Donnerstag, 17. März 2011

13. März-17. März, Samarkand, 225,226, 227, 228, 229

13. März - 17. März

Im Irak heißt es, wenn es keinen Strom gibt: Inshallah in zwei Stunden. In Usbekistan wird gesagt: Usbekistan. Mit einem Seufzer. Nach den ersten drei Tagen, die beinahe sommerlich warm waren und uns viele Stunden auf dem Tagesbett und schlendernd in der Stadt ermöglicht haben, kündigt sich in der Mitte der Zeit ein Wetterwechsel mit einem Sandsturm an. Auf diese Weise haben wir zwei Samarkand-Zeiten: die vor dem Wettersturz und die nach dem Wettersturz. Vor dem Wettersturz erstrahlte Samarkand in Sonne und Wolken



und wir verbringen den ersten Tag damit, den Registan mit seinen Medresen anzuschauen. Als interkulturelles Quartett, als das wir unterwegs sind, haben wir viel Spaß an der schwäbischem Variante von Medrese, für rheinische Ohren kommt da immer Mätresse bei raus und es hat zu einiger Verwirrung geführt. Für den Platz muss Eintritt gezahlt werden und so genießen wir zunächst die Tribüne




und schauen uns das bunte Treiben an, das aus Reisegruppen




und Frauen, die die Bäume weiß streichen, besteht.




Nach einer langen Zeit in den Medresen









wandern wir zurück und genießen die Wärme. Am Abend gibt es Weißwürste mit süßem Senf!




Sigrid hat sich sehr über unsere Prioritäten amüsiert als nicht klar war, ob sie alles mitbringen kann und wir dann vorgeschlagen haben, ein paar Fahrradmäntel in Bonn zu lassen, Hauptsache die Weißwürste sind dabei. Was für ein Essen!
Auch noch im Sonnenschein packen Sigrid und Corinna am nächsten Morgen ihre ganze Mitbringsel aus und wir breiten alles im Hof aus.




So ausgestattet kämen wir locker bis Japan. Japan, dieses Thema beschäftigt uns die ganze Woche. Vor allem auch, weil Freunde Verwandte dort haben und wir nicht wissen, wie es da aussieht. Wegen des immer größer werdenden Ausmaßes der Katastrophe. Wegen der Frage, wie wir denn jetzt weiterfahren.
Gunda und Wolfgang sind in der Zwischenzeit noch auf der Suche nach einem Schneider und finden ihn mit Hilfe eines KAS-Praktikanten. Es ist eine Türe im Hinterhof und am Montag ist sie tatsächlich geöffnet und nach einigem Hin und Her können sie sich auf einen Reißverschluss einigen. Von den Medresen wandern wir am Montag weiter zu der großen Moschee, die komplett zerstört wieder aufgebaut wird. Die Ausmaße sind schier unvorstellbar. Im Innenhof ist ein riesiger Koranständer und Frauen krabbeln dadurch und bekommen dann viele Kinder. Wir drei Frauen schauen uns an und es ist klar, dass das Los auf Corinna, unser „Küken“ fällt.




Am Morgen ist es noch warm genug für ein Frühstück draußen




, zum Nachmittag fängt es an zu stürmen und es fällt leichter Regen. Wir wandern unverdrossen weiter zum Friedhof




und zur Gräberstadt.





Dort erwischen wir den Hintereingang und dadurch eine nicht übliche Perspektive, die durch die Sanddüne, auf der die Gräberstadt gebaut ist, sich sonst ergibt. Wir sind fasziniert von der Schönheit. Auch wenn der Du Mont nicht begeistert ist von der Renovierung, wir sind es schon. Die Außenfassaden sind in dem Türkis und blau, das sonst nur in den Kuppeln




in der Dichte zu sehen ist.




