Donnerstag, 3. Februar 2011

3. Februar, Teheran, 187

14 Bahman 1389 
 
Im Augenblick überlappen sich die Blogs… nach der Verabschiedung von den beiden 


in der Hoffnung, dass wir sie in Dushanbe wieder treffen und vielleicht sogar einen Teil gemeinsam fahren können, machen wir uns noch auf die Suche nach den Informationen für die Rückfahrt! Das ist zwar total absurd noch nicht einmal vorm Bergfest, aber unsere Vermutung stimmt: die Rückfahrt fordert ne Menge Koordination. Das fängt damit an, dass wir nicht wieder vier Wochen auf russische und weitere Visa warten wollen, dass wir Sigrid je einen Pass mitgeben können. Dann entdecken wir, dass dafür das tadjikische Visum von Gunda von einem Pass in den anderen verschoben werden muss. 


Zwischenzeitlich steigt das Fieber selbst am Morgen und es ist klar, dass Wolfgang alleine losziehen muss. Mit einem für alle Fälle unterschriebenen Visumsantrag macht er sich auf den Weg in den Norden, dort ist Schneegestöber. Es gibt einen neuen Botschafter und daher dauert das ein wenig, aber wenn ein Konsulat die Veränderung macht, dann die Tadjiken!
Wolfgang muß erst einmal erklären, warum wir jeweils zwei Pässe haben. (In Wirklichkeit haben wir ja jeweils drei, aber davon sagt er lieber nichts…) Unser netter Bearbeiter am Schalter will den Konsul fragen und Wolfgang soll warten. Inzwischen wird das Schneegestöber immer heftiger und der Schnee weht fast waagrecht unter das schmale Vordach. (Die grünen Stühle sind inzwischen abmontiert.) Handwerker verlegen inzwischen im Visabüro eine neue Wasserleitung, wie durch die kleine Durchreiche zu sehen ist. Der Bearbeiter meint, es wäre ein ganz schlechter Tag, Wolfgang solle am Sonntag wiederkommen. Wolfgang macht schnell klar, daß am Freitag Abreise mit dem Fahrrad sein soll und so dauert es dann nicht mehr allzu lange, bis die Visa in den jeweils anderen Pass übertragen sind. Der Bearbeiter will keine Gebühr dafür und wünscht „good luck“. Dem Visum für Russland und Weissrussland steht somit nichts mehr im Wege.
Es klappt alles. Zwischenzeitlich hat Reza einen Topf Suppe, Orangen und Zitronen samt Presse ins Hotel geschickt so kann Gunda sich mit Vitaminen dopen.
Anschließend geht es ans Packen und an die Frage, wie das alles 


in zwei Taschen soll? 


Aber es klappt und so werden wir morgen tatsächlich تهران verlassen, ein Ort der uns mit so vielen wunderbaren Menschen verbindet.

Montag, 31. Januar 2011

29. Januar-2. Februar 182, 183, 184, 185, 186


Das Fieber ist besser, aber der Virus immer noch da, so dass wir die Abreise auf Freitag verschieben. Das gibt Gunda zwei Gesundwerd-Tage und außerdem genügend Zeit zum Packen. Nun haben wir so lange auf den Tag X gewartet um loszukönnen und haben vieles immer wieder verschoben. Jetzt heißt es Räder fit kriegen, alle die Plörren wieder einpacken, gucken, was fehlt etc. Um 12:00 kommt ein Anruf, dass Rieke und Thorsten da ist, das ist eine schöne Überraschung. Die beiden starten gerade mit ihrer Visumstour bei der Deutschen Botschaft. Sie müssen noch einmal zurück und danach werden wir die Reisreste mit ein wenig Salat verschönern und gemeinsam speisen.

Uebrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Cankaya!


