Sonntag, 5. September 2010

4. September - 033, 034, 035

4. September Milići (Cyrillic: Милићи) – Sarajevo (kyrillisch Сарајево; dt. auch Sarajewo; türkisch: Saraybosna); 105,73 km, 2234,6 Gesamt km, Pass auf 1193, Pass auf 1273

Datum: 4.9.10
Tag: 35
TagesunterstützerIn: Haus Damiano
von: Milici m NN 243
nach: Sarajevo m NN 567
km 105,73
Gesamt km 2207,0106
km/h: 11,43
Fahrzeit 09:44
gesamte Fahrzeit: 162:52:00
Anstieg in m pro h 170,96
Anstieg in m 1664
Abfahrt in m: 1340
höchster Punkt in m NN 1273
Steigung/Gefälle 2,84

Unser steigungsreichster (1.664 Höhenmeter) Tag der Weg "hinunter" nach Sarajevo (35. Tag), gleichzeitig der Tag mit der längsten Fahrzeit (9 Stunden 44 Minuten reine Fahrzeit).


Der Morgen begrüßt uns mit Nebel und Sonne, ein wunderschöner Morgen, an dem wir nach dem Frühstück um 7:00 schnell aufbrechen, da wir über 100 km und mindestens einen Pass vor uns haben. Die Karte ist sehr ungenau, wir können es nicht einschätzen. Der Weg windet sich langsam nach oben bis in den letzten Ort vor dem Pass. Anschließend geht es steiler bergan, aber immer mit sehr angenehmen 5 - 8 %. Es ist eine sehr bergige Gegend, immer wieder haben wir den Ausblick auf die anderen Bergketten. Enge Täler eröffnen sich. Es ist so eng, dass nur vereinzelte Häuser zu sehen sind. 


Kurz vorm Pass machen wir eine Mittagspause in einem kleinen Restaurant, das zugleich Haltestation der Fernbusse ist. So ist ziemlicher Betrieb. Auf der Nordseite des Berges gibt es immer wieder eingefasste Quellen mit köstlichem Quellwasser. Inzwischen ist der Himmel ganz blau und es ist richtig heiß. Aber eh wir uns versehen, kommen aus dem Süden immer mehr Wolken, für uns gut, denn wir fahren direkt nach dem Essen weiter – sonst warten wir ja die stärkste Sonneneinstrahlung ab. Der Pass ist nicht gekennzeichnet, aber wir nehmen den höchsten Punkt und freuen uns auf die Abfahrt. Oben am Pass wird gewerkelt und gebaut. Auf der Südseite eröffnet sich plötzlich eine ganz weite Hochebene. 



Fast alle Häuser sind aufgebaut, neugebaut oder renoviert. Die Architektur hat sich ganz geändert. Die Häuser sind aus Holz gebaut, es ist wunderschön. Hier herrscht die Viehwirtschaft vor dem Maisanbau, viele der Kühe laufen ganz frei herum. Auffallend ist, dass es weder eine Kirche noch eine Moschee (arabisch ‏مسجد‎ masdschid, DMG masǧid ‚Ort der Niederwerfung‘) gibt, wohl aber christliche Friedhöfe. Auf der Nordseite gab es einen muslimischen Friedhof. Wir bleiben über Kilometer auf der Höhe von 1.100 m, ohne dass es runter geht. Unser Satz für den restlichen Tag ist: „Irgendwann muss es doch mal wieder runtergehen“. Um 15:00 überlegen wir, was wir machen. Wir haben einen Tagesschnitt von 8 km/h, sind immer noch auf 1.100 m und haben noch 80 km vor uns. Aber irgendwann muss es ja mal runter gehen! In der Tat geht es endlich runter, wenn auch nur auf 870 m und wir erreichen die Stadt vor dem Pass auf der anderen Seite des Berges, eine Industriestadt, die im Kontrast zum ländlichen steht. Auf der Karte war uns eine weitere Bergkette aufgefallen. Es geht wieder steil hinauf, diesmal ist es eine neue Straße, die durchweg auf 8 % gebaut ist und wenige Kurven hat. Die Abendstimmung taucht die Bergwelt in eine ganz eigene Stimmung und die Industrie hinter uns lassend, sind wir wieder in einer wunderschönen Landschaft. Mitten im Aufstieg kommt uns eine Hochzeitsgesellschaft mit gefühlten 100, wahrscheinlich aber nur 40 Autos hupend, laute Musik spielend, sich gegenseitig überholend im Affenzahn den Berg entgegen während wir uns mit 5 km/h hocharbeiten. Unser Anblick erhöht das Gehupe deutlich, eine surreale Situation. Der Weg geht immer höher und höher, es hat immer mehr den Eindruck im Hochgebirge zu sein und es ist nicht zu sehen, wann die Steigung aufhört. 