Der Himmel wird immer grauer und der Wind nimmt zu. Wir sausen im Wanderschritt zurück und bekommen einen Tipp für Schashlik-Restaurant. Dort gibt es ein riesiges Sortiment an Spießen und es ist richtig gut. Inzwischen hat es geregnet, wenn auch nur ein wenig. Am nächsten Morgen gehen Wolfgang und Gunda wieder zum Schneider, es ist heiß und schwül. Er hat zu und so gibt es ein Frühstück auf dem Tagesbett. Das Wetter ändert sich radikal. Wir entscheiden, dass Gunda und Sigrid ins Hamman gehen, Corinna ihrer Erkältung eine Abschieds-Chance gibt und Wolfgang Geld wechselt, zum Frisör geht und den Wäsche-Job übernimmt. Als wir uns auf den Weg erneut zum Schneider und dann zum Hamman machen, regnet es und der Regen geht ganz schnell in Schnee über.
Das Hamman ist wie in Buchara ein Keller-Gewölbe, das recht alt aussieht und in der Woche für Männer und Frauen geteilt wird. Sigrid und Gunda verbringen dort Stunden und sind fasziniert von der Hingabe des Waschens. Es gibt zwei Räume mit ganz heißen Steinen und zwei Räume mit lauwarmen Steinen und Wasserhähne. Jede hat eine große Waschschüssel vor sich. Wir haben den Eindruck, dass es das öffentliche Bad ist für das Duschen und Baden, wenn es in den Häusern selbst kein Bad gibt. Nach fast sechs Stunden wird ein Tee angeboten und wir sind ganz erstaunt, wie die Zeit verflogen ist. Draußen begrüßt Samarkand im Schneegewand.




Der Registan ist zugeschneit




und wo gestern noch Frühlingsstimmung war, ist heute Winter.




Der erste blühende Mandelbaum ist nun dicht bedeckt mit Neuschnee. Dennoch wandern wir wieder zum Schaschlik. Inzwischen hat die Kälte die Gasversorgung gestoppt und die Heizungen funktionieren nicht mehr. Es gibt kleine elektrische Heizöfchen und ausgerechnet jetzt, wo die Wäsche, die Wolfgang mit letzten Rest an lauwarmen Wasser noch hat auswaschen können, im Zimmer verteilt ist. Am Abend beim Kartenspiel geht dann auch der Strom aus und kommt nicht wieder. Somit haben wir weder Strom noch Heizung und spielen unverdrossen weiter. Es ist kalt. Am Morgen gibt es irgendwann wieder Strom, aber vom Gas keine Spur. Sigrid und Corinna machen einen Ausflug in eine kleine Stadt in der Nähe und Wolfgang und Gunda versuchen ihr Glück im Internetcafé. Immerhin ist das Auto und das Café geheizt. Der Strom bleibt erhalten, dennoch ist es kalt. Immer wieder fällt der Strom aus und unser Wirt sagt dazu nur: Usbekistan. Mit dem erwähnten Seufzer. Nachdem Corinna sich verabschiedet hat, wandern wir zu dritt los auf der Suche nach einer Brauerei. Wir kommen an dem Mausoleum von Timur vorbei




und sind völlig fasziniert von der Innenausstattung.




Wieder einmal ist der Innenbereich ganz reich gestaltet




und dennoch strahlt der ganze Raum eine große Ruhe aus.




Mit etwas Mühe finden wir das Lokal und sitzen gerade gemütlich, als der Strom weg ist. Es werden Kerzen gebracht und so essen wir im Kerzenlicht. Irgendwann geht der Strom auch wieder an.
Unsere Zimmer sind immer noch kalt, der Strom geht und kommt. Unser Wirt erzählt uns Wodka-Strahlend, dass sie als ganze Familie ein Immigrations-Visum für die USA haben und in drei Monaten weg sind. Mit vielen Decken und Jacken geht das Sitzen im Zimmer. Die Wegüberlegungen laufen bei allen Besichtigungen mit. Nun könnte es so sein, dass wir in die Mongolei fahren. Den letzen Tag in Samarkand müssen wir auch zum Recherchieren nutzen.


