Mittwoch, 23. März 2011

17.-22. März - Samarqand bis Termiz - 229 - 234

22. März, Hinter Sayrab bis Termiz (usbekisch Termiz, ehemalige kyrillische Schreibweise Термиз; russisch Термез/Termes, auch als Termez transkribiert), 99,9km, 1001 Gesamtkm
 
Datum: 22.3.11
Tag: 234
TagesunterstützerIn: Ludwig Bröhl
von: Sayrab m NN 875
nach: Termiz m NN 382
km 99,9
Gesamt km 10033,7088
km/h: 15,1
Fahrzeit 06:37
gesamte Fahrzeit: 760:11:00
Anstieg in m pro h 22,07
Anstieg in m 146
Abfahrt in m: 639
höchster Punkt in m NN 860
Steigung/Gefälle 0,79

Nächste Panne: die andere Isomatte verliert auch Luft. Wieder ein Tauchbad in Dushanbe.

Und : wir haben 10.000 km erreicht.


Die Hirten sind vor uns da, aber weit weg. Wir bauen ab und sausen bergab. Gestern hat ein ganzes Dorf getrockneten Joghurt verkauft, heute ist es (abgefülltes) Wasser. Wir kaufen es deswegen doch nicht. Der Fluss ist breit und führt ein wenig Wasser. Wir fragen uns, wie die Bewohner auf die andere Seite kommen und sehen bald eine Brücke


, über die sowohl Menschen, als auch Schubkarren balanciert werden.


Es wird immer wärmer und uns wird hier ein Frühling geschenkt.


Die Bäume blühen, viele sind schon grün.


Wir halten an einem Dorf, wo Frauen auf ihren Köpfen Feuerholz transportieren. Dieses legen sie zu Boden, als sie uns sehen und kommen sofort angesaust.


Aus den Tiefen ihrer Kleider zücken sie ihre Foto- und Video-fähigen Handys und machen Fotos. Wir tun dasselbe.


Wir fahren weiter und kommen an einen weiteren Checkpoint. Innerhalb weniger Minuten haben wir 16 Männer um uns,


zudem zwei zuständige Soldaten und die Polizei. Unsere Pässe werden zur Registrierung in das Büro gebracht und wir dürfen passieren und sind damit wieder näher an Termiz. Das Mittagessen heute ist lecker und preislich in Ordnung.


Es ist ein schöner, kühler Raum.
Zehn Kilometer vor Termiz (usbek.-kyrill. Термиз; russisch Термез, Termes; auch als Termez transkribiert) begegnet uns der erste deutsche Sani mit der Y-Nummer. Hier liegt der Flughafen, über den die Bundeswehr den Transport abwickelt. Hoch am Himmel scheint eine Luftstraße ungestört über Afghanistan zu führen; Termiz hat offenbar das Navigationsfeuer dazu.
Die afghanische Grenze ist direkt vor der Stadt und wir sind an ihr eine ganze Weile entlang gefahren, am Amudarja (auch: Amudarya oder Amu-Darja; persisch ‏آمودریا‎ Āmudaryā, aus dem altpersischen „Darajah“ über mittelpersisch (Pahlavi) „Drayak“ mit der Bedeutung „Meer“ oder „großer Wasserlauf“; usbekisch Amudaryo; tadschikisch Омударё/Omudarjo; turkmenisch Amyderýa; karakalpakisch A'miwda'rya; arabisch ‏جيحون‎ Dschaiḥūn/Gihon; russisch Амударья/Amudarja; im Altertum: Oxos, Oxus, Oaxus bzw. Uaxos), der Grenzfluss nach Afghanistan, offiziell Islamische Republik Afghanistan (Paschtu/Dari (Persisch): ‏افغانستان‎ Afghānestān) ist. Das diesseitige Ufer ist durch vielfache Grenzzäune und Wachtürme gesichert, davor ein breiter Streifen mit Rosenbeeten und Pflanzungen. Überall wird heute (offenbar als Gemeinschaftsarbeit) gepflanzt und bewässert.
Wir kommen so weit, dass wir schon nachmittags in Termiz sind und von zwei Studierenden begrüßt werden, die deutsch studieren. Wir finden ein Hotel und treffen auf dem Bürgersteig eine deutsche Familie, die in der Botschaft in Taschkent (usbek. Toshkent, früher kyrill. Тошкент; russ. Ташкент/Taschkent; tadschik. Тошканд/Toschkand; früher auch Schasch oder Binkent) arbeitet. Er hilft uns mit dem Verhandeln des Zimmers. Außerdem erfahren wir, dass der eigentlich anvisierte Grenzübergang bei Panjakent (Tajik: Панҷакент; Persian: پنجکنت‎; Russian: Пенджикент) nach Tadschikistan (kyrillisch: Тоҷикистон, perso-arabisch: ‏تاجیکستان‎ tājikestān; amtlich Republik Tadschikistan, kyrillisch: Ҷумҳурии Тоҷикистон, russisch Республика Таджикистан, Respublika Tadschikistan) tatsächlich seit Monaten geschlossen ist und schon aus diesem Grund unser Umweg gerechtfertigt war. Außerdem hätten wir dann ja den 3.373 m hohen Anzob-Pass fahren müssen, den wir so früh im Jahr lieber umgehen wollten.
In der Eingangshalle des Hotels eine Ehrenwand mit Bildern von Tornados und Transalls. Die Beschreibung der Sauna und der Klimaanlage hängt auf Deutsch daneben. In den 80er-Jahren waren hier 100.000 Sowjetsoldaten stationiert, später die deutsche Luftwaffe, bevor sie nach Mazār-i Scharif (persisch ‏مزار شريف‎, gesprochen ˌmæˈzɒːrɜ ʃæˈriːf, andere Transkription Masar-e Scharif, Mazar-i-Sherif) weiterzog. Übrig sind noch etwa 100 Bundeswehrsoldaten, die den Luftfracht- und Personenumschlag von Deutschland nach Afghanistan betreiben. Bei ihnen soll es deutsches Frühstück geben, hören wir.
Diesmal haben wir Strom und warmes Wasser im Hotel. Sogar heißes.
Wir haben in Termiz 10.000 km erreicht!


