Freitag, 23. September 2011

22. September 2011, 418


22. September, Yokahama 横浜市 nach Nara 奈良市

Der Morgen ist strahlend blau, der Taifun hier verschwunden und direkt geht das alltägliche Leben weiter. Wir wollen mit dem Bummelzug nach Nara fahren, es spart uns 100 Euro, während Alex mit dem 新幹線 nach 京都市 fährt und vorher noch 横浜市 anschaut. Das Bummelzugfahren in Japan ist eine sehr eigene Erfahrung.   

Grundsätzlich sind die Züge pünktlich und fahren in einem guten Anschlusstakt. Aber es sind im Grunde U-Bahnen von der Bestuhlung her und sie haben z.B. keine Toilette. Bei einer Umsteigezeit von manchmal nur 3 Minuten heißt das also fürs Aufs-Klo-Gehen am Bahnhof den Zug sausen lassen. Aber bei neun Stunden Fahrt geht das nicht anders. Wir machen eine kurze Mittagspause in einem der schönen Orte an der Pazifikküste und fahren dann weiter. Der 富士山 ist zu sehen, wenn auch mit einigen Wolken. Das ist der Vorteil des langsamen Zuges, er ist lange zu sehen und deswegen sind wir auch nicht die einzigen Touristen im Zug. Als wir nachmittags um 16:00 in 浜松市 sind und noch weitere fünf Stunden vor uns haben, geben wir auf und steigen in den Shinkansen um. Immerhin haben wir 40 Euro gespart. Nun sitzen wir also in einem Superexpress, der sich dadurch auszeichnet, dass er überall hält und von anderen Shinkansen-Zügen überholt wird. Dennoch ist das Sitzen bequem, es gibt Toiletten und spart uns alles in allem 2,5 Stunden. Auf diese Weise sind wir um 20:00 in 奈良市, nicht erst gegen 23:00 Uhr. Alex ist schon länger da.
Wir wollen eigentlich den kaiserlichen Palast anschauen, aber morgen ist Feiertag, so dass das nicht geht. Alex wird alleine hinfahren und wir werden durch 奈良市 laufen. Das Organisieren ist doch ziemlich anstrengend. Es hat sich eine weitere heiße Spur aufgetan, die so simpel ist, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen haben: die Gepäckaufbewahrung am Flughafen. Sie scheint auch nicht teuer zu sein. Sobald wir da Gewissheit haben, ist das Kapitel endlich abgeschlossen. Das muss es auch, denn Alex fliegt ja nun morgen und die Räder kommen übermorgen an.

Übrigens: Vor 400 Tagen waren wir in Tamsweg, vor 300 Tagen in As Suleymaniya

Mittwoch, 21. September 2011

21. September 2011, 417

21. September, 横浜市 nach 東京
 
Nach weiteren Organisationsrunden und einem weiteren Anruf bei الإمارات‎ wegen der Räder fahren wir nach 東京.   

Der Taifun soll um 15:00 in 東京 sein und wir möchten eigentlich nicht mitten drin sein. Wir sind so früh, dass es sogar trocken ist. Der Bonner Express möchte ein Foto aus 東京 von uns. Also laufen wir zum Fernsehturm.   

Vor dem Fernsehturm ist ein Tempel, der eine riesige Anlage ist und eine gute Aussicht auf den Turm gibt. Die Spitze ist tatsächlich verbogen, ein Ergebnis des schweren Erdbebens im März.
Die Versuche der Fotos sind nicht so leicht, denn schließlich tobt der Taifun heran. Also machen wir verschiedene Probefotos   



und schicken die dann nach Bonn.  

Von dort geht es zum „Rathaus“ von Tokyo, der eine Aussichtsplattform bereitstellt, die umsonst ist. Der Blick von oben überrascht. Soweit wir überhaupt in dem Regen, der inzwischen eingesetzt hat, etwas sehen können,   

ist Tokyo nur zum Teil mit Wolkenkratzern   

überzogen,     

viele Häuser sind niedrige Häuser mit kunterbuntem Design und Straßenzügen. Das überrascht dann doch.   

Der schwarze Himmel lässt uns den nächsten Zug nehmen. Die Zahl der Zugausfälle mehrt sich. Wir kommen gut nach 横浜市 und der Taifun geht doch weiter westlich an Land. Wir sind „nur“ in den Ausläufern, aber auch die zerfetzten innerhalb weniger Sekunden die Schirme    

und wir sind pladdernass.   

