Montag, 28. Februar 2011

21. -28. Februar 205. - 212. Tag

28. Februar Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch ‏بُخارا‎, DMG Buḫārā)
Urspruenglich geplant: 208. Tag - aktuell 212. Tag

Was für eine warme Nacht! 21 Grad! Wir wachen aufgewärmt auf und bekommen von Abdul ein wunderbares Frühstück zubereitet. Anschließend machen wir einen ersten Spaziergang durch die Stadt nachdem wir vorher unser Zelt auseinandergenommen haben, damit es trocknet. Das Oberzelt war immer noch gefroren. Die Isomatte ist aufgepustet und sie verliert in der Tat so viel Luft, dass wir damit keine 200 Tage mehr kommen.
Was für eine Stadt! Wir wandern durch den Sonnenschein und bewundern diese Stadt, die in ihrer Schönheit so „normal“ in der Wüste steht. Wir sehen hier die Vorlagen für die islamischen Prachtbauten, die wir im Iran gesehen haben. Für heute reicht ein Spaziergang und ab morgen gibt es eine Sehenswürdigkeit pro Tag.


Unserer Isomatte ist nun wirklich die Luft ausgegangen und wir schreiben eine SOS-SMS an Sigrid. Die Gute hat sie sofort bestellt und versucht sie noch unterzubringen. Was würden wir nur machen ohne Freundinnen, die uns irgendwo in der Welt besuchen!

















27. Februar, Alat nach Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch ‏بُخارا‎, DMG Buḫārā), 81,18km, 9457,0 Gesamtkm 

Datum: 27.2.11
Tag: 211
TagesunterstützerIn:
von: Alat m NN 172
nach: Bukhara m NN 225
km 81,18
Gesamt km 9354,1174
km/h: 10,8
Fahrzeit 07:27
gesamte Fahrzeit: 706:55:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: -53
höchster Punkt in m NN 186
Steigung/Gefälle -0,07

Der Abend geht noch als Pannen-Abend weiter: Erst sind die „Zelt-Handschuhe“ – also die dünnen Fleece-Handschuhe – von Wolfgang verschwunden. Wir finden sie wieder. Dann fehlt am Kocher der Gaszerstäuber. Den finden wir nicht und bauen einen aus Metalldrähten. Das geht so gerade. Dann gibt der Reissverschluss des Innenzeltes auf der einen Seite definitiv seinen Geist auf. Das Zelt müssen wir jetzt drehen und hoffen, dass die andere Seite noch 200 Tage hält. Dann geht der Reissverschluss des Außenzeltes auch nicht mehr, mit Mühe kann er überredet werden. Im Grunde bräuchten wir ein neues Zelt oder schlagartig Sommer ohne Regen….
In der Nacht verliert dann die Iso-Matte von Wolfgang Luft und nach jedem Aufpusten sehr schnell. Also bräuchten wir auch eine neue Isomatte. Da Sigrid aber bereits im Grunde keine Klamotten mehr für sich einpacken kann, wäre eine Isomatte einfach zu viel.
Am Morgen kochen wir wieder provisorisch Wasser. Es ist sehr kalt, aber doch nur minus 3 Grad im Zelt. Beim Aufräumen finden wir den Kocheraufsatz in der Faltschüssel, festgefroren im Kaffeesatz. Dieses Problem ist schon einmal gelöst. Das Zelt gedreht. Bleibt die Iso-Matte. Wir hoffen Buchara heute Abend zu erreichen.
Mit viel Mühe bauen wir das gefrorene Zelt ab, kriegen mit Mühe die gefrorenen Schlösser auf und finden das Wort „gefroren“ nicht mehr sonderlich attraktiv. Väterchen Frost hat uns fest im Griff. Wir fahren los, es sind immerhin kaum noch unter 0 und genießen die letzten Kilometer auf der guten Straße. In einem Laden kaufen wir etwas Trinkbares (unseres ist alles gefroren) und fahren weiter. Wir haben starken Gegenwind und nach 1,5 Stunden sind wir gerade mal 15 km weit. An einem Kreisel finden wir ein Café und setzen uns dort hinein um warm zu werden. Es gibt Tee und Brot und Gurken. Dann gibt es frisch aus dem Ofen gefüllte Teigtaschen für jeden Tisch.


Das Lokal ist voll und wir sind die einzigen (mit zwei jungen Frauen) die keinen Wodka in den Tee tun.


Hier gibt es keinen Zucker mehr, dafür Wodka.


Das Essen ist sehr gut und tut gut und wir beschließen, dass das unser Mittagessen ist. Den Nachmittag fahren wir auf schlechterer Straße gegen den Wind, besser wir schleichen gegen den Wind und bewundern die Dörfer und Häuser am Straßenrand.


Ein Dorf folgt dem nächsten, die Stämme der Bäume sind weiß gekalkt, die Häuser traditionell gebaut, manche geweißelt, mache nicht. Es sind viele Menschen unterwegs, zu Fuß und auf Fahrrädern, wobei die Frauen unterschiedlichste Kleidung und Kopfbekleidung tragen, bei der der Maßstab die schrillen Farben zu sein scheinen. Die Männer laufen alle in dicken Mänteln herum, die aussehen wie Bademäntel. Abgesehen von der allgemeinen Wodka-Stimmung ist es ein sehr angenehmes Fahren. Als wir Wasser kaufen (unser gefrorenes ist aufgetaut und getrunken) bekommen wir von einer Familie, die mit ihrem Auto hält, ein Brot geschenkt. Es wird uns mit zwei Händen überreicht, eine ganz feierliche Geste. Wir sind froh, denn essensmäßig sind wir völlig abgebrannt.
Wir kämpfen uns weiter durch den Wind und wissen dank eines Schildes, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Felder sind größtenteils geflutet und das Wasser bewegt sich im Wind. Gegen Abend kommen uns viele Esels-Karren mit Brennholz entgegen, wie gestern auch schon.


Manche haben noch eine Kuh hinten an den Wagen gebunden oder ein Schaf zwischen sich auf dem Wagen. Wir staunen immer wieder, was so ein ja doch eher kleines Tier wie der Esel alles ziehen kann. Es wird dunkel, als wir die Stadtgrenze erreichen. Die Kälte, die Vision einer warmen Dusche und die Müdigkeit treiben uns gegen den Sturm an und wir sind froh, dass wir es geschafft haben. Wir fragen uns durch und sind sehr schnell in der Innenstadt, die fast nicht beleuchtet ist. Die Chance, in der Dunkelheit eines der ausgesuchten Bed and Breakfast zu finden, ist gleich null. Als wir einen Polizisten fragen, kommt ein englisch sprechender Mann dazu und fährt mit seinem Auto einen Teil des Weges vor uns her. Bis zu einem Hotel, von wo ein Junge mit dem Rad uns weiterleitet. Wir stehen dann vor einem weiteren Hotel und wären da fast schon reingegangen. Es ist wieder unendlich kalt. Als klar wird, dass das Hotel mitten in unserem Aufenthalt ausgebucht ist und wir wechseln müssten, raffen wir uns auf und fragen nach dem vorher im lonely planet ausgesuchten Bed and Breakfast. Es ist ganz nah und als wir vor der Türe stehen, sind wir froh um die Entscheidung. Es kostet die Hälfte, ist sehr schön in einem alten Haus und hat Platz für die Räder und für uns. Wir bekommen einen Tee und können die amtliche Registrierung dort machen. Um die Ecke ist ein Laden, wo wir einen hervorragenden Räucherfisch, Wurst und Bier erstehen und so das Brot genießen können nach einer heißen Dusche. Wir sind beide noch so durchgefroren, dass die Fingerkuppen und Zehenspitzen taub sind und das Frösteln bleibt. Im Gästebuch lesen wir, was wir schon in vielen Blogs gelesen haben: die meisten Radfahrenden kommen so gerade durch Turkmenistan und sind dann krank oder werden dort krank. Es ist schade, denn gerade die Wüste ist wunderschön, mehr Zeit würde sich wirklich lohnen.
Was wir bisher von Buchara am Serafschan gesehen haben, sieht toll aus und wir sind gespannt auf die Stadt. Im Bed&Breakfast treffen wir die Japanerin, die wir schon an der turkmenisch-usbekischen Grenze getroffen haben und sie freut sich sichtlich über unsere Japan-Flagge!


Bisher unveröffentlichte Notizen:
Was für eine Stadt!