Diesmal haben wir ein sonnendurchflutetes Zimmer mit einer funktionierenden Heizung, diesmal wäre es nicht so wichtig gewesen, denn selbst der Abend ist noch ganz mild. In den letzten 10.000 km haben wir so viele Hotels von innen gesehen. Im Grunde teilt sich der Eindruck eines Landes in unterschiedliche Bereiche: es gibt den Eindruck der Straßen und des Fahrstils, der Landwirtschaft mit ihrem Umgang mit Wasser, der Versorgung der Dörfer mit Wasser, den Zustand der Hotels und des Services, die Inneneinsichten in Privaträume durch Übernachtungen und der Umgang mit Fremden im Blick auf Respekt, Aggression, erhöhte Preise, Schenken von Lebensmitteln und Angebot von Hilfe. Durch alles zieht sich das Thema Wasser. Sei es durch Dürre, Bewässerung. Stauseen, Überschwemmungen, gefasste Quellen, dem Schenken von Wasser, der Wasserversorgung, der politische Konflikte um Wasser (ein Grund für das Schießen der Grenze hier). In Usbekistan sind wir zum ersten Mal in einer Situation, in der wir oft zu wenig Wasser haben. Zum Trinken reicht das gekaufte Wasser dann schon noch, aber zum Waschen gibt es einfach nicht genug. Wir sehen Frauen, die an der Wassergräben ihrer Dörfer, die direkt an der Straße sind, ihr Geschirr abwaschen oder Kleidung waschen. Die Kilometerweit das Wasser tragen, dass sie aus dem Fluss oder den Gräben holen.


Wir können uns nicht vorstellen, wie die Gesundheitssituation wirklich ist.

21. März, Karashina bis hinter Sayrab, 67,4km, 9901 Gesamtkm

Datum: 21.3.11
Tag: 233
TagesunterstützerIn:
von: Karashina m NN 1164
nach: Sayrab m NN 875
km 67,4
Gesamt km 9933,8088
km/h: 10,9
Fahrzeit 06:09
gesamte Fahrzeit: 753:34:00
Anstieg in m pro h 149,59
Anstieg in m 920
Abfahrt in m: 1209
höchster Punkt in m NN 1674
Steigung/Gefälle 3,16

Panne: Wolfgangs Hinterrad ist schon wieder eine Speichenkappe gebrochen 

Der Himmel ist blau und es ist ganz still, als wir am Morgen aufbrechen.


Obwohl heute Feiertag und Neujahr (Nouruz (persisch ‏نو روز ‎, DMG Norūz, noˈɾuːz)) ist, ist in den Dörfern wenig davon zu spüren. Nur die Baustellen sind ruhig und die Esel haben heute Linkgrößtenteils auch frei. Wir fahren den ersten Pass hoch und es geht an der Eisenbahn vorbei, die ganz neu gebaut ist und dort eine Kehre fährt. Die Brücke ist von Soldaten bewacht. Früher ging die Sowjetische Bahnlinie um die Berge herum durch das heutige Turkmenisten. Die neuen Grenzen zwingen die Bahn jetzt die Berge hoch. Wir kommen in ein erstes Dorf, das ganz ruhig ist. Es sind auf den Weiden immer mehr „Kindergärten“ mit Lämmern zu sehen.


Die Dörfer sind in der Regel aus Lehmbauten und alle an Flüssen gebaut, die einmal beindruckend gewesen sein müssen.


Heute sind sie alle trocken. Es ist zu erahnen, wie groß sie gewesen sein müssen.


Nach dem Pass geht es wieder hinauf, immer wieder an der Eisenbahn vorbei. Auf einen Berg am höchsten Punkt der Bahn ist eine Dampflokomotive in usbekischen Nationalfarben als Denkmal gestellt.


Es geht immer weiter bergauf und irgendwann haben wir den Pass, wir nennen ihn den zweiten, auch wenn er auf der Karte der erste ist, erreicht. Es gibt einen funkelnagelneuen Bahnhof und einige Häuser. Gerade beschließen wir, dass wir weiter fahren


, als an Wolfgangs Hinterrad schon wieder eine Speichenkappe gebrochen ist. Diesmal ist der Reifen nicht platt und wir wissen nun, dass das Rad nicht ausgebaut werden muss. So stehen wir erneut am Straßenrand


und reparieren und packen Sachen so um, dass auf Wolfgangs Rad weniger Gewicht ist und auf Gundas mehr.


Danach geht es wieder rasant bergab. Wir suchen etwas Essbares und finden nach zwei Versuchen eine Lokalität (mit beeindruckender Klo-Kulisse).


Dort gibt es Hähnchen und es kommt bald ein türkischer LKW-Fahrer.


Im Laufe der Zeit (er räkelt sich auf dem Tagesbett, nachdem er der Tochter (ca. fünf Jahre) Geld gegeben hat), erahnen wir, warum die Wirtin kein Interesse an uns hatte. Als wir gehen (und eine horrende Summe zahlen müssen, die Gunda mit einem iranischen: So-Nicht-Nein-Nicken-Schnalzen auf den Tisch knallt), steht schon der nächste LKW vor der Türe und der Fahrer macht sich schick und wäscht sich….
Wir erreichen eine Check-Point, der hier richtig ernst ist: mit Schlagbaum und Passkontrolle. Es werden auch die Registrierungszettel kontrolliert. Der Polizist zählt irgendwie die Tage zwischen den Registrierungen (vermutlich ein Problem, das wir bei Ausreise haben werden), gibt uns dann aber alles zurück. Alles in allem dauert es doch deutlich länger. Als wir endlich weiterfahren können, ist es schon recht spät und es geht auf den offiziell zweiten Pass hoch. Die Staubwolke vor uns ist die Straße, aber es ist gar nicht so schlimm.


Hervorgerufen übrigens von einem der vielen Willi Betz-Laster, die u. a. Küchensachen für die Bundeswehr liefern. Bald sind wir in einem Dorf, das eine ganz nette Atmosphäre hat, obwohl Männer wie Frauen ziemlich betrunken waren.


Die Leute sind be- und angetrunken, der Muezzin ruft und in einem alten Baum ist ein animistischer Altar.


So sieht Usbekistan auch aus. Gunda bekommt eine Plastik-Rose von einem Herrn geschenkt als Zeichen usbekisch-deutscher Freundschaft, der nächste war in Magdeburg stationiert und alle begrüßen uns mit „Good Morning“. Aber es ist insgesamt nett.


Wir fahren weiter und haben plötzlich wieder die iranischen Auto-Transporter mit den Gebrauchtwagen aus Dubai um uns. Sie gehen also nach Afghanistan. Wir freuen uns über die Iraner, die sich über uns. Leider sind wir schon den ganzen Tag in einer Gegend, in der es kein Wasser mehr gibt, auch hier ist der große Fluss im Grunde leer, so dass wir kein Wasser für den Abend und den Morgen haben und von Waschen nur träumen können.