Bald sind wir auf 1.200 m und denken, dass das doch alles nicht sein kann. Die Karte hatte nichts vermerkt. Wir werden entschädigt durch ein wunderschönes Land, auch wenn der Begriff für die faktische Situation und die historische sicherlich ganz problematisch ist. Aber das reine Aussehen ist sehr schön. Auch jetzt denken wir: Es muss ja irgendwann auch mal runtergehen. Inzwischen ist es 19:00 Uhr und wir wissen, dass es ganz bald dunkel sein wird. Wir sind immer noch auf 1.200 m und vermuten schon, dass es nie mehr hinunter geht als der Weg eine Kurve nimmt und es mit 7 % bergab geht. Endlich! Die letzten 30 km fahren wir in knapp 2 Stunden den Berg hinab auf Sarajevo zu, das schon lange vor den ersten Lichtern durch den Lichtschein in den Wolken zu sehen ist. Zur Reinfahrt begrüßt uns ein  Muezzin (arabisch ‏مؤذّن‎ mu'adhdhin, DMG muʾaḏḏin) vom Minarett (selten Minar[1] , richtiger arabisch ‏منارة ‎ manāra ‚ursprünglich: Leuchtturm‘), es herrscht buntes Treiben und Leben. Das ist jedes Mal eine ganz eigene Erfahrung, aus den Bergen und dem Wald in eine Stadt zu kommen und von der Lautstärke, den Menschen und den vielen Lichtern beinahe erschlagen zu sein. Wir finden unser Hotel, das sehr schön direkt an der Altstadt liegt und freuen uns auf ein Essen und das Bett.

3. September: Prnjavor - Milići (Cyrillic: Милићи), 94,33 km, 2127,3 Gesamt km

Datum: 3.9.10
Tag: 34
TagesunterstützerIn: Anegret Henrichs und Norbert Volpert
von: Prinjavor m NN 118
nach: Milici m NN 243
km 94,33
Gesamt km 2101,2806
km/h: 14,78
Fahrzeit 06:22
gesamte Fahrzeit: 153:08:00
Anstieg in m pro h 39,27
Anstieg in m 250
Abfahrt in m: 125
höchster Punkt in m NN 260
Steigung/Gefälle 0,40

Heute Morgen haben wir schön verschlafen, weil der Wecker nicht richtig gespeichert war…so ist es 6:30 als wir aufstehen.



Dementsprechend fahren wir erst um 8:30 los, in einen wunderschönen Morgen hinein und unter den erstaunten Blicken der Bewohner des Dorfes, die sich sicherlich fragen, wo wir herkommen. Den Vormittag verbringen wir auf der Straßen Richtung Grenze,


eine bunte Mischung aus Häusern im unterschiedlichen Stil, alles ist sehr aufgeräumt und gepflegt. Immer wieder weisen Schilder auf serbisch-orthodoxe Klöster, Kirchen oder Geschichtsorte hin



, dagegen gibt es lange keinen Hinweis auf die Grenze.
Schließlich erreichen wir die Grenze, einen Kilometer vorher gab es ein Hinweisschild. Es ist eine kleine Grenze und die Aus- und Einreise erfolgt problemlos. Uns begrüßen zwei Schilder: eines nach Bosnien und Herzegowina (serbokroatisch Bosna i Hercegovina/Босна и Херцеговина, kurz BiH/БиХ; auch Bosnien-Herzegowina) und eines in die Republika Srpska (kyrillisch Република Српска, abgekürzt: РС/RS, deutsch fehlerhaft auch Serbische Republik). Wir haben die Nebenstraße gewählt und fahren durch viele Dörfer, bis wir die erste Kleinstadt erreichen. Die Bauern arbeiten mit einfacheren Mitteln als auf der anderen Seite des Flusses, viele mit der Hand. Wir werden mit Erstaunen durchaus freundlich begrüßt. In der Kleinstadt steht die erste  Moschee (arabisch ‏مسجد‎ masdschid, DMG masǧid ‚Ort der Niederwerfung‘)  



, schon an der Grenze ist ein anderer Musikstil aufgefallen. Da wir in der Kleinstadt keine Bank finden und noch eine lange Strecke vor uns haben, fahren wir weiter. In der großen Grenzstadt