Gestern Abend gab es noch eine freudige Überraschung: Reza stand vor der Türe und hat uns zum Essen eingeladen. Wir sind wieder in dem Restaurant, in dem wir schon einmal waren, diesmal ist es ruhig da es kein Freitag ist. Wir genießen den Abend mit Reza und freuen uns sehr, dass er trotz enormen Arbeitsstresses sich die Zeit nimmt. Auch von ihm fällt uns der Abschied nicht leicht.
Wir schaffen es, in die U-Bahn mit unserem üblichen Trick zu kommen und sind pünktlich bei den Turkmenen. Dort ist bereits die übliche Ansammlung der Visa-Beschaffungsmenschen. Für uns ist ein Fax da und wir füllen das Formular aus. Anschließend heißt es: „You wait ten minutes!“. Wir tun das gerne und haben tatsächlich zehn Minuten später unser Visum in der LinkHand – sechs Kalendertage. Wir laufen weiter und treffen Rieke und Thorsten zum Mittagessen
im Norden der Stadt, 


inzwischen ein Stadtzentrum für sich mit einem Basar und einem riesigen Busbahnhof. 


Anschließend fahren wir zurück und da Gunda Fieber hat, bleiben wir den restlichen Nachmittag und Abend im Hotel. 

11 Bahman 1389 

Wir rufen mit Hilfe unsere Hotelmenschen um 9:30 bei den Turkmenen an. Es ist nichts da, wir sollen nachmittags wieder anrufen. Gunda liegt mit einer heftigen Erkältung flach und Wolfgang vertreibt sich die Zeit, in dem er zum Frisör geht und Mittagessen besorgt: ein großer Reisball mit Suppe, Gunda verträgt es sehr gut, Wolfgang bekommt Durchfall. Um 15:00 sind die Turkmenen beim Mittagessen. Um 15.30 sind sie wieder da und siehe da: das Visum ist fertig und morgen um 9:00 (sprich 9:30) abholbar.
Gunda liegt immer noch mit erhöhter Temperatur im Bett und leert eine Packung Tissues nach der anderen und Wolfgang sortiert seine Taschen. Draußen werden wie immer Reifen montiert. 


Heute regnet es leicht. Wir rufen bei den Turkmenen an und sind froh, dass unser Hotelmensch für uns übersetzt. Es stellt sich heraus, dass in Turkmenistan Wochenende ist (wir haben das schon ganz vergessen) und frühestens Montag irgendwas geschieht. Wir machen uns auf dem Weg nach Norden, unterbrochen durch das Kaufen von Kaffee, 


um dort in den Gottesdienst zu gehen. Vorher haben wir noch die Qual der Wahl zwischen gleich zwei Kaffees, 


aber ein Blick auf die im Fenster hängenden 


Schilder macht die Auswahl leicht 


– auch ohne Computer.
An eine der U-Bahn-Stationen ist eine Dependance der Nuntiatur. Die Tür ist offen, kein Polizist vor der Türe, so gehen wir auf das Gelände. Es ist groß, beherbergt aber nur wenige Gebäude: die Kirche mit Nebengebäuden, ein großer Stall für zwei Hasen und ein Gebäude, das aussieht wie die Umkleide für das Fußballfeld.
Der Gottesdienst ist in englischer Sprache und soll um 1830 beginnen, kurz vor halb kommt der Priester und zündet die Kerzen an. Bis zum Ende des Gottesdienstes sind es ungefähr 20 Menschen, die in der Kirche sind, eine bunte Mischung aus Nationalitäten.

9 Bahman 1389 

中華人民共和國 / 中华人民共和国 ist einfach zu groß! Wir sitzen über den China-Karten und den Statistiken anderer Reisender und stellen fest: wir schaffen es nicht mit dem Rad bis zur Ostküste zu fahren, wenn wir auch nach ལྷ་ས་ wollen. Da wir das ja gerne mit Alex möchten ist unsere Planung nun bis Lanzhou konkret und dann müssen wir sehen. Überhaupt ist dann alles ein großes Fragezeichen. Aber wir finden: eine Planung bis 兰州市 mit dem Fragezeichen Pamir im April ist eigentlich schon ziemlich gut. Da wir den Turkmenen und ihrer Express-Visums-Bearbeitung vertrauen, kaufen wir noch ein für die Weiterfahrt. 

