hätte positiv erklären können. Die Aussage eines Mannes war: wann immer die Regierung Fehler macht oder nicht weiter kommt, ist die Kleidung der Frauen in Schuld…
Wir sind den Tag über immer wieder in Gedanken bei Sigrid, die heute nach Taschkent fliegt und sind froh um das gute Wetter, denn in Usbekistan gibt es nur Sicht-Flug. Wir wandern durch die Stadt, vorbei an Moscheen, die gerade renoviert werden.
Zwischenzeitlich schauen wir uns die älteste Moschee an, die beinahe unterirdisch ist
und vor allem von außen schön ist.
Innen ist noch viel zu tun.
Anschließend den „Lab-e-Haus“ Komplex an. Nachdem wir unsere sprachliche Barriere überwunden haben, „Lab“ ist nämlich Ufer und „Haus“ ist ein Bassin,
finden wir den Komplex
und rätseln eine Weile
ob die unorthodoxe Fassade der einen Medrese nun Hunde oder Schweine darstellt….
Der Platz ist belebt mit Gruppen und Händlern, die Bauarbeiter sind überall und arbeiten.
Danach starten wir das „Jugend-forscht-Projekt“: wir flicken eine Isomatte. Das Loch ist schnell gefunden und nachdem die Matte wieder trocken ist, geht es ans Flicken. Es wird jedoch schon zum Abend deutlich, dass wir erfolglos waren. Sigrid bringt zum Glück eine neue mit, aber bis Samarkand müssen wir ja noch kommen. Am Abend steht noch ein kulinarisches Experiment aus: es gibt ein italienisches Restaurant. Wir gehen dahin und sind vom Essen positiv überrascht. Es ist wirklich gut. Auf dem Rückweg durch die dunklen Straßen stürzt Wolfgang in einen der vielen offenen Gulis und kann sich aber fangen und hat zum Glück nur blaue Flecken davon getragen.
Freitag, 4. März 2011
Samstag, 25. Dezember 2010
Samstag, 4. Dezember 2010
1.-4. Dezember - 122, 123, 124, 125
4. Dezember Tizhtizh nach Sanandadsch (persisch سنندج; Sanandaj, auf kurdisch Sine), 48,97km, 6364,1 Gesamt km
Datum: 4.12.10
Datum: 4.12.10
Tag: 126
TagesunterstützerIn:
von: Tizhtizh m NN 1662
nach: Sanandaj m NN 1558
km 48,97
Gesamt km 6289,1032
km/h: 9,26
Fahrzeit 05:17
gesamte Fahrzeit: 482:36:00
Anstieg in m pro h 186,06
Anstieg in m 983
Abfahrt in m: 1087
höchster Punkt in m NN 2160
Steigung/Gefälle 4,23
Der heutige Tag besteht aus einem Radfahren, das zwischenzeitlich den Titel Bergsteigen verdient.
Zunächst geht es aber nach einem steilen Anstieg langsam den Pass hinauf auf einer schönen Straße.
Wir denken, dass wir die knapp 40 km bis zur Stadt locker schaffen und planen ohne Mittagspause. Es geht bergauf und bergab und bald sind wir am ersten Pass, der auch schon beinahe 2.000 m hoch ist. Es geht nur 200 m bergab und dann geht es den nächsten Pass hoch. Schon von Weitem sehen wir, dass sich die Autos um eine Bergkuppe mühen. Dennoch ist die Straße schön und die Ausblicke toll.
Wir erreichen den Pass mit der zusätzlichen Mühe einer Baustelle. Der Fahrstil an sich ist schon eher chaotisch, aber bei einer Baustelle bricht die Anarchie aus: aus ehemals zwei, jetzt eh nur einer Spur werden locker 4-5 Spuren, aus dem Rechtsverkehr etwas, das ermöglicht, möglichst ohne Bremsen voranzukommen. In alledem wir und auf schlechten Straßen. Zum Glück ist der Abschnitt eher kurz. Danach geht es rasant ins Tal und wir denken uns, jetzt ist es geschafft, noch 15 km im Tal und wir sind da, als wir sehen, dass die Straße nicht im Tal geht, sondern schön über zwei weitere Pässe geleitet wird. Wir kommen daher ziemlich k.o. und ein wenig genervt in der Stadt سنندج an, die aber nett und schön ist. Wir finden mit Hilfe eines netten Taxifahrers, der sogar noch hinter uns her fährt als er sieht, dass wir die Abbiegung nicht nehmen, ein Hotel und sind von der Hitze im Zimmer ganz überwältigt und von der Dusche begeistert. Es gibt sogar Internet, so dass wir Mails abschicken können.