, die eine Auto- und eine Füßgängergrenze


hat, werden wir von den Halbstarken mit "Heil Hitler" und Hitlergruß begrüßt. Was auch immer das zu bedeuten hat. Wolfgang holt Geld am Hauptplatz und ich finde mich gleich umringt von acht Kids, die auf mich einreden, die Räder anschauen und in einer Mischung aus das alles komisch finden und bewundern mich umringen. Es kommen noch Jugendliche dazu. Insgesamt ist es eine durchaus eigenartige Stimmung. Wir haben Geld und fahren von dannen in ein nächstgelegenes Restaurant. In Bosnien gibt es die alte D-Mark, die hier nachgedruckt wird. Das ist auch lustig. In einem sehr schönen Garten essen wir lecker und haben unsere Räder gut im Blick, die immer Gegenstand des Beschauens von Halbstarken sind, die immer wieder vom Restaurantbesitzer weggeschickt werden. Sie haben die Fahnen entdeckt und rätseln welche sie kennen. Einer hat eine Plastik-MP dabei (mit Plastik-Munition, wie wir später entdecken) und tut so als würde er auf die Europa-Fahne schießen. Wir schauen uns das an und fragen uns, was in seinem Kopf vorgeht. Als sie wieder weggeschickt werden, schießt er eine Gummi-Hülse in den Garten.
Wir fahren nach dem Essen immer den Fluß hinauf, vorbei an einem riesigen Staudamm in serbischer Hand und vorbei an den ersten zerstörten Häusern. Auf unserem Weg begegnen uns zum Teil fast komplett zerstörte Dörfer, in denen neben den Skeletten der Häuser neue stehen. In allen Dörfern gibt es eine Kirche und eine Moschee mit Minarett, diese sind neu und alle gleich gebaut. Die Frauen in ihren Reaktionen beinahe reglos, auch die Männer zunächst zurückhaltend, dazu immer wieder Kinder mit dem Hitlergruß. Dennoch sind alle freundlich zu uns, je weiter wir fahren ,desto mehr. Immer wieder gibt es Schilder der EU, oder der schwedischen und schweizer Caritas, die in den Dörfern aufbaut. Wir sind nur ein Tal von Srebrenica (kyrillisch Сребреница, dt. veraltet Silberin) entfernt. Auf dem Weg zum Ort, an dem wir Halt machen, fahren wir an der ersten Minenwarnung vorbei. Wir beschließen in ein Motel zu gehen.

2. September: Sremska Kamenica (Cyrillic: Сремска Каменица, pronounced [sreɛ̂ːmskaː kâmenit͡sa]) – Prnjavor, 95,03 km, 2031,5 Gesamt km

Datum: 2.9.10
Tag: 33
TagesunterstützerIn: Frank Hoffmann
von: Srem. Kamenica m NN 216
nach: Prinjavor m NN 118
km 95,03
Gesamt km 2006,9506
km/h: 14,69
Fahrzeit 06:28
gesamte Fahrzeit: 146:46:00
Anstieg in m pro h 44,07
Anstieg in m 285
Abfahrt in m: 383
höchster Punkt in m NN 494
Steigung/Gefälle 0,70

So sehen gerade unsere normalen Tage aus: Aufstehen um 5:45, Frühstücken, Abbauen etc., Abfahrt um 8:00, alle 1,5 Stunden gibt es eine kurze Pause mit Trinken und einem Riegel oder ähnlichem. Zwischen 13:00 und 14:00 suchen wir ein Restaurant zum Essen und machen dann Pause bis 15:00 Uhr oder 16:00 Uhr je nach Wetter und Sonnenstärke. Dann fahren wir bis 19:00, suchen Wasser und einen Schlafplatz, um 20:00 Uhr ist es bereits stockfinster! Daher müssen wir schnell aufbauen, dann duschen, kochen, schreiben und meistens gegen 22:00, spätestens 22:30 das Licht ausmachen.
Der Morgen begrüßt uns mit strahlend blauem Himmel. In der Nacht war es richtig kalt und sternenklar, wir sind froh um die Wetterveränderung. Zunächst sieht es so aus, als habe Wolfgangs Rad einen Platten, aber das war doch nur der Temperaturunterschied. Wir schieben unsere Räder aus unserem Feldweg wieder auf die Straße und nehmen Lehm vom Boden für mehrere kreative Stunden mit… Es geht sehr schnell steil bergauf, immer um die 8-12%, aber die Straße ist so geführt, dass es keinen Gegenverkehr gibt. Dafür wird die Straße, die wie eine einspurige aussieht, als zweispurige nicht nur genutzt, sondern ist so gedacht. Für uns gut, denn so entsteht kein hupendender Stau hinter uns. Auch hier sind die Autofahrer selbst im rasanten Fahren noch rücksichtsvoll, auch die LKWs. Es ist die Hauptstraße von Novi Sad (kyrillisch Нови Сад, [ˈnɔ̂viː ˈsâːd], anhören?/i; deutsch, inzwischen selten, Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad) nach Belgrad (serbisch Београд/Beograd, anhören?/i) und dementsprechend fährt alles, was vier Räder hat, auf dieser Straße. Zum Teil abenteuerlich. Oben angekommen   