Samstag, 29. Januar 2011

28. Januar, 181

8 Bahman 1389 
 
Noch am Morgen lachen wir über unseren Abend im Armenian Club. Wir sind gestern wacker wieder ca 45 Minuten hingelaufen, wurden von demselben Herrn vor der Türe freudig begrüßt und sind mit vielen anderen dann in das Restaurant gegangen. Über den Verbleib all der anderen, die mit großen Schachteln voll mit Süßigkeiten mit uns die Treppen hochgegangen sind, können wir leider nichts sagen. Das Restaurant selbst ist wie ein Caféhaus in Wien, etwas schnulzige Live-Musik, die Herren im Schlips, die Damen elegant und ohne Kopftuch, das Durchschnittsalter zwischen 70-90. Wir bekommen das Menu und hatten uns ja sehr auf ein echtes Bier gefreut, nachdem alle Internetressourcen, die wir vorher konsultiert hatten, bestätigt haben: ja, da gibt es Alkohol. Den gibt es zweifelslos, eben nur nicht von der Karte. Nun sitzen wir also da mit unserem 0,0% Bavaria Bier und bleiben dann doch da, obwohl das Essen deutlich über unserem Budget ist. Dafür ist es gut. Es sind nur wenige Tische besetzt. Der Tisch in unserer Nähe, eine Familie mit einer Tochter, fällt uns ins Auge. Auch wir haben Whiskygläser auf dem Tisch, in die wir unser „Bier“ schütten. Alle anderen Tische haben schon Cola-Flaschen. Und Eiskübel. Nun packt der Herr einen kleinen Tetrapack aus und schüttet seinen Inhalt ins Glas, darauf kommt Cola. Wir sind amüsiert. Es kommt eine große Gesellschaft an den Tisch neben uns, aus den Tüten werden eine Flasche Wodka und eine Flasche Whisky geholt und ähnliches wiederholt sich an den sich füllenden Tischen. An einem Tisch mixt ein Herr um 70 genüsslich für sich und seine Frau Cocktails, andere haben ihren Alkohol in Wasserflaschen dabei. Er muss anscheinend irgendwie unkenntlich sein, also werden Servietten drüber gelegt oder er wird in Wasserkaraffen umgeschüttet. Wir befinden uns in einem der zweifelsohne besten Restaurants Teherans und die älteren Herrschaften haben ein Trinkverhalten wie wir es sonst von Jugendlichen kennen! Da geht es nicht um Genuss! Noch hoffen wir eine ganz Weile, dass sich jemand unser und unseres 0,0% Bieres erbarmt aber mit den inzwischen zwei Kindern sind wir wohl die einzigen, die ebenso nüchtern wieder gehen wie sie gekommen sind. Immerhin ist essen ohne Kopftuch und Mantel auch mal wieder schön und wirkt so normal. Draußen auf der Straße begrüßt uns derselbe Herr wieder freudig und fragt, ob es denn gut war. Wir bejahen und laufen wieder zurück.
Heute sind wir bei unserer Radfahrfamilie eingeladen 


und werden um 12.00 Uhr abgeholt Shanaz hat den ganzen Morgen gekocht 


und wir werden mit Köstlichkeiten verwöhnt. Besonders dass es „Fesenjun“ 


gibt, ehrt uns sehr. Ein Teil der Familie ist da und wir schlemmen und quatschen. 


Ein wenig haben wir uns in Farsi hineingehört und viele können Englisch oder eine Cousine Deutsch. Nach dem Essen wird gespielt


es gibt Tee und Süßigkeiten 

.

Wir werden hier so verwöhnt, dass nicht nur unsere Räder rollen werden, wir werden das auch tun! 




Nach einem großen Obstteller verabschieden wir uns schweren Herzens von der Familie 


haben tatsächlich in der Wäsche zwei Socken vergessen, die uns dann nachgebracht werden. Ein Teil von uns möchte wohl da bleiben!
Wir kommen im Hotel an und dort wartet eine Überraschung auf uns: Reza ist da mit einem Karton voller Köstlichkeiten. Wir trinken Tee und Kaffee (um den wir von einer Gruppe norwegischer junger Frauen sehr beneidet werden) und reden. Mit Reza Zeit zu verbringen ist jedesmal inspirierend und schön und wir freuen uns sehr, dass er spontan vorbei gekommen ist. Am Abend fallen wir müde und glücklich in unser verkabeltes Bett – überall hängt Wäsche!

Übrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Sincan.