Tag: 125
TagesunterstützerIn:
von: Sarvabad m NN 1262
nach: Tizhtizh m NN 1662
km 51,94
Gesamt km 6240,1332
km/h: 9,94
Fahrzeit 05:13
gesamte Fahrzeit: 477:19:00
Anstieg in m pro h 159,30
Anstieg in m 831
Abfahrt in m: 431
höchster Punkt in m NN 1665
Steigung/Gefälle 2,43
Der Morgen ist so kalt, dass wir Hotel-Verwöhne warten, bis die Sonne aufgegangen ist und ein wenig wärmt.
Dadurch kommen wir erst um 9:00 Uhr los. In der Nacht hatten wir noch Hundestreit vor unserem Zelt: plötzlich gab es ein wildes Knurren und Bellen und dann verzog sich ein Bellen und es war wieder ruhig. Wir vermuten, dass einer der Hunde uns „adoptiert“ hat und Krach mit einem anderen Hund, der sich genähert hat, angezettelt hat. Ansonsten haben wir es genossen, mal wieder so einfach draußen sein zu können.
Dank unserer Bekehrung fahren wir auf der guten Straßen an vielen Bächen entlang langsam aber stetig bergauf. Die Landschaft ist atemberaubend
und heute ist Freitag, so dass viele Familien in Festkleidung unterwegs sind. Immer wenn wir eine Wasserpause am Rand machen, halten Autos für ein Foto mit uns.
Wir werden von einem Auto angehalten, das in gutem Englisch sehr gezielt nach unseren Grenzübergängen fragt. Abgesehen davon, sind es alles kurze herzliche Begegnungen. Zum Mittagessen sind wir in „Negel“, einem kleinen Ort, der berühmt für den القرآن ist, der in einer extravaganten Moschee aufbewahrt wird. Es ist einer von nur dreien aus der Zeit direkt nach محمد. Da heute Freitag ist, können wir uns ihn leider nicht ansehen, wir kommen genau zum صلاة الجمعة an. In einem kleinen Imbiss neben der Moschee essen wir in Brot gewickelte Nudeln mit Salat gemischt, sehr eigen, aber durchaus gut schmeckend. Eine Familie möchte uns anschließend noch zum Essen einladen, da wir aber gegessen haben, lehnen wir ab. Der Vater teilt aber dann doch noch einen Spieß mit uns, der ebenfalls sehr gut ist. Wir fahren weiter auf unserer Passstraße. Landschaftlich verändert sich wenig, nur die Bäume werden weniger und wir staunen, wie hoch und steil den Berg hinauf die Äcker gefurcht sind.
Wir sehen, dass Feldarbeit hier sowohl Hand- als auch Maschinenarbeit ist. Wir kommen durch einen weiteren Ort und kaufen in einem kleinen Laden ein. Während Gunda einkauft und die ersten zwei Worte فارسی lernt (نان/Brot und شير/Milch) unterhält sich Wolfgang mit einem Teheraner. Nach dreimaligen Fragen lehnt der Ladenbesitzer die Bezahlung immer noch ab, damit ist uns der Einkauf geschenkt worden. Mit dem neu gelernten Wort „نان/Brot“ geht es noch auf die Suche nach Brot, das es in Läden nicht gibt. Schließlich endet die Suche in einem Restaurant, wo Brot verkauft wird. Mit allem ausgestattet fahren wir weiter hinauf. Gerade erfreuen wir uns an der Klarheit der Bäche, als auffällt, das der Bach Ölschlieren hat. Kurz darauf sehen wir, dass unter einer Brücke Öl herausläuft. Kurz darauf sehen wir die Ursache: einer der unzähligen Öl-Laster, die auf der Bergstraße Richtung العراق fahren, ist auf der uns entgegenkommenden Straßenseite gegen den Berg gekracht und das Öl ist ausgelaufen. Er steht mit zwei anderen Lastern in der Außenkurve und ist über und über mit Öl verschmiert.