 
, fühlen wir uns ein wenig wie in Disneyland. Wir trinken einen Kaffee und wollen unsere zwei Bierflaschen gegen Pfand abgeben und zahlen anstatt dessen das Bier. Da aber einige mit Bier (9:30) da sitzen, scheint das die Annahme zu sein, wenn jemand mit zwei Bierflaschen kommt. Wir sausen den Berg wieder hinunter und entdecken, dass heute Markttag ist.   

 
Überall sind die Stände, die vor den Häuser stehen, mit Gemüse und Obst bestückt und es wird verkauft und begutachtet, Melonen abgeklopft.   

 
In jedem Dorf und an den Häusern dazwischen sitzen Menschen neben ihren Erträgen. Der Wind hat gedreht und wir fahren ein wenig anders und haben den Wind von gestern als Gegenwind. Dementsprechend langsam kommen wir voran und es ist sehr anstrengend. Wir essen zu Mittag in einer der Grillstuben am Straßenrand und können daneben auch einen Mittagsschlaf einlegen. Es ist eine eigenartige Ansammlung von bestehenden Restaurants zum Teil im Halbrohbau, einer abgebrannten Mühle, einer auf dem Boden liegenden Plastik, Bussen und LKWs, die halten.
Wir fahren weiter gegen den Wind, der zwar schwächer geworden ist, aber noch da ist und stellen bald fest, dass wir unser Tagesziel heute nicht erreichen werden. Es ist ein schönes Fahren. Einmal biegen wir von der Bundesstraße ab und nehmen die alte Straße. Auf der Karte ist eine Brücke über die Save (auch Sau, Sawe; in den südslawischen Sprachen Sava, kyrillisch Сава, antiker/lateinischer Name Savus) eingezeichnet. Schon auf dem Weg zur Brücke bekommen wir den Hinweis, dass wir nicht weiterkommen. Dann stehen wir vor der Brücke,  

 
die ein Eisenbahnbrücke ist und einen schmalen Streifen zu beiden Seiten hat, der für Fußgänger oder Radfahrer ohne Gepäck möglich ist. Wir kommen da nicht weiter und fahren wieder zurück. Was auch immer mit der eingezeichneten Brücke geschehen ist, es gibt sie nicht mehr. Dafür nützen wir die neue Fernstrassenbrücke flußabwärts.
Der Wind wird weniger und wir fahren durch sehr viele Straßendörfer immer weiter auf die bosnische Grenze zu, am Horizont sind die Berge bereits zu sehen, die uns in den nächsten Tagen erwarten. Die Bebauung ist hier ganz unterschiedlich. Mal sind es alte Gehöfte, dann wieder eine beinahe städtische Bebauung, dann wieder halb fertige Bauten. Viele Kinder sind zu sehen, eine Menge Cafés, in denen vor allem Männer sitzen. Wir kommen auch an Häusern mit Roma-Familien vorbei, die Korbflechtarbeiten verkaufen. Im Hof sitzen viele und flechten. Wir finden Wasser an einer Tankstelle und einen schönen Platz unter einem Apfelbaum mit Blick auf die Berge. Morgen wird es wieder ein langer Tag.