Donnerstag, 27. Januar 2011

26. und 27. Jan, Teheran, 179, 180

7 Bahman 1389 
 
Heute haben wir zum ersten mal Frühlingsluft; nachdem gestern am späten Nachmittag Wind aufkam und ein paar Regentropfen fielen, ist die milde Luft des Frühlings zu riechen. Die Tageslänge hat auch schon um 18 Minuten zugelegt, schließlich sieht unsere ursprüngliche Reiseplanung vor, unser Winterquartier Teheran am 1. Februar zu verlassen. Wenn alles klappt (Visum Turkmenistan), könnte das auch so hinkommen. Iran ist für uns Alltag geworden und die Gedanken gehen längst in Richtung Zentralasien, wo bis Samarkand Wüsten zu durchqueren sind und dann langsam der Aufstieg auf das Dach der Welt beginnt. Seit Mazedonien spätestens sind wir immer mit kahlen, abgeernteten Landschaften konfrontiert, dass wir uns umso mehr freuen auf das erste Grün und Blühen, aber noch ist es nicht soweit. Vermutlich werden wir auf unserem Weg immer an der Grenze des Frühlingsanfangs bleiben, die mit uns ja hochwandern wird. www.wetter.de sagt für diese Woche Westwind voraus, und wir hoffen natürlich, dass das so bleiben wird. Unser Abstecher nach Süden nach Esfahan und zurück nordwärts nach Teheran ist schließlich zu Ende und es geht weiter strikt nach Osten. In Termez werden wir übrigens am zweiten Bundeswehreinsatzort unserer Reise vorbeikommen – nach Prizren.
Wir machen uns auf den Weg zum Center of Photography, leider ist es geschlossen und wir können keinen Hinweis lesen, wann es geöffnet ist, dabei wäre die gerade laufende Ausstellung besonders interessant: über Ashura in Istanbul. Wir wandern weiter, gehen inzwischen wie selbstverständlich durch den Wahnsinn von Verkehr, wissend, dass Fußgänger in der Regel in das Einfädeln im Stau einfach einbezogen werden und suchen den Armenian Club, ein Café-Restaurant, in dem Frauen ohne Kopftuch sitzen dürfen. Es ist ein edler Ort, aber erst am Abend geöffnet. Wir werden wiederkommen. 


Gunda hat heute morgen ihre Stimme verloren, vermutlich eine Auswirkung des Smogs hier in Teheran. Also fährt Wolfgang alleine los, noch vor dem Hotelfrühstück, das es ab 7 Uhr gäbe. Der Weg ist bekannt: Fußweg durch die noch menschenleeren Gassen (die Händler sind noch nicht da, kommen mit ihren Mopeds wohl alle von außerhalb), U-Bahn Linie 2, dann mit der 1 eine Station in die andere Richtung, dort dann in die richtige Richtung umsteigen und so einen Platz im Zug ergattern, Umsteigen in den Bus, Fußweg zur kirgisischen Botschaft, (Ankunft 8:30), um punkt 9:00 klingeln (please wait, the consul is not there yet), um 9:15 wieder klingeln (you must wait for the consul), Fußweg zur usbekischen Botschaft (Ankunft 9:30), vor der Tür Eintrag in eine Warteliste (ca. Platz 14 oder 15), nachdem sich eine halbe Stunde nichts tut, Fußweg zu den Kirgiesen (come in, sit down and wait), ich bin aber der einzige Besucher und nachdem sich nach 15 Minuten noch nichts tut, frage ich, ob ich in einer Stunde wiederkommen solle. Aber: Please wait!, Geräusche eines Kopierers und eines Tackers und nach 5 Minuten bekomme ich beide Pässe mit den kirgisischen Visa ausgehändigt. Fußweg zu den Usbeken, von der Warteliste sind die ersten 5 gestrichen, also noch ca. 7 vor mir. Über die Türsprechanlage melde ich mich rotzdem. Sorry, I´m still waiting to pick up our Visa. – Antwort: Please come in, Sir! – Die Visa werden vor meinen Augen sorgfältigst erstellt, 