Als wir kurz vor Sonnenuntergang sehen, dass die Straße nun auf den eigentlichen Pass, der irgendwas mit 2000 plus ist, zugeht, entscheiden wir, dass das ein Projekt für den nächsten Morgen ist. Wir sehen einen Bach und Bäume und steuern mutig drauf zu. Beim Schieben durch den ersten Acker (ganz gegen unsere Prinzipien) fällt uns auf, dass das Wasser aus dem Berg nach unten läuft. Das finden wir ganz nett, lauter Quellen denken wir. Wir schieben durch den frisch gepflügten und total nassen Acker (gegen Prinzip Nummer zwei) auf die Obstwiese zu, der Boden ist auch nass. Wir sehen bald warum: es verläuft eine Bewässerungsgraben oberhalb des Feldes und die Quellen sind gezielte Bewässerungen. Nun vertrauen wir darauf, dass der Bauer schon nicht in der Nacht das Konzept ändert wird und fangen mit dem Aufbau an. In dem Moment kommt der Bauer und ist völlig erstaunt, als Wolfgang ihn anspricht. Es ist kein Problem, dass wir hier übernachten, er richtet die Bewässerungsgräben im Feld noch her und verändert die Bewässerung. Er bietet uns sogar an, im Haus oberhalb zu übernachten und zeigt uns den Weg zur eigentlichen Quelle. Zum Schluss lädt er uns zum Essen ein, was wir aber ablehnen, da er im Dorf wohnt. Wir richten uns auf eine kalte Nacht auf 1.662 m ein.
2. Dezember Marivan (auf kurdisch: Merîwan, persisch مریوان) nach Sarvabad, 62,29km, 6261,9 Gesamtkm
Datum: 2.12.10
Tag: 124
TagesunterstützerIn:
von: Marivan m NN 1383
nach: Sarvabad m NN 1262
km 62,29
Gesamt km 6188,1932
km/h: 11,35
Fahrzeit 05:29
gesamte Fahrzeit: 472:06:00
Anstieg in m pro h 154,65
Anstieg in m 848
Abfahrt in m: 969
höchster Punkt in m NN 1507
Steigung/Gefälle 2,92
Heute haben wir uns bekehrt: wir werden keine Straßen mehr fahren, die auf unser Karte nicht durchgezeichnet sind, auch wenn sie auf einer Tourismuskarte als durchgehend eingezeichnet sind….
Wir bekommen um kurz nach sieben das gute Frühstück und packen schweren Herzens alle Sachen und verabschieden uns von dem schönen Ort. Die Straße führt uns schnell in die Stadt مریوان, wo wir Geld wechseln. Wir sprechen einen Herrn an und fragen nach einer Bank oder Post, gibt es beides nicht. Bei der Frage „Dollar – ریال????“ ruft er zwei Herren mit großen Plastiktüten herbei. Es sind die Geldwechsler vom Ort. Also wechseln wir auf der Straße das Geld und sind inzwischen von ungefähr 50 Männern umringt. Es ist aber gar nicht beunruhigend. Wir fahren anschließend auf der Straße, die uns zunächst an einem ersten Fluss „hinabführt“ bevor wir einem anderen Fluss flussaufwärts folgen. Es ist eine wunderschöne Gegend mit vielen Bäumen, kleinen Dörfern, viel Landwirtschaft und die einen oder anderen großen Hühnerfarmen. Mittags essen wir am Busbahnhof der nächst größeren Stadt einen كَباب. Wir haben gerade die Räder abgestellt und abgeschlossen, als die Schule aus ist und eine Horde von Jugendlichen zum Busbahnhof zustürmt. Reflexartig schließen wir unsere Räder wieder auf und wollen fliehen, als uns klar wird, dass wir das gar nicht müssen. Sie schauen interessiert, ebenso die Erwachsenen und