1. September Novi Sad (kyrillisch Нови Сад, [ˈnɔ̂viː ˈsâːd], anhören?/i; deutsch, inzwischen selten, Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad) – Sremska Kamenica (Cyrillic: Сремска Каменица, pronounced [sreɛ̂ːmskaː kâmenit͡sa]), 90,58 km, 1935,1 Gesamt km

höchster Punkt in m NN 224
Steigung/Gefälle 0,23

In Novi Sad haben wir dann den Versuch unternommen, Postkarten zu bekommen. Das ist gar nicht so leicht. Schließlich wurden wir bei einem Kiosk fündig, der aber keine Briefmarken hatte. Auf jeden Fall hatten wir die Postkarten! Dann ging es über die neue Brücke hinaus aus der Stadt und auf der anderen Seite war es plötzlich ganz anderes. Die Häuser anders gebaut, weniger renoviert. Direkt hinter Novi Sad geht es den Berg hinauf in das Naturschutzgebiet, ein kleines Gebirge, das die Donau zum Umlenken bringt. Es ist ein wunderschöner Weg nach oben, der plötzlich den Blick frei gibt auf die Donau und die Stadt. Anschließend bekommen wir in einem Restaurant Wasser und finden einen schönen Platz auf einem Feldweg oberhalb der Bundesstraße. Es gibt ganz andere Vögel, die in der Nacht noch rufen oder singen. Wir können sie nicht identifizieren.

2006

1991

Mittwoch, 1. September 2010

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1. September - 030, 031, 032

1. September Doroslovo (Serbian: Дорослово or Doroslovo, Hungarian: Doroszló, Croatian: Doroslovo) – Novi Sad (kyrillisch Нови Сад, [ˈnɔ̂viː ˈsâːd], anhören?/i; deutsch, inzwischen selten, Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad) (mittags), bisher 75,23 km

Datum: 01. Sep
Tag: 32
TagesunterstützerIn: Haus Damiano
von: Doroslovo m NN 139
nach: Srem. Kamenica m NN 216
km 90,58
Gesamt km 1911,9206
km/h: 15,86
Fahrzeit 05:42
gesamte Fahrzeit: 140:18:00
Anstieg in m pro h 24,91
Anstieg in m 142
Abfahrt in m: 65
höchster Punkt in m NN 224
Steigung/Gefälle 0,23
 
Am Morgen ist es kalt, aber der Regen hat aufgehört, nur der Wind ist noch zu hören. Als ich (=Gunda) um 6:00 aus dem Zelt krabbel, bekomme ich einen gehörigen Schrecken, als mein erster Blick auf eine grell-blaue Maria (hebr./aram. מרים Mariam) fällt. Langsam dämmert es mir, dass wir ja neben einem Ort einer Marienerscheinung zelten und die Statue Mittelpunkt der Anlage ist. Wir kommen nur langsam in die Gänge, es ist einfach zu kalt. Die Schwalben fliegen auf Bodenhöhe und wir bewundern ihre Flugkünste.
Zum Glück haben wir Rückenwind, denn den Wind als Gegenwind zu haben, wäre krass gewesen. So fahren wir sehr schnell über recht gute Straßen nach Novi Sad (kyrillisch Нови Сад, [ˈnɔ̂viː ˈsâːd], anhören?/i; deutsch, inzwischen selten, Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad), der Verkehr ist deutlich mehr als gestern, aber nach wie vor freundlich und angenehm. Wir entdecken, dass es in der Dörfern Stellen gibt, die als Trinkwasserbrunnen gebaut sind. So können wir unsere Flaschen auffüllen und jeweils ein wenig das Dorftreiben beobachten. Es kommen fast alle mit dem Fahrrad an die Trinkwasserstellen und vielen Plastikflaschen oder Containern und füllen ihr Wasser auf. Es ist aber keine Atmosphäre des Redens und Quatschens, es füllt eher jede/r für sich ab. An manchen Orten stehen zudem große Behälter für die Plastikflaschen. In den Orten und an der Straße wird Säckeweise Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln und natürlich Melonen verkauft. Manchmal auch Pfirsiche. Nach zwei Pausen sind wir um 13:30 in Novi Sad, die Stadt, in der eine der Donaubrücken im letzten Krieg um den Kososvo von der NATO gesprengt wurde. Inzwischen ist sie wieder aufgebaut, auch sonst ist die Stadt im Aufbruch, viele Renovierungen, die eine oder andere (westlich) internationale Marke, viele neue Autos. Und uns begrüßt an der Donau wieder das Radschild. Wir finden ein Restaurant mit Blick auf die Donau und die Burg und offenem Netz und beschließen, einen Teil der Internet-Arbeit hier zu machen.