20. März Kamasqui – Karashina, 72,3km, 9834 Gesamtkm

Datum: 20.3.11
Tag: 232
TagesunterstützerIn:
von: Qamashi m NN 569
nach: Karashina m NN 1164
km 72,3
Gesamt km 9866,4088
km/h: 11,6
Fahrzeit 06:11
gesamte Fahrzeit: 747:25:00
Anstieg in m pro h 139,25
Anstieg in m 861
Abfahrt in m: 266
höchster Punkt in m NN 1164
Steigung/Gefälle 1,56

Panne: Platter an Wolfgangs Hinterrad und Kappe einer Speiche gebrochen und Gangschaltung noch nicht justiert

Unser Platz auf der alten Straße ist bis zum Morgen ruhig geblieben; Gestern Abend hatten wir die Sorge, dass die Dorfjugend noch hintern Hügel kommt, aber es war nur der Mond, der es getan hat. Der Morgen begrüßt uns mit viel Sonne und es geht weiter bergab. Wir kommen zu einer größeren Stadt, in deren Vororten wir einkaufen. Morgen ist Feiertag und es wird überall gearbeitet, gefegt und geputzt. Von einer Gruppe Frauen, die gerade einen Plov auf dem Feld zubereiten, werden wir eingeladen, fahren aber weiter. Bald geht es bergauf


und noch in der Stadt sind die einzigen LKWs, die wir sehen, LKWs, die Wasser transportieren.



Wir fahren einen Fluss entlang, der im Grunde leer ist. Als wir über die Brücke fahren, wissen wir auch warum: der Fluss wird sofort in einen Kanal umgeleitet. Von weitem sehen wir eine Staumauer, doch als wir dort ankommen, ist der See kaum zu sehen und der Fluss, der ihn speisen soll, wiederum leer.


Dafür sehen wir lauter Wasserrohre und vermuten, dass das Wasser direkt an der Quelle abgezapft wird.


Beim Herunterfahren ist Wolfgangs Hinterrad mit einem deutlichen Pfeifen leer. Als wir den Reifen flicken wollen, entdecken wir, dass ein Speiche lose ist. Also bauen wir alles ab. Im Grunde wäre das nicht nötig gewesen, denn die Kappe der Speiche ist gerissen und das Loch sieht aus, als sei der Schlauch geklemmt. So verbringen wir zwei Stunden am Straßenrand und reparieren.


Interessiert werden wir von zwei Hirten betrachtet, die an der Leitplanke stehen und sich unterhalten.


Immer wieder halten Autos und fragen uns, wo wir her kommen, aber auf diese Frage reagieren wir nicht mehr.
Nach der Reparatur geht es im Auf und Ab vor allem bergauf zum Pass im Gissar Range. In einem Ort suchen wir Wasser und finden einen Minimarktet, der komplett aus Alkohol besteht und auf dem Gelände einer iranischen Firma (Pipilinebau Iran - China) ist. Wir treffen dort auch zwei Iraner, die ersten, die uns heute „normal“ grüßen und ansprechen. Sie freuen sich sichtlich über das Farsi auf Gundas Fahne. Vorher sind wir mal wieder mit Betrunkenen aneinander geraten, die uns nötigen wollten, anzuhalten und ein Foto mit ihnen zu machen. Etwas weiter vorher müssen zwei Jungs ihren sturzbetrunkenen und auf dem Boden liegenden Vater irgendwie einsammeln. Wir kommen ganz gut aus der Affäre, aber wieder nur mit Schreien und Schlagen. Es ist eine seltsame Kultur hier, mit der wir nicht so richtig leicht warm werden. Wir müssen durch dieses Dorf noch durch, finden aber zum Glück einen Platz hinter einer Steinsammlung und hoffen, dass das genug Schutz für die Nacht ist. Es ist beinahe mild, so dass wir uns sogar waschen können.


Datum: 19.3.11
Tag: 231
TagesunterstützerIn:
von: Amanqotan m NN 1462
nach: Qamashi m NN 569
km 96,9
Gesamt km 9794,1088
km/h: 13,8
Fahrzeit 07:01
gesamte Fahrzeit: 741:14:00
Anstieg in m pro h 42,76
Anstieg in m 300
Abfahrt in m: 1193
höchster Punkt in m NN 1789
Steigung/Gefälle 1,54

Am Morgen ist es so wie fast immer: es ist alles gefroren.


Aber der Himmel ist blau und daher packen wir das Außenzelt und den Shelter auf die Taschen, um sie mittags zu tauen und zu trocknen. Es ist in der Tat kein Mensch ausgestiegen und nur am Morgen sind die Kinder auf dem Weg zur Schule einigermaßen erstaunt. Die letzten doch nur 200 m Höhenmeter zum Tahtaqaracha-Pass (1788 m) sind gut zu fahren, auch wenn es steil ist. Ein wenig ist es wie im Museum, überall kleine Höfe, ganz viele Herden, Kinder in bunten Kleidern, ebenso die Frauen. Wir werden zweimal zum Tee eingeladen, fahren aber weiter. Ein wenig haben wir eben doch den Stress des Visums im Nacken. Wir finden eine Quelle, auch sie wie aus dem Bilderbuch.


Oben am Pass ist Markt, dort werden Nüsse und Trockenfrüchte verkauft.


Hinab geht es in steilen Serpentinen.


Von dieser Seite wäre der Pass schon eine andere Nummer gewesen. So kommen wir gut voran,


fahren an zahlreichen Restaurants mit ihren Tagesbetten, oft auf Holzterrassen über sprudelnden Quellen, vorbei.


Immer wenn wir halten, haben wir eine Horde bisher doch netter Jungs um uns.


Für das Mittagessen gibt es ein Plov, hier Pilaw (usbekisch: Palov/Osh, albanisch: Pilaf, armenisch: Pilav/փիլավ,, aserbaidschanisch: Plov, bosnisch: Pilav, griechisch: Pilafi/πιλάφι, persisch: Polow, rumänisch: Pilaf, russisch: Plow/плов, serbisch: Pilav/пилав, türkisch: Pilav) genannt. Es ist sehr gut und wir stellen fest, dass wir in Buchara eine Sparversion bekommen haben. Wir fahren weiter durch eine beackerte und intensiv genutzte Landwirtschaft, die nicht so wirkt, als sei sie so extrem bewässert wie vorher. Die Qualität der Straßen ist ganz gut. Kurz vor Sonnenuntergang


kommen wir an einem Dorf vorbei, das völlig anders aussieht als die anderen: es ist fast komplett aus Lehm gebaut, hat keine Spätkaufs. Wir treffen dort auf eine Hörde Halbstarker mit ihren Rädern. Wolfgang ist schon vorbei und Gunda kommt mit Abstand hinter her weil sie ein verlorenes Teil von Wolfgangs Rad aufgehoben hat. Es geht leicht bergauf, daher ist sie langsam. Als sie an einem der Jungs vorbei kommt, schlägt dieser sie gegen den Arm. Sie schlägt zurück und schreit ihn an. Wolfgang hat schon gedreht, um zu sehen, wo sie bleibt, Wir fahren nebeneinander und haben die Jungs um uns. Bald entscheiden wir, weiter zu fahren. Ein kleiner holt Anlauf und will an die Fahne an Gundas Rad, sie beobachtet dies im Rückspiegel und als er die Hand austreckt, macht sie eine Vollbremsung, Er fährt in ihr Rad und fällt um. Sie schreit ihn an, Wolfgang auch. Damit ist er schon mal eingeschüchtert. Die anderen Jungs lachen und bleiben nah dran. Zum Glück gibt es eine Tankstelle, in die wir einbiegen. Der Tankwart hat Wasser für uns (was wir eh brauchten) und stellt die Jungs zur Rede. Anschließend fahren sie noch einen Moment mit und verabschieden sich dann. Wieso können nicht alle Jungs ab sechs Jahren bis sie verheiratet sind entweder in Ganztagsschulen sein oder Herden hüten?
Für die Nacht finden wir einen halbwegs sicheren Ort auf der alten Straße hinterm Hügel und hoffen auf eine ruhige Nacht. Hier ginge kein Platz im Dorf so wie es in der letzten Nacht möglich war.