Den restlichen Tag verbringen wir drinnen, das Hochhaus schwankt immer wieder einmal und der Regen klatscht gegen die Scheiben. Die akustische Kulisse bildet die Mischung aus Wind und Sirenen.   

Der Taifun ist schnell, so dass er morgen wohl vorbei sein wird.
Wir sind weiter damit beschäftigt, die Rückreise zu organisieren. Das Umbuchen von Alex macht jeden „Urlaubsgedanken“ ebenso unmöglich wie jede Planung für die Ankunft in Bonn. Inzwischen sind Jürgen und Sigrid dabei, eine Idee für den Fahrradtransport innerhalb von Amsterdam zu den Mennoniten zu klären, nachdem wir den Kontakt dank der Tanzgruppe von Wolfgang haben. Daher ist unsere Stimmung gerade gleich null und es ist schwer, sich daran zu erinnern, dass wir gerade über 15.000 km mit dem Rad um die halbe Welt gefahren sind und eigentlich ganz andere Gedanken goutieren dürften als die Frage, was machen wir mit dem Gepäck wo.
Das japanische Fernsehen ist wieder einmal ein Phänomen gewesen. Wenn ein Taifun ist, dann werden viele Bilder mit Regen gezeigt. Oft auch dieselben Bilder vier oder fünfmal hintereinander. Heute Abend wurde eine Sequenz gezeigt, die reif war für ein Kurzfilmfestival: gefilmt wurde einer der vielen Männer in schwarzer Hose und weißen Hemd, der die Straße überquerte. Mitten im Orkan und Starkregen hatte er das obligatorische Handy am Ohr und in der anderen Hand seinen Schirm. Dieser wurde in dieser kurzen Frequenz vom Orkan zerfetzt während er mit den immer imposanteren Fetzten seines Schirm unberührt weitertelefonierte. Das ist ein Teil von 日本!

横浜市

東京

Gesamtkilometer

Diagramm

Übernachtungen

Diagramm

China: Kilometer und Höhenangaben


Diagramm

Datum Nr Tag Tagesziel/Ort Tages km KmH Tageshöhenmeter max. Höhe am Tag
23 296 Nura 60,1 10,3 728 3723
24 297 Karabel Daban 46,2 10,8 676 2683
25 298 Taktudulak Daban 74,1 10,5 985 2991
26 299 Kashi 139,2 17 557 2806














Dienstag, 20. September 2011

20. September 2011

20. September, Futamioura nach 横浜市
 
Der Abend ist noch länger geworden, Wolfgang und Gunda gehen im Regen zum Tempel. Oben begrüßt sie Ruhe und die Grillen. Kein weiterer Gast ist da. In der Nacht gehen die Planungen im Kopf weiter. Klar ist, heute um 10:08 fährt der Zug nach 横浜市. Heute muss Alex entscheiden, wann sie fliegt. Heute müssen wir klären, was bei einem früheren Rückflug mit den Rädern geschieht und wie wir die Zeit bis dahin verbringen.
Die Zugfahrt ist entspannend und schön.   


Draußen regnet es in Strömen, die Züge sind nicht überfüllt, es ist ruhig und sie sind pünktlich. Wir sind schnell in 横浜市 und finden die Jugendherberge, die hier Hotel heißt, und stehen fassungslos vor dem Haus: es hat 15 Stockwerke. Im Foyer begrüßt uns das Zeichen der internationalen Jugendherberge. Wir sind richtig. Die Zimmer sind echte Hotelzimmer, richtig klassisch westlich. Also zum ersten Mal seit langen wieder ein Bett, ein eigenes Bad. Das Fenster lässt sich nicht öffnen.
Alex entscheidet, den nächstmöglichen Flug zu nehmen. Gunda und Wolfgang entscheiden, eine weitere Nacht in 横浜市 zu bleiben, auch um einen Tag nach東京, wenigstens symbolisch, zu fahren. Zwei Stunden später hat Wolfgang seine Tanzfrauen angeschrieben mit der Bitte, den Kontakt nach Amsterdam zu den Mennoniten herzustellen. Gunda hat Jürgen und Theo geschrieben, mit der Frage, ob sie einen Kurztrip nach Amsterdam machen würden und Alex hat ihren Flug auf den Samstag umgebucht. Also müssen erneut die eben erst gebuchten Jugendherbergen abgesagt, neue gebucht werden. Urlaub ist das nun wirklich nicht. Am Ende haben wir eine Reservierung, wieder in 奈良市, vom Preis-Leistungs-Verhältnis her gut. Auch in der Internationalen Jugendherberge in 大阪市 war ein Platz. Alex bleibt auch eine weitere Nacht hier, fährt aber mit dem schnellen Zug nach 京都市 zum Sightseeing, Wolfgang und Gunda für 100 Euro weniger mit dem Langsamen direkt nach 奈良市. Dann haben wir einen gemeinsamen Tag in 京都市 bevor es ans Packen und dann mit Alex zum Flughafen geht. Urlaub ist das nicht und wir haben uns nun wirklich nicht vorgestellt, die letzten zwei Wochen am Telefon und im Internet mit organisatorischen Fragen zu verbringen. So scheint es aber der Situation angemessen gelöst zu sein. Es regnet immer noch, soll aber doch bald wieder aufhören.