 
31. August Mohács [ˈmohaːʧ] (deutsch: Mohatsch, kroatisch: Mohač) – Doroslovo (Serbian: Дорослово or Doroslovo, Hungarian: Doroszló, Croatian: Doroslovo), 87,15 km, 1843,2 Gesamt Km

Datum: 31.8.10
Tag: 31
TagesunterstützerIn: Thomas Pröpper
von: Mohacs m NN 143
nach: Doroslovo m NN 139
km 87,15
Gesamt km 1821,3406
km/h: 15,06
Fahrzeit 05:47
gesamte Fahrzeit: 134:36:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 4
höchster Punkt in m NN 151
Steigung/Gefälle 0,00 
1. Problem: Der Flaschenhalter von Wolfgangs Rad hält zwar super am Rahmen, ist aber an sich gebrochen. Lösung: In Mohacs finden wir einen super Fahrradladen und es gibt einen neuen.
2. Problem: das wir in Pécs verdrängt hatten: der Reißverschluss der „Sonnenseite“, also des Ausgangs, vom Überzelt hat den Geist aufgegeben. Er schließt nicht mehr. Bisher kein Problem, da es vor allem gegen Kälte schützt und bei Regen geht er auch in dem Zustand recht gut. Bei Kälte und starkem Regen wird es vor allem wegen der Kälte schwierig. Bei 8 Grad nach Sonnenaufgang Außentemperatur wird das bemerkbar…. . Lösung: Wir stellen uns eine Klettverschluss-Lösung vor, so dass Innen und Außen Klettverschluss ist. Hoffentlich finden wir jemanden in Sarajevo (kyrillisch Сарајево; dt. auch Sarajewo; türkisch: Saraybosna), der uns das nähen kann.

Nach dem Regen gestern wachen wir ganz begeistert auf: die Sonne scheint und das Barometer ist gestiegen! Es ist zwar immer noch super kalt, aber die Sonne wärmt doch schon ein wenig. So fahren wir motiviert und interessiert begutachtet von den ersten Einlaufenden aus unserer Wiese los, lösen das Problem des Flaschenhalters, besorgen neue Sonnencreme Stärke 50 (wir sind Optimisten bei dem Barometer) und machen uns auf den Weg zur Donaufähre. Die Donau ist schon recht breit. Auf der anderen Seite ist ein großes Naturschutzgebiet. Wir fahren die verbleibenden Kilometer bis zur Grenze beinahe alleine durch Fruchtbares Land und immer wieder kleine, gepflegte Dörfer. Im letzten Ort vor der Grenze kaufen wir noch ein für die letzten Forint die wir haben. Darüber entspinnt ein pantomimisches Gespräch mit der Dame im Laden, woher wir kommen und wo wir hinfahren. Die Grenze ist völlig unkompliziert und wir bekommen unseren ersten Stempel.
Direkt hinter der Grenze bleiben wir beindruckt stehen: das erste Schild, das uns in Serbien begrüßt, sind zwei Tafeln hintereinander in Serbisch und Englisch, die den Donauradweg in Serbien erläutern. Dieser ist in der Tat sehr gut ausgeschildert. Auch wenn wir ihn nicht fahren, treffen wir auf den ersten Kilometern immer wieder auf die Schilder. Wir werden unmittelbar hinter der Grenze bereits von den ersten Autofahrern freundlich begrüßt und das bleibt den ganzen Tag so. Die Dörfer und auch die Städte sind größtenteils renoviert und schön, auch die Außenbezirke sehen gut aus. Die Autofahrer sind rücksichtsvoll und fahren langsam an uns vorbei, die meisten winken oder grüßen. Es macht Spaß, hier Rad zu fahren obwohl die am Morgen zu erahnenden Wolken sich bis zum Mittag zusammengeschoben haben und es anfängt zu regnen. Es ist kalt und sehr windig. Auch wenn der Regen kein Vergleich zu gestern ist und bis zum Abend sogar ab und an ein blauer Streifen am Himmel ist und die Sonne wenigstens zu erahnen ist ebenso wie der Himmel unterschiedliche Schattierungen aufweist (am Abend ist es einfach nur noch grau), ist das Fahren im Regen doch auf die Dauer nervend und vor allem kalt. Es geht bereits am Nachmittag runter auf 8 Grad. Und das Ende August!
Da es früh dunkel wird, suchen wir um 19:00 Uhr Wasser und ein Nachtquatier. Wir sind in einem Ort gelandet, der ungarisch ist – insgesamt fahren wir ja durch den Teil Serbiens, der durch ungemein viele Ethnien geprägt ist, die Vojvodina [ˈvɔjvɔdina] (kyrillisch Војводина; deutsch auch Wojwodina oder Woiwodina; ungarisch: Vajdaság) – und finden den Hinweis auf eine heilige Quelle. Ob heilig oder nicht, Quelle brauchen wir, also biegen wir in den Feldweg zur Kirche ein. Dort finden wir ein Bauarbeiter Trio vor, die an einem überdachten Open-Air-Bereich hinter der eigentlichen, auch schon großen Kirche, arbeiten, dort stehen schon Bänke bereit und ein Altar. Das Ganze ist ein Marienort. Auf jeden Fall bekommen wir Wasser und beschließen, gleich dort zu bleiben und hinter dem Kirchhügel uns einen Ort zu suchen. Den finden wir am Rande eines Ackers vor dem Deich eines der vielen kleinen Flüsse hier. Inzwischen sind wir geübt, im Regen das Zelt aufzubauen, aber vorher lassen wir eine Schafherde passieren. Bei der Kälte und Nässe kostet es sehr viel Überwindung, noch unter die Freilanddusche zu gehen. Aber immerhin regnet es nicht ganz so stark wie gestern.
Morgen geht es nach Novi Sad (kyrillisch Нови Сад, [ˈnɔ̂viː ˈsâːd], anhören?/i; deutsch, inzwischen selten, Neusatz; ungarisch Újvidék; slowakisch Nový Sad), die Hauptstadt der Voivodina. Heute sind wir durch endlose Mais- und Paprikafelder gefahren, die Landschaft flach und dadurch so weit, wie das Auge reicht. Kein Hügel, keine Erhöhung, immer nur die Bäume um die Dörfer oder die Auen. Es stehen manche Häuser leer, viele sind aber auch in einem sehr guten Zustand. Es gibt viel Vieh, auch an den Häusern selbst. Wir sehen, viele Schafe, Ziegen und auch ein paar Schweine, aber doch nur einen Pferdewagen. In den Dörfern gibt es überall kleine Läden und Bars, schwieriger ist es, etwas zum Essen am Mittag zu finden, viele der Grill-Restaurants an der Straße sind geschlossen und wirken seit Langem zu. Die Straßen sind in einem guten Zustand. 