18. März, Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persisch ‏سمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“) – Amanquotan, 53,2 km, 9665 Gesamtkm

Datum: 18.3.11
Tag: 230
TagesunterstützerIn:
von: Samarkand m NN 713
nach: Amanqotan m NN 1462
km 53,2
Gesamt km 9697,2088
km/h: 9,8
Fahrzeit 05:25
gesamte Fahrzeit: 734:13:00
Anstieg in m pro h 158,22
Anstieg in m 857
Abfahrt in m: 108
höchster Punkt in m NN 1465
Steigung/Gefälle 1,81

Panne: Die Pumpe des Kochers geht nicht mehr, wir sind auf Gas angewiesen (gibt es seit dem Iran nicht mehr). Muss irgendwie repariert werden.

In der Nacht haben wir tatsächlich Strom und so laufen die Heizöfchen und ermöglichen einen Hauch von Wärme (so um die 10 Grad). Wir frühstücken gemeinsam und verlassen dieses ungastliche Haus. So ungastlich haben wir bisher noch nie gewohnt, es gab schon woanders viele Stromausfälle, aber immer wurde wenigstens eine Kerze gebracht.
Auf dem Weg heraus


kommen wir an einem Radladen vorbei, wo wir eine Hülle für den Schaltzug an Wolfgangs Rad erstehen.


Dieser ist gebrochen. Die Pannen hören nicht auf, denn die Benzinpumpe vom Kocher geht auch nicht mehr. Wir vermuten, dass die Temperaturen sie zerstört haben. Wir hoffen, dass wir sie in Gang setzen können, denn Gaskartuchen gibt es seit dem Iran nicht mehr. Den Vormittag verbringen wir mit der Reperatur des Schaltzuges. Nach dem Mittagessen geht es langsam in die Berge. Die Sanddünen und Hügel sind alle ganz grün. Ein völlig ungewohnter Anblick. Zudem noch vor einem langen Wochenende. So sind ab Mittags viele, viele Besoffene unterwegs. In einem Dorf will einer Wolfgang anhalten, bricht dabei seinen Fahrradspiegel ab und holt Wolfgang fast vom Rad. Wolfgang versetzt ihm einen Brustschlag, den er scheinbar in seinem Zustand nicht merkt, der ihn aber stoppt. Zum Glück kommt ein nüchterner älterer Herr dazu, begreift die Situation und zieht den Besoffenen weg, scheuert ihm eine und macht ihn ziemlich zur Sau. Wir fahren weiter, vorbei an Männern, die nicht mehr gerade stehen können. Ein wenig neigen wir ja dazu, die strenge Version des Islam gut zu finden. Wir müssen den Rückspiegel von Wolfgang mit Gaffa reparieren und fahren dann weiter. Die nächsten Dörfer sind sehr nett,


eine Weile werden wir von zwei Jungs auf ihren Eseln begleitet, die absolut rücksichtsvoll sind und aufpassen, dass ihre Esel uns nicht in die Quere kommen. Die Gegend selbst ist sehr schön, viele Bauernhöfe, viele Bäume, ganz viel Wasser.


Nach einem Polizeicheck geht es in die Berge und die Straße windet sich nach oben. Zum Teil sind die Steigungen recht steil, aber die Straße ist ganz gut.


Nachdem wir keinen Platz für die Nacht finden, entscheiden wir uns für ein Stück Gras zwischen der Straße und der Schlucht neben einem Parkplatz. Da der Usbeke an sich kein Auto-Austeiger, sondern nur ein Huper und aus dem Auto-Rausgucker und Auto-Rausschreier ist und wir zudem in den Bergen sind, dürfte das gut gehen. Es ist wieder Wasser in gefassten Quellen, welch in Luxus!

17 März,  Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persisch ‏سمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“)

Unser letzter Tag in Samarkand. Es gibt keinen Strom und keine Heizung, dafür ist das Wasser beinahe lauwarm. Wir nutzen es alle, um zu duschen. Nachdem sich nichts tut, entscheiden wir, dass Wolfgang in der Sonne die Räder repariert (nicht repariert, sondern die Strassenreifen in Offroad-Reifen auf Gundas Rad tauscht und die neuen auf den Vitelli macht sowie den neuen Schnellspanner für die Deichsel montiert) und Sigrid und Gunda die Post und ein besseres Internet-Café suchen. Nach erfolgreichem Radreparieren, Post-Suchen und wenig erfolgreicher Suche nach einem schnellen Internet ist der Strom immer noch nicht zurückgekehrt. Wolfgang nutzt die Zeit im Hellen zum Packen, und Sigrid und Gunda wandern noch einmal los


, um das Grab vom Propheten Daniel (Hebräischer Name:‏דָּנִיּאֵל‎; Persisch: دانيال, Dâniyal oder Danial, auch Dani, داني ; Arabisch: دانيال, Danyal) ist eine Person aus der Hebräischen Bibel und Protagonist des Buches Daniel. Das Judentum betrachtet Daniel im Gegensatz zum Christentum nicht als einen Propheten. Der Name „Daniel“ bedeutet so viel wie „Gerichtet von El (Gott)“ (Wurzel ‏דון‎ [dun] = „richten“, „Recht schaffen“) zu suchen, das etwas weiter weg ist. Es ist wunderschön gebaut über dem Fluss in die Sanddüne hinein. Wir haben Glück und kommen noch rein. Aus irgendeinem Grund wächst Daniel nach seinem Tod weiter und daher ist der Sarkophag 18 m lang. Man soll ihn dreimal umrunden, denn das bringt Glück. Wir ziehen unsere Schuhe aus und gehen bedächtig um den Sarkophag und dann sollen wir rausgeschmissen werden. Wir sind ganz empört und zeigen, dass wir schon dreimal laufen wollen. Unser Daniels-Hüter macht darauf hin, dass das aber nur sehr schnell geht. So laufen wir um den Sarkophag und hoffen, dass Daniel auch Schnellläuferinnen beim Umrunden zählen kann.


Es ist beinahe Vollmond, so können wir gut zurücklaufen und finden eine dunkle Pension vor. Wir entscheiden, dass wir was essen und noch mal ins Internet-Café gehen (beides hat Strom und ist warm).

