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Heute vor einem JAhr gibt es ein erstes Verkehrszeichenn für Schneeketten. Und es ist Nagasaki-Gedenktag. Vor dem 11. März 2011 wurde noch strikt getrennt. In den
Friedenserklärungen von Hiroshima und Nagasaki wurde ein Verzicht auf
Atomwaffen gefordert, aber die friedliche Nutzung der Kernenergie
unterstützt. 2011 sah das erstmals anders aus, wie
Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue erklärt. "Ich habe mich gefragt,
was für eine Art von Botschaft ich in dem Jahr nach der Atomkatastrophe
von Fukushima übermitteln soll. Es ist das erste Mal, dass wir nicht nur
aufrufen, Atomwaffen zu beseitigen, sondern auch einen Wechsel fordern,
von der Atomenergie zu alternativen Energiequellen."
Heute finden wir einen guten
Artikel über Tadschikistan:
Unruhen in Tadschikistan

Das Gespenst des Bürgerkriegs
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wütete im
tadschikischen Teil des Pamirgebirges ein blutiger ethnischer Konflikt.
Seit dem Friedensvertrag von 1997 schienen die Auseinandersetzungen
beendet. Doch die jüngsten Gefechte an der Grenze zu Afghanistan deuten
auf ein Wiederaufflammen des Bürgerkriegs. Hintergründe von Marcus
Bensmann
Am 24. Juli brach in Charog in der tadschikischen Provinz
Berg-Badachschan die Hölle aus. Mitten in der Hochgebirgsstadt unweit
der afghanischen Grenze griffen im Morgengrauen über 2000 Soldaten in
Wohnbezirken die Heimstätten von fünf Bandenchefs an, die als
inoffizielle Autoritäten den Rubin- und Opiumschmuggel in der
Gebirgsprovinz kontrollieren.
Die schweren Gefechte gingen über
einen Tag lang und auch nach Regierungsangaben war der Blutzoll hoch.
Neben 30 Kämpfern wurden 17 Angehörige der tadschikischen
Sicherheitskräfte und ein Zivilist getötet, aber unabhängige Quellen
sprechen von einer weit größeren Opferzahl. Unter den nach den Gefechten
von den Regierungsgruppen gemachten Gefangenen waren auch afghanische
Kämpfer.
Seither hat sich die Lage wieder beruhigt, die Regierung
kontrolliert die Stadt und den Großteil der unwegsamen Provinz und
führt mit den in die Berge geflüchteten Bandenchefs
Waffenstillstandsverhandlungen, in denen die Pamirpaten sich bereit
zeigten, einer vollständigen Entwaffnung zuzustimmen. Bisher sind nach
offiziellen Angaben 500 einzelne Schusswaffen abgegeben worden. Auch
gibt es wieder Telefon- und Internetverbindungen in die Region.
Die
Julikämpfe am Dach der Welt - allein aus dem tadschikischen Teil des
Pamirs ragen drei Siebentausender in den Himmel, ihre Gletscher
bedeckten Höhen bilden den Wasserspeicher für die zentralasiatische
Ebene - lenkte für eine kurze Zeit den internationalen Blick auf die
komplizierte Gemengelage von Religionen, Bandenchefs, und den
verzweifelten Versuch der tadschikischen Staatsmacht im
Hochgebirgskorridor zwischen China, Afghanistan, Pakistan und Indien die
Kontrolle zu behalten. Die Vorgänge werden von den USA und Europa mit
Sorge betrachtet, denn durch das Land führt ein Seitenstrang der
Nordversorgungsroute der NATO für den Afghanistankrieg, über die 2013
ein Teil des Rückzuges laufen soll.
Die Geister der Vergangenheit
Der
staatliche Angriff weckte aber vor allem die Gespenster des
Bürgerkriegs, der in Tadschikistan nach dem Zerfall der Sowjetunion bis
zum Waffenstillstand 1997 wütete und bis heute Nachbeben wie die
Gefechte in Charog auszusenden vermag. Tadschikische Oppositionskräfte
vor allem im Exil beschwören den Beginn eines erneuten ethnischen
Konflikts im Pamir.