30. August Pécs [ˈpeːʧ] (deutsch Fünfkirchen, lateinisch Quinque Ecclesiae, kroatisch Pečuh, serbisch Pečuj) Villány [ˈvilːaːɲ] (deutsch Wieland, kroatisch Vilanj, serbisch Вилањ)Mohács [ˈmohaːʧ] (deutsch: Mohatsch, kroatisch: Mohač), 78.38 km. 1754,8 Gesamt km

Datum: 30.8.10
Tag: 30
TagesunterstützerIn: Haus Damiano
von: Pecs m NN
nach: Mohacs m NN 143
km 78,38
Gesamt km 1734,1906
km/h: 13
Fahrzeit 06:00
gesamte Fahrzeit: 128:49:00
Anstieg in m pro h #DIV/0!
Anstieg in m 356
Abfahrt in m: 213
höchster Punkt in m NN 235
Steigung/Gefälle 0,73

Am Morgen frühstücken wir noch fürstlich mit Simon und seinen beiden Töchtern, bevor wir unsere Räder wieder bepacken und Pécs [ˈpeːʧ] (deutsch Fünfkirchen, lateinisch Quinque Ecclesiae, kroatisch Pečuh,
serbisch Pečuj) verlassen. Das Barometer ist mal wieder dramatisch gefallen. 


Es waren ereignisreiche 1,5 Tage in Pécs, die uns die Stadt in ihrer vielfältigen Geschichte nahegebracht haben. Wir fahren durch ein anderes Gesicht von Pécs ebenso wieder hinaus wie wir hineingefahren sind: Fabriken, kleine, wenig renovierte Häuser, dafür einen ganz neuen Zugbringer zur Autobahn. Da wir wenigstens sehen wollen, wo unser guter Wein herkommt, den wir zur Hochzeit hatten, fahren wir den Schlenker auf der jüngsten Wein-Straße Ungarns gen Süden und suchen den Ort, in dem Susann und Ralph leben. Zunächst fahren wir daran vorbei zum nächsten Dorf, das wir in beide Richtungen durchfahren und auch noch einen Fahrversuch auf einem Feldweg machen, der laut Karte eine Verbindungstraße sein könnte. Da dieser aber in die falsche Himmelsrichtung führt, beschließen wir, das Dorf davor anzuschauen. In der Tat ist dies das richtige Dorf.