19. September 2011

19. September, Futamioura
 
Es ist unglaublich voll. Heute ist Feiertag zur Ehre der älteren Menschen. So sind also wieder viele Familien unterwegs. Beim Schrein ist es auch schon voll und selbst auf den Steinen ist kein Platz mehr frei:    

dort sitzen über 20 Kormorane und trocknen vor sich hin.    

Wir treffen Alex am Meer und machen uns auf den Weg   

zum „伊勢神宮“, dem heiligsten Schrein in Japan. Er besteht aus einem inneren und einem äußeren Schrein. Der äußere Schrein ist auch schon recht voll, für einen Feiertag beinahe beschaulich. Wir folgen den Scharen auf dem Weg durch den wunderschönen Wald.    

Die Gebäude werden – so ist es schintoistische Tradition – alle 20 Jahre neu gebaut, direkt neben dem anderen Gebäude. Das Holz wird dann für andere Schreine verwendet. Noch ist Zeit für den nächsten Bau, 2013 wird er fertig sein. Die Architektur ist noch ohne buddhistische Einflüsse. Er beeindruckt uns sehr.   

Wir fahren anschließend mit dem wohl teuersten Bus Japans zum Inneren Schrein. Der Anweisung, man solle erst den äußeren und dann den inneren Schrein anschauen, scheinen die wenigsten zu folgen, denn hier ist es brechend voll. Busse über Busse, Autos, Massen an Menschen. Winker überall.   

Die Lenkung der Pilgerströme geschieht interessanterweise im Rechtsverkehr. Wir entscheiden, dass wir einem jungen Paar folgen, die mehr oder weniger religiös und doch sehr andächtig durch den äußeren Schrein gegangen sind.   











Es ist spannend zu sehen, dass er ihr vieles erklärt, sie aber deutlich andächtiger ist. Dank ihrer Führung sehen wir auch die Nebengebäude und kleineren Schreine am Rande. Nach all den Regenvorhersagen ist es dennoch ganz sonnig und heiß. Wir überlegen, doch noch nach 鳥羽市 zu fahren und treffen die fatale Entscheidung, zur nächsten Bahnstation zu laufen, die nah aussieht. Wir verlaufen uns, es wäre auch die falsche gewesen. Am Ende ist es einfach nur heiß, die Umgehungsstraße hat noch nicht einmal einen Supermarkt und wir sind alle genervt. Es gipfelt in der Ankündigung von Alex, dass sie ihren Flug umbuchen will, weil es ihr zu heiß ist. Ratlos und allerseits irritiert fahren wir zurück. Es gibt lange Gespräche über Missverständnisse, Erwartungen, Enttäuschungen. Es bleibt dabei, dass sie früher fährt. Daran ändern auch die Gespräche nichts. Nun gut. Wir werfen die Planung um. Die Frage mit den Rädern stellt sich neu. Es wird ein langer Abend. Irgendwann holt uns dann doch der Regen ein.