Weil wir Halbzeit haben, wieder etwas Statistik:

Unsere höchsten Übernachtungsorte (Ort, Höhe über NN, Tag):

Baqerabad 2052 152
Robat-e Tork 1876 141
Hamadan 1805 133
Tureh 1792 136
Malayer 1686 135
Kamyaran 1674 127
Arak 1669 137
Arak 1669 138
Joka 1667 134
Tizhtizh 1662 125

Unsere tiefsten Übernachtungsorte (Ort, Höhe über NN, Tag):

Orfani 0 54
Tekirdag 2 64
Selimpasa 2 65
Messimvria 3 57
Alexandroupoli 3 58
Kamriotissa 10 59
Kamriotissa 10 60
Kamriotissa 10 61
Ipsala 10 62
Gravouna 20 55

Unsere weitesten Tagesetappen (Zielort, km, Tag):

Rohenburg o. d. Tauber 112,43 5
Damghan 109,03 192
Sarajevo 105,73 35
Kurutlutepe 101,47 90
Podgorica 101,33 40
Garmsur 100,14 189
Aksaray 97,21 91
Shurak Maleki 97,06 200
Prien am Chiemsee 96,78 13
Uch-Adzhl 96,77 208

Unsere kürzesten Tagesetappen (Zielort, km, Tag):

Kamriotissa 3,9 59
Teheran 4,74 171
Panjwin 4,94 121
Teheran 7,6 161
Dolani 11,84 51
Kapikaya 26,3 77
Malayer 26,65 135
Marivan 28,86 122
Alexandroupoli 30,8 58
Orhangazi 31,25 72

Unsere schnellsten Tagesetappen (Zielort, km/h, Tag):

Shurak Maleki 18 200
Mahabad 17,2 153
Kurutlutepe 16,98 90
Murau 16,76 18
Beyramil 16,43 95
St. Stefan 16,05 20
Strumesnica 15,87 52
Srem. Kamenica 15,86 32
Pozanti 15,71 93
Birecik 15,7 100

Unsere langsamsten Tagesetappen (Zielort, km/h, Tag):

Panjwin 6,62 121
Rrape 7,68 42
Mozduran 8,3 201
Subasi 8,58 78
Messimvria 8,79 57
Shemri 8,8 43
Kamriotissa 9,08 59
Bajevo Polje 9,16 39
Sanandaj 9,26 126
Gülek 9,44 94

Unsere längsten Fahrzeiten (Zielort, Stunden, Tag):

Sarajevo 09:44 35
Uch-Adzhl 07:55 208
Hauz-Han 07:46 206
Bajevo Polje 07:41 39
Damghan 07:35 192
Sanli Urfa 07:29 101
Bukhara 07:27 211
Blace 07:27 46
Shemri 06:56 43
Oqtosh 06:44 222

Unsere kürzesten Fahrzeiten (Zielort, Stunden, Tag):

Teheran 00:21 171

Kamriotissa 00:25 59
Teheran 00:42 161
Panjwin 00:44 121
Dolani 01:07 51
Beyramil 02:06 95
Kapikaya 02:26 77
Alexandroupoli 02:28 58
Murau 02:28 18

Unsere größten Tagesanstiege (Zielort, m, Tag):

Sarajevo 1664 35
Bajevo Polje 1404 39
Blace 1337 46
Rrape 1228 42
Shemri 1212 43
Subasi 1125 78
Sanli Urfa 1047 101
Sanandaj 983 126
Milhangazi 953 76
Kamyaran 941 127

Unsere geringsten Tagesanstiege (Zielort, m, Tag):

Teheran 0 161
Doroslovo 0 31
Repetek 0 209
Oqtosh 0 222
Bukhara 0 211
Hauz-Han 0 206
Mollanepes 0 207
Ata 2 205
Rabat i-Malik 5 221
Alexandroupoli 7 58

Unsere höchsten Etappen (Zielort, m NN, Tag):

Hamadan 2215 133
Mahabad 2188 153
Sanandaj 2160 126
Murcheh Khort 2109 142
Tureh 2069 136
Baqerabad 2052 152
Joka 1983 134
Kamyaran 1980 127
Damghan 1979 192
Langarud 1906 157

Unsere tiefsten Etappen (Zielort, m NN, Tag):

Alexandroupoli 3 58
Kamriotissa 10 59
Kamriotissa 10 60
Kamriotissa 10 61
Istanbul 29 67
Istanbul 29 68
Istanbul 29 69
Istanbul 29 70
Istanbul 29 71
Ipsala 57 62

Gesamttage: 224
Fahrtage: 141

Km/Tag: 42,91
Km/Fahrtag: 68,17

Gesamtanstieg 50.599 m

Anstieg/Tag: 225,89 m
Anstieg/Fahrtag: 358,86 m

Von 163 Tagen haben wir 19 auf dem Campingplatz, 63 „wild“, 1 Polizei, 2 in der Moschee, 10 1. Hilfe oder Feuerwehr, 3 in Tankstelle/Restaurant, also maximal 98 im Zelt, 18 privat und 106 in Hotels, Jugendherbergen oder Pensionen übernachtet.