Wir fahren bis zu einer Informationstafel, auf der einiges zur Geschichte der katholischen Kirche und ihrer Gemeinde in dem Dorf und der Umgebung erzählt wird, als neben uns zwei Autos mit deutschen Kennzeichen halten. Ein älteres Ehepaar mit Kindern und vermutlich Enkelkindern steigen aus und der zeigt auf das Gebäude neben der Kirche und erzählt, dass das die Schule gewesen ist, in die er gegangen ist. Da wir direkt daneben stehen, hören wir seinen Erzählungen zu und es berührt uns, dass jemand seit 1946 zum ersten Mal wieder dort ist. Wir fahren schließlich den Weg im Dorf weiter, immer noch auf der Suche nach dem Haus, da wir die Adresse nicht im Kopf haben. So kommen wir ins Gespräch mit einem älteren Herrn, der uns das Haus zeigt. Wir sind mitten im Gebiet der Donauschwaben gelandet und viele sprechen deutsch und manche Schilder sind zweisprachig. Gerade als wir fahren wollen, kommt der Besucher auf den Dorfbewohner zu, er kennt ihn noch von früher.
Neben dem Haus von Ralph und Suann kommen wir kurz mit dem Nachbarn ins Gespräch, bevor wir weiterfahren. Da das Barometer am Morgen dramatisch gefallen war, schauen wir immer wieder skeptisch zum Himmel. Noch kommt der Wind aus der entgegengesetzten Richtung der schwarzen Wolken. Wir folgen wieder der Weinstraße und damit dem Weg durch Donausschwaben und stellen fest, dass dort eine ganz eigene Architektur vorherrscht: es gibt entlang der Häuser Wintergärten, die gen Süden gerichtet sind. Viele Häuser stehen zum Verkauf an, viele sind aber auch sehr gut renoviert und gestrichen. Da wir wissen, dass sich viele aus anderen Ländern hier ansammeln, vermuten wir, dass die renovierten Häuser daher stammen. Nach einem mäßig guten Mittagessen mit lustiger Atmosphäre – wir sind die einzigen Gäste und sie machen extra Musik an für uns, eine Mischung aus irgendwie wie Karneval, Oberkrainer und was sich Touristen unter ungarischer Musik vorstellen – fängt es an zu regnen. Wir nehmen einen kurzen Mittagsschlaf in der luxuriösen Bushaltestelle, hinter der leider die Leergutcontainer stehen – und fahren dann im Regen los. Es regnet und regnet und regnet und seit unserem Schwedenurlaub heißt das nur noch „Schwedenwetter“. Auch die Temperatur ist eher Schweden als Südosteuropa. Überhaupt ist plötzlich Herbst geworden. Nach dem Regentag vor zwei Tagen ist die Temperatur hinunter gegangen und das Licht und die Luft ist plötzlich eine andere. Gerade wenn wir dann im strömenden Regen – zum Teil hätte es auch schon wieder „Schlagregen“ sein können – an abgeernteten Maisfeldern vorbeifahren, scheint der Sommer weit weg zu sein. Bald sind wir klitschnass und suchen für eine Pause Zuflucht in einer Kirche. Vor der Kirche spricht uns eine alte Dame ganz aufgeregt und empört an und wir verstehen so viel, dass sie sich über die Kirche aufregt. Als wir hineingehen, verstehen wir warum: der Kirchenraum ist abgeschlossen, nur der Vorraum ist auf und auch sonst scheint da nicht viel zu passieren. Für uns ist es dennoch genüg, für einen Augenblick aus dem Regen zu sein. Bevor wir zu kalt werden, fahren wir auf der Bundesstraße weiter und ignorieren die „Fahrrad-Verboten-Schilder“. Bald kommen wir in Mohács [ˈmohaːʧ] (deutsch: Mohatsch, kroatisch: Mohač) an. Es hat für einen Augenblick aufgehört zu regnen. Es ist 19:00 Uhr und schon ganz dämmrig. Wir sind wieder weiter im Osten und es ist bedeckt. Wir beschließen daher einzukaufen, Wasser zu suchen und einen Zeltplatz zu finden. So zelten wir dann zwischen einem großen deutschen Supermarktdiskounter und einem eher nach wenig genutzt aussehendem Sportplatz an der Einfahrtstraße nach Mohács [ˈmohaːʧ] (deutsch: Mohatsch, kroatisch: Mohač) und hoffen auf eine ruhige Nacht. Kaum steht das Zelt, fing der Regen wieder an und es schüttet wieder. Es gibt leckere Nudeln, mäßig guten Wein und das Barometer steigt.