die Exressgebühr kassiert und man wünscht mir eine gurte Reise. 30 min. Fußweg zur Turkmenischen Botschaft (Ankunft 12:04), ein Schild sagt: open from 9 – 11. Es wird trotzdem geöffnet, man will die usbekischen Visa sehen. Ich brauche nur eine Kopie der Pässe und der Visa – also 15 min Fußweg zum Copyshop – zurück 15 min. – es ist gleich 13 Uhr und erstaunlicherweise immer noch jemand da bei den Turkmenen. Ich könne nach vier oder fünf Tagen wiederkommen – gegen Expressgebühr, versteht sich. Übrigens wäre ein Transitvisum immer 5 Tage, egal, welches Fahrzeug. Mir bleibt noch „bicycle“ zu rufen, 30 min. Fußweg zur U-Bahn, 30 min. in der U-Bahn, um 14:02 komme ich fast pünktlich am Treffpunkt Haltestelle „Bazar“ an.
Dort treffen wir unsere Radfahrfamilie, die uns den Basar zeigen. 


Wir sind insgesamt über drei Stunden unterwegs, 


verlieren uns einmal, finden uns mit vielem Fragen wieder im Geschäft des Vaters. Dort gibt es erstmal einen Tee und köstliche Süßigkeiten 


bevor wir mit weiterem Fragen den Nüssebasar finden. 


Noem schämt sich ein wenig, dass wir Nüsse fotografieren 


und bei Rückfrage, ob das jetzt sehr komisch aussehe, dass wir die Nüsse fotografieren, wird er ein wenig rot und sagt ja, seine Mutter aber verneint das deutlich. Wir erfahren, dass nur die ganz alten sich im gesamten Basar auskennen. Er ist riesig, ein Alltagsgeschäft, in dem alles mit Geschwindigkeit geht. Das Laufen, Gucken, Verkaufen, das Schieben der Waren ebenso wie das Moped-Fahren. 


Alles ist schnell. Wir sind mehr als erstaunt, dass Männer Frauenunterwäsche verkaufen! Der Basar ist jeweils in Themen geordnet, so dass alle immer nach einem bestimmten Typ von Basar fragen. Mitten drin ist eine riesige Moschee wo wir kurz halten. 


Nach über drei Stunden sind wir gut erschöpft, unsere Gastgeber auch!

Mittwoch, 26. Januar 2011

Visum Turkmenistan


Normales Transitvisum über zwei Wochen Bearbeitungszeit.

Wir beantragen das Express-Transitvisum in der turkmenischen Botschaft in Teheran. (55 US $, weitere 13 $ dann bei Einreise)
notwendig:
2 x Kopie der Hauptseite des Passes
Kopie des Usbekischen Visums
1 Passfoto

Bearbeitungszeit: 4 - 5 Tage (Pass wird nicht einbehalten!)

Transitdauer: unabhängig vom Verkehrsmittel immer 6 Tage (wird datumsgenau eingetragen!)

Weitere Tips für NachahmerInnen hier.

Dienstag, 25. Januar 2011

24.-25. Januar, Teheran, 177, 178

5 Bahman 1389 
 
Ein weiterer Tag in Teheran. Heute ist es bewölkt und der Abschluss des Trauermonats der Schiiten. Viele Geschäfte haben zu, nur unser Reifenhändler nicht. 


Das Geräusch des Reifenwechselns, Waschens, Aufpumpens ist heute gemischt mit den Hossein-Gesängen. Mittags suchen wir etwas essbares und gehen durch die Straßen, die zu 80% aus geschlossenen Läden bestehen und beinahe beschaulich sind. Wir finden ein Kellerrestaurant und bekommen einen leckeren Eintopf für realistisches Geld. Den Tag verbringen wir mit Internetrecherchen zu unserer Strecke und rechnen den Worst-Case aus: dass wir nur 16 Tage haben für die Fahrt zur turkmenischen Grenze. Dass wir unsere gesamten Pausentage an einem Stück nehmen, hätten wir nicht gedacht, aber wir lesen von anderen, die auch vier Wochen in Teheran auf die „Stan-Visa“ warten, manche haben sie dann sogar in Deutschland besorgen lassen…. Das wäre dann das nächste Szenario. Aber noch hoffen wir, dass der Konsul morgen wieder aufgetaucht ist und unser Visum auch und die Turkmenen vielleicht doch nur fünf Tage brauchen. Andererseits ist ja auch bald schon wieder Wochenende und man weiß es nicht so genau. Ein wenig ist es zum Mäuse-Melken!
Wir sind froh, dass wir umgezogen sind und so wenigstens einen Internetzugang haben und außerdem in einem Hotel mit netterer Atmosphäre und für weniger Geld wohnen. Wenn wir das mit den vier Wochen geahnt hätten, dann hätte sich über Couch-Surfing auch eine Wohnung gelohnt, aber damit haben wir nicht gerechnet. Zum Glück finden wir Teheran gar nicht so schlimm, auch wenn wir regelmäßig gefragt werden, ob wir nicht lieber für ein paar Tage woanders hinfahren möchten. Wir genießen die Zeit, die wir mit Iranern verbringen können, haben viel Möglichkeiten, die Stadt zu erlaufen, die Museen anzuschauen, die Wandbilder zu studieren, Streckenbeschreibungen zu finden und nachzudenken und letztlich auch: zu erholen. Dennoch wäre es schön, es ginge bald weiter!