18. September, 京都市bis Futamioura

18. September, 京都市 bis Futamioura

Heute Morgen ist der Himmel wieder klar und blau, die Wolken sind zerfetzt, es ist warm und trocken. Ein wunderschöner Spätsommertag. Wir fahren mit dem Zug nach Süden, wieder nach Futamioura, wo wir für Alex das letzte freie Hotelzimmer gefunden haben und Gunda und Wolfgang in ihre Lieblings-Jugendherberge neben dem Tempel gehen.
Die Fahrt führt an den hohen Bergen nördlich vorbei, entlang zweier Flüsse und durch zwei Pass-Tunnel, auch hier sind die Berge bis 1.000 m hoch. Die Reisernte ist noch nicht beendet, überall trocknen die „Reis-Ähren“ vor sich hin. Auch hier wird Tee angebaut, dieses Jahr wird es mit der Ernte schwierig (oder auch nicht), denn er ist verstrahlt. Das Meer kündigt sich nur dadurch an, dass wir ab und an Schleusentürme sehen, Kräne und es am Horizont weit ist. Als die Berge dem Meer immer näher kommen, wissen wir, dass wir bald da sind. Heute ist Sonntag und die Flüsse sind voller Menschen mit (Tages-)Zelten neben ihren Autos. Auch einige Zeltplätze sind offen und belegt. Morgen ist Feiertag.
In Futamioura angekommen, finden wir mit der Hilfe einer vor uns her laufenden Dame eines anderen Hotels das Hotel von Alex und lösen dort eine ziemliche Verwirrung aus. Angemeldet ist nur sie und nun stehen wir zu dritt vor dem Hotel. Jeder Versuch, pantomimisch die Damen zu beruhigen, macht die Sache nur schlimmer. Schließlich wird das Reisebüro auf dem Handy eines eilig herbei telefonierten jungen Mannes angerufen. Alex kann klären, dass nur sie dort bleibt (wir überlegen in der Zwischenzeit, dass wir ja auch durchs Fenster einsteigen könnten und die zehn Kinder, die hinter uns warten, dann mitnehmen und ebenso unsere Räder….). Wir gehen einkaufen und kommen wieder, es ist immer noch eine kleine Aufregung. Als wir dann mit den Taschen abziehen, beruhigt sich die Lage. Das Hotel ist ebenfalls ein traditionelles Haus und sehr schön.
Wir wandern an den Steinen vorbei, heute steppt hier selbst nach 17:00 der Bär, und wandern zur Jugendherberge hinauf. Auch sie ist voll, nach und nach. Wir essen die Mikrowellen-Essen (leider gab es keine Nudeln zum Kochen) und bringen Alex wieder hinab. Es ist ein warmer Abend und nun wird es langsam leerer an der Strandpromenade.

Samstag, 17. September 2011

17. September, Kyoto, 413

17. September, Kyōto (jap. 京都市, -shi, im Deutschen meist Kyoto, seltener auch Kioto geschrieben)
 
Es ist erstaunlicherweise sonnig und so fahren wir früher los. Den ersten Tempel, den Nishi Hongan-ji (jap. 西本願寺), erreichen wir beinahe im Trockenen. Auch er eines der Weltkulturerbe, aber ganz alltäglich in seinem Leben. Frisch renoviert erstrahlt er und die ersten beiden Tempel sind leer und ruhig. So bekommen wir in einem der beiden Tempel ein Mittagsgebet inklusive Unterweisungsstunde mit.  





Das Hauptgebäude und Tempel ist noch hergerichtet für die 750 Jahr-Feier dieser buddhistischen Glaubensform. Daher ist der Tempel in seiner Fassade nicht so gut zu sehen. Dafür aber sonst. Als wir im großen Tempel sitzen, geht der Starkregen los und es schüttet ohne Ende. Den ersten warten wir ab, dann laufen wir los. Wir wollen noch weitere Tempel im Norden sehen und müssen dafür die Bahnstation finden. Vorbei am Großmarkt, wo netterweise zwischen den Hinweisschildern des Marktes auch das der Bahn zu finden ist,  

erreichen wir den Bahnhof. Einmal im Zug fängt es wieder an zu regnen. Wir stehen am nächsten Bahnsteig und entscheiden: nein, das ist kein Wetter, um weitere Tempel mit ihren Zen-Gärten zu erkunden, auch wenn wir wohl alleine wären. Also fahren wir zurück und sind gespannt auf die Jugendherberge, die heute voll sein soll.
Der diensthabende erzählt, dass der Taifun Nummer 15 den Regen verursacht und in Okinawa (jap. 沖縄市, -shi) ist. Der Taifun Nummer 16 folgt ihm auf den Fersen, aber die nächsten zwei Tage sollen ok sein.