Samstag, 12. März 2011

9.-12. Maerz, 221, 222, 223, 224

12. März, Loyish bis Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persisch ‏سمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“), 31,73km, 9746,9 Gesamtkm

Datum: 12.3.11

Tag: 224
TagesunterstützerIn:
von: Loyish m NN 299
nach: Samarqand m NN 713
km 31,73
Gesamt km 9644,0083
km/h: 12,3
Fahrzeit 02:34
gesamte Fahrzeit: 728:48:00
Anstieg in m pro h 38,57
Anstieg in m 99
Abfahrt in m: -315
höchster Punkt in m NN 713
Steigung/Gefälle -0,68

Wir schlafen so lange, bis wir die Familie im Raum neben uns hören. Es wird für uns ein Frühstück bereitet und nach dem Frühstück kommen noch weitere drei Herren und die „Mama“, so dass wir eine Weile beim Tee sitzen bleiben. Zuvor bekommt Gunda ein usbekisches Kopftuch geschenkt, diesmal ein kleines, was sie sehr gut gebrauchen kann. Zum Aufbruch gibt es ein Gruppenfoto





und dann hoppeln wir weiter in Richtung Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persischسمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“). Zunächst ist es sehr bewölkt, aber ein Fönsturm, der von den südlichen Bergen kommt, fegt sie weg und es ist richtig heiß. Wir sehen die schneebedeckten Berge und schätzen, dass die Schneegrenze bei 1.500-1.800 m liegt.
Ein Offizier, der uns anhält, um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen, sagt uns, dass es noch zehn Kilometer sind. Heute ist Sonntag und vom Kind bis zum Greis sind alle im LinkGemeinschaftsarbeitseinsatz. Es wird gefegt, umgegraben und die Wassergräben werden gereinigt.




Die Baumstämme werden geweißelt. Es sieht so aus, als wären ganze Schulklassen im Einsatz. Wir haben uns die ganze Zeit schon gewundert, wie ordentlich und sauber alles ist, was für ein Land mit so viel Wüste und so wenig Wasser eine Leistung ist, da ja ständig alles zustaubt. Nun sind alle Wege, auch die unbefestigten, wieder sauber.
Tatsächlich überqueren wir den großen Fluss, der für das Frühjahr wenig Wasser trägt, und sind bald im Stadtgebiet von Samarkand. Wasser erscheint uns ein großes Thema, nicht nur, dass die Felder geschwemmt werden, um vom Salz befreit zu werden, sondern auch, dass es in den Dörfern eine Pumpe oder Wasserleitung gibt, wo dann alle mit Eimern für „Trink“wasser anstehen. Viele nehmen das Wasser direkt aus den Bewässerungsgräben und das Bewässern von Feldern ist ein richtiger Akt. Dann stehen an die 20 Männer im Anzug im Feld und nehmen das Einlaufen des Wassers unter Augenschein. Beim Bauernhof heute gab es eine Pumpe, bei der das Leder erst feucht gemacht werden musste. Zum Händewaschen gibt es dann das Wasser aus dem Topf, das einem über die Hände gegossen wird. Sobald jemand vom Klo (der Latrine) kommt, ist jemand anders der „Wasserhahn“.
Von weitem sehen wir die Prachtbauten der Stadt und finden recht schnell unser Hotel, ein schönes und kleines Bed&Breakfast ganz in der Nähe der großen Medresen. Bei einem ersten Erkundigungsgang sind wir erstaunt, dass der Platz schon Eintritt kostet.




So schauen wir uns alles nur von der Ferne an, wir haben ja Zeit.






In einem Supermarkt kaufen wir ein und dann schlafen wir mehrere Stunden. Heute Nacht kommen Sigrid und Corinna aus Buchara an, da schlafen wir schon einmal vor. Zum Abend stehen zwei Jungs vor der Türe mit der ersten Blume, die anzeigt, dass es Frühling ist. Sie singen und möchten etwas haben, werden aber vom Hausherrn wieder rausgeschickt. Jetzt gibt es einen selbstgekochten Kaffee im schönen Innenhof des Hauses. Wir wissen inzwischen, dass der Schneider um die Ecke ist, ebenso das Internetcafé. So können wir unser Zeltproblem morgen angehen.