26. Februar, Repetek Biosphere State Reserve, often referred to as Repetek Nature or Desert Reserve, (Turkmen: Repetek goraghanasy) nach Alat, 67.61km, 9375,8 Gesamt Km

Datum: 26.2.11
Tag: 210
TagesunterstützerIn: Marita Uhling
von: Repetek m NN 174
nach: Alat m NN 172
km 67,61
Gesamt km 9272,9374
km/h: 13
Fahrzeit 05:11
gesamte Fahrzeit: 699:28:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m
Abfahrt in m: 2
höchster Punkt in m NN 175
Steigung/Gefälle 0,00

Die Wodka-Fete geht noch die halbe Nacht weiter, bis die Wirtin die LKW-Fahrer gegen zwei Uhr rausschmeisst. Es sind die Kieslasterfahrer, die wir schon den ganzen Tag um die Ohren hatten. Dennoch sind wir froh, dass wir nicht draußen sind. Es hat sich gestern Nacht noch herausgestellt, dass die „maschina“, die heute um Acht nach Turkmenabat fahren soll, der Wirt ist, der mit uns 200m zum Museum fahren will. Das können wir nun wirklich nicht machen und überlegen für einen Moment, was wir nun machen. Die gesamte Strecke fahren würde nicht klappen, also lassen wir den Morgen kommen.
Nachdem gegen 6.30 Uhr langsam Leben in die Büde kommt, kochen wir Kaffee und genießen das herrliche Brot vom Abend.


Die Kieslaster brechen langsam wieder auf und der Wirt schläft noch. Die Wirtin fragt uns, ob wir einen Tee möchten, aber da wir kein Geld mehr haben, gibt es keinen. Andere Länder sind eben doch andere Kulturen. Die Türe öffnet sich und vier Herren im Anzug kommen herein. Wolfgang kommt mit ihnen ins Gespräch. Sie verstehen, dass wir einen LKW brauchen und finden aber trotzdem, dass wir doch erstmal einen Wodka mit ihnen trinken könnten. Wir finden das gar nicht, was zögerlich akzeptiert wird. Draußen ist ein weiterer eiskalter Morgen angebrochen und auch mit der Sonne ist es einfach nur kalt. Aber unsere Anzug-Männer sehen einen Laster und halten ihn durch Winken und Pfeifen an und bewegen ihn, auf den Hof zu fahren. Es stellt sich heraus, dass er zur Grenze fährt und uns für 10 Dollar mitnimmt. Also schleppen wir im Galopp alle Taschen und die Räder raus und trauen unseren Augen nicht, als die Türe geöffnet wird: der Laster ist bis oben voll mit Wodka-Flaschen! Oben drauf kommt das Gepäck und die Räder und wir zu viert ins Führerhäuschen. Es ist ein russischer Zil-Laster, der auch unter der Kälte leidet.


Zwischendurch müssen die Brems-Leitungen durch Feuer wieder aufgetaut werden.



Aber die Maschine fährt, und wir haben Spaß mit den beiden Männern und unterhalten uns auf russisch, deutsch und englisch.


An uns zieht die Wüste vorbei, und wieder sehen wir Kamele. Irgendwann wird klar, dass sie zu einem anderen Grenzübergang im Süden fahren. Zunächst ist leichte Ratlosigkeit, dann wird klar, dass wir ja Räder haben. Also werden wir in Türkmenabat (russisch Туркменабад; früher turkmenisch Чәрҗев/Çärjew; russisch Чарджоу/Tschardschou) rausgelassen.


Auf dem Weg zur Stadt musste der junge Mann immer wieder auf Tauchstation gehen damit die Polizei uns nicht anhält und es Strafe zahlen bedeutet.
Dort hält direkt ein nächster mit Fahrrad und wartet in der Kälte, bis wir fertig sind, um uns den Weg zu zeigen.

Uebrigens:Isabell undUwe werden es auch nicht ganz schaffen mit dem Fahrrad durchTurkmenistan!

Wir finden den Weg mit Hilfe vieler Hinweise und erreichen den Polizeiposten vor der Überquerung des Flusses. Mit der Passkontrolle bekommen wir zunächst Bonbons und zwei Stücke Brot geschenkt und dann noch einen ganzen Laib selbstgebackenes Brot. Das ist wunderbar, da wir keines mehr hatten und ja auch kein Geld… So können wir eine köstliche Mittagpause in der Sonne bei fast zehn Grad verbringen, bevor wir weiter zur Grenze fahren. Nachdem wir das fruchtbare Tal hinter uns gelassen haben, sind wir wieder in der Wüste, auch wenn durch diese Kanäle fließen.


Wir kommen ohne Probleme durch alle Grenzposten, müssen uns in Usbekistan gegen eine sehr aufdringliche Restaurant-Besitzerin wehren und finden für die Nacht einen Platz im Acker.

Bisher unveröffentlichte Notiz:
In Usbekistan sind viele Menschen mit dem Rad unterwegs. Schöne Höfe, alles sehr gepflegt. Brennholz per Esel jeden Tag. Bunte Farben und Trachten.

25. Februar Uch-Adzhl nach Repetek Biosphere State Reserve, often referred to as Repetek Nature or Desert Reserve, (Turkmen: Repetek goraghanasy), 72,72km, 9308,2 Gesamtkm

Datum: 25.2.11
Tag: 209
TagesunterstützerIn: Eva Maria Schwaderlapp
von: Uch-Adzhl m NN 186
nach: Repetek m NN 174
km 72,72
Gesamt km 9205,3274
km/h: 12
Fahrzeit 06:03
gesamte Fahrzeit: 694:17:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 12
höchster Punkt in m NN 186
Steigung/Gefälle 0,02

Als wir aufwachen sind es beinahe minus 5 Grad im Zelt, und draußen sind es -15. Es ist unglaublich kalt und alles ist gefroren und friert innerhalb von wenigsten Minuten.


Wir schaffen es dennoch, um kurz nach acht aufzubrechen, nicht ohne den Sonnenaufgang zu genießen


und die Sanddünen zu bewundern, die in der Sonne glitzern. Es sind minus 12, als wir losfahren. Wir kommen zum Dorf und möchten dort noch einkaufen, da dann erstmal nichts mehr kommt. Der Laden ist sehr fundamental in seinem Sortiment,


hat aber Trinkwasser und heißes Wasser


und eine Dose spanische Oliven. Gunda braucht eine geraume Zeit, um die Thermoskanne wieder öffnen zu können,


während Wolfgang Fotos macht.



Nachdem wir gekauftes Wasser getrunken haben, nachdem unseres zu einem Eisblock gefroren ist, fahren wir weiter. Es wird langsam warm, was so viel bededeutet, dass es nur noch minus 5 Grad hat. Irgendwann ist es über 0 Grad. Direkt hinter dem Dorf werden wir von einer weiteren Kamelherde überrascht,


die einfach so durch die Wüste läuft. Uns fällt auf, dass Kamele wohl nicht so beliebt sind, denn sie werden erst von drei Männern weggescheucht und anschließend von einer Schafhirtin und ihrem Sohn mit Steinen beworfen und weggescheucht. Sie sind wohl eine Konkurrenz. So traben sie ein paar hundert Meter neben uns her und schauen uns immer wieder interessiert an.
Der Wind wird wieder stärker und die Straße schlechter und wir arbeiten uns von Düne zu Düne. Die Wüste bleibt Sandwüste, und immer wieder können wir diese großen Greifvögel beobachten. Bald nach dem Mittagessen müssen wir einsehen, dass wir den Weg bis zur Grenze kaum noch schaffen können. Auch wenn wir kräfte- und konditionsmäßig das Letzte geben würden, um einen Schnitt von 12 km/h zu halten, würden des die Kniegelenke nicht durchhalten. Und die sind willensmäßig eben nicht zu beeinflussen. Zudem ist es immer noch so unendlich kalt. Unser Ziel ist es, bis zur Wüsten-Station zu kommen. Wir fahren und fahren und sie kommt nicht. Dafür kommt ein Café, bei dem wir halten und erstmal etwas essen. Es ist köstliches Essen und ganz anders als das türkische, irakische und persische Essen. Wir versuchen einen LKW anzuhalten, aber haben keinen Erfolg. Wir werden zum Übernachten eingeladen und es wird ein surrealer Abend. Wir sind schlichtweg keine angetrunkenen oder betrunkenen Menschen mehr gewöhnt. Irgendwie soll es wohl ein Auto morgen geben, das uns mitnimmt. Wir wissen noch nicht so recht, wie wir die Aussage eines betrunkenen Wirtes einschätzen sollen, und müssen im Zweifelsfalle fahren und fahren fahren.