dann warten sie auf den Bus. Wir können ganz entspannt im ersten Stock essen und unseren Rädern geschieht nichts. Ein wenig müssen wir uns da wohl noch umgewöhnen. Überhaupt brauchen wir noch eine Weile, um eine Gefühl für das Land zu bekommen und ein wenig von dem Misstrauen, das uns begleitet – oder gesteigerte Aufmerksamkeit, das ist wohl eher eine Skala – zu verlieren. Kurz bevor wir die Stadt erreichen, fragt aus einem Auto heraus eine elegante Dame, woher wir sind und bietet uns ein Getränk an. So etwas nehmen wir gerne an und so hält Gunda, um es in Empfang zu nehmen: es ist Bier!!! Völlig irritiert lehnt sie ab, denn das ist hier ja nun strengstens verboten. Wir wissen nicht, ob die Dame einfach der Meinung war, dass wir Europäer uns sicherlich über ein Bier freuen würden oder ob das ein Test war, zumal etwas weiter vorne ein Auto stand, das uns beobachtet. Wir wissen es schlicht weg nicht und hoffen sehr, dass wir irgendwann in unserer Zeit eine Einladung in eine Familie erhalten, wo wir solche Fragen auch stellen können. Beim Mittagessen studieren wir erneut unsere beiden Karten und sehen auf der Karte dieser Region, dass es einen direkten Weg zu der Stadt geht, durch die wir müssen und der nicht über 2.000 m geht. Also entscheiden wir uns dafür und fragen an der Abzweigung einen Bauarbeiter, ob die Straße gut ist. Er bejaht und so fahren wir beherzt von der Hauptstraße ab. Die ersten 20 km sind auch gut, steil aber in einem guten Zustand. An einer besonders steilen Stelle hält uns ein Mann an und sagt uns – wir sehen das Dorf schon vor uns – dass ab dem Dorf der Asphalt für ungefähr 30-40 km aufhört. Er bietet uns an, uns mitzunehmen und bei ihm zu übernachten. Wir denken, das geht doch alles und lehnen ab. Wir fahren in das Dorf und halten beim ersten Laden und kaufen noch ein. Dort steht er wieder und lädt uns ein. Wir sagen wieder nein, inzwischen ist der Asphalt weg und fahren wieder los. Bald ist im Dorf bereits die Straße so steil, dass Wolfgang schieben muss. Am nächsten Laden holen wir ein wenig Wasser und beratschlagen, was zu tun ist. Er ist wieder da und fragt und ein drittes Mal. Wieder sagen wir nein und schieben ganz wacker den Berg hinauf. Er fährt an uns vorbei und wir müssen nach wenigen Metern einsehen, dass das keinen Sinn hat. Wir drehen um und fahren zurück. Wir haben bisher nur gelesen, dass die Höflichkeitsform im ايران vorsieht, dass dreimal ein Angebot gemacht wird und die Möglichkeit besteht zuzusagen oder abzulehnen. Dann dreimal Nein ist das Angebot abgelehnt.
Wir holen also wieder Wasser im Laden neben dem ersten Laden und sind umringt von Kindern, die alle sehr nett und respektvoll sind und fahren zurück zum Fluss. Mutig schlagen wir unser Zelt auf, es gibt ja wieder Bäume, so dass das geht. Uns gegenüber ist ein Dorf, das am Berghang glitzert.
Wir sind gespannt, wie kalt die Nacht ist, heute Morgen war es sehr kalt als wir zum Frühstück gingen.
Wir haben beschlossen, im Hotel an diesem herrlichen Bergsee (Lake Zarivar) einen Eingewöhnungstag für den ايران zu machen.