16. September, Kyoto, 412

16. September, Kyōto (jap. 京都市, -shi, im Deutschen meist Kyoto, seltener auch Kioto geschrieben)
 
Vor dem Losfahren müssen wir erneut die Unterkünfte klären. Kyoto sagen wir als Übernachtung ab, es wäre ein Dreibettzimmer gewesen und wir sind zu unterschiedliche Temperaturmenschen. Alex in der Kälte, Wolfgang in der Mitte, Gunda in der Wärme. Kyoto ist voll, also bleiben wir hier, wir haben noch den Rail-Pass. Die weitere Suche gestaltet sich, manchmal auch sprachlich, mühsam. Aber unsere Jugendherbergs-Dame ist ein wahrer Schatz und macht die Telefonate auf japanisch für uns. Nach drei Stunden sind wir nicht mehr obdachlos.
Die alte Kaiserstadt. Oder eine weitere. Denn genaugenommen sind wir ja auch in einer und Wolfgang und Gunda waren schon in Kashihara (jap. 橿原市, -shi, wörtlich: Eichenebene).
Das Wetter ist immer trocken, wenn auch die Wolken bereits Regen ankündigen. Aber schon beim Anschauen des Bahnhofs, besser des Vorgebäudes, fängt der Regen an. Es ist ein irres Gebäude.  

Wir wandern durch die Stadt, machen den empfohlenen Stadtspaziergang durch das südliche Higashiyama-ku (jap. 東山区, dt. „östlicher Bergbezirk“). Mit uns tun das einige, es ist aber längst nicht so voll wie die ausgebuchten Herbergen vermuten ließen. Die Beschreibung von Kyoto ist sehr passend. Die Umgebung um den Bahnhof lässt in der Tat nicht das Gefühl aufkommen, dass es sich um eine besondere Stadt handelt. Der Blick zum Tempel, der am Berg liegt, verändert die Wahrnehmung. Wir arbeiten uns die Stufen hinauf und verstummen angesichts der schieren Größe und auch des Prunks von diesem Tempel. Unser erster besichtigter ist der Otowasan Kiyomizudera (音羽山清水寺). Wir bleiben dort eine ganze Weile, schauen den Tempel an und den Leuten zu.   






Die Terrasse ruht auf hunderten von Säulen.   

Wir folgen mehr oder wenig erfolgreich dem vorgeschlagenen Weg und schaffen es tatsächlich, ihn zu verlassen. So oder so ist der Weg schön und geht an vielen alten Häusern vorbei. Mit dem Schließen der Tempel und Museen schließt auch das touristische Leben selbst seine Pforten und so bestehen die Straßen bald nur noch aus Holz und Licht.   



Inzwischen regnet es leicht. Bald regnet es stärker und wir entscheiden, einen Bus zum Bahnhof zu nehmen und nicht weiterzulaufen (es ist eh dunkel). Wir warten auf dem Bus, im Regen, in einer Schlange. Hier steht man Schlange. Also kann sich keiner unters Dach stellen, das einen halben Meter weiter hinten ist. Der erste Bus kommt, es steigen fünf ein, dann sei er voll. Für japanische Verhältnisse. Der nächste kommt, wir sind an vierter Stelle, nass, aber mit einer guten Chance. Es geht keiner im Bus durch und so wäre der Bus wieder „voll“ gewesen, wenn nicht Wolfgang die Leute im Gang weiter nach vorne geschoben hätte. Gunda schön hinterher, empörte Blicke, dann folgen die ersten, dann alle und siehe da: bis auf zwei ist die Haltestelle leer. Geht doch!
Im Bahnhofsgebäude gibt es einen Supermarkt und einen Bereich vorher mit Essen. Es wird kräftig heruntergesetzt und so denken wir: steht 100 Yen, also wird es das wohl kosten und uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Wir nehmen drei gut aussehende, leicht überschaubare, Reis-Bento-Boxen für „100“. Der Taschenrechner sagt: 1400 noch was. Danke, wir verzichten. Also doch in den Supermarkt. Dort ist es nicht viel besser. Aber es gibt super Brot. Also essen wir  -den wohl teuersten Fisch, das beste Brot und Alex hat ein Omelette erstanden - im Zug, während draußen der erste Starkregen hernieder geht.