11. März, Oqtosh bis Loyish, 84,04km, 9715,2 Gesamtkm

Datum: 11.3.11

Tag: 223
TagesunterstützerIn:
von: Oqtosh m NN 261
nach: Loyish m NN 299
km 84,04
Gesamt km 9612,2783
km/h: 12,8
Fahrzeit 06:31
gesamte Fahrzeit: 726:14:00
Anstieg in m pro h 17,19
Anstieg in m 112
Abfahrt in m: 74
höchster Punkt in m NN 308
Steigung/Gefälle 0,22


Ein anstrengender Tag ist gut zu Ende gegangen. Zunächst hat gestern Abend der vordere Außenreißverschluss endgültig den Geist aufgegeben. (Zur Erinnerung: Bereits in Sarajewo Klettverschlüsse annähen lassen, doch dann tat´s der Reißverschluss doch noch nach einer Reparatur mit der Zange.) Nach einigen Diskussionen haben wir uns dann heute Morgen darauf geeinigt, in Samarkand einen neuen Reißverschluss (einen der guten alten russischen, nicht der neuen chinensischen) auf den alten innen nähen zu lassen. Dann ist einer der guten, großen Heringe gestern in der Wüste geblieben.





Dann ist heute Samstag und damit ist ab 10:00 Wodka-Fahren angesagt. Die Straße ist zudem super schlecht,




so dass wir zum Mittagessen erschöpft mit gerade einmal 40km einkehren. (Gestern und vorgestern hatten wir jeweils schon 50 km zum Mittagessen geschafft.) Das Essen ist gut, neben uns schnupfen die LKW-Fahrer irgendetwas unter dem Tisch, am anderen Tisch wird eine Flasche Wodka geleert und wir müssen nun mit diesen Genossen weiterfahren. Am Nachmittag schmeißt ein Bauarbeiter eine leere Flasche nach uns, kurz darauf rennen uns Kinder hinterher. Ein wenig fühlen wir uns an Ostanatolien erinnert. Wir fahren tapfer weiter. Sobald wir halten, können wir sicher sein, dass irgendjemand von irgendwoher auftaucht und uns anquatscht. Viele sitzen auch einfach so auf der Leitplanke des Mittelstreifens herum.




Als es dunkel wird, finden wir keinen Ort zum Zelten und fragen bei einem Bauernhaus, das sehr schön aussieht. Dort ist es gar keine Frage, wir werden sofort hineingebeten. Es gibt Brot und Tee, dann Kompott, dann Suppe und Tee und Wodka. (Nach dem Wodka trinkt man immer Erdbeerlimo, um den Geschmack sofort wieder loszusein.) Unsere Gastgeber trinken nicht, der Wodka ist also eine Höflichkeit gegenüber uns Gästen.




Sehr angenehm, auch nüchterne Usbeken noch am Abend zu erleben. Auf der Straße begegnen uns doch zu 90% alkoholisierte… Es ist eine große Familie und ein wirklich schöner Abend.






Wir dürfen im großen Zimmer vor der Karibik-Wand schlafen. Auf diese Weise kommen wir in den Genuss, bei einer usbekischen Familie einzukehren und ein wenig eine andere Seite in diesem Land kennen zu lernen, dass wieder einmal nur von der Straße aus nervig ist.


11. März 2011 15:37



10. März, Rabat-i-Malik bis Oqtosh, 92,25km, 9631,1 Gesamtkm

Datum: 10.3.11
Tag: 222
TagesunterstützerIn: Sabine Werner
von: Rabat i-Malik m NN 263
nach: Oqtosh m NN 261
km 92,25
Gesamt km 9528,2383
km/h: 13,7
Fahrzeit 06:44
gesamte Fahrzeit: 719:43:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 2
höchster Punkt in m NN 263
Steigung/Gefälle 0,00

Was ist das schön, wenn die Nacht warm ist und am Morgen nichts gefroren ist! Unter diesen Umständen haben wir schon eine Weile nicht mehr gezeltet und haben vor allem nicht im T-Shirt gefrühstückt oder das Zelt abgebaut.