Donnerstag, 17. März 2011

13. März-17. März, Samarkand, 225,226, 227, 228, 229

13. März - 17. März

Im Irak heißt es, wenn es keinen Strom gibt: Inshallah in zwei Stunden. In Usbekistan wird gesagt: Usbekistan. Mit einem Seufzer. Nach den ersten drei Tagen, die beinahe sommerlich warm waren und uns viele Stunden auf dem Tagesbett und schlendernd in der Stadt ermöglicht haben, kündigt sich in der Mitte der Zeit ein Wetterwechsel mit einem Sandsturm an. Auf diese Weise haben wir zwei Samarkand-Zeiten: die vor dem Wettersturz und die nach dem Wettersturz. Vor dem Wettersturz erstrahlte Samarkand in Sonne und Wolken



und wir verbringen den ersten Tag damit, den Registan mit seinen Medresen anzuschauen. Als interkulturelles Quartett, als das wir unterwegs sind, haben wir viel Spaß an der schwäbischem Variante von Medrese, für rheinische Ohren kommt da immer Mätresse bei raus und es hat zu einiger Verwirrung geführt. Für den Platz muss Eintritt gezahlt werden und so genießen wir zunächst die Tribüne




und schauen uns das bunte Treiben an, das aus Reisegruppen




und Frauen, die die Bäume weiß streichen, besteht.




Nach einer langen Zeit in den Medresen









wandern wir zurück und genießen die Wärme. Am Abend gibt es Weißwürste mit süßem Senf!




Sigrid hat sich sehr über unsere Prioritäten amüsiert als nicht klar war, ob sie alles mitbringen kann und wir dann vorgeschlagen haben, ein paar Fahrradmäntel in Bonn zu lassen, Hauptsache die Weißwürste sind dabei. Was für ein Essen!
Auch noch im Sonnenschein packen Sigrid und Corinna am nächsten Morgen ihre ganze Mitbringsel aus und wir breiten alles im Hof aus.




So ausgestattet kämen wir locker bis Japan. Japan, dieses Thema beschäftigt uns die ganze Woche. Vor allem auch, weil Freunde Verwandte dort haben und wir nicht wissen, wie es da aussieht. Wegen des immer größer werdenden Ausmaßes der Katastrophe. Wegen der Frage, wie wir denn jetzt weiterfahren.
Gunda und Wolfgang sind in der Zwischenzeit noch auf der Suche nach einem Schneider und finden ihn mit Hilfe eines KAS-Praktikanten. Es ist eine Türe im Hinterhof und am Montag ist sie tatsächlich geöffnet und nach einigem Hin und Her können sie sich auf einen Reißverschluss einigen. Von den Medresen wandern wir am Montag weiter zu der großen Moschee, die komplett zerstört wieder aufgebaut wird. Die Ausmaße sind schier unvorstellbar. Im Innenhof ist ein riesiger Koranständer und Frauen krabbeln dadurch und bekommen dann viele Kinder. Wir drei Frauen schauen uns an und es ist klar, dass das Los auf Corinna, unser „Küken“ fällt.




Am Morgen ist es noch warm genug für ein Frühstück draußen




, zum Nachmittag fängt es an zu stürmen und es fällt leichter Regen. Wir wandern unverdrossen weiter zum Friedhof




und zur Gräberstadt.





Dort erwischen wir den Hintereingang und dadurch eine nicht übliche Perspektive, die durch die Sanddüne, auf der die Gräberstadt gebaut ist, sich sonst ergibt. Wir sind fasziniert von der Schönheit. Auch wenn der Du Mont nicht begeistert ist von der Renovierung, wir sind es schon. Die Außenfassaden sind in dem Türkis und blau, das sonst nur in den Kuppeln




in der Dichte zu sehen ist.




Der Himmel wird immer grauer und der Wind nimmt zu. Wir sausen im Wanderschritt zurück und bekommen einen Tipp für Schashlik-Restaurant. Dort gibt es ein riesiges Sortiment an Spießen und es ist richtig gut. Inzwischen hat es geregnet, wenn auch nur ein wenig. Am nächsten Morgen gehen Wolfgang und Gunda wieder zum Schneider, es ist heiß und schwül. Er hat zu und so gibt es ein Frühstück auf dem Tagesbett. Das Wetter ändert sich radikal. Wir entscheiden, dass Gunda und Sigrid ins Hamman gehen, Corinna ihrer Erkältung eine Abschieds-Chance gibt und Wolfgang Geld wechselt, zum Frisör geht und den Wäsche-Job übernimmt. Als wir uns auf den Weg erneut zum Schneider und dann zum Hamman machen, regnet es und der Regen geht ganz schnell in Schnee über.
Das Hamman ist wie in Buchara ein Keller-Gewölbe, das recht alt aussieht und in der Woche für Männer und Frauen geteilt wird. Sigrid und Gunda verbringen dort Stunden und sind fasziniert von der Hingabe des Waschens. Es gibt zwei Räume mit ganz heißen Steinen und zwei Räume mit lauwarmen Steinen und Wasserhähne. Jede hat eine große Waschschüssel vor sich. Wir haben den Eindruck, dass es das öffentliche Bad ist für das Duschen und Baden, wenn es in den Häusern selbst kein Bad gibt. Nach fast sechs Stunden wird ein Tee angeboten und wir sind ganz erstaunt, wie die Zeit verflogen ist. Draußen begrüßt Samarkand im Schneegewand.




Der Registan ist zugeschneit




und wo gestern noch Frühlingsstimmung war, ist heute Winter.




Der erste blühende Mandelbaum ist nun dicht bedeckt mit Neuschnee. Dennoch wandern wir wieder zum Schaschlik. Inzwischen hat die Kälte die Gasversorgung gestoppt und die Heizungen funktionieren nicht mehr. Es gibt kleine elektrische Heizöfchen und ausgerechnet jetzt, wo die Wäsche, die Wolfgang mit letzten Rest an lauwarmen Wasser noch hat auswaschen können, im Zimmer verteilt ist. Am Abend beim Kartenspiel geht dann auch der Strom aus und kommt nicht wieder. Somit haben wir weder Strom noch Heizung und spielen unverdrossen weiter. Es ist kalt. Am Morgen gibt es irgendwann wieder Strom, aber vom Gas keine Spur. Sigrid und Corinna machen einen Ausflug in eine kleine Stadt in der Nähe und Wolfgang und Gunda versuchen ihr Glück im Internetcafé. Immerhin ist das Auto und das Café geheizt. Der Strom bleibt erhalten, dennoch ist es kalt. Immer wieder fällt der Strom aus und unser Wirt sagt dazu nur: Usbekistan. Mit dem erwähnten Seufzer. Nachdem Corinna sich verabschiedet hat, wandern wir zu dritt los auf der Suche nach einer Brauerei. Wir kommen an dem Mausoleum von Timur vorbei




und sind völlig fasziniert von der Innenausstattung.