24. Februar, Mollanepes nach Uch-Adzhl, 96,77km, 9235,5 Gesamtkm

Datum: 24.2.11
Tag: 208
TagesunterstützerIn: Doro, Nora, Jonas Hippe und Ulli Maier
von: Mollanepes m NN 196
nach: Uch-Adzhl m NN 186
km 96,77
Gesamt km 9132,6074
km/h: 12,2
Fahrzeit 07:55
gesamte Fahrzeit: 688:14:00
Anstieg in m pro h 4,17
Anstieg in m 33
Abfahrt in m: 43
höchster Punkt in m NN 207
Steigung/Gefälle 0,08

Die Nacht ist niederschlagsfrei und nicht ganz so kalt. Dennoch ist am Morgen wieder alles gefroren. Wir packen und sind froh um die Extra-Handschuhe, die wir für die Frost-Morgen in Esfahan noch gekauft haben. Die Straße ist immer noch gut, und wir sind immer noch von jeder Kamelherde begeistert und bleiben für Fotos stehen.


Die Straße wird bald wieder schlechter, und wir hoppel so dahin. Nachdem wir zunächst durch ganz besiedelte und landschaftlich geprägte Gegend fahren, hört diese schlagartig auf und wir sind mitten in der Sandwüste.


Unsere erste Begegnung ist mit einem ausgesetzten Welpen, der hinter uns her läuft und sich sichtlich freut. Wir können ihm nicht helfen. Anschließend sehen wir einen Wüstenfuchs und immer wieder Kamele und Greifvögel. Wir fahren weiter und weiter auf das Ende der Wolke zu, unter der wir nun seit bald drei Tagen fahren. An einer Tankstelle holen wir noch Spülwasser und fahren weitere Kilometer durch die Wüste. Es ist wie im Bilderbuch.


Es wird noch lange vor Sonnenuntergang bereits kalt, nachdem die höchste Temperatur eh nur 3 Grad plus waren.


In der Sonne und im Windschatten sind es gleich fast 15. Wir kommen nicht so weit, wie wir wollten, aber der stärker gewordenen Wind macht es uns unmöglich. Wir finden hinter einer Sanddüne einen Platz für die Nacht.


Es ist bereits so kalt, dass alles sofort friert.


Gunda schafft es so gerade, sich die Zähne zu putzen, aber der Verschluss vom Wassersack ist direkt wieder zugefroren. Es ist sogar zu kalt, um kreativ zu sein. Zum Glück können wir im Zelt kochen. Es ist sternenklar und der Himmel wunderschön.

23. Februar Hauz-Han bis Mollanepes, 85,3km, 9138,7 Gesamtkm

Datum: 23.2.11
Tag: 207
TagesunterstützerIn:
von: Hauz-Han m NN 196
nach: Mollanepes m NN 196
km 85,3
Gesamt km 9035,8374
km/h:
Fahrzeit
gesamte Fahrzeit: 680:19:00
Anstieg in m pro h #DIV/0!
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 0
höchster Punkt in m NN 196
Steigung/Gefälle 0,00

Panne: Platter an Wolfgangs Wagen

Am Abend fängt es an zu regnen, es ist ein Eisregen. Irgendwann in der Nacht ist es still, wir denken, es hat aufgehört (schließlich sind wir in der Wüste) bis wir am nächsten Morgen aus dem Zelt schauen und uns Neuschnee anlacht.


Wir brauchen einige Zeit, um die Räder freizukriegen, Schlösser zu enteisen, das Zelt abzubauen und die Ketten eisfrei zu bekommen. Als wir auf die Straße schieben, sehen wir, dass das Rad am Wagen platt ist. Als Problem stellt sich heraus, dass der Vulkanisierer bei Minustemperturen nicht klebt. Dennoch hält die Reperatur beim zweiten Versuch. Nach kurzer Zeit fängt das Wasser in den Flaschen an zu frieren. Als wir an einem Café vorbei kommen, machen wir dort halt. Drinnen ist zwar kein Ofen und es regnet rein, aber es ist über 0 Grad. Den Kaffee inklusive Kekse bekommen wir geschenkt. Wir entdecken Efes und kaufen kurzentschlossen zwei Dosen. Das erste Efes seit drei Monaten!
Wir hoppeln und krachen weiter über die Straße, die unterirdisch bleibt, aber immerhin immer wieder Abschnitte hat, die an Asphalt erinnern. Für eine Zeit gehen wir auf die neue Straße, bis auch die wieder schlecht wird. Durch die schlechte Straße müssen wir uns so auf die Spur konzentrieren, bekommen nicht so viel von der Landschaft mit, wohl aber dass sie bewässert und dadurch fruchtbar ist. Als wir endlich in Mary ankommen, suchen wir dort einen Laden und finden eine Art Open-Air-Spätkauf mit einer sehr geschäftstüchtigen Dame.


Dort kaufen wir ein und suchen den Weg aus der Stadt heraus. Mary ist durchaus beeindruckend, voller neuer repräsentativer Gebäude, darunter eine riesige Moschee mit dem Bild des betenden Präsidenten davor. Zudem Wohnhäuser, die in der ersten Reihe renoviert und neu sind. Die Menschen sind höflich und zurückhaltend, es ist Schulschluss und es ist kein Problem durch die Stadt zu fahren. Auf dem Weg aus der Stadt hinaus begleitet uns ein Jugendlicher bis zur nächsten Abzweigung. Wir sind beeindruckt, wie freundlich und höflich auch die Jugendlichen und Kinder sind, wenngleich das Hupen schon anstrengt. Das Verhältnis zwischen Fahrgeschwindigkeit und Straßenqualität ist allenfalls surreal zu nennen.
Hinter Mary gibt es die langersehnte neue Straße für 25km und wir genießen es sehr und finden hinter einem Hügel einen Ort für die Nacht, die sehr kalt werden wird. Schon beim Aufbau friert das Wasser.


Bisher unveröffentlichte Notizen:
An den Wodka im Alltag müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Macht Gespräche und Organisieren echt schwierig und der Autoverkehr ein wenig unberechenbar.


Datum: 22.2.11
Tag: 206
TagesunterstützerIn:
von: Ata m NN 208
nach: Hauz-Han m NN 196
km 95,43
Gesamt km 8950,5374
km/h: 12,3
Fahrzeit 07:46
gesamte Fahrzeit: 680:19:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 12
höchster Punkt in m NN 208
Steigung/Gefälle 0,01

In der Nacht fängt es an zu regnen und auch der Morgen ist total grau, obwohl unser Barometer hartnäckig Sonne behauptet. Wir fahren eine Weile gegen den Wind bis wir zu dem Kanal kommen, der das Wasser, das eigentlich den Aralsee erreichen sollte, ableitet. Uns kommen eine Menge Herden entgegen, erst eine Schafherde,


dann Kühe


und nach einer Menge von Schaf- und Kuhherden sogar eine Kamelherde!


Alle haben bereits Lämmer, Kälber und kleine Kamele dabei. Nach einem recht heiteren Einkauf im ersten Laden den wir sehen (heiter vor allem, weil es eine neue Währung gibt, aber in der alten gerechnet wird) biegen wir auf die kleine Straße ab. Vorbei an zahllosen Feldern, von denen manche so grün sind, dass wir uns fragen, ob das wohl normal ist. Aber wir sind einfach die Farbe grün nicht mehr gewöhnt. Bei der Mittagspause, die wir Dank des Hotelmanagers von Saraks mit dem selbstgebackenen Brot seiner Frau und der klassischen Dose Thunfisch verbringen, gesellt sich ein Polizist zu uns und erzählt uns, dass das alles sein Revier sei und hier Weizen und Baumwolle angebaut werden.


Wir fahren weiter und kommen bald auf die eigentliche Transitstraße, die immer noch eine Europastraße ist. (Die Sowjetunion hatte eben ihre Hauptstadt in Europa!) Nach Tagen des Hoppelns freuen wir uns auf eine gute Straße und haben zunächst die neue Straße, die noch nicht fertig ist, ganz für uns. Sie endet bald an einem Erdwall und das Hinauffahren lohnt sich nicht mehr richtig, weil sie aus Rollsplit besteht. Also sind wir auf der alten Straße, die größtenteils in ihrem Zustand unterirdisch ist.


Hoppelten wir bisher, krachen wir nun von Schlagloch in Schlagloch und können nicht jedes Mal stehen bleiben, denn dann würden wir gar nicht mehr fahren. Das Fahren ist so sehr anstrengend zumal zum Nachmittag hin die Autofahrer in ihrem Hup-Verhalten echt anstrengend werden. Wir nennen das das „Kroatische Phänomen“ und vermuten, dass es eher am Wodka denn an uns alleine liegt. Im Iran vermuteten wir eher das Drogenproblem dahinter. Wir hätten ja gerne ein Bier gefunden aber bisher ohne Erfolg. Ein Auto, das anhält mit reichlich angetrunkenen Männern hat ziemlich viel Bier im Auto. Aber sie nerven nur und bieten uns keines an. Also machen wir weiter einen auf Iran.
Wir kommen zu einer ganz neuen Brücke über die gerade eine Kuhherde getrieben wird, und ein störrischer Esel nicht so will wie seine jugendlichen Besitzer.