Der Morgen ist zwar bewölkt, aber warm. Wir fahren zunächst noch mit Seitenwind los und verlassen recht bald die Wüste wieder. Vorher kommen wir an einem koreanisch-usbkekischen Flughafen vorbei, wo die Jumbos landen, die wir am Abend schon gesehen haben. Der Flughafen ist genau in der Mitte auf dem Weg von Korea nach Europa, so dass dort die Frachtflugzeuge auftanken.
Wir sind wieder inmitten intensiv genutzter Landwirtschaft. Viele der Felder stehen unter Wasser, andere sind schon ganz grün, die nächsten werden für die Flutung vorbereitet. Auch vor den Höfen sind die Felder häufig geflutet.





Die Straße ist mal gut, mal mäßig und der Wind wird bald zum Gegenwind. Es ist Freitag und viele scheinen frei zu haben oder haben das immer. Es ist für uns mitunter ziemlich anstrengend, weil das Radfahren hier Alltag ist (was ja grundsätzlich gut ist), wir aber dauernd Männer um uns haben, die mit uns fahren (links oder rechts von uns und dann kilometerweit die Position halten) und je nachdem, wie viel Wodka vorher schon geflossen ist, in ihrer Kommunikation und Koordination etwas individuell sind. Überhaupt ist der Wodka eine Komponente, die uns echt zu schaffen macht, sei es im Straßenverkehr, sei es beim Mittagessen. Zum Nachmittag hin wird es in der Regel wirklich anstrengend und so suchen wir auch heute vor Sonnenuntergang einen Ort, wo wir ungesehen unser Zelt aufbauen. Das ist nicht leicht, denn auch heute geht ein Dorf in das nächste über und dazwischen ist jeder Fleck gepflügt und steht in der Gefahr, geflutet zu werden. So sind wir nun auf zwischen zwei Felder auf dem Damm neben einen Bewässerungsgraben, der noch nicht vorbereitet ist.




Die Gegend selbst ist wegen der vielen, sehr schönen Bauernhäuser wirklich schön und seitdem wir im Bezirk Samarkand sind, häufen sich die Lehmhäuser in traditioneller Lebensweise. Wasser ist hier ein echtes Thema, zum Abend steht Wolfgang mit den Kindern des Dorfes an einem Schlauch, der aus der Erde kommt und ein wenig Wasser gibt, um Wasser für den Abend zu holen. Die Einheimischen verwenden es offensichtlich als Trinkwasser, wir als Wasch-, Abwasch- und Kochwasser. Immer wieder sehen wir Männer und Frauen, die mit Wassereimern unterwegs sind. Trinkwasser kaufen wir hier nur in Flaschen, leider gibt es in der Regel nur zwei von zwei Multinationalen Unternehmen, die wir ansonsten boykottieren. Hier sind sie voll verankert und uns bleibt nichts anderes übrig, als es zu kaufen.
Das Barometer fällt und fällt und irgendwann am Nachmittag ist das Symbol dann auch auf Regen umgesprungen. Wir hoffen, dass wir heute Nacht davon verschont bleiben, denn wirklich regensicher ist unsere Unterkunft nicht. Dafür gibt es Bäume (noch ganz ohne Blätter) und es ist immer noch richtig warm!

9. März, Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch ‏بُخارا‎, DMG Buḫārā) bis Rabat-i-Malik, 81,87km, 9538,9 Gesamtkm

Datum: 9.3.11
Tag: 221
TagesunterstützerIn: Patricia Hoffmann
von: Buchara m NN 225
nach: Rabat i-Malik m NN 263
km 81,87
Gesamt km 9435,9883
km/h: 13,5
Fahrzeit 06:04
gesamte Fahrzeit: 712:59:00
Anstieg in m pro h 0,82
Anstieg in m 5
Abfahrt in m: -33
höchster Punkt in m NN 263
Steigung/Gefälle -0,03

Nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns von Abdul und seiner Familie und suchen den Weg aus Buchara heraus. Es gibt keinerlei Ausschilderung, aber der Weg ist auch klar. Wir fahren auf der „Autobahn“, eine russische Betonplatten-Straße mit einer Ahnung von Asphalt, die ihre besseren Tage auch vor einiger Zeit hatte. So hoppeln wir durch ein langes Straßendorf, das immer wieder seine Namen ändert und dessen Bewohner schreien und hupen, wenn sie uns sehen. Eine Familie möchte uns zum Tee einladen, aber da wollen wir noch weiter vor dem Mittagessen. Das Hupen ist an einem ersten Tag nach einer Pause immer wieder anstrengend. Zweimal werden wir von der Polizei angehalten, die aber uns aber gleich wieder weiterfahren lassen. Sie wollen die Pässe nicht sehen, halten uns eher aus Neugierde an und machen smalltalk. Zum Mittagessen kehren wir ein, sind wieder die einzigen ohne Wodka am Tisch. Es ist so warm, dass wir draußen im Schatten essen können. Wir genießen die Wärme, auch wenn das Barometer ab dem Mittagessen fällt und fällt und fällt.




Wir können die Pausen in der Sonne machen und im T-Shirt fahren. Unvorstellbar nach der Tortur in Turkmenistan.




Nach 70 km kommen wir in die nächste Provinz und uns begrüßt Asphalt. Was für ein Fahren! Auch wenn die Qualität ein wenig nachlässt nach den ersten Kilometern, ist es eine Wohltat für uns. Wir entscheiden nach 80km, dass es für heute gut ist. Der Himmel ist inzwischen total bewölkt und wir bauen regensicher das Zelt auf. Wir sind im Übrigen wieder in der Wüste. Voraussichtlich unsere letzte Wüstenübernachtung vor der Taklamakan in China, dazwischen kommen jetzt die Berge. Noch eine Stunde vor Sonnenuntergang sind es noch 20 Grad. Wir sitzen im Zelt und das Zelt ist offen und die Hände warm und gewaschen, welch ein Luxus.


Dienstag, 8. März 2011

7. und 8. März, Buchara, 219, 220

8. März
 
Heut ist der Weltfrauentag.


Dementsprechend sind auch die Damen des Hauses schick gekleidet und zum Mittag verschwindet die ganze Familie. Wir machen dessen ungeachtet weiterhin unsere Ausrüstung für den Aufbruch fit.


Auch der andere Reißverschluss am Zelt ist sehr mitgenommen. Leider sponsert Robens uns kein Zelt, selbst auf unsere Notfallanfrage letzte Woche. Nun haben wir einen Plan B: sollte auch der Reißverschluss kaputt gehen, können wir auf einer Seite das Mückennetz zerschneiden und so einen neuen Eingang mit dem Reißverschluss des Mückennetzes haben. Das Netz müssten wir dann anders gestalten. Aber dazu haben wir auch schon Ideen. So ein Zelt ist eben doch nicht für so lange Zeit und solche Temperaturen plus Wüstensand geschaffen. Den Rädern und dem Wagen fehlt aber soweit nichts und auch sonst ist die Ausrüstung in Ordnung. Da es richtig warm geworden ist, können wir die warmen Sachen wieder einpacken und hoffen, dass das lange so bleiben wird.
Zum frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg und suchen die Straße, die wir morgen nehmen wollen. Es gibt keine Schilder, aber wir haben nach einem längeren Marsch eine Ahnung, wo es hingeht. Es ist richtig warm, selbst im Schatten. Wir haben noch eine Besichtigung vor, es ist ein Kloster am Rande der Stadt. Die Anlage ist sehr schön, mit einem großen Garten drum herum. Als wir auf das Kloster zugehen sehen wir, dass die Bäume Knospen kriegen.


Es wird tatsächlich Frühling! Vor der Moschee ist es nicht so ganz klar, ob wir reindürfen. Ein älterer Herr ist sich dessen nicht so sicher, schließlich dürfen wir doch. Vorher haben wir noch die Jacken getauscht, so dass Gunda Wolfgangs Regenjacke trägt mit der Kapuze überm Kopf, ein Kopftuch hat sie ja nicht mehr dabei. Die Moschee ist von innen von der Kuppel her sehr schön, sonst ist sie eher schlicht. Danach wandern wir zurück und kaufen für die nächsten Tage ein. Dabei kommen wir an der Schule vorbei, die Partnerschule einer Schule in Bonn ist. Leider ist der Kontakt über die Bonner Schule nicht zustande gekommen, wir freuen uns dennoch, die Schule per Zufall gefunden zu haben.