Wieder einmal ist der Innenbereich ganz reich gestaltet




und dennoch strahlt der ganze Raum eine große Ruhe aus.




Mit etwas Mühe finden wir das Lokal und sitzen gerade gemütlich, als der Strom weg ist. Es werden Kerzen gebracht und so essen wir im Kerzenlicht. Irgendwann geht der Strom auch wieder an.
Unsere Zimmer sind immer noch kalt, der Strom geht und kommt. Unser Wirt erzählt uns Wodka-Strahlend, dass sie als ganze Familie ein Immigrations-Visum für die USA haben und in drei Monaten weg sind. Mit vielen Decken und Jacken geht das Sitzen im Zimmer. Die Wegüberlegungen laufen bei allen Besichtigungen mit. Nun könnte es so sein, dass wir in die Mongolei fahren. Den letzen Tag in Samarkand müssen wir auch zum Recherchieren nutzen.


Weil wir Halbzeit haben, wieder etwas Statistik:

Unsere höchsten Übernachtungsorte (Ort, Höhe über NN, Tag):

Baqerabad 2052 152
Robat-e Tork 1876 141
Hamadan 1805 133
Tureh 1792 136
Malayer 1686 135
Kamyaran 1674 127
Arak 1669 137
Arak 1669 138
Joka 1667 134
Tizhtizh 1662 125

Unsere tiefsten Übernachtungsorte (Ort, Höhe über NN, Tag):

Orfani 0 54
Tekirdag 2 64
Selimpasa 2 65
Messimvria 3 57
Alexandroupoli 3 58
Kamriotissa 10 59
Kamriotissa 10 60
Kamriotissa 10 61
Ipsala 10 62
Gravouna 20 55

Unsere weitesten Tagesetappen (Zielort, km, Tag):

Rohenburg o. d. Tauber 112,43 5
Damghan 109,03 192
Sarajevo 105,73 35
Kurutlutepe 101,47 90
Podgorica 101,33 40
Garmsur 100,14 189
Aksaray 97,21 91
Shurak Maleki 97,06 200
Prien am Chiemsee 96,78 13
Uch-Adzhl 96,77 208

Unsere kürzesten Tagesetappen (Zielort, km, Tag):

Kamriotissa 3,9 59
Teheran 4,74 171
Panjwin 4,94 121
Teheran 7,6 161
Dolani 11,84 51
Kapikaya 26,3 77
Malayer 26,65 135
Marivan 28,86 122
Alexandroupoli 30,8 58
Orhangazi 31,25 72

Unsere schnellsten Tagesetappen (Zielort, km/h, Tag):

Shurak Maleki 18 200
Mahabad 17,2 153
Kurutlutepe 16,98 90
Murau 16,76 18
Beyramil 16,43 95
St. Stefan 16,05 20
Strumesnica 15,87 52
Srem. Kamenica 15,86 32
Pozanti 15,71 93
Birecik 15,7 100

Unsere langsamsten Tagesetappen (Zielort, km/h, Tag):

Panjwin 6,62 121
Rrape 7,68 42
Mozduran 8,3 201
Subasi 8,58 78
Messimvria 8,79 57
Shemri 8,8 43
Kamriotissa 9,08 59
Bajevo Polje 9,16 39
Sanandaj 9,26 126
Gülek 9,44 94

Unsere längsten Fahrzeiten (Zielort, Stunden, Tag):

Sarajevo 09:44 35
Uch-Adzhl 07:55 208
Hauz-Han 07:46 206
Bajevo Polje 07:41 39
Damghan 07:35 192
Sanli Urfa 07:29 101
Bukhara 07:27 211
Blace 07:27 46
Shemri 06:56 43
Oqtosh 06:44 222

Unsere kürzesten Fahrzeiten (Zielort, Stunden, Tag):

Teheran 00:21 171

Kamriotissa 00:25 59
Teheran 00:42 161
Panjwin 00:44 121
Dolani 01:07 51
Beyramil 02:06 95
Kapikaya 02:26 77
Alexandroupoli 02:28 58
Murau 02:28 18

Unsere größten Tagesanstiege (Zielort, m, Tag):

Sarajevo 1664 35
Bajevo Polje 1404 39
Blace 1337 46
Rrape 1228 42
Shemri 1212 43
Subasi 1125 78
Sanli Urfa 1047 101
Sanandaj 983 126
Milhangazi 953 76
Kamyaran 941 127

Unsere geringsten Tagesanstiege (Zielort, m, Tag):

Teheran 0 161
Doroslovo 0 31
Repetek 0 209
Oqtosh 0 222
Bukhara 0 211
Hauz-Han 0 206
Mollanepes 0 207
Ata 2 205
Rabat i-Malik 5 221
Alexandroupoli 7 58

Unsere höchsten Etappen (Zielort, m NN, Tag):

Hamadan 2215 133
Mahabad 2188 153
Sanandaj 2160 126
Murcheh Khort 2109 142
Tureh 2069 136
Baqerabad 2052 152
Joka 1983 134
Kamyaran 1980 127
Damghan 1979 192
Langarud 1906 157

Unsere tiefsten Etappen (Zielort, m NN, Tag):

Alexandroupoli 3 58
Kamriotissa 10 59
Kamriotissa 10 60
Kamriotissa 10 61
Istanbul 29 67
Istanbul 29 68
Istanbul 29 69
Istanbul 29 70
Istanbul 29 71
Ipsala 57 62

Gesamttage: 224
Fahrtage: 141

Km/Tag: 42,91
Km/Fahrtag: 68,17

Gesamtanstieg 50.599 m

Anstieg/Tag: 225,89 m
Anstieg/Fahrtag: 358,86 m

Von 163 Tagen haben wir 19 auf dem Campingplatz, 63 „wild“, 1 Polizei, 2 in der Moschee, 10 1. Hilfe oder Feuerwehr, 3 in Tankstelle/Restaurant, also maximal 98 im Zelt, 18 privat und 106 in Hotels, Jugendherbergen oder Pensionen übernachtet.