Es sind zwei Welten, die hier immer wieder neben einander sind. Wir fahren gänzlich ohne Hinweisschilder, haben aber genug Turkmenen, die uns – auf russisch – den Weg weisen oder Jugendliche, die uns mit dem Rad belgeiten. Ein Bauer lädt uns ein, bei ihm zu übernachten, nur leider viel zu früh. Nach einem Wasserreservoir fängt die Wüste wieder an, wenngleich da ein Hauch von grün zu sehen ist. Wir finden hinter einem Hügel einen Ort für die Nacht.

Bisher unveröffentlichte Notizen:
Wenn etwas verschenkt wird, dann Brot und das ist dann richtig feierlich. Wunderschöne Geste:mit beiden Händen wird das Brot überreicht. Es ist heilig in Turkmenistan und wird gebrochen.

2 Esfand 1389/21. Februar Sarakhs (Persian: سرخس‎, also Romanized as Serakhs)[1] bis Ata, 55,98 km, 8957,9 Gesamtkm

Tag: 205
TagesunterstützerIn: Michaela und Matthias Arndt
von: Sarakhs m NN 223
nach: Ata m NN 208
km 55,98
Gesamt km 8855,1074
km/h: 12,2
Fahrzeit 04:33
gesamte Fahrzeit: 672:33:00
Anstieg in m pro h 0,44
Anstieg in m 2
Abfahrt in m: 17
höchster Punkt in m NN 223
Steigung/Gefälle 0,03

Nach einem guten Frühstück machen wir uns auf den Weg zur nahen Grenze und werden von vielen an den richtigen Ort geleitet. Es ist der Passenger Terminal und dort stellen wir unsere Räder ab, geben unsere Pässe ab und warten. Und warten. Und warten. Es stellt sich heraus, dass es immer eine Fehlermeldung im Computer bei unseren Daten gibt. Bald sind zwei Polizisten (mittlerweile im Offiziersrang) und der Manager beschäftigt. Irgendwann werden wir genau angeschaut, Gunda nimmt ihre Brille ab, und dann ist der Exit-Stempel endlich drin. Inzwischen ist es 10:00 iranische Zeit. Wir können problemlos durch das Niemandsland zur turkmenischen Grenze mit den Rädern fahren. Dort ist die Stimmung ganz heiter. Die Soldaten unendlich jung, aber wirklich freundlich. Erst geht es zum Arzt, der aber nur auf den Pass schaut. Dann zur Registrierung, nach den 13 Dollar pro Person muss eine Zollform aufgefüllt werden. Die gibt es nur auf russisch und wieder haben wir Spaß mit dem Uniformierten beim Ausfüllen. Danach muss das gesamte Gepäck gescannt werden, aber eher pro forma, denn keiner schaut auf den Bildschirm (gut für uns, wie hätten wir sonst die Axt erklärt?). Dann sind wir fertig und können nach einer weiteren Kontrolle fahren. Wir sind erstaunt, dass die Landschaft tatsächlich anders aussieht. Nach einem Stop bei einem LKW-Kaffee zum Mittagessen geht es weiter. Dort ist uns der Weg auf gutem Asphalt erklärt worden. Wir merken bald, wie verwöhnt wir durch den Iran und seine hervorragenden Strassen – teilweise mit vorbildlichen Fahrradstreifen! - sind.
Der Asphalt ist streckenweise als Asphalt zu erkennen. Dazwischen ist er kaputt. Dazwischen ist der Straßenbelag etwas, was aus großen und kleinen Steinen zusammengesetzt ist, die mehr oder weniger nah beieinander sind und immer wieder einmal durch eine graue Masse zusammengehalten werden und am Rand durch Schotter und in der Mitte durch die Ahnung eines Mittelstreifen gekennzeichnet werden als Straße. So hoppeln wir dahin. Das Wetter ist total warm geworden, in der Sonne sind es weit über 30 Grad, sonst 20. Es ist schön, im Warmen zu fahren auch wenn der Himmel nach Regen aussieht, der am Abend tatsächlich kommt. Wir finden einen Platz in der grünen Wüste zwischen zwei Dörfern, die hier immer noch aussehen wie Zeltstädte, obwohl sie aus Stein gebaut sind.

Bisher unveröffentlichte Notizen:
Mit einem Schlag in einer ganz anderen Kultur: bunte Kleider. Verschiedenste Kopfbedeckungen, gruselige Latrinen, kein Wasser mehr am oder auf dem Klo, aber auch nicht mehr die persische Gastfreundschaft. Kein Teeangebot etc

Sonntag, 20. Februar 2011

19. und 20. Februar, 203. und 204. Tag

1 Esfand 1389, Sarakhs (Persian: سرخس‎, also Romanized as Serakhs)[1]
 
Das Barometer fällt dramatisch und das zeigt sich im Sturm. Wir werden von unserem Hotel-Manager zur Post mitgenommen. Die erste Station ist eine kleine Postbank-Filiale, die aber mit Postkarten nichts anfangen können. Dann geht es weiter zur großen Hauptstelle. Dort müssen erst Telefonate geführt werden und nach einer Weile ist es klar: die Briefmarke kostet inzwischen 5000 IR, am Anfang waren es noch 1000. Das entspricht den Preissteigerungen der letzen Wochen. Anschließend gehen wir in die Bank zum Geld wechseln, heute ist Monatsanfang oder Ende, auf jeden Fall ist die Bank brechend voll. Die Gespräche verstummen für einen Moment und wir werden groß angeschaut. Ein Polizist nimmt sich unser an und es wird klar, dass kein Geld gewechselt ist. Mit den letzten Rial kaufen wir Kaffee, dann spricht uns ein weiterer Polizist an. Wir erfahren, dass nur an der Grenze Geld gewechselt werden könne. Dort gäbe es die Bank. Also arbeiten wir uns durch die vielen LKWs zur Bank durch, die uns aber wieder rausschickt. Wir fragen noch in einem zweiten Gebäude, die uns auch rausschicken zu Hassan. Hassan hat sein Geld im Kofferraum und ist der Geldwechsler der Grenze. Geldwechseln geht schnell und sicher und wir haben unseren ersten turkmenischen Schein. Den restlichen Tag verbringen wir mit Planung. Schlafen, Kochen, Räder wieder festschrauben und Packen.


Uebrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Tanyeli!


Gestern Abend haben wir die Uhr schon auf turkmenische Zeit vorgestellt, nun sind wir 1,5 Stunden der Zeit voraus. Nach einem Kaffee auf dem Zimmer und einer ersten Runde es Waschens gab es ein zweites Frühstück und dann irgendwann noch Nudeln mit Thunfisch, einen Gang in diesen Ort, der vor allem vom Grenzverkehr lebt. Wir sind direkt an dem Kreisel, der zur Grenze führt und danach sind die Schilder auch nur noch auf Farsi. Mit etwas Mühe haben wir einen Spätkauf gefunden und erstehen dort reichlich eingestaubte Nudeln, Thunfisch, Kekse und Schokolade für den Weg durch Turkmenistan. Die Strecke durch Turkmenistan ist ein wenig wie ein Ökumenischer Kirchentag: sechs Tage wenig Schlaf und einen stressigen Zeitplan. Dabei wäre die Strecke mit mehr Zeit bestimmt sehenswert, immerhin fahren wir das erste Mal wirklich durch die Wüste, wenngleich für Wüste im Wetterbericht eine Menge Regen angesagt ist. Aber dass wir selbst in Wüsten Regen oder sogar Schnee haben, daran gewöhnen wir uns langsam.
Das Hotel ist sehr schön, vor der Türe stehen die ganzen Laster und wenn die Fahrer nicht gerade an ihren Zugmaschinen schrauben, sind sie im Restaurant. Heute Morgen bekamen wir direkt Walnüsse geschenkt. Im Fernsehen gibt es neben BBC einen Kanal, der Spielfilme auf Englisch zeigt und den Pentagon-Channel für die US-Truppen weltweit.


Das ist ziemlich unerwartet und so erfahren wir jetzt ne Menge an offizieller US-Meinung zum US-Militär und Air-Force. Immer wieder ist dabei die Air-Force-Base in Ohio dabei, die wir ja beide kennen. Da George, der im November viel zu früh und zu jung gestorben ist, bei der Air-Force war, ist es ein wenig auch an ihn denken wenn der Fernseher läuft. Außerdem bietet BBC ja ständig Berichte zu den Protesten in der arabischen Welt. Das iranische Fernsehen berichtet von den Pro-Regierungs-Demonstrationen in Teheran. Heute können wir unseren Blog ins Netz stellen und die Fotos an Peter schicken. Ansonsten ist es sehr schön, im Warmen und Trockenen zu sein (obwohl heute die Sonne schien und es beinahe warm war) und auszuruhen. So gerne wir uns bewegen, so schön ist es auch zu faulenzen. Unser Zimmer ist wie immer verkabelt und wir beschäftigen uns mit den Karten von Zentralasien.