Uebrigens: Vor 100 Tagen waren wir in Subasi!


Uns stehen wiederum Tage des Wartens vor der Türe. Unser Teheran-Besichtigungsprogramm können wir dementsprechend langsam gestalten. Vorher lesen wir in der Tageszeitung von den Atomgesprächen in Istanbul und Demonstrationen in Berlin. Gunda liest Krimis, Wolfgang "fachbezogene" Literatur: Neben einem Artikel ueber Zentralasien finden wir im Buecherregal unseres Hotels "Nach der Globalisierung: Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert", eine gute Lektuere fuer die Winterpause. Als Kontrast gabs in der Deutschen Botschaft "Tatsachen ueber Deutschland". Zeit auch, deutschen Medien Zwischenberichte zu liefern... Gunda veroeffentlicht im Pastoralblatt.
Heute steht der کاخ گلستان auf dem Programm. 


Wir müssen uns entscheiden, welche Museen wir uns anschauen, da für jedes einzeln ein Eintritt gezahlt werden muss. Wir entscheiden uns für die Gemäldegalerie und das ethnologische Museum. Das Gelände selbst ist frei zugänglich und wirklich wunderschön. 


Einen Teil der Gebäude haben wir bereits abends beleuchtet gesehen. 


Die Straße vor dem Palast ist zugleich der Haupteingang zum Basar und für Autos und Mofas (theoretisch) gesperrt. Es ist für Teheraner Verhältnisse still, eine relative Stille sozusagen (mit einem Gruß an Frank, Andreas und Gabriela!). Die Gemäldegalerie ist leider von der Beleuchtung her in einem miserablen Zustand, bei manchen Bildern sind die Strahler ausgebrannt so dass sie im Dunkel sind, bei anderen so gestellt, dass der Rahmen ganz viel Schatten auf das Bild wirft. Dennoch eröffnen die Bilder einen Eindruck in das 19. Jahrhundert, sowohl die religiösen als auch „weltlichen“ Herrscher sind dargestellt. Auf dem Weg zum ethnologischen Museum wird Gunda von einer Mädchenklasse regelrecht erobert, eh sie sich versieht ist sie umringt und umarmt und lauter junge Frauen die sich freuen ohne Ende ein Foto mit ihr machen zu können. Gerade die (jungen) Frauen im Iran sind immer wieder bezaubernd. Das ethnologische Museum besteht vor allem aus Wachsfiguren, die das tägliche Leben vergangener Jahrhunderte darstellen ebenso wie aus Exponaten des täglichen Lebens. Es ist neu renoviert und daher vom Licht her besser gestaltet, insgesamt merken wir aber, wie verwöhnt wir durch exzellente Museen sind.
Anschließend wandern wir zum Bahnhof nach Süden und entdecken die Straßen, durch die wir an unserem ersten Tag in Teheran geirrt sind, wieder. Wir sehen jetzt erst, dass wir direkt am Basar waren und das einfach nicht realisiert haben. Der Bahnhof ist elegant, groß und sehr modern. Leider (für Wolfgang) gibt es nur mit einer Fahrkarte einen Zugang zum Bahnsteig, so dass wir nur aus dem Fenster schauen können. Wir fahren mit der U-Bahn zurück und treffen am Abend Shanaz und Noeem, unsere Radfahrfamilie, die uns am Mittwoch den Basar zeigen werden und uns für Freitag eingeladen haben.
weiter im Iran