Lesen im Lonely Planet, Kassensturz, detaillierte Routenplanung und vor allem ausschlafen…
Wir sind tatsächlich im ايران! Und unsere Zeitplanung war realistisch, hatten wir doch in Ankara (früher Angora, antiker Name altgriechisch Ankyra Ἄγκυρα, lateinisch Ancyra) beim Visum-Antrag als Einreisetag den 1. Dezember angegeben. Und die Routenänderung, anstatt durch die kurdischen Gebiete der Türkiye Cumhuriyeti durch Heremê Kurdistanê zu fahren, hat sich doppelt bewährt: Einmal geht die mittelalterliche Winterroute der Seidenstraße über den العراق, um die Kälte in den höheren türkischen Bergen zu vermeiden. Und dann hörte der für uns in der Türkiye Cumhuriyeti sehr grenzwertige „Terror“ durch Kinder und Jugendliche an der Irakischen Grenze schlagartig auf: In Heremê Kurdistanê standen die Kinder staunend und respektvoll am Straßenrand, selbst in Städte kamen wir völlig unbehelligt hinein. Und das alles bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von tagsüber über 20°. Dafür mussten wir uns im كۆماری عێراق mit Militär, Geheimpolizei und Polizei arrangieren. Immer wieder Kontrollen, manchmal Durchwinken, manchmal Passkopien, seltener die wirklichen Pässe mit Einreisestempel. Alles in allem etwas zeitraubend, aber immer freundlich, hilfsbereit und höflich. Für uns auch eine gewisse Sicherheit, nicht durch Bombenanschläge wie im arabischen Teil des العراق gefährdet zu sein. Was bleibt, ist das Misstrauen, hinter mancher interessierten Privatperson könnte sich der Geheimdienst verstecken und manche zufällige Bitte um ein Foto mit uns und unseren Rädern könnte ein Vorwand sein, uns zu inspizieren. Aber wir werden diese Rätsel nicht lüften und sind als Radreisende durchfahrende ja nicht parteiergreifend für die eine oder andere Seite. Die versprochenen Fotos - die wohl genauesten seit der Handy-Video-Aufnahme - des englisch-sprechenden „nur Hobby-Fotografen“ sind bis heute nicht angekommen…..
Eigentlich war die Route von Bonn bis hierher ja schon eine Ausweichroute, wegen der geschlossenen Grenze zwischen Россия und საქართველო (Abchasien [ab'xa:ziən] (abchasisch Аҧсны/Aṗsny; georgisch აფხაზეთი/Apchaseti; russisch Абхазия/Abchasija)). Deswegen hatten wir die Route nicht nördlich, sondern südlich des Schwarzen Meeres (adygeisch: Хы ШIуцI, altgriechisch Πόντος Εὔξεινος/ Pontos Euxeinos, bulgarisch Черно море/Tscherno more, türkisch Karadeniz, lasisch/megrelisch Uça suğa/უჩა ზუღა/Utscha sugha, georgisch შავი ზღვა/Schawi sghwa, rumänisch Marea Neagră, russisch Чёрное море/Tschornoje morje, ukrainisch Чорне море/Tschorne more) wählen müssen. Jahreszeitlich haben wir es gut erwischt, eigentlich von Bonn bis heute immer im Herbst zu fahren. Bisher nur einmal Frost auf der anatolischen Hochebene (von altgriechisch anatolē ἀνατολή „Osten“); türk. Anadolu; osmanisch اناطولی, İA Anaṭolı), ansonsten selten zu heiß (im Sommer muss es hier unerträglich sein) und schließlich seit dem Tuz Gölü (türkisch für „Salzsee“, in der Antike lat. als Lacus Tatta bekannt) bei Ankara (früher Angora, antiker Name altgriechisch Ankyra Ἄγκυρα, lateinisch Ancyra) regenfrei. (Bis dorthin hatte es eigentlich von Bonn ab durchgeregnet…) Die einzigen regenfreien durchreisten Länder sind България (weniger als 24 Stunden) und كۆماری عێراق!
Mittlerweile haben wir Teheraner Zeit, also Sonnenhöchststand ist um 9:30 Uhr nach MEZ. Nun werden bis Februar die Tagesetappen kürzer ausfallen als bisher (immer zwischen 6 und 7 Stunden Fahrzeit), denn die tageshellen Stunden sind doch zu wenige. Und schließlich können wir bis Februar bummeln, denn wenn es Richtung Pamir-Gebirge geht, soll der Schnee ja wieder getaut sein. Im Februar haben wir dann einen festen Termin in Usbekistan, wo uns Sigrid besucht. Für Sigrid schreiben wir nun schon unsere Mitbring-Wunschliste (Alex kann ein Lied von singen), von Fahrradmänteln, Ortlieb-Ersatzklemmen über Tampons bis Weißwurst J Beinahe wäre noch ein neues Zelt nötig gewesen nachdem nun auch der Reißverschluss des Innenzeltes streikte, aber wir haben ihn dank dem erinnerten Trick des Schneiders aus Sarajewo wieder in Ordnung bringen können. Für den ايران stehen dafür einige Visa-Prozeduren an (betreffend die folgenden Länder Turkmenistan, Oʻzbekiston Respublikasi, Ҷумҳурии Тоҷикистон und Кыргыз Республикасы).