Samstag, 19. Februar 2011

10.-18. Februar, 194. - 202. Tag

29 Bahman 1389, Mozduran bis Sarakhs (Persian: سرخس‎, also Romanized as Serakhs)[1], 87,95km, 8901,9 Gesamtkm 

Datum: 18.2.11
Tag: 202
TagesunterstützerIn:
von: Mozduran m NN 847
nach: Sarakhs m NN 223
km 87,95
Gesamt km 8799,1272
km/h: 14
Fahrzeit 06:18
gesamte Fahrzeit: 668:00:00
Anstieg in m pro h 62,70
Anstieg in m 395
Abfahrt in m: 1019
höchster Punkt in m NN 1016
Steigung/Gefälle 1,61

Der Hahn der Station ist deutlich früher wach als der Muezzin und kräht munter seit vier Uhr morgens. Die Nacht ist nicht so kalt gewesen und wir bekommen zum Abschied noch eine Schale Salat und Halva geschenkt.


Außerdem noch Brot. Was täten wir nur ohne Sanis! Vor allem in der Gegend, in der es so wenig Logistik gibt. Wir arbeiten uns durch dichten Nebel den Pass hinauf und sehen nichts.


Innerhalb weniger Minuten ist alles gefroren. Wir hoffen, dass das Wetter besser wird, wenn wir wieder hinabfahren, aber vorher müssen wir den Pass erreichen. Zum Glück geht es nicht sehr weit hoch und die Auto-LKW-Busfahrer fahren für iranische Verhältnisse sehr langsam und vorsichtig. Als es bergab geht, ist auch die Brille von Gunda komplett vereist. Also immer wieder anhalten und Brille enteisen. Zum Glück haben wir heißes Wasser dabei, so dass wir unsere Getränke zum Trinken in eine angenehmere Temperatur versetzen können. Bald können wir unsere Umgebung wieder sehen


und sind ganz erstaunt, dass wir inmitten von grünen Weiden sind und um uns immer und immer wieder große Herden von Schafen. Die Landschaft ist wunderschön, wir fahren von einem Flusslauf in den nächsten, 


vorbei an Dörfern, die aus Stein und Lehm an den Fluss gebaut sind. 


Bald haben wir die Berge hinter uns und finden einen leeren Stall, der uns ein wenig Windschatten gibt, so dass wir den köstlichen Salat mit Brot genießen können. 



Neben uns die Überlandleitung, die Strom aus tadschikischer Wasserkraft in den Iran bringt. 


Als die letzten Hügel schwinden, öffnet sich eine große Ebene, noch ganz braun, aber komplett von Landwirtschaft geprägt. Es geht bergab, wenngleich dies wenig zu spüren ist, da es auch dauernd wieder bergauf geht. Heute ist Freitag und selbst bei diesen Temperaturen (kaum über 0) picknicken Familien in den Bäumen und Sträuchern, die am Rande der Straße gegen die Versandung gepflanzt werden. Der Sand ist so fein, wie man sich Strände wünscht.
Wir erreichen Saraks mit hängender Zunge, denn neben dem leichten Gegenwind und der Kälte ging es einfach immer wieder bergauf auf nicht so guten Straßen. Wir sind verwöhnt von den Straßen im Iran mit vorbildlichen Fahrradstreifen und der Straßenführung mit so wenig Steigungen. Wir haben tatsächlich Saraks erreicht und sind damit durch den Iran gefahren! In Esfahan haben wir noch gedacht, wie das wohl gehen soll mit dem Weg bis Saraks und dann war es die schönste Strecke und auch von den Leuten her am angenehmsten. Wir haben einen ganzen Tag reingeradelt und so können wir zwei Tage frei machen in Saraks, bevor wir nach elf Wochen den Iran verlassen. Gunda wird das Kopftuch und den Zwang immer einen langen Pullover oder Mantel tragen zu müssen, nicht vermissen.
Wir haben Glück mit dem Hotel hier an der Grenze, wenngleich Wolfgang erstmal das Bett mit der (mitgebrachten VC-)Axt reparieren muss. Wie gut, dass wir als Radfahrende immer alles dabei haben. 


28 Bahman 1389, Shurak-e Maleki (Persian: شورك ملكي‎, also Romanized as Shūrak-e Malekī and Shūrak Malekī; also known as Shorak)[1] bis Mozduran, 37,58 km 8814,0 Gesamtkm

Datum: 17.2.11
Tag: 201
TagesunterstützerIn: Jürgen Deelmann + Theo Fabri
von: Shurak Maleki m NN 838
nach: Mozduran m NN 847
km 37,58
Gesamt km 8711,1772
km/h: 8,3
Fahrzeit 04:31
gesamte Fahrzeit: 661:42:00
Anstieg in m pro h 65,76
Anstieg in m 297
Abfahrt in m: 288
höchster Punkt in m NN 850
Steigung/Gefälle 1,56

Nachdem der Sturm zunächst in der Nacht nachgelassen hat und nur die Hunde zu hören waren, fing der in den Morgenstunden in der Gegenrichtung wieder an und uns begrüßt ein kräftiger Ostwind. Wir bauen im Sturm ab, schieben die Räder aus den Dornen raus und machen uns erstmal auf die Suche nach Dornen in den Mänteln. Wir ziehen eine Menge raus, aber die gute Nachricht daran ist, dass die Dornen zwar irre scharf, aber nicht stark sind. Die Luft ist drin und wir kämpfen gegen den Sturm. Es ist kalt und bewölkt und das Barometer behauptet Sonne! Zum Mittag haben wir gerade mal 20 km geschafft und sind schon reichlich geschafft. Um uns herum ist alles Sand. Entweder sind es die Felder, die noch nicht grün sind, oder es ist Wüste oder es sind Sanddünen. Wir sind froh, dass der Sand so fest ist, dass er nicht vom Sturm aufgewirbelt wird. Das Flussbett ist fast leer und wo der Fluss war ist nun Salz. Wir fahren immer weiter auf die Berge zu, genervt von Autofahrern, die vor sich hin hupen. Ein Hirte möchte uns zum Essen einladen. Wir erreichen die Abzweigung nach Seraks und nun führt uns die Straße direkt auf die Berge zu. Diese sind inzwischen nicht mehr zu sehen, weil die Wolken immer tiefer ziehen. Die Straße wird gruselig, der Wind immer stärker und Leute hupen und rufen immer noch! Inzwischen fängt es auch an zu schneien und wir entscheiden, dass wir es für heute aufgeben und die Sanis im Dorf suchen. Wir können unser Zelt in der Garage aufbauen und bekommen als erstes Nudeln serviert! Es ist richtig kalt geworden, aber der Wind hat etwas nachgelassen und auch der Schnee treibt nicht mehr. Wir sehen die beleuchtete Passstraße und hoffen, dass sie gestreut ist, denn der Weg zum Spätkauf zeigt uns, dass die Straßen bereits frieren. Wir sind froh, dass wir genug Pufferzeit haben für den Fall, dass der Wind morgen wieder so ist.

27 Bahman 1389 Binālūd (persisch: بینالود) bis Shurak-e Maleki (Persian: شورك ملكي‎, also Romanized as Shūrak-e Malekī and Shūrak Malekī; also known as Shorak)[1], 97,06km, 8776,4 Gesamtkm
 
Datum: 16.2.11
Tag: 200
TagesunterstützerIn: Nora Frieling
von: Emam Taqi m NN 1405
nach: Shurak Maleki m NN 838
km 97,06
Gesamt km 8673,5972
km/h: 18
Fahrzeit 05:24
gesamte Fahrzeit: 657:11:00
Anstieg in m pro h 49,26
Anstieg in m 266
Abfahrt in m: 833
höchster Punkt in m NN 1489
Steigung/Gefälle 1,13

Unser schnellster Tag mit 18 km/h war der 200. Tag in der iranischen Wüste, wo wir den Sturm genau von hinten hatten.