Grenze
zur Provinz Berg-Badachschan: Mit dem Mord am Chef der Staatssicherheit
in der Provinz Berg-Badachschan und der darauf folgenden Operation
scheinen die alten Geister des vergangen geglaubten Bürgerkriegs wieder
geweckt. In der tadschikischen Pamirprovinz leben vor
allem Ismailiten, eine schiitische Glaubensgemeinschaft, die den Aga
Khan als den direkten Nachfolger des Propheten verehrt.
Während
der Sowjetzeit war die Gebirgsprovinz mit knapp 200.000 Einwohnern,
deren Sprache sich nach den verschiedenen Tälern unterscheidet, und die
sich ausdrücklich nicht als Tadschiken fühlen, ein Vorposten der
sowjetischen Grenztruppen an der afghanischen Grenze und wurde aus
Moskau privilegiert versorgt. Schon in der Zarenzeit hatte ein
russisches Expeditionsheer aus Osch in Kirgisistan kommend den Weg bis
in den Pamir gebahnt. Im Museum von Charog steht immer noch das Klavier,
das der russische Kommandant damals über die Berge hat schleppen
lassen.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann in Tadschikistan
der Bürgerkrieg; die Hochlandtadschiken aus dem Pamirgebirge und Garmtal
kämpften gegen die Clans der Tieflandtadschiken aus Kuljab um die
Macht.
Der Krieg wurde besonders am Anfang mit inner-ethnischer
Brutalität geführt. Als die siegreiche Volksfront der Kuljabis die
tadschikische Hauptstadt stürmte, begann eine regelrechte Hetzjagd auf
die Abkömmlinge des Hochlandes und die Pamiris. Wer sich durch den
gutturalen Akzent der Pamiris verriet oder ein bestimmtes Wiegenlied
nicht kannte, wurde an Checkpoints aus dem Bus gezerrt und erschossen.
Rettung durch den Agha Khan
Die
Opposition der Hochlandtadschiken führte von Afghanistan aus den Krieg
gegen die Zentralregierung, während die Kuljabis die Unterstützung
Russlands und Usbekistans genossen, und 1994 Emomali Rachmonow, einer
der ihren, als Präsidenten einsetzte, der bis heute regiert. Die
Pamiris, denen als Ismailiten jeder religiöser Fanatismus fremd ist,
gingen gleichwohl eine Allianz mit der von islamistischen Sunniten
dominierten Opposition ein.

In
der tadschikischen Pamirprovinz leben vor allem Ismailiten, eine
schiitische Glaubensgemeinschaft, die den Agha Khan als den direkten
Nachfolger des Propheten verehrt. Als 1997 mit dem
Aufsetzen des Friedensvertrags von Moskau die einzig legale islamische
Partei in Zentralasien in Tadschikistan die Arbeit aufnehmen konnte,
traten dieser auch viele Pamiris bei, obwohl die "Islamische Partei der
Wiedergeburt" (IPW) von Sunniten dominiert wird. Auch wenn sie mit
Muhiddin Kabiri einen ausgesprochenen modernen Vorsitzenden hat, wird
die zweite Reihe von radikaleren Strömungen kontrolliert. Pikant ist die
Tatsache, dass während der Unruhen auch der ismailitische
Parteivorsitzende der IPW im Pamir getötet wurde, und deren Stadtchef
verschollen ist.
Als die in der Ebene siegreiche Volksfront der
Kuljabis auch die Pamirprovinz erobern wollte, blockierten Freischärler
aus den Bergen die engen Zufahrtswege und retteten - so ist die
Bevölkerung im Pamir überzeugt - die Menschen vor dem Zorn der
Tieflandtadschiken.
Aber mit Straßensperrungen wurde die
Versorgung aus Tadschikistan gestoppt und die Unterstützung aus Moskau
blieb schon seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus, auch wenn die
russischen Grenztruppen bis 2004 weiterhin die Grenze zu Afghanistan und
auch den Hochpamir bewachten.