Samstag, 12. März 2011

9.-12. Maerz, 221, 222, 223, 224

12. März, Loyish bis Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persisch ‏سمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“), 31,73km, 9746,9 Gesamtkm

Datum: 12.3.11

Tag: 224
TagesunterstützerIn:
von: Loyish m NN 299
nach: Samarqand m NN 713
km 31,73
Gesamt km 9644,0083
km/h: 12,3
Fahrzeit 02:34
gesamte Fahrzeit: 728:48:00
Anstieg in m pro h 38,57
Anstieg in m 99
Abfahrt in m: -315
höchster Punkt in m NN 713
Steigung/Gefälle -0,68

Wir schlafen so lange, bis wir die Familie im Raum neben uns hören. Es wird für uns ein Frühstück bereitet und nach dem Frühstück kommen noch weitere drei Herren und die „Mama“, so dass wir eine Weile beim Tee sitzen bleiben. Zuvor bekommt Gunda ein usbekisches Kopftuch geschenkt, diesmal ein kleines, was sie sehr gut gebrauchen kann. Zum Aufbruch gibt es ein Gruppenfoto





und dann hoppeln wir weiter in Richtung Samarqand (deutsch Samarkand[1]; usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Самарқанд, persisch ‏سمرقند‎ ; russisch Самарканд/Samarkand; sogdisch für „steinerne Stadt“). Zunächst ist es sehr bewölkt, aber ein Fönsturm, der von den südlichen Bergen kommt, fegt sie weg und es ist richtig heiß. Wir sehen die schneebedeckten Berge und schätzen, dass die Schneegrenze bei 1.500-1.800 m liegt.
Ein Offizier, der uns anhält, um zu fragen, ob wir Hilfe brauchen, sagt uns, dass es noch zehn Kilometer sind. Heute ist Sonntag und vom Kind bis zum Greis sind alle im LinkGemeinschaftsarbeitseinsatz. Es wird gefegt, umgegraben und die Wassergräben werden gereinigt.




Die Baumstämme werden geweißelt. Es sieht so aus, als wären ganze Schulklassen im Einsatz. Wir haben uns die ganze Zeit schon gewundert, wie ordentlich und sauber alles ist, was für ein Land mit so viel Wüste und so wenig Wasser eine Leistung ist, da ja ständig alles zustaubt. Nun sind alle Wege, auch die unbefestigten, wieder sauber.
Tatsächlich überqueren wir den großen Fluss, der für das Frühjahr wenig Wasser trägt, und sind bald im Stadtgebiet von Samarkand. Wasser erscheint uns ein großes Thema, nicht nur, dass die Felder geschwemmt werden, um vom Salz befreit zu werden, sondern auch, dass es in den Dörfern eine Pumpe oder Wasserleitung gibt, wo dann alle mit Eimern für „Trink“wasser anstehen. Viele nehmen das Wasser direkt aus den Bewässerungsgräben und das Bewässern von Feldern ist ein richtiger Akt. Dann stehen an die 20 Männer im Anzug im Feld und nehmen das Einlaufen des Wassers unter Augenschein. Beim Bauernhof heute gab es eine Pumpe, bei der das Leder erst feucht gemacht werden musste. Zum Händewaschen gibt es dann das Wasser aus dem Topf, das einem über die Hände gegossen wird. Sobald jemand vom Klo (der Latrine) kommt, ist jemand anders der „Wasserhahn“.
Von weitem sehen wir die Prachtbauten der Stadt und finden recht schnell unser Hotel, ein schönes und kleines Bed&Breakfast ganz in der Nähe der großen Medresen. Bei einem ersten Erkundigungsgang sind wir erstaunt, dass der Platz schon Eintritt kostet.




So schauen wir uns alles nur von der Ferne an, wir haben ja Zeit.






In einem Supermarkt kaufen wir ein und dann schlafen wir mehrere Stunden. Heute Nacht kommen Sigrid und Corinna aus Buchara an, da schlafen wir schon einmal vor. Zum Abend stehen zwei Jungs vor der Türe mit der ersten Blume, die anzeigt, dass es Frühling ist. Sie singen und möchten etwas haben, werden aber vom Hausherrn wieder rausgeschickt. Jetzt gibt es einen selbstgekochten Kaffee im schönen Innenhof des Hauses. Wir wissen inzwischen, dass der Schneider um die Ecke ist, ebenso das Internetcafé. So können wir unser Zeltproblem morgen angehen.

11. März, Oqtosh bis Loyish, 84,04km, 9715,2 Gesamtkm

Datum: 11.3.11

Tag: 223
TagesunterstützerIn:
von: Oqtosh m NN 261
nach: Loyish m NN 299
km 84,04
Gesamt km 9612,2783
km/h: 12,8
Fahrzeit 06:31
gesamte Fahrzeit: 726:14:00
Anstieg in m pro h 17,19
Anstieg in m 112
Abfahrt in m: 74
höchster Punkt in m NN 308
Steigung/Gefälle 0,22


Ein anstrengender Tag ist gut zu Ende gegangen. Zunächst hat gestern Abend der vordere Außenreißverschluss endgültig den Geist aufgegeben. (Zur Erinnerung: Bereits in Sarajewo Klettverschlüsse annähen lassen, doch dann tat´s der Reißverschluss doch noch nach einer Reparatur mit der Zange.) Nach einigen Diskussionen haben wir uns dann heute Morgen darauf geeinigt, in Samarkand einen neuen Reißverschluss (einen der guten alten russischen, nicht der neuen chinensischen) auf den alten innen nähen zu lassen. Dann ist einer der guten, großen Heringe gestern in der Wüste geblieben.





Dann ist heute Samstag und damit ist ab 10:00 Wodka-Fahren angesagt. Die Straße ist zudem super schlecht,




so dass wir zum Mittagessen erschöpft mit gerade einmal 40km einkehren. (Gestern und vorgestern hatten wir jeweils schon 50 km zum Mittagessen geschafft.) Das Essen ist gut, neben uns schnupfen die LKW-Fahrer irgendetwas unter dem Tisch, am anderen Tisch wird eine Flasche Wodka geleert und wir müssen nun mit diesen Genossen weiterfahren. Am Nachmittag schmeißt ein Bauarbeiter eine leere Flasche nach uns, kurz darauf rennen uns Kinder hinterher. Ein wenig fühlen wir uns an Ostanatolien erinnert. Wir fahren tapfer weiter. Sobald wir halten, können wir sicher sein, dass irgendjemand von irgendwoher auftaucht und uns anquatscht. Viele sitzen auch einfach so auf der Leitplanke des Mittelstreifens herum.




Als es dunkel wird, finden wir keinen Ort zum Zelten und fragen bei einem Bauernhaus, das sehr schön aussieht. Dort ist es gar keine Frage, wir werden sofort hineingebeten. Es gibt Brot und Tee, dann Kompott, dann Suppe und Tee und Wodka. (Nach dem Wodka trinkt man immer Erdbeerlimo, um den Geschmack sofort wieder loszusein.) Unsere Gastgeber trinken nicht, der Wodka ist also eine Höflichkeit gegenüber uns Gästen.




Sehr angenehm, auch nüchterne Usbeken noch am Abend zu erleben. Auf der Straße begegnen uns doch zu 90% alkoholisierte… Es ist eine große Familie und ein wirklich schöner Abend.






Wir dürfen im großen Zimmer vor der Karibik-Wand schlafen. Auf diese Weise kommen wir in den Genuss, bei einer usbekischen Familie einzukehren und ein wenig eine andere Seite in diesem Land kennen zu lernen, dass wieder einmal nur von der Straße aus nervig ist.