Am Morgen ist es kalt, obwohl es fünf Grad im Zelt sind. Der Himmel ist grau und wir sind froh um den Sicht- und auch Windschutz der Bäume. Wir fahren weitere 200 Höhenmeter bergauf und kommen am ersten Windpark seit – wir meinen Griechenland – vorbei. Bald geht es bergab in das Tal und plötzlich sind die Berge ganz rot. Der Himmel ist inzwischen blau geworden und es ist ein gigantisches Farbspiel. Dazu gibt es Stürmböen, die uns zum Glück mehr von hinten als von vorne erwischen. Vor Mashhad endet unsere Straße in einer Autobahn und wird als kleine Straße weitergeführt. Wir rumpeln gerade den ersten Hügel hinab, als wir von einem Auto angehalten werden, dessen vier männliche Passanten sich als Polizei ausgeben. Inzwischen kennen wir das ja, was die Situation nicht ungefährlicher, aber dennoch um so nerviger macht. Wir wissen ja bereits, dass sie unseren Pass haben wollen. Einer wird direkt Wolfgang gegenüber handgreiflich, bevor er dann Gunda gegenüber handgreiflich wird. Sie hat inzwischen einen Mofa-Fahrer von der Gegenspur durch Handzeichen (es ist doch gut, lange in einem Land zu sein und die Gestik zu kennen) angehalten, er wendet und kommt auf uns zu. Ein zweiter zeigt Wolfgang irgendeine Karte und Wolfgang die Kopie des Passes. In der Zwischenzeit argumentiert Gunda mit dem Handgreiflichen. Die beiden steigen ganz schnell ins Auto, als der Mofa-Fahrer uns erreicht hat und fragt, was los ist. Wir erklären es ihm pantomimisch, aber er hatte schon gefragt, was mit dem Auto ist. Wir fahren weiter und sind reichlich genervt. Die Straße ist zudem fürchterlich, dafür ist die Landschaft umso schöner. Die Felder sind alle schon gepflügt, dazwischen ist Steppe und das alles in braun-rotfarben. Der Himmel wirkt zum Greifen nahe. Wir machen im Sturm, der immer noch da ist, unser Mittagsmahl mit Bohnen und Thunfisch und fahren weiter.


Zum Glück wird die Straße wieder richtig gut, als wir auf die Straße zur Grenzstadt einbiegen. Die Landschaft bleibt schön und es geht steil bergab. Wir haben kein Wasser mehr finden können und hoffen nun darauf, irgendwo Wasser zu kriegen und tatsächlich gibt es an der Straßenkreuzung einen ganz netten „Spätkauf“.


Wir halten dort Rast und sausen mit dem Rückenwind weiter, werden von Mofa-Fahrern unendlich genervt, erstehen an einem weiteren Kiosk absolut abgelaufene Orangensaft-Päckchen von einem Besitzer, der ganz entrüstet ist, dass Gunda vergeben ist und der die Kombination „deutsch“ und „katholisch“ toll findest. Das könnte einem ja eher Sorgen machen… Das Ablaufdatum entdecken wir erst am Abend. Probieren werden wir morgen. Wir finden hinter einem Hügel einen Platz für die Nacht, es ist deutlich milder. Leider ist der Boden so voller Dornen dass wir sehr gespannt sind, wie die Räder morgen aussehen und ob unsere Plane unterm Zelt hält was sie verspricht. Heute ist Halbzeit! Daher gibt’s noch etwas Statistik für die ersten 200 Tage:

Die Graphiken gibt es hier.
Gut zu sehen sind die Alpen, die Gebirge auf dem Balkan, die Ägäis, die anatolische Hochebene und der Abstieg nach Adana, der kontinuierliche Anstieg durch Ostanatolien und Kurdistan/Irak zum Zagros-Gebirge im Iran, das Qohrud-Gebirge, der lange Aufenthalt in Teheran, schließlich das Alborz-Gebirge.
Eigentlich haben wir uns vorgenommen, bis zur Winterpause im Schnitt 80 km zu fahren, danach 100. Die Graphik zeigt, dass das aus den verschiedensten Gründen nicht immer zu halten war.
Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag zwischen 6 und 18 km/h ohne Pausen. Zu planen dürfte durchschnittlich mit 13 km/h zu sein.
Unsere reine Fahrzeit pro Tag bleibt trotz kürzerer Tage im Winter in etwa bei 6 bis 6,5 Stunden. Im Sommer gab es eine lange Mittagspause, da erklärt es dann.
Der tägliche Anstieg lag im Normalfall bei 50 bis 450 m, alles darüber sind wohl richtige Bergstrecken.
Die Hotelübernachtungen resultieren vor allem aus der langen Wartezeit in Teheran auf die Visa. Campingplätze gibt es schon lange keine mehr.
Pausentage aus Krankheitsgründen halten sich noch sehr in Grenzen…
Auch Reifenpannen sind in Wirklichkeit weniger als gefühlt!
Die meisten Platten gab es da, wo das meiste Gewicht ist: Auf dem Hinterrad des Signature und den beiden Rädern des Vitelli Camping.
Nach 7.000 km Strecke haben wir alle vier Mäntel getauscht. Vorher nur bei geplatztem oder gerissenen Mantel. Sigrid bringt uns dann wieder frische Mätel nach Samarkand mit…

26 Bahman 1389 Hemmatabad-e Zamani (Persian: همتابادزماني‎, also Romanized as Hemmatābād-e Zamānī; also known as Hemmatābād and Hemmatābād-e Zamānābād)[1] bis Binālūd (persisch: بینالود)
  , 92,73km, 8679,3 Gesamtkm

Datum: 15.2.11
Tag: 199
TagesunterstützerIn:
von: Hemmatabad-e-Zamani m NN 1090
nach: Emam Taqi m NN 1405
km 92,73
Gesamt km 8576,5372
km/h: 13,9
Fahrzeit 06:39
gesamte Fahrzeit: 651:47:00
Anstieg in m pro h 74,14
Anstieg in m 493
Abfahrt in m: 178
höchster Punkt in m NN 1414
Steigung/Gefälle 0,72

Gestern abend gab es ein wahres Kochgelage, nachdem der diensthabende Sani beschlossen hat für uns zu kochen. Konkret hat er kochen lassen und zwar „Makaroni“, im Iran der Sammelbegriff für Nudeln, hier konkret Spaghetti. Diese gab es mit kleinstgeschnittenen und gebratenen Zwiebeln und Kartoffeln und mit Curry gewürzt. Es war köstlich, wenngleich die Uhrzeit – 21.00 Uhr – uns ziemlich herausgefordert hat.
Am Morgen sind wir die ersten, die aufstehen. Unser Zimmer ist mollig warm und das Aufstehen fällt schwer.


Nachdem wir gegessen haben und packen, kommt Massoud und möchte uns noch zum Frühstück einladen, das müssen wir leider ablehnen. Nach einem Foto verabschieden wir uns, nicht ohne vorher mit Bohnen und Thunfisch – das ist wunderbar, denn wir essen eh fast nur noch Thunfisch und Bohnen bzw Auberginenpaste zum Mittasgessen und Nudeln mit Thunfisch zum Abendessen - und getrocknetes Brot und Datteln und Kekse


. Wir sind gut versorgt und fahren in den frühen Morgen hinein. Eine Schafherde mit Esel wechselt die Straße,


kurz darauf sehen wir die Bewässerungsgräben dampfen.


 Die Luft ist noch kalt und das Wasser kommt aus unterirdischen Kanälen. Bis zur nächstgrößeren Stadt fahren wir so dahin. In der Stadt wird das Fahren wieder nervig, der Seitenstreifen ist weg und die Leute irgendwie agressiv. Ein Mopedfahrer tritt in voller Fahrt nach Gunda, zum Glück passiert nichts. Wir sind froh, als wir aus der Stadt raus sind und sind uns einig, dass es immer wieder eine Nacht bei den Sanis und das Wachhalten der vielen guten Erinnerungen braucht, um das Land nicht schnell ganz schrecklich zu finden. Nachdem der Seitenstreifen wieder da ist, ist das Fahren wieder angenehm. Die Wüste ist in eine intensive Landwirtschaft übergegangen und viele Felder sind schon ganz grün. Zum Mittagessen (Bohnen und Thunfisch) sitzen wir in einem Garten voller Bäume, die Sonne ist richtig warm. Bald kommen jedoch die ersten Wolken und das Barometer ist wieder einmal im Recht: es war schon am Morgen gleich um zwei Striche gefallen und nun zieht ein Unwetter auf. Wir sagen den Wolken, dass sie schön im Berg bleiben sollen und sausen durch den Rückenwind animiert weiter. Auf dem Weg zu einem der beiden Pässe hält ein LKW und schenkt uns Brot. Bald darauf hält ein weiteres Auto und schenkt uns einen Hühnchen-Kebab-Spieß, der ganz frisch ist. Wir haben keine Vorstellung davon, wie man als Beifahrer Kebab im Auto macht, aber er ist köstlich. Inzwischen sehen unsere Räder mehr wie ein Hilfstransport denn Reiseräder aus: Wir haben fast mehr zum Essen, als wir essen können und daher gibt es heute abend keine Nudeln mit Thunfisch sondern Suppe mit Brot und dazu, welch ein Luxus, dank der Tankstelle, ein Bitburger Lemon.