Für den Abend haben wir uns vorgenommen, zur großen Moschee zu gehen


und das Farbenspiel des Sonnenuntergangs in den Ziegeln zu betrachten.


Auch wenn der Himmel recht bedeckt ist


, ist es doch wunderschön die Veränderung der Farben zu sehen.


Der Platz ist bis auf einige Touristen, spielende Kinder und in der Ecke Fußballspielden Seminaristen leer.


Das ist wohl einer der großen Unterschiede zu ähnlichen Plätzen in Europa: hier gibt es keine Cafés oder ähnliches und die Plätze sind nach Sonnenuntergang leer. Die ersten Fledermäuse kommen und wir wandern zurück, ein letztes Mal durch diese schöne Stadt.


Am Abend sind wir zum Abendessen in unserer Unterkunft angemeldet, diesmal ist es eine ziemliche Herausforderung in der eher ungewürzten Kochart. Morgen geht es weiter, Buchara ist eine so erholsame Stadt und ein so guter Aufenthalt gewesen nach den so vielfältigen, aber eben immer herausfordernden Monaten. 

Uebrigens: Vor 200 Tagen waren wir in St. Stefan!


Heute erleben wir die Verwandlung der Stadt in eine Touristenstadt. Mit einem Schlag sind Busse mit Touristen da und die Straßenhändler haben fast jedes freie Ecke mit Waren ausgelegt. Die Plätze sind deutlich voller und die Straße zum Ark ist mit Waren und Autos voll. Wir können uns gut vorstellen, wie es in der Hochsaison sein wird. Vor allem aber sind wir froh, dass wir Buchara noch im Winterschlaf gesehen haben, leer und ohne dauernd angesprochen zu werden. Die Preise sind natürlich mit einem Schlag andere, ebenso ist der Wechselkurs im ersten Versuch deutlich schlechter. Im zweiten dann der alte.
Heute haben wir zwei Medresen


und eine Moschee auf dem Programm, beides etwas außerhalb des üblichen Rings von Sehenswürdigkeiten. So sind wir dort noch alleine. Die eine Medrese ist bewohnt,


die Läden sind allesamt noch geschlossen. Besonders angetan hat es uns die Stadtviertelmoschee „Baland“, eine der so genannten Wintermoscheen.


Nachdem das Mittagsgebet (acht Männer), zu dem ein jüngerer Mann mit leiser Stimme außerhalb der Moschee gerufen hatte (in Usbekistan ist es den Muezzin verboten, vom Minarett zum Gebet zu rufen), können wir uns den Innenraum anschauen. Er ist schlicht und doch aufwendig und wirklich schön.


Wir bleiben eine Weile und schauen uns die vielfältigen Mosaike und Schnitzereien an, bevor wir wieder gehen.


Auf dem Weg zurück werden wir von einem Mann in einen Raum eingeladen, in den schon viele, viele Männer in schicker Kleidung (Wir nennen es den „Ausgeh-Schick-Bademantel, also den langen gesteppten Mantel und eine besondere, viereckige Kopfbekleidung, die jüngeren einfach in Hose, Hemd und Jackett), strömen. Wolfgang möchte aber keine Männer-Runde und so gehen wir weiter. Wir könnten uns vorstellen, dass das der Männer-Vorabend zum Weltfrauentag morgen ist. Wir kaufen noch ein wenig ein und gehen dann zurück. Wolfgang repariert ein zweites Rad und Gunda macht eine zweite Packrunde. Zum Abend gibt es Nudeln mit Knoblauch und Chili, endlich mal wieder und es schmeckt immer wieder geht. Es ist zunehmender Mond und der Mond liegt hier wirklich auf dem Rücken! Heute Abend hat er eine beinahe orange Farbe, der Himmel ist noch ein wenig rosa gefärbt, so dass die blaue Kuppel in unserer Straße schwach leuchtet. Viele Männer und Frauen sind auf den Straßen, die ersten Fledermäuse fliegen. Was für eine verzauberte Welt.

Uebrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Kaolog!