Eingeschlossen in den Tälern,
gingen die Vorräte zu Neige, der Bevölkerung drohte der Hungertod. In
der Sowjetzeit hatten nur wenige ismailitische Pamiris die Bilder des
Aga Khan versteckt. In dieser größten Not erinnerte sich der Aga Khan
seiner Anhänger. Die Aga Khan Stiftung organisierte über den
verwitterten Pamirhighway aus Osch eine Lebenslinie und versorgte die
Pamiris mit dem Notwendigsten. Als 1995 der Aga Khan selbst den Pamir
besuchte, kam die Gebirgsbevölkerung aus den Dörfern und versammelten
sich am Ufer des Pamir-Flusses, um den Nachkommen des Propheten zu
sehen.
Rückkehr des widerständigen Geists
Die
tadschikische Zentralregierung versuchte nach dem Friedensvertrag
wieder die Macht im Pamir zu erlangen, vor allem nachdem die Russischen
Grenzposten 2004 aus dem Hochgebirge abgezogen waren - aber die wahre
Autorität lag bei den Bürgerkriegskommandanten.

Präsident
Rachmonow möchte die Gunst der Stunde nutzen und die volle Souveränität
über das Pamir-Tal wieder herstellen. Doch das Gefecht in Charog zeigt
nun, dass die Regierung Schwierigkeiten hat, die Hochgebirgsgrenze zu
Afghanistan zu kontrollieren. Der Zentralregierung waren
diese selbstbewussten Feldkommandanten von der Opposition und von der
Volksfront ein Dorn im Auge. Viele erhielten wegen der Vereinbarungen im
Friedensvertrag Staatsämter, bleiben danach aber weiterhin autark und
ordneten sich nur ungern dem Präsidenten unter. Rachmon hingegen
schaltete sie schrittweise aus; entweder wurden sie getötet oder
verschwanden im Gefängnis. In den Bergen östlich der Hauptstadt konnten
sich die Kommandanten jedoch halten. Seit 2010 führt die Zentralmacht in
den tadschikischen Bergen einen verlustreichen Kampf gegen die
widerspenstigen Kommandanten.
Am 21. Juli 2012 wurde dann in der
Pamirprovinz der Chef der Staatssicherheit erstochen. Die
Zentralregierung sah eine Gelegenheit mit den widerspenstigen
Autoritäten aufzuräumen und schlug zu. Und weckte die Geister des
Bürgerkrieges.
Ein Widerhall mit einem für die Zentralmacht
gefährlichen Klang. Oppositionsgruppen sprechen von einem
Wiederaufflammen des ethnischen Konfliktes. Die tadschikische
Zentralreagierung reagiert dünnhäutig auf Meldungen in der russischen
Presse, dass die Provinz Berg-Badachschan sich von Tadschikistan trennen
und unabhängig werden könnte. Vor allem hat der Angriff dazu geführt,
dass sich viele Pamiris wieder mit den Helden aus dem Bürgerkrieg
solidarisieren. Zurzeit ist es vor allem dem Aga Kahn zu verdanken, dass
die Lage nicht eskaliert, denn er hat einen direkten Draht zum
tadschikischen Präsidenten und auch für die Pamirautoritäten ist seine
Bitte nach Ruhe Gesetz.
Russland lehnt sich bei dem Konflikt am
Pamir auffallend zurück. Der tadschikische Außenminister hatte vor der
Eskalation den Russen beschieden, dass die Verlängerung einer russischen
Militärbasis in Tadschikistan noch nicht ausgemacht sei. Das Gefecht in
Charog zeigt nun der Welt, dass die dortige Regierung Schwierigkeiten
hat, die Hochgebirgsgrenze zu Afghanistan zu kontrollieren.
Marcus Bensmann
© Qantara.de 2012
Redaktion: Nimet Seker/Qantara.de