25 Bahman 1389 Sabzevar (Persian: سبزوار‎, also Romanized as Sabzevār and Sabzawār)[1] bis  Hemmatabad-e Zamani (Persian: همتابادزماني‎, also Romanized as Hemmatābād-e Zamānī; also known as Hemmatābād and Hemmatābād-e Zamānābād)[1], 87,38km, 8586,6 Gesamtkm

Datum: 14.2.11
Tag: 198
TagesunterstützerIn:
von: Sabzevar m NN 976
nach: Hemmatabad-e-Zamani m NN 1090
km 87,38
Gesamt km 8483,8072
km/h: 13,7
Fahrzeit 06:22
gesamte Fahrzeit: 645:08:00
Anstieg in m pro h 38,48
Anstieg in m 245
Abfahrt in m: 131
höchster Punkt in m NN 1118
Steigung/Gefälle 0,43

Beim Frühstück diskutieren wir eine Weile um das Frühstück mit allen Angestellten, weil wir nicht wissen, ob es im Preis drin ist, da auf der Karte jeder Bestandteil einzeln aufgeführt und mit Preis ausgezeichnet ist. Nach einigem Hin und Her wird klar, dass das Frühstück inklusiv ist (besser bei dem Preis!). Das Hotel ist schick, aber auch unfreundlich. Das Herausfahren aus der Stadt ist ungefähr so nervig wie das Hineinfahren und wir haben einige Mühe, einen Zeitungsausträger loszuwerden. Hinter der Stadt beginnt direkt eine landwirtschaftlich stark genutzte Gegend, wobei nur die Seite zum Fluss bewirtschaftet ist. Wir fahren eine ganz Weile, bis wir zu einem Dorf kommen, das fast ausschließlich aus Lehmbauten besteht. An einem der Bewässerungskanäle waschen Frauen Kleidung, von den Kleidern und Tüchern her vermuten wir, dass sie Turkmeninnen sind. Der Weg führt langsam und sacht am Fluss entlang nach oben, Wüstenabschnitte sind selten, häufig ist die Bewässerung intensiv, meist mit der Hand, einmal aber auch mit Maschinen. Diesmal sehen wir keine Salzreste so wie vor ein paar Tagen, wo das Flussbett komplett weiß war. Am Pass macht die Straße eine Biegung und wir fahren genau auf das Gebirge zu, das uns die nächsten zwei Tage begleiten wird. Wieder ist es weit über 2000m hoch, schneebedeckt.


Der Wind hat wieder zugenommen und die Wolken werden mehr. Dieses Phänomen beobachten wir nun schon seit Tagen, dass zum späten Nachmittag hin Wind und Wolken zunehmen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das nächste Dorf und werden dort herzlichst von den Sanis aufgenommen. Wir wollen draußen zelten, aber das kommt gar nicht in Frage und so dürfen wir wieder ins Haus und werden bekocht. Im Himmel braucht es auf jeden Fall eine extra Loge für Sanis!

24 Bahman 1389 Kahak (Persian: كاهك‎, also Romanized as Kāhak; also known as Kahe, Kāheh, and Khak)[1] bis Sabzevar (Persian: سبزوار‎, also Romanized as Sabzevār and Sabzawār)[1], 87,81km, 8499,2 Gesamtkm

Datum: 13.2.11
Tag: 197
TagesunterstützerIn:
von: Kahak m NN 818
nach: Sabzevar m NN 976
km 87,81
Gesamt km 8396,4272
km/h: 15,2
Fahrzeit 05:45
gesamte Fahrzeit: 638:46:00
Anstieg in m pro h 48,35
Anstieg in m 278
Abfahrt in m: 120
höchster Punkt in m NN 988
Steigung/Gefälle 0,45

Der Sturm hat in der Nacht nachgelassen. Wir haben gestern noch mit den Sanis gegessen und bekommen dann soviele Konserven und Süßigkeiten geschenkt, dass wir das alles gar nicht mitnehmen können. Nachdem wir um ein Haar die ganze Station unter Feuer gesetzt hätten (die Patroleumheizung fing plötzlich Feuer) und dann eine Weile bei offenem Fenster den schlimmsten Rauch nach draußen gelassen haben, haben wir in der Wärme und Windstille des Zimmers gut geschlafen. Wir stehen schon mit gepackten Rädern vor der Türe als die Sanis aufwachen und uns verabschieden.


Wir fahren in den strahlenden Morgen hinein, der wieder einmal keinerlei Anschein vom Sturm des Vortags gibt. Die Wüste ist erleuchtet und die Berge strahlen, es gibt immer mehr grüne Felder dort wo Wasser von den Bergen ankommt. Dieses wird in uralten Kanälen auf die Felder geleitet, die dafür gefurcht werden. Wir sehen eine Menge Bauern bei dieser langwierigen und anstrengenden Arbeit. Die Felder und Wüste wechseln schnell ab. Immer wieder kommen wir an Karavansereien vorbei, die ebenso wie Moscheen plötzlich am Horizont auftauchen. Sie sind begleitet von alten Bäumen, oft auch Bachläufen und Schattenplätzen. Wir sind ja froh um die Sonne, weil der Wind so kalt ist, können uns aber gut vorstellen, welche Wohltat diese Orte in der Hitze sind. Wir kommen gut voran und fahren den Tag so vor uns hin, die zweieinhalb- bis drei-Tausender im Süden werden sichtbar und bald können wir sie ganz sehen. Im Norden erhebt sich immer noch die Bergkette, die beinahe so hoch wie die Alpen ist, auch sie schneebedeckt. Wir erreichen nach einem stärkenden Mahl bei einer Karavanserei


sehr bald unser Ziel, nur die letzten 30 km sind anstrengend, weil die Straße so schlecht wird.


Wir quartieren uns in einem Hotel ein, das zwar teuer, dafür aber nicht die Qualität hat, aber ohne großes Suchen zu finden ist.


Das ist uns heute wichtiger, nachdem wir beim Hineinfahren in die Stadt schon auf den letzten 20 km keine Minute in Ruhe gelassen worden sind. Auch wenn es freundliche Rufe sind, sind sie doch anstrengend und ein Ergebnis dieser Reise ist auch, dass wir nicht auf jedes „Hello“ und sei es noch so freundlich reagieren oder anhalten müssen. Oft sind es auch gefährdende Situationen, weil vor allem Autofahrer ihre Spur verlieren und damit sich und andere (und uns) gefährden. Wir versuchen dann in einer Art zu reagieren, dass es für beide Seiten ok ist. (eine weitere Erkenntnis der Reise ist im übrigen, die BahnCard 100 zu den Fixkosten zu zählen, wir haben so viele Autos bereits um uns gehabt und werden nochmal so viele um uns haben, dass es für ein Leben reicht).

23 Bahman 1389, Miyanasht bis Kahak (Persian: كاهك‎, also Romanized as Kāhak; also known as Kahe, Kāheh, and Khak)[1], 85,54 km, 8411,4 Gesamtkm (das ist jetzt ein anderer Tacho, schmeichelt der Kilometerleistung)

Datum: 12.2.11
Tag: 196
TagesunterstützerIn:
von: Miyandasht m NN 1156
nach: Kahak m NN 818
km 85,54
Gesamt km 8308,6172
km/h: 14,6
Fahrzeit 05:50
gesamte Fahrzeit: 633:01:00
Anstieg in m pro h 43,71
Anstieg in m 255
Abfahrt in m: 593
höchster Punkt in m NN 1247
Steigung/Gefälle 0,99

Verlust: Gundas Tacho hat schon wieder den Abgang gemacht
Gesehen: eine riesen Herde Kamele!

In der Nacht hört Wolfgang irgendein Tier, zu sehen ist aber nichts. Ansonsten regnet es regelmäßig. Der Morgen begrüßt uns mit bleifarbendem Himmel


und regelmäßigem Schneefall, der zwischendurch aufhört, um mit der nächsten Wolke wieder zu starten. Es hört aber bald ganz auf zu schneien und ist nur recht kalt. Da wir sowohl die Wasserflasche für das Kaffeewasser als auch die Gaskartuche in den Schlafsack getan haben, geht das Kaffee-Kochen recht gut. Die ersten Kilometer geht es noch bergauf und wir kommen an einer restaurierten Caravanserei vorbei.


Anschließend sausen wir in ein Flusstal hinab, immer getrieben vom Wind, der die Wolken vor sich her treibt.