Bisher haben wir tatsächlich geschafft, jeden Tag in unserem Blog zu beschreiben und den Tagessponsoren von jeweils „ihrem“ Tag einen Ansichtskartengruß zu schicken. Letzteres ist gar nicht so einfach, denn Ansichtskarten gibt es sehr selten zu kaufen und auch Postämter sind selten zu finden bzw. befinden sich in Innenstädten, die wir mit dem Fahrrad teilweise wegen der Kinderhorden nicht anfahren konnten. Also haben sich manchmal etliche Postkarten angesammelt, die aber schließlich dann doch alle aufgegeben sind… (Kamen sie auch an?)
Ansonsten ist die globalisierte Kommunikation bisher gut: Unsere SMS an die Nr. 00491717443434 können wir täglich abholen (nur in Magyarország funktionierte das Roaming einmal zwei Tage lang nicht), Email an Gunda-und-Wolfgang@t-online.de können wir vielleicht wöchentlich abholen. Im ايران funktioniert erstmals twitter nicht, so dass wir keine tweets einstellen können und auch nur Direktnachrichten bekommen. Dafür gibt´s nach wie vor Blog-Einträge, wobei die Bilder erst später nachgeliefert werden, weil Modem hier doch sehr langsam arbeiten. In der Türkiye Cumhuriyeti hatten wir übrigens festgestellt, dass unserer Video-Kanal bei YouTube gesperrt ist, unsere erste Erfahrung mit Internetzensur. Wir haben gehört, dass YouTube nun einige Videos gelöscht hat und die Türkei YouTube wieder zulässt.
Sehr bewährt hat sich übrigens der Email-Service von Tagesschau.de ! Wenn wir wöchentlich unsere Emails abholen, bekommen wir die täglichen Schlagzeilen seit dem letzten Abholen, so dass wir auch rückwirkend über Nachrichten informiert sind. Und im Fernsehen (gibt´s in Hotels ab Mittelklasse) gibt es (zumindest im كۆماری عێراق und der Türkiye Cumhuriyeti) الجزيرة auf Englisch
mit recht guten Reportagen.
Apropos Hotels: Für uns zum Wäschetrocknen ganz praktisch, aber ökologisch horrende Energiefresser: Fast immer gibt es Klimaanlagen (die sich auf 32° stellen lassen) oder Heizlüfter, alles elektrisch. In der zumindest nachts kalten Jahreszeit sind die Dinger dann überall an…
Uebrigens: Rieke und Torsten sind im ايران.
Von der Homepage des Auswertigen Amtes:
Von nicht notwendigen Individual- oder Trekkingreisen in die Kurdengebiete im Nordwesten Irans, insbesondere entlang der türkischen und irakischen Grenze, wird grundsätzlich abgeraten. Bei Reisen - insbesondere bei Individual- oder Trekkingreisen - in den Provinzen Kerman und Sistan-Belutschistan sowie in den Grenzgebieten Irans mit Pakistan und Afghanistan besteht ein erhebliches Entführungsrisiko. Zudem gibt es Berichte über sexuelle Belästigungen weiblicher Individualreisender. Auf der Strecke Zabul-Zahedan besteht ein Überfall- und Entführungsrisiko, auf der Strecke Kerman-Bam wurden nach Errichtung einer Straßensperre Reisende von Mitgliedern einer terroristischen Gruppierung erschossen. Es wird daher dringend davon abgeraten, auf dem Landweg, insbesondere mit dem Fahrrad oder Motorrad, nach Pakistan oder Afghanistan zu reisen. Obwohl bestimmte Straßen auf Karten unter Umständen als befahrbar ausgewiesen sind, sollten Hinweisschilder auf militärische Sperrgebiete unbedingt beachtet werden. Dies gilt insbesondere für die Strecke SEMNAN - MO'ALLEMAN - JANDAQ durch die Wüste DASHT-E KAVIR. Auch in der Grenzregion zum Irak und insbesondere in der Provinz Kurdestan gibt es zahlreiche Sperrgebiete, die in jedem Falle gemieden werden sollten.
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