11. März 2011 15:37



10. März, Rabat-i-Malik bis Oqtosh, 92,25km, 9631,1 Gesamtkm

Datum: 10.3.11
Tag: 222
TagesunterstützerIn: Sabine Werner
von: Rabat i-Malik m NN 263
nach: Oqtosh m NN 261
km 92,25
Gesamt km 9528,2383
km/h: 13,7
Fahrzeit 06:44
gesamte Fahrzeit: 719:43:00
Anstieg in m pro h 0,00
Anstieg in m 0
Abfahrt in m: 2
höchster Punkt in m NN 263
Steigung/Gefälle 0,00

Was ist das schön, wenn die Nacht warm ist und am Morgen nichts gefroren ist! Unter diesen Umständen haben wir schon eine Weile nicht mehr gezeltet und haben vor allem nicht im T-Shirt gefrühstückt oder das Zelt abgebaut.




Der Morgen ist zwar bewölkt, aber warm. Wir fahren zunächst noch mit Seitenwind los und verlassen recht bald die Wüste wieder. Vorher kommen wir an einem koreanisch-usbkekischen Flughafen vorbei, wo die Jumbos landen, die wir am Abend schon gesehen haben. Der Flughafen ist genau in der Mitte auf dem Weg von Korea nach Europa, so dass dort die Frachtflugzeuge auftanken.
Wir sind wieder inmitten intensiv genutzter Landwirtschaft. Viele der Felder stehen unter Wasser, andere sind schon ganz grün, die nächsten werden für die Flutung vorbereitet. Auch vor den Höfen sind die Felder häufig geflutet.





Die Straße ist mal gut, mal mäßig und der Wind wird bald zum Gegenwind. Es ist Freitag und viele scheinen frei zu haben oder haben das immer. Es ist für uns mitunter ziemlich anstrengend, weil das Radfahren hier Alltag ist (was ja grundsätzlich gut ist), wir aber dauernd Männer um uns haben, die mit uns fahren (links oder rechts von uns und dann kilometerweit die Position halten) und je nachdem, wie viel Wodka vorher schon geflossen ist, in ihrer Kommunikation und Koordination etwas individuell sind. Überhaupt ist der Wodka eine Komponente, die uns echt zu schaffen macht, sei es im Straßenverkehr, sei es beim Mittagessen. Zum Nachmittag hin wird es in der Regel wirklich anstrengend und so suchen wir auch heute vor Sonnenuntergang einen Ort, wo wir ungesehen unser Zelt aufbauen. Das ist nicht leicht, denn auch heute geht ein Dorf in das nächste über und dazwischen ist jeder Fleck gepflügt und steht in der Gefahr, geflutet zu werden. So sind wir nun auf zwischen zwei Felder auf dem Damm neben einen Bewässerungsgraben, der noch nicht vorbereitet ist.




Die Gegend selbst ist wegen der vielen, sehr schönen Bauernhäuser wirklich schön und seitdem wir im Bezirk Samarkand sind, häufen sich die Lehmhäuser in traditioneller Lebensweise. Wasser ist hier ein echtes Thema, zum Abend steht Wolfgang mit den Kindern des Dorfes an einem Schlauch, der aus der Erde kommt und ein wenig Wasser gibt, um Wasser für den Abend zu holen. Die Einheimischen verwenden es offensichtlich als Trinkwasser, wir als Wasch-, Abwasch- und Kochwasser. Immer wieder sehen wir Männer und Frauen, die mit Wassereimern unterwegs sind. Trinkwasser kaufen wir hier nur in Flaschen, leider gibt es in der Regel nur zwei von zwei Multinationalen Unternehmen, die wir ansonsten boykottieren. Hier sind sie voll verankert und uns bleibt nichts anderes übrig, als es zu kaufen.
Das Barometer fällt und fällt und irgendwann am Nachmittag ist das Symbol dann auch auf Regen umgesprungen. Wir hoffen, dass wir heute Nacht davon verschont bleiben, denn wirklich regensicher ist unsere Unterkunft nicht. Dafür gibt es Bäume (noch ganz ohne Blätter) und es ist immer noch richtig warm!

9. März, Buxoro (Aussprache: [ˌbuxɒˈrɒ]), im deutschen Sprachraum meist als Buchara bezeichnet, (usbekisch-kyrillisch und tadschikisch Бухоро; russisch Бухара; persisch ‏بُخارا‎, DMG Buḫārā) bis Rabat-i-Malik, 81,87km, 9538,9 Gesamtkm

Datum: 9.3.11
Tag: 221
TagesunterstützerIn: Patricia Hoffmann
von: Buchara m NN 225
nach: Rabat i-Malik m NN 263
km 81,87
Gesamt km 9435,9883
km/h: 13,5
Fahrzeit 06:04
gesamte Fahrzeit: 712:59:00
Anstieg in m pro h 0,82
Anstieg in m 5
Abfahrt in m: -33
höchster Punkt in m NN 263
Steigung/Gefälle -0,03

Nach einem guten Frühstück verabschieden wir uns von Abdul und seiner Familie und suchen den Weg aus Buchara heraus. Es gibt keinerlei Ausschilderung, aber der Weg ist auch klar. Wir fahren auf der „Autobahn“, eine russische Betonplatten-Straße mit einer Ahnung von Asphalt, die ihre besseren Tage auch vor einiger Zeit hatte. So hoppeln wir durch ein langes Straßendorf, das immer wieder seine Namen ändert und dessen Bewohner schreien und hupen, wenn sie uns sehen. Eine Familie möchte uns zum Tee einladen, aber da wollen wir noch weiter vor dem Mittagessen. Das Hupen ist an einem ersten Tag nach einer Pause immer wieder anstrengend. Zweimal werden wir von der Polizei angehalten, die aber uns aber gleich wieder weiterfahren lassen. Sie wollen die Pässe nicht sehen, halten uns eher aus Neugierde an und machen smalltalk. Zum Mittagessen kehren wir ein, sind wieder die einzigen ohne Wodka am Tisch. Es ist so warm, dass wir draußen im Schatten essen können. Wir genießen die Wärme, auch wenn das Barometer ab dem Mittagessen fällt und fällt und fällt.




Wir können die Pausen in der Sonne machen und im T-Shirt fahren. Unvorstellbar nach der Tortur in Turkmenistan.




Nach 70 km kommen wir in die nächste Provinz und uns begrüßt Asphalt. Was für ein Fahren! Auch wenn die Qualität ein wenig nachlässt nach den ersten Kilometern, ist es eine Wohltat für uns. Wir entscheiden nach 80km, dass es für heute gut ist. Der Himmel ist inzwischen total bewölkt und wir bauen regensicher das Zelt auf. Wir sind im Übrigen wieder in der Wüste. Voraussichtlich unsere letzte Wüstenübernachtung vor der Taklamakan in China, dazwischen kommen jetzt die Berge. Noch eine Stunde vor Sonnenuntergang sind es noch 20 Grad. Wir sitzen im Zelt und das Zelt ist offen und die Hände warm und gewaschen, welch ein Luxus.