Es ist immer mehr blauer Himmel zu sehen und auch die Berge werden sichtbar. Vor uns erheben sich erneut schneebedeckte Bergketten. Beim ersten Dorf halten wir an, finden einen Laden, der per Zufall aufhat und machen dort Mittagspicknick. Vom Tee, den vier Männer im Auto nebenan trinken, bekommen wir leider nichts. Bei der Tankstelle hoffen wir auf Abwaschwasser und ein Waschbecken, um uns endlich die Hände zu waschen und Zähne zu putzen. Es gibt kein Wasser und auch sonst ist die Tankstelle eher verlassen. Am Ende des Dorfes


gibt es aber ein Restaurant, dessen Eingang zum Klo nicht viel vertrauenserweckender aussieht, aber der Eindruck täuscht.


Mit geputzten Zähnen und gewaschenen Händen und Gesicht fühlen wir uns gleich wie neu und starten in den Wind, der inzwischen ein Sturm ist, der uns von der Seite regelmäßig fast – Gunda regelmäßig und Wolfgang einmal ganz – von der Straße weht. Wo wir hinschauen Wüste, die mit dem Horizont zu verschmelzen scheint.


Wir fahren an endlosen Flüssen vorbei, die nach dem Regen aus einer Pfütze bestehen. Wir überqueren aber auch einen Fluss, der Wasser hat, bevor wir wieder an einer Karavanserei vorbei kommen, die diesmal nicht restauriert, aber zugänglich ist. Der Weg dahin hat uns durch unseren ersten Sandsturm geführt.


Wir konnten zwar noch fahren, aber Augen, Mund und Gesicht ist voll Sand. Die Karavanserei ist teilweise verfallen, lässt aber von der ursprünglichen Schönheit viel erkennen.


Wir steigen aufs Dach.


Als Gunda alleine dort ist, glaubt sie ihren Augen nicht: eine riesige Kamelherde rennt durch die Wüste.


Sie ruft Wolfgang und wir genießen die Sonne und den Ausblick auf die Kamele, sicherlich 150. Als wir weiterfahren, haben sie sich alle um eine Wasserstelle (vermuten wir) versammelt und so verschmelzen auch sie mit dem Horizont und der Wüste und wir hätten sie als Kamele nicht wahrgenommen. Wir haben Kamele gesehen! Und das erst zwei Stunden nachdem wir das erste „Achtung Kamele“ Schild gesehen haben!


Leider verliert Gunda kurz darauf wieder einen Tacho bei einem Windböen-Manöver. Zurückfahren lohnt nicht, denn der Verlust wird erst einige Kilometer später deutlich. Wir lernen daraus, dass diese neumodischen Tachos zum Draufdrehen nichts sind. Wir kämpfen uns weiter durch den Wind, innerhalb von kürzester Zeit ist der Himmel verfinstert und wir fahren auf einen pechschwarzen Himmel zu. Wir sehen ein Schild mit dem Roten Halbmond und dass er in fünf Kilometern kommt. Selten waren wir so froh die Station erreicht zu haben. Nach einigen Telefonaten dürfen wir dort übernachten und sogar drinnen. Draußen tobt der Sturm, wir dürfen drinnen sein, heiß duschen und bekommen sogar ein Abendessen gekocht!

22 Bahman 1389 Shahrud[1] (Persian: شاهرود‎, also Romanized as Shāhrūd, Shahrood, Shahroud, and Shārūd; formerly,Shahrood) bis Miyanasht, 90,31 km, 8198 Gesamtkm

Datum: 11.2.11
Tag: 195
TagesunterstützerIn:
von: Shahrud m NN 1377
nach: Miyandasht m NN 1156
km 90,31
Gesamt km 8223,0772
km/h: 15,19
Fahrzeit 05:56
gesamte Fahrzeit: 627:11:00
Anstieg in m pro h 39,94
Anstieg in m 237
Abfahrt in m: 458
höchster Punkt in m NN 1377
Steigung/Gefälle 0,77

Diese Nacht haben wir mit offenem Fenster geschlafen und die dadurch erreichte Temperatur ist angenehm. Das ist wirklich verrückt, dass es überall Energiesparlampen gibt, wirklich überall!, aber dann Heizungen nicht auszuschalten sind. Als wir zahlen, bekommen wir eine ganz andere Rechnung vorgelegt und müssen einen ziemlichen Aufstand erproben, bis der Chef kommt und wir mit ihm klären können, dass wir keine Pistazien im Wert von 10 Euro aus der Minibar gegessen haben! Wir hätten aber gerne gewusst wie viele das wohl sind….
Die Strecke führt uns durch die Wüste und immer näher an die Dreitausender, die uns vom nächsten Tal trennen. Diese sind schneebedeckt und in den Wolken. Der Verkehr ist relativ wenig, schließlich ist heute Revolutionstag. Wir kommen gut voran und sind einigermaßen erstaunt als es an einem der ersten kleineren Pässe, gerade als wir ein Straßenpicknick machen möchten, anfängt zu regnen und dann zu schneien. Ich erwähnte bereits, dass wir durch die WÜSTE fahren, oder? Als hocken wir uns in kompletter Regenkleidung an den Straßenrand, essen den restlichen Pilgerreis mit Thunfisch und Brotresten und lassen uns einschneien. Da sitzen wir inmitten einer wunderschönen Dünenlandschaft in der Wüste und es schneit! Es hört auch nicht auf, als wir wieder losfahren und verändert sich in Regen als wir wieder bergab fahren. Nach 60 km erreichen wir die erste Stadt und überlegen, ob wir beim Roten Halbmond um ein Nachquartier bitten (sehr verlockend) oder lieber weiterfahren und Kilometer sammeln (wenig verlockend). Wir fahren weiter und es hört nicht auf zu regnen. Zugleich war der Ort mit seinen Einkaufsmöglichkeiten wenig attraktiv, weil wir wieder von Drogis umringt waren. Die Straße führt uns immer weiter hinauf und über einen weiteren Pass. Die Berge liegen nun hinter uns und für einen Moment (es hat zwischenzeitlich aufgehört zu regnen) kommt die Sonne durch die Wolken und die Berge sind in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Vor uns liegt ein Tal im Dunst, Wüste soweit das Auge reicht. Wir suchen einen Platz für die Nacht und finden ihn auf der neuen Straße. Sie ist eben, hat eine Zufahrt, die sich nicht in eine Matschpiste verwandelt hat, und auch die Straße ist sehr fest. Zudem bieten die Hügel einen Sichtschutz. Wir vertrauen mal darauf, dass die Bauarbeiter erst gegen sieben Uhr kommen, es ist ja nicht die erste Nacht auf einer neuen Straße.
Vom Revolutionstag haben wir in den Orten, durch die wir gefahren sind, nichts mitbekommen und auch der Autoverkehr wurde ab Mittag wieder dichter. 

21 Bahman 1389 Shahrud[1] (Persian: شاهرود‎, also Romanized as Shāhrūd, Shahrood, Shahroud, and Shārūd; formerly,Shahrood)

Wir wachen beide gerädert auf: der Temperaturunterschied von 0 Grad auf 30 Grad geht doch nicht so ohne weiteres. Leider kann auch hier wie so oft die Heizung nicht reguliert werden, so dass wir das Fenster öffnen.
Heute ist wieder Waschtag – dafür sind die 30 Grad wiederum praktisch – und alles ist in kürzester Zeit trocken. Das Fernsehen ist voll von Revolutionsbildern, gleichzeitig wird über Ägypten berichtet. Zum Mittagessen gehen wir an die frische Luft und bestaunen erneut den Wald, der hier in der Wüste wächst. Viele Geschäfte sind zu und die Straßen recht leer. Wir essen in einem kleinen Lokal zu einheimischen Preisen und wandern ein wenig auf und ab, bevor wir wieder ins Hotel gehen. Obwohl die Wettervorhersage im Fernsehen Schnee angesagt hat, haben wir wunderschönes Winterwetter.

Kilometer- und Höhenangaben Iran 3 Teheran bis Seraks



Graphik hier herunterladen

Tagesziel
/Ort
Zielort
über NN
Tages
km
KmH Tages
höhenmeter
max. Höhe
Teheran 1168 0

1168
Garmsur 861 100,14 15,39 193 1194
Lasjerd 1119 82,83 13,34 392 1121
Ahuan 1487 69,33 11,31 658 1496
Damghan 1084 109,03 14,36 587 1979
Shahrud 1377 60,33 12,44 377 1381
Shahrud 1377 0

1377
Miyandasht 1156 90,31 15,19 237 1377
Kahak 818 85,54 14,6 255 1247
Sabzevar 976 87,81 15,2 278 988
Hemmatabad-e-Zamani 1090 87,38 13,7 245 1118
Emam Taqi 1405 92,73 13,9 493 1414
Shurak Maleki 838 97,06 18 266 1489
Mozduran 847 37,58 8,3 297 850
Sarakhs 223 87,